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Maria Lakapene

Μαρία

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24919
Namensvariante
Lakapene (Familienname); Eirene (Zarinnenname); Lakapenos (Familie); Lekapenos (Variante; s. Lakapenos)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Frau
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
927
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Zarin Bulgarien; carica Bl’garom’ = Zarin der Bulgaren
Name normalisiert
Maria
Ort
Bulgarien; Kpl.: Theotokoskirche von Pegai = Theotokoskirche tes Peges; Theotokoskirche von Pegai (Kpl.) = Pegekloster; Pigia (mbulg.) = Pegai; Bl’garskaa zemlja (mbulg.) = Bulgarien; Hebdomon; Evdom (mbulg.) = Hebdomon; Pegai (Kpl.); Kpl.: Pegai
Quelle
Georg. mon. cont. (Bonn); Theoph. cont. 6; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Skylitzes; Zonaras; Theod. mel.; Leon gr.; Liudprand, Antapodosis; Liudprand, legatio; Arethas, Scripta minora; Konst. Porph., DAI; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log.

N: Familienname: Lakapene; Taufname: Maria; anläßlich ihrer Eheschließung mit dem bulgarischen Zaren Petăr (# 26409) wurde sie – programmatisch – in Eirene umbenannt.

T: Bulgarische Zarin.

V: Sie war eine Enkelin des Kaisers Romanos I. Lakapenos und die älteste Tochter des Christophoros Lakapenos (# 21275) und der Sophia (# 27152), deren Vater Niketas (# 25740) ihr zweiter Großvater war. Ihre Brüder hießen Romanos (# 26840) und Michael Porphyrogennetos (# 25174), eine weitere Schwester (# 27152A) verstarb früh. Verheiratet war M. mit dem bulgarischen Zaren Petăr, mit dem sie vier Kinder hatte: Boris (# 21198); Romanos (# 26847) sowie zwei Töchter (s. unten).

Als im Herbst 927 nach langem Krieg Friede zwischen Bulgarien und Byzanz geschlossen werden sollte, verlangte der bulgarische Zar Petăr u. a. eine byzantinische Prinzessin als Frau. Man wählte M. aus, die als ausgesprochen schön galt (θεασάμενοι δὲ τὴν ... Μαρίαν καὶ μεγάλως ἐπ᾿ αὐτῇ ἀρεσθέντες). Die Hochzeit fand am 8. Oktober 927 in der Muttergotteskirche in Pegai bei Konstantinopel statt und zog sich über mehrere Tage hin. Zunächst zog der Patriarch Stephanos (# 27245) zusammen mit dem Protobestiarios Theophanes (# 28087), M. und dem gesamten Senat in die Kirche ein. Dort segnete der Patriarch die Ehe ein, wobei Theophanes und der bulgarische Würdenträger Georgios Sursubules (# 22137) als Trauzeugen fungierten. Nachdem es ein feierliches Festmahl gegeben hatte, kehrte der Protobestiarios mit M. in die Stadt zurück. Am dritten Tag gab es ein feierliches Bankett bei Pegai, wobei die Bulgaren einen gewissen Skandal erregten, weil sie darauf bestanden, dem Mitkaiser Christophoros vor dem eigentlich ranghöheren Mitkaiser Konstantinos VII. zu akklamieren.

M. wird auch in dem Schreiben des Arethas von Kaisareia (# 20554) an Kaiser Romanos I. Lakapenos erwähnt (τὸ ἀπὸ τῆς βασιλείου ὀσφύος εὐγενῆς βλάστημα), in dem Arethas den Kaiser zum Friedensschluß mit den Bulgaren und zur Eheschließung der Prinzessin beglückwünscht.

Nachdem die Feierlichkeiten abgeschlossen waren, zog M. mit den Bulgaren in ihre neue Heimat, wobei der Protobestiarios Theophanes und ihre Eltern sie bis zum Hebdomon begleiteten. Die Chroniken berichten, daß M. einerseits sehr getrauert habe, da sie ihren geliebten Eltern, ihren Verwandten und den kaiserlichen Palästen Konstantinopels entrissen wurde, andererseits aber auch voller Freude gewesen sei, da sie nun als Frau des bulgarischen Basileus zur Herrin der Bulgaren geworden sei. So zog sie nach Bulgarien, begleitet von einer Vielzahl an Schätzen und Gerätschaften: ἀπῄει τοίνυν πλοῦτον ἐπικομιζομένη λαμπρὸν καὶ παντοδαπῆ καὶ σκευὴν ἀναρίθμετον (Georg. mon. cont. [Bonn]) (1). Eine entstellte Version der Ereignisse bietet Eutych. Alex., demzufolge M. nicht die Enkelin, sondern eine Tochter des Romanos Lakapenos mit dem Zaren verheiratet worden sei. Der bulgarische Zar habe ursprünglich um die Hand der Schwester des Konstantinos VII. für seinen Sohn angehalten, was wiederum zum Ausbruch von Kriegen zwischen Byzanz und Bulgarien geführt habe. Erst die angeblich durch den Patriarchen Nikolaos I. veranlaßte Mitkaiserschaft des Romanos Lakapenos und die Heirat von dessen Tochter (recte: Enkelin) mit dem bulgarischen Zaren habe zu einer Beruhigung der Konflikte geführt (2).

