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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Lukas

Λουκᾶς

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24780
Namensvariante
Fasi (Variante); Sapi (Variante); Saphi (Variante)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
11. Jh.
Erste Erwähnung
1001
ethnos
Byzanz
Religion
Muslim
Titel / Beruf
Renegat (byz. zu Arabern); arab: Admiral; qā’id (arab.) = Befehlshaber; Caytus (lat., wohl für arab.qā’id); caitus (lat., wohl für arab.qā’id); Kaphiros (arab.); Admiral
Name normalisiert
Lukas
Ort
Tricarico (Italien); Trikarikon (Italien; Italien; Acerenza (Italien); Akerentza (Italien); Tolve (Italien); Tulba (Italien); Pietrapertusa (Italien); Petrapertusa (Italien); Bari (Italien); Unteritalien; Basilicata (Italien); Süditalien
Quelle
Guillou–Holtzmann; Lupus Protospatarius; Anonymus Barensis; Annales Barenses

N: Lupus Protospatarius nennt ihn Sapi caytus, während die Annales Barenses ihn als Saphi apostata atque caiti und der Anonymus Barensis ihn als Fasi Apostata bezeichnen (cf. dazu in P).

T: Arabischer Befehlshaber in Süditalien. Der Bezeichnung Caytus bzw. caitus u. ä. in den lateinischen Quellen liegt der arabische Begriff für Befehlshaber — arab.: qā’id zugrunde.

V: L. war offenbar vom Christentum zum Islam abgefallen (Λουκᾶ τοῦ καφίρου τοῦ καὶ ἀποστάτου) und hatte mit einer Truppe von Arabern um das Jahr 1001 die Festung Petrapertusa (Πετραπερτούσα, heute Pietrapertosa) in der Basilicata in Unteritalien besetzt, von der aus er die Umgebung brandschatzte. Er wurde von dem Katepano Gregorios Tarchaneiotes (# 22438) vertrieben. Daraufhin wandten sich die Einwohner von Tricarico (τὸ κάστρον Τρικαρίκου) an den Katepano mit der Bitte, die alten Grenzen zwischen ihrer Stadt und dem benachbarten Acerenza (Ἀκερέντζα) wiederherzustellen. Gregorios Tarchaneiotes beauftragte eine Gruppe von Untergebenen sowie fünf Einwohner des benachbarten Tolve (τὸ καστέλλιον Τούλβας) mit der Untersuchung der Angelegenheit, setzte aufgrund deren Aussagen die Grenzen zwischen den beiden Städtchen fest und legte seine Entscheidung in einem Hypomnema nieder. Dieses Hypomnema ist laut Guillou–Holtzmann 16 im Winter 1001/02 erlassen worden.

Sofern der bei Lupus Protospatarius und dem Anonymus Barensis genannte Sapi bzw. Saphi oder Fasi mit L. identisch ist, konnte dieser nach seiner Vertreibung aus Petrapertusa neue Kräfte sammeln, mit denen er im Mai 1002 Bari angriff und drei Monate lang belagerte, bis die Stadt von einer venezianischen Flotte unter dem Dogen Petrus II. Orseolus (# 26566) entsetzt wurde. Die Venezianer konnten am 10. August den Belagerungsring sprengen. Bei einer Seeschlacht im September desselben Jahres wurden die Araber wiederum geschlagen und mußten sich endgültig zurückziehen. Zu dieser Belagerung s. unter Petrus Orseolus und unter Gregorios Tarchaneiotes.

Q: — (Dok.): Guillou–Holtzmann Nr. I, p. 18,1-11. — (lat.): Lupus Protospatarius 56 (a. 1002); Anonymus Barensis 948 (a. 1002).

L: Eickhoff, Seekrieg 374 (noch ohne Kenntnis der von Guillou–Holtzmann publizierten Urkunde); Guillou–Holtzmann 12f.; Falkenhausen, Dominazione 53 mit Anm. 10; 189 (Regest Nr. 31).

P: Die Identifizierung des L. bei Guillou–Holtzmann mit dem Sapi/Saphi/Fasi der Chronisten beruht in erster Linie darauf, daß der Zusatz caytus bei Lupus Protospatarius eine gewisse Ähnlichkeit mit dem καφίρου bei Guillou–Holtzmann aufweist und daß der muslimische Protagonist in beiden Fällen, sowohl bei Guillou–Holtzmann als auch bei Lupus Protospatarius und bei dem Anonymus Barensis, als Apostat bezeichnet wird. Falkenhausen nimmt an, daß es sich bei Sapi/Saphi/Fasi um Verschreibungen des aus dem Arabischen kommenden καφίρου bzw. cafir (arab.: kāfir) handelt, das einen Andersgläubigen bzw. Renegaten bezeichnet, also dem Apostat entspricht. Zwar wird der Name Lukas (bzw. Lucas) in den Chroniken nicht genannt, aber Lupus Protospatarius berichtet, daß die Belagerung Baris bis zum Festtag des hl. Lucas gedauert habe. Der hl. Lucas wird am 18. Oktober gefeiert, während die Belagerung definitiv spätestens mit dem venezianischen Seesieg im September beendet war. Falkenhausen hält es daher für möglich, daß in der Vorlage des Lupus Protospatarius tatsächlich Lucas cafir et caytus o. ä. gestanden hat (also Lucas, der kāfir und qā’id), daß der Chronist diese Angabe aber mißverstanden hat und daher Lucas für den Namen des Heiligen hielt, an dessen Festtag die Belagerung beendet wurde, während er die beiden arabischen Titel für Namensbestandteile hielt. Diese Hypothese ist nicht unwahrscheinlich, aber auch nicht zu beweisen. — Das Datum der Belagerung Baris wird von den verschiedenen Quellen unterschiedlich angegeben: zwischen 1001 und 1004.

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