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Leon

Λέων

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24416
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
937
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Metropolites (Synada); Synkellos; Gesandter; Episkopos (# 24416A); Autor
Name normalisiert
Leon
Ort
Synada (Phrygien); Anatolikon; Pylai (Bithynien); Bithynien; Phrygien (KP)
Quelle
Leon von Synada, Epp.; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana; Peri Metatheseon (Darrouzès); Peri Metatheseon (Rhalles–Potles); Annales Quedlinburgenses

T: Metropolites von Synada (in Phrygien); Synkellos (des Patriarchen von Konstantinopel); Gesandter.

V: L. wurde wohl im Jahre 937 geboren (cf. Ep. 13,5, dazu Vinson, p. x). Die Nachrichten über L. entstammen im wesentlichen seinen erhaltenen Briefen. Von seinen leiblichen Verwandten wird in seinen Briefen mit Sicherheit lediglich ein Onkel (s. unten) erwähnt, der ebenfalls Bischof war. Die Identifizierung eines leiblichen Bruders (s. unten) des L. bleibt dagegen fraglich. Ferner läßt sich in seinen Briefen (Epp. 4 und 41) sein Adoptivvater (# 25080A) greifen, dessen leiblicher Sohn, der Patrikios Methodios (# 25080), folglich ein “geistlicher Bruder” (πνευματικὸς ἀδελφός) des L. war. Ein weiterer “geistlicher Bruder” des L. war der Würdenträger Myron (# 25477).

Am Stil und Inhalt seiner Briefe läßt sich ablesen, daß er über eine sehr gute (klassische und christliche) Bildung verfügte. Es verlautet jedoch nichts darüber, wo und wie er sich diese Bildung angeeignet hatte. Es bleibt ebenso im dunkeln, wann er in den geistlichen Stand getreten und wie sein Aufstieg in der Hierarchie im einzelnen verlaufen war. Er wurde aber wohl bereits einige Jahre vor 996 (in jedem Falle aber nach 976, s. Fedalto) Metropolites von Synada in Phrygien und vermutlich etwas später Synkellos des Patriarchen von Konstantinopel. Ein Brief (Ep. 43), den er in seiner Eigenschaft als Metropolit von Synada an Kaiser Basileios II. schrieb, ist unter Umständen vor 996 zu datieren. In diesem Brief geht es um ein Chrysobull, das der Metropolis von Synada von einem der kaiserlichen Vorgänger (Romanos II.?) gewährt und durch Basileios II. offenbar nicht bestätigt worden war. Das Chrysobull hatte der Kirche von Synada (vermutlich jährliche) Zuwendungen von Naturalien, nämlich Olivenöl und Wein, sowie von Geld, nämlich die Bezüge (Rogai) für die Bediensteten, beschert. L. bat nun in seinem Schreiben den Kaiser um eine Erneuerung dieser Privilegien, ohne die die Kirche von Synada nicht auskommen könne. Wahrscheinlich ist, daß das Chrysobull entweder im Zusammenhang mit der Absetzung des Parakoimomenos Basileios Lakapenos (# 20925) im Jahre 985 oder 986, spätestens aber nach der Erneuerung der kaiserlichen Anordnung zur Überprüfung aller Chrysobullia aus der Zeit zwischen 976 und 985 im Jahre 996 kassiert worden war (s. unter Basileios Lakapenos, Anm. 31). Es ist nicht überliefert, ob Basileios II. das Chrysobull auf L.s Petition hin dann doch noch bestätigte oder nicht.

Als im März/April des Jahres 996 in Konstantinopel eine Synode (wohl des Konstantinopler Patriarchats) zusammentrat, um nach einer langen Vakanz des Stuhles (991–996) einen neuen Patriarchen von Konstantinopel zu wählen, wurde L. nicht zu dieser Synode eingeladen und gelangte nicht einmal in die Stadt (Konstantinopel). Über die Gründe dafür verlautet nirgendwo etwas Genaues, vielleicht hing dies mit seiner Position als Synkellos zusammen (cf. Ep. 28). Von diesen Ereignissen zeugen zwei seiner Briefe, zum einen an die Synode (Ep. 53) und zum anderen an den Kaiser Basileios II. (Ep. 54), in denen er diesen Ausschluß beklagt. Er sei schon bis nach Pylai in Bithynien gekommen, von dort aus aber nicht nach Konstantinopel gelangt. Anscheinend fruchteten jedoch seine Petitionen nichts, und er nahm – obwohl er Metropolit und Synkellos war – tatsächlich an der Wahl des Sisinnios (# 27118) zum Patriarchen nicht teil. Dies läßt sich auch in einem anderen Brief (Ep. 28) L.s an den neuernannten Patriarchen (dessen Namen er anscheinend zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefes noch nicht kannte) greifen.

