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Leon

Λέων

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24352
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Patrikios; Logothetes
Name normalisiert
Leon
Quelle
Sakkelion–Sakkelion, Katalogos; Marava-Chatzinicolaou–Toufexi-Paschou

T: Patrikios und Logothetes — Λέων ὁ πατρίκιος καὶ λογοθέτης (v. 11).

V: L. war in der zweiten Hälfte des 9. Jh.s der Auftraggeber und Stifter des Cod. Athen. Bibl. Nat. 212 mit Homilien des Ioannes Chrysostomos. L.s Name und Titel gehen aus dem in Majuskelbuchstaben geschriebenen Widmungsgedicht von 30 Versen auf fol. 3r hervor (Incipit: ἀνενδεὴς ὤν ...). L. stiftete den Codex für eine neuerrichtete Kirche (v. 12: ἐν τῶ νεουργηθέντι ναῶ σοι), die vermutlich dem Christos Soter geweiht war, der in dem Gedicht direkt angesprochen wird (v. 5). L. bittet Christus um Schutz vor Unglück im diesseitigen Leben (v. 15f.) und um Aufnahme unter die Geretteten im Jenseits (v. 17f.). Die Kleriker der Kirche, die aus dem von ihm gestifteten Buch Unterweisung erfahren, werden von L. aufgefordert, für ihn zu beten (v. 19-22). Das Gedicht schließt mit L.s Verfügung, daß das Buch nicht mehr aus der Kirche entfernt werden dürfe (v. 23-27), und einem Fluch für jeden, der diesem Gebot zuwiderhandele (v. 28-30). Während der Codex früher ins 10. Jh. datiert wurde (Sakkelion–Sakkelion, Vogel–Gardthausen, Perria, Lauxtermann), wird er nun in die zweite Hälfte des 9. Jh.s datiert (Marava-Chatzinicolaou–Toufexi-Paschou; ebenso Harlfinger).

Q: — (Ms.): Widmungsgedicht (30 vv.), in: Cod. Athen. Bibl. Nat. 212, fol. 3r, ed. Marava-Chatzinicolaou–Toufexi-Paschou III 19 (ältere Edition in: Sakkelion–Sakkelion, Katalogos 40f.).

L: Sakkelion–Sakkelion, Katalogos 40–42; Vogel–Gardthausen 262; Perria, in: RSBN 26 (1989) 127f.; Marava-Chatzinicolaou–Toufexi-Paschou III 17–24 (Nr. 1: Cod. 212) (Lit.); Lauxtermann, Poetry 355; Vassis, Initia 50; mündliche Mitteilung von D. Harlfinger im Juni 2011.

P: Die Autorinnen Marava-Chatzinicolaou und Toufexi-Paschou ziehen (p. 23) die Möglichkeit in Erwägung, daß es sich bei der neuerbauten Kirche um die Nea Ekklesia gehandelt haben könnte, die Kaiser Basileios I. erbaute und welche Christus, der Theotokos und den Erzengeln Michael und Gabriel geweiht war (zur Nea Ekklesia cf. Janin, Églises 361–364). Die Nea Ekklesia wurde am 1. Mai 881 durch den Patriarchen Photios (# 26667) geweiht. — In den Briefen des Patriarchen Photios gibt es einen Adressaten namens Leon (# 4514), der Logothetes war, aber noch vor Photios’ erneuter Absetzung im Herbst 886 in den Mönchsstand gewechselt sein muß. Dieser Leon, für den kein Patrikios-Titel bezeugt ist, der diesen Rangtitel aber wie viele Logotheten getragen haben könnte, käme vielleicht als Kandidat für eine Identifikation in Frage, doch bleibt dies Spekulation.

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