Wie die Chroniken berichten, besuchte M. im Herbst 931 oder wenig später zusammen mit drei Kindern Konstantinopel, um ihren Vater und Großvater zu sehen. Jedoch war ihr Vater unterdessen gestorben. Mit reichen Geschenken ihres Großvaters (wohl des Kaisers Romanos I.) kehrte sie ehrenvoll nach Bulgarien zurück (3).

Über ihre späteren Jahre ist nichts überliefert. Laut Skylitzes starb sie wahrscheinlich in der ersten Jahreshälfte 963 (4).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 23, p. 413,12 – 415,9; Symeon log. (Leon gr. 316,18 – 317,21; Theod. mel. 225,2 – 226,14; Symeon sl. 137,7-39); Symeon log. (Wahlgren) 136,364-403; Georg. mon. cont. (Bonn) 905,5 – 907,5; Georg. mon. cont. (Muralt) 1168C–1172A; Georg. mon. cont. (Istrin) 55,34 – 56,33; Skylitzes, Romanos Lakapenos 18, p. 223,35 – 224,60; Ps.-Symeon 740,23 – 741,15 (verkürzt); Zonaras XVI 18, p 474,4-7 (verkürzt und ohne Namensnennung); ebenfalls verkürzt: Liudprand, Antapodosis III 38, p. 92,3-9; idem, Legatio 16, p. 184,13-17. — (2) Eutych. Alex. II 82,9f.; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 26. — (3) Theoph. cont. VI 35, p. 422,10-15; Symeon log. (Leon gr. omisit; Theod. mel. 231,3-7; Symeon sl. 140,19-23); Symeon log. (Wahlgren) 136,520-525; Georg. mon. cont. (Bonn) 913,6-11; Georg. mon. cont. (Muralt) 1180A; Georg. mon. cont. (Istrin) 60,6-10. — (4) Skylitzes, Basileios und Konstantinos 5, p. 255,73f.; die Datierung auf 963 ergibt sich nur aus der Einordnung dieser Nachricht innerhalb der Chronik.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt; Istrin); Ps.-Symeon; Zonaras. — (Fs.): Konst. Porph., DAI 13,147f. (ohne Namensnennung). — (Ep.): Arethas, Scripta minora Nr. 31, I, 266,1f. — (lat.): Liudprand, Antapodosis; idem, Legatio. — (arab.): Eutych. Alex.

L: ODB II 1203f. s. v. “Lekapenos”. — Kresten–Müller, Samtherrschaft 19 mit Anm. 40 (zur Datierung der Hochzeit); 49 mit Anm. 148; 57f. 65. 83; Stammbaum nach p. 88; Georgieva, in: ByzBulg 9 (1995) 166–170; Kresten, Arklai 38; Panagopoulou, Gamoi 131–139. — Zu dem Friedensvertrag s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 612 (vor 8. Oktober 927).

P: Die Datierung der Reise M.s nach Konstantinopel 931 gibt Probleme auf: Die Chroniken vermitteln den Eindruck, daß M. ihren Vater und Großvater besuchen wollte, also glaubte, daß beide am Leben seien. Ihr Vater sei jedoch schon gestorben. Daraus folgt, daß die Reise nicht später als im Herbst 931 angetreten worden sein kann, da Christophoros im August diesen Jahres verstorben war. Die Reise wird jedoch erst nach der (korrekt datierten) Weihe des Theophylaktos erzählt, also nach dem Februar 933. Sollte 931 als Datum korrekt sein, müßten die drei Kinder, unter denen wahrscheinlich ihr ältester Sohn Boris und zwei Töchter zu verstehen sind, zwischen 928 und 931 geboren sein, was zwar etwas knapp, aber nicht unmöglich wäre. Schwerer verständlich wäre dann aber, daß M.s Vater Christophoros, wie z. B. von Kresten–Müller, Samtherrschaft 49, angenommen, um etwa 900 oder kurz zuvor geboren worden sein soll. In diesem Fall müßte Christophoros mit 15 Jahren geheiratet haben. Selbst dann könnte Maria 928 nicht älter als zwölf Jahre gewesen sein, und es ist schwer vorstellbar, daß sie im Alter von zwölf bis fünfzehn bereits drei Kinder geboren haben soll. Entweder ist also Christophoros früher geboren als allgemein angenommen oder aber die Reise hat erst später stattgefunden, dann wahrscheinlich nach der Weihe des Theophylaktos im Jahre 933.

Angehörige (anonym):

1. Zwei Töchter 24919A

V: Folgt man der Darstellung der Chroniken, dann reiste Maria-Eirene zwischen 931 und etwa 933 mit drei Kindern nach Konstantinopel, um ihren Vater und ihren Großvater zu besuchen. Christophoros war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, so daß die Reise kurz nach seinem Tod stattgefunden haben müßte, da die Chroniken den Eindruck vermitteln, daß Maria-Eirene von seinem Tod noch nichts wußte. Der älteste Sohn Boris und die beiden Töchter müßten demnach zwischen 928 und 931 geboren sein (s. dazu oben in P).

Q: — (Hist.): Theoph. cont. VI 35, p. 422,10-15; Symeon log. (Leon gr. omisit; Theod. mel. 231,3-7; Symeon sl. 140,19-23); Symeon log. (Wahlgren) 136,520-525; Georg.mon. cont. (Bonn) 913,6-11; Georg. mon. cont. (Muralt) 1180A; Georg. mon. cont. (Istrin) 60,6-10.

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