Wohl im Frühsommer des Jahres 996 wurde er mit einer diplomatischen Mission in den Westen betraut. Dabei ging es um Heiratsverhandlungen zwischen dem byzantinischen und dem ottonischen Kaiserhaus. Er traf in Rom ein, hielt sich anschließend ca. zwei Jahre im Westen auf und kehrte erst im Herbst 998 nach Konstantinopel zurück (cf. Epp. 1–13). In Ep. 2 berichtet L. von seiner Reise durch Deutschland (Φραγγία) von August bis Oktober 997, seiner Rückreise nach Rom von November 997 bis Januar 998, seinem viermonatigen Aufenthalt in Rom (Februar bis Mai 998), wo er Zeuge der Absetzung und grausamen Bestrafung des Gegenpapstes Ioannes Philagathos (# 23486) wurde. Schließlich sei er zusammen mit einem Apokrisiarios (# 31720) aus Rom abgereist und nach Hydrus (Otranto) in Unteritalien gelangt, wo er den ganzen September 998 auf einen hochrangigen, aber ansonsten unbekannten Gesandten (# 31725) gewartet habe (cf. Ep. 3; cf. Nerlich, Gesandtschaften 304). Bei diesem Gesandten handelt es sich wahrscheinlich nicht um Arnulf von Mailand (# 20579). Die Gesandtschaft L.s nach Rom wird auch erwähnt in den Annales Quedlinburgenses, jedoch ohne Namensnennung (cum Graecorum ... legatis).

Im Alter von 66 Jahren, also im Jahre 1003 (cf. Vinson, p. 117), verfaßte er eine Schrift (= Ep. 31) mit dem Titel “Testament” (διαθήκη). In dieser Schrift gesteht er rückblickend (in einer wohl als ironisch zu verstehenden Weise) die Vielzahl und Vielfalt seiner Sünden (er berechnet ihre Zahl auf 48.000!) und gibt am Ende der Hoffnung Ausdruck, dennoch in den Himmel zu kommen.

Nach 1003 liegen keine Nachrichten mehr über L. vor, so daß Ursache und Zeitpunkt seines Todes unbekannt bleiben (cf. Vinson, p. x).

W: Leon von Synada, Epp.

Q: — (Ep.): Leon von Synada, Epp. — (Fs.): Peri Metatheseon (Darrouzès) Nr. 45, p. 181; Peri Metatheseon (Rhalles–Potles) V 393,9. — (lat.): Annales Quedlinburgenses (a. 997. 998) 74; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 154,1-7 (Monticolo); IV 41 (Berto) (ohne Namensnennung).

L: ODB II 1215f.; Fedalto 167. — Schramm, Neun Briefe, in: BZ 25 (1925) 89–105; Sykutres, in: EEBS 9 (1932) 474; idem, in: EEBS 10 (1933) 425–434; Grégoire–Orgels, in: Byz 24 (1954) 177; Darrouzès, Un recueil épistolaire byzantin: le manuscrit de Patmos 706, in: REB 14 (1956) 87–121, bes. 102–105; idem, Inventaire des épistoliers byzantins du Xe siècle, in: REB 18 (1960) 122; idem, in: Épistoliers byzantins 39; N. Panagiotakes, Λέων ὁ Διάκονος, Athen 1965, 41; M. Sjuzjumov, Antičnaja drevnost’ i srednie veka 7, Sverdlovsk 1971, 141; Vinson, in: Leon von Synada, Epp., p. ix–xii (mit weiterer Literatur); Tsolakes, in: Byzantina 15 (1989) 155–160 (zum Testament = Ep. 31 ed. Vinson); Grünbart, in: Byzantina 22 (2001) 25–46; Kolovou, in: Byzantina 22 (2001) 47–52; Kolditz, Leon und Liudprand 536–572; Dölger–Müller, Regesten Nr. 784; Huschner, Transalpine Kommunikation 999 (Reg.). — Zu Synada cf. Belke–Mersich, Phrygien und Pisidien 393–395.

P: Eine Identifikation mit Leon Diakonos (# 24547) war von Sykutres und Grégoire–Orgels vorgeschlagen worden, wurde jedoch von Darrouzès, Panagiotakes und Sjuzjumov zurückgewiesen (cf. Vinson, p. xi). — Grünbart, in: Byzantina 22 (2001) 32 mit Anm. 45, hatte aus der Ausdrucksweise des L. (... συνεστέναξα ἐπὶ τῇ τελευτῇ τῆς θυγατρὸς μου) in einem seiner Briefe schließen wollen, daß es sich bei der in Ep. 38 erwähnten Tochter um eine leibliche Tochter des Metropoliten von Synada gehandelt habe. Dies verkennt jedoch die Situation: Der Bischof spricht hier lediglich von seinem geistlichen Vaterschaftsverhältnis zu der Tochter des Leon Eidikos (# 24539), des Adressaten des Briefes. Dies wird, neben sachlichen Gründen, vor allem an der Ausdrucksweise συνεστέναξα (“ich seufzte mit”) deutlich. Dies macht nämlich klar, daß Leon von Synada hier nicht der primär, sondern der sekundär (also hinzutretend) Trauernde ist. Die Annahme von Grünbart ist daher nicht zu halten.

Angehörige (anonym):

1. Onkel 24416A

T: Episkopos (wohl in der Diözese von Synada).

