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Leon

Λέων

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24419
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Eunuch
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
940
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Bas. Protospatharios; Bas. Sakellarios; Protospatharios; Patrikios ; Praipositos; Sakellarios
Name normalisiert
Leon
Ort
H.-Nikolaos-Kloster (evtl. in Kpl., nicht identifiziert); Nikolaos-Kloster (evtl. Kpl., nicht identifiziert); Kpl. (???): Nikolaos-Kloster (nicht identifiziert)
Quelle
ZN; Laurent, Corpus II; Anonymi Professoris Epp.; Mango, Cod. Vat. Regin. gr. 1; Speck, Bleisiegel

T: Basilikos Protospatharios oder nur Protospatharios und basilikos Sakellarios (ZN 216). Aus der Edition des Siegels wird nicht klar, ob der Beamte Protospatharios oder basilikos Protospatharios war. Dem Photo nach zu urteilen, könnte auf dem Siegel der Platz für ein Β für basilikos vorhanden gewesen sein, zu erkennen ist es jedoch nicht. Protospatharios, Patrikios, Praipositos und Sakellarios (Cod. Vat. Reg. gr. 1).

V: Er war zwischen 920 und 944/45, nach C. Mango um 940 (cf. Mango, Cod. Vat. Regin. gr. 1, 121–126), Adressat zweier Briefe des anonymen Lehrers (# 31049). Aus dem ersten Brief (Ep. 24) erfahren wir, daß L. ein Schüler des Lehrers gewesen war und erst vor kurzem die hohe Funktion des Sakellarios übernommen hatte. Vielleicht aus diesem Anlaß hatte er dem Lehrer, wohl als Briefgeschenk, einen großen Fisch, nämlich einen Meerwolf, geschickt. Der Lehrer bedankte sich dafür, erinnerte L. aber gleichzeitig – in einer etwas direkten Weise – an seine Verpflichtung, seinen ehemaligen Lehrer zu unterstützen. In dem zweiten Brief (Ep. 25) geht es um eine Angelegenheit, in der L. den Lehrer unterstützen sollte. Einzelheiten werden in dem Schreiben nicht genannt, über diese sollte der Überbringer (# 31033) des Briefes L. informieren.

Der Praepositos, Patrikios und Sakellarios L. stiftete in den 940er Jahren dem Hagios-Nikolaos-Kloster seines Bruders Konstantinos (# 23857) eine illuminierte Bibelhandschrift (Cod. Vat. Reg. gr. 1), und zwar nach dem Tode des Konstantinos für dessen Seelenheil. Auf f. 2v ließ L. ein Dedikationsbild malen, auf dem man ihn sieht, wie er der Jungfrau Maria den Codex überreicht. Über der Miniatur und in der Miniatur befinden sich Inschriften, die Namen und Titel des Stifters angeben. Dieser L. ist mit dem Siegler und dem Adressaten des anonymen Lehrers identifiziert worden (s. Browning; Mango; Markopoulos). In der Miniatur ist er bartlos und mit grauem Haar dargestellt, was bedeutet, daß er ein Eunuch war (was das Amt des Praipositos schon nahelegt) und daß er zu dem Zeitpunkt, als er den Codex stiftete, schon älter war. Die in der Handschrift den Illuminationen beigegebenen Epigramme (ed. Mathews, in: OCP 43 [1977] 124–132) stammen entgegen der Annahme von Mathews wohl nicht von L. selbst, cf. Lauxtermann, Poetry 44f. 193 (weist auf p. 44 auch darauf hin, daß die Mehrzahl aller Widmungsepigramme, die in kommissionierten Handschriften zu finden sind, nicht vom Auftraggeber, sondern von einem damit beauftragten professionellen Dichter stammen dürften). Die Illumination auf fol. 3r zeigt den verstorbenen Konstantinos und den Abt des Nikolaos-Klosters, Makar (# 24824), in Proskynese zu Füßen des hl. Nikolaos (für eine photographische Abb. s. z. B. Canart, in: Oriente cristiano e santità 141), während die Beischrift zwischen beiden Figuren den Konstantinos als “Bruder des Sakellarios” ausweist.

Vermutlich ist der Adressat und Stifter L. auch mit dem Siegler von ZN 216 (1. Hälfte 10. Jh.) sowie Laurent, Corpus II 769 und 770 (10. Jh.), zu identifizieren. Eine Identiät ist jedoch nicht sicher, cf. Mango, Cod. Vat. Regin. gr. 1, 121–126.