V: Er wird zunächst erwähnt in einem Brief seines Neffen (Ep. 29) an einen unbekannten Adressaten (# 31705), bei dem es sich anscheinend um einen ranghöheren Beamten der byzantinischen Finanzverwaltung handelte. Der Brief ist ein Dankesschreiben für ein Chrysobull, das der Bischof und Onkel des L. wohl aufgrund der Intervention des Finanzbeamten erhalten hatte, sowie für einen Brief des Finanzbeamten an einen Protonotarios (# 31706). Der Protonotarios habe daraufhin wertvolles Kirchengerät an den Bischof zurückgegeben. Aus diesen Informationen läßt sich ein fiskalischer Vorgang rekonstruieren (cf. Vinson, p. 115f.): Anscheinend hatte der Protonotarios zur Begleichung einer Steuerschuld Kirchengerät der Kirche des Bischofs konfisziert. Daraufhin hatte sich der Bischof an den Metropoliten von Synada, seinen Neffen Leon, gewandt, der wiederum eine Petition an den Vorgesetzten des Protonotarios gerichtet hatte. Der Petition wurde an höherer Stelle stattgegeben und alles Nötige für die Restitution des Kirchengeräts veranlaßt.

Aus dieser Konstellation ergibt sich zwar nicht mit absoluter Sicherheit, aber doch mit größerer Wahrscheinlichkeit, daß es sich bei dem Bischof um einen Suffraganbischof der Metropolis von Synada handelte (cf. Vinson, p. 115 und auch 126). Folglich dürfte es sich bei dem Protonotarios um den entsprechenden Beamten des Themas Anatolikon handeln, in dem die Bistümer der Diözese von Synada lagen.

Er wird ferner in einem zweiten Brief L.s (Ep. 42) an einen Richter (# 31707) erwähnt. In diesem Brief setzt L. sich wiederum für die Belange seines Onkels ein, dem (nach Ansicht L.s) von einem gewissen Dionysios (# 21561) und anderen Leuten Unrecht widerfahren war, das der Richter nun ahnden sollte. Der Gegenstand des Streits oder andere Einzelheiten lassen sich dem Brief nicht entnehmen.

In einem dritten Brief (Ep. 50) bescheinigt L. dem Adressaten (# 31708), er habe nunmehr “den Rang eines Vaters, Onkels, Beschützers und Vormunds erlangt” (εἰς πατρὸς ἔφθασας τάξιν καὶ θείου καὶ προνοητοῦ καὶ κηδεμόνος). Falls hier der leibliche Onkel gemeint sein sollte, wäre er auch der Adressat dieses Briefes. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß es sich nur um einen metaphorischen Ausdruck handelt, der kein konkretes Verwandtschaftsverhältnis zum Ausdruck bringen will.

Q: — (Ep.): Leon von Synada, Epp. 29,16f.; 42,5f.; unsicher: Ep. 50 (?).

2. Bruder 24416B

V: In zwei Briefen des L. wird ohne nähere Spezifizierung ein “Bruder” erwähnt (ὁ ἀδελφός bzw. τοῦ ἀδελφοῦ). Die Herausgeberin der Briefe nahm an, daß es sich dabei um den leiblichen Bruder des L. handelt, cf. Vinson, p. 129: “Leo most likely means his own brother”, sowie p. 130: “In the absence of any statement qualifying this relationship as a purely spiritual one, it is simplest to take τοῦ ἀδελφοῦ to mean Leo’s own brother”. S. dazu P.

Q: — (Ep.): Leon von Synada, Epp. 46,6; 47,9.

L: Vinson, in: Leon von Synada, Epp., p. 129f.

P: Ein geistliches Bruderschaftsverhältnis bedarf unserer Ansicht nach (insbesondere unter Klerikern) keiner besonderen Qualifizierung. Es besteht grundsätzlich und zwar streng genommen gegenüber allen Menschen, üblicherweise gegenüber allen Christen und insbesondere gegenüber allen anderen Angehörigen des Klerus. Vinson selbst weist (p. 129) darauf hin, daß Leon die Anrede “Bruder” in dem Sinne “geistlicher Bruder” bzw. “Bruder in Christo” auch für seine Adressaten verwendet. In den Briefen byzantinischer Kleriker dieser Zeit wird die Bezeichnung “Bruder” in den meisten Fällen für andere Angehörige des Klerus verwendet, recht häufig ist damit der Briefbote bzw. Überbringer des Schreibens gemeint. Dies könnte auch bei den beiden Erwähnungen in Epp. 46 und 47 des Leon von Synada der Fall sein. Das argumentum e silentio ist folglich genau umgekehrt zu interpretieren: Solange ein Bruderschaftsverhältnis nicht expressis verbis als “eigen” (ὁ ἀδελφός μου bzw. ἡμῶν) oder “leiblich” (ὁ σαρκικὸς bzw. κατὰ σάρκα ἀδελφὸς) spezifiziert wird, ist unter den gegebenen Umständen lediglich ein geistliches Bruderschaftsverhältnis anzunehmen.

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