Q: — (Ep.): Anonymi Professoris Epp. 24. 25. — (Ms.): Cod. Vat. Reg. gr. 1, Epigramm auf fol. 1v, ed. Mathews, in: OCP 43 [1977] 126,7-9: Λέων, ὁ θερμὸς ἐντολῶν φύλαξ πιστὸς ταμείας τῶν ἀνακτόρων πέλων, τῆς εὐσεβείας εὐκλεῶς τὴς ἀξίας, φέρων ἑαυτῷ τὴν πρωτοσπαθαρίου πατρικίου τε καὶ τὴν τοῦ πρεποσίτου. Beischrift über dem Widmungsbild auf fol. 2v, ed. Mathews, op. cit. 126: ... παρὰ Λέοντος πραιποσίτ(ου) πατρικίου κ(αὶ) σακελλαρίου. Beischrift neben der Darstellung des Stifters im Bild (auf fol. 2v): Λέων πατρίκιος πραιπόσιτος καὶ σακελλάριος προσφέρων τὴν ἑξήκονταβίβλον τὴν ὑπεραγίαν Θεοτόκον (nach Photographie). — (Sg.): ZN 216: Λέοντι βασιλικῷ (?) πρωτοσπαθαρίῳ καὶ βασιλικῷ σακελλαρίῳ. Laurent, Corpus II 769. 770 (zweites Exemplar dazu ist Speck, Bleisiegel 149): Λέοντι πατρικίῳ πραιποσίτῳ, βασιλικῷ πρωτοσπαθαρίῳ καὶ βασιλικῷ σακελλαρίῳ.

L: ODB II 1216f., s. v. “Leo Sakellarios”. — Rahlfs, Verzeichnis Hss. AT 245f. (Sigle 55); Browning, Correspondence 429f.; Mango, Cod. Vat. Regin. gr. 1; Lemerle, Prem. Humanisme 246f. mit Anm. 12 und 13; Lemerle, Byz. Humanism 287 Anm. 13; 297 Anm. 37; T. F. Mathews, The Epigrams of Leo Sacellarios and an Exegetical Approach to the Miniatures of Vat. Reg. Gr. 1, in: OCP 43 (1977) 94–133 (Editon der Epigramme: 124–132); Steiner, Untersuchungen 36f.; S. Dufrenne – P. Canart, Die Bibel des Patricius Leo, Facsimile with introductory volume, Zürich 1988 (uns nicht zugänglich); Olster, in: Byz 64 (1994) 419–458; Mathews, in: Glory of Byzantium 88–90 (Nr. 42, mit Abb.); Byzanz. Die Macht der Bilder 109 (Abb. Nr. 92, Katalog-Nr. 50); Canart, in: Oriente cristiano e santità 140–146; Markopoulos, in: Anonymi Professoris Epp. 41*f. Anm. 23; Lauxtermann, Poetry 44f. 191–196. 348 (Nr. 81); Sideris, in: Tougher (Ed.), Eunuchs in Antiquity and Beyond, 161–175, bes. 168f; Tougher, Eunuch 153f. (Nr. 120). Nicht mehr für PmbZ II rezipiert werden konnte: P. Canart, La Bible du Patrice Lèon – Codex Reginensis Graecus 1 – Commentaire codicologique, Palèographique, Philologique et Artistique, Vatikanstadt 2011 (Studi e Testi 463), wo es auch eine Neuedition der Epigramme durch C. Mango gibt.

P: Die von A. Mai vorgeschlagene Identifikation des Handschriftenstifters L. mit dem Magistros, Anthypatos und Patrikios Leon Choirosphaktes (# 24343), der unter Leon VI. Katenenkommentare verfaßt hat, die sich auch bei Krumbacher, Litteratur 131, finden, ist abzulehnen, da Leon Choirosphaktes kein Eunuch war und niemals das Amt des Sakellarios bekleidete, cf. Mango, Cod. Regin. gr. 1, p. 122f. — Laut Browning (p. 430) ist L. auch nicht mit dem Patrikios und Logothetes Leon (# 24352) zu identifizieren, der den Cod. Athen. Bibl. Nat. 212 (s. X) mit Homilien des Ioannes Chrysostomos hat schreiben lassen. — Ein nur anonym für das Jahr 946 erwähnter Sakellarios (# 31210) könnte mit L. identisch sein. — Zur eher unwahrscheinlichen Identität mit dem Diakon und Sakellarios Leon (# 24357) siehe dort.

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