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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Muḥammad b. Ṭuġǧ al-Iḫšīd

Ralph-Johannes Lilie , Claudia Ludwig , Beate Zielke and Thomas Pratsch

T: Statthalter von Ägypten und Syrien (933–946) — arab.: amīr. In Konst. Porph., De cerim., als Amerimnes — ἀμεριμνῆς bezeichnet.

V: 934 gab es Streit zwischen den melkitischen Christen Ägyptens und M., der u. a. den Kirchenbesitz in Tanis (Tinnīs) beschlagnahmte und den dortigen Bischof zwang, seine Liegenschaften zu verkaufen (s. unter Theophilos [# 28153]).

Ibn Sa‘īd überliefert unter dem Jahr 325 a. h. (19.11.936 – 7.11.937) ein Schreiben des M. an Romanos I. Lakapenos. Diesem ist zu entnehmen, daß zwei byzantinische Gesandte, Nikolaos (# 25952) und Isaakios (# 23554), eine Gesandtschaft nach Ägypten geleitet hatten, bei welcher M. kostbare Geschenke und ein Brief des byzantinischen Kaisers überbracht worden waren. Der Inhalt des kaiserlichen Briefes kann aus dem Antwortschreiben des M. rekonstruiert werden: Romanos schlug M. vor, einen Gefangenenaustausch abzuhalten, und betonte gleichzeitig die superiore Stellung des Kaisers gegenüber einem Untertanen des Kalifen, der M. sei. Üblicherweise verkehre der Kaiser mit niemandem außer mit dem Kalifen, doch wegen seiner Wertschätzung für M. habe er ihn zu einer Korrespondenz auserwählt, was einen besonderen Gnadenerweis darstelle. In seinem Antwortschreiben akzeptierte M. den Vorschlag eines Gefangenenaustausches. Wahrscheinlich ist die im Brief des M. genannte byzantinische Gesandtschaft identisch mit derjenigen, die im Kitāb al-‘uyūn unter dem Jahr 326 a. h. (8.11.937 – 28.10.938) erwähnt wird. Eine genaue Datierung der Gesandtschaft ist nicht möglich, wahrscheinlich ist aber, daß sie im Herbst 937 stattgefunden hat (1).

Im Herbst 938 fand dann am Fluß Lamos (al-Lāmus) ein Gefangenenaustausch zwischen den Byzantinern auf der einen und M. und dem ‘abbāsidischen Kalifen ar-Rāḍī (# 26799) auf der anderen Seite statt. Die Aufsicht über den Gefangenenaustausch hatten Ibn Warqā’ aš-Šaybānī (# 22705) und Bašīr aṯ-Ṯamalī (# 21132). Innerhalb von 16 Tagen wurden 6.300 muslimische Männer und Frauen ausgelöst. 800 Muslime blieben aber noch in byzantinischer Kriegsgefangenschaft, und der Friedensvertrag wurde um sechs Monate verlängert. In diesem Zeitraum wurden die Gefangenen in mehreren Treffen am Fluß Podandos (al-Budandūn) ausgelöst (2).

Im Frühsommer 946 schickte M., der sich zu diesem Zeitpunkt in Damaskus aufhielt, eine Gesandtschaft nach Konstantinopel, die über einen weiteren Gefangenenaustausch verhandeln sollte. Über den Aufenthalt dieser Gesandtschaft, die über Tarsos nach Konstantinopel reiste, liegt ein Protokoll im Zeremonienbuch vor, aus dem die Datierung des Empfangs auf den 13. Mai 946 hervorgeht. Daraufhin entsandte der byzantinische Kaiser im Sommer 946 eine bei Mas‘ūdi erwähnte, von Ioannes Mystikos (# 22938) geleitete und vom arabischen Gesandten Abū ‘Umayr ‘Abdalbāqī (# 20086) begleitete Gegengesandtschaft, um die letzten Einzelheiten des Gefangenenaustauschs zu verhandeln. Die Gesandtschaft erreichte M. kurz vor dessen Tod am 8. Ḏū l-Ḥiǧǧa 334 a. h. (11.7.946), der demnach in die Zeit des Aufenthalts der byzantinischen Gesandten in Damaskus fiel (3). In der Folge setzte der Ḥamdānide Sayfaddawla (# 26998) die Verhandlungen fort und schickte eine weitere Gesandtschaft unter der Leitung des Delemikes (# 21448) nach Konstantinopel. Dessen Aufgabe dürfte es gewesen sein, in Konstantinopel anzuzeigen, daß nach dem Tod des M. jetzt die Ḥamdāniden für die Durchführung des Gefangenenaustauschs verantwortlich waren. Auch diese Gesandtschaft wird im Zeremonienbuch erwähnt. Der Austausch selbst fand dann im Oktober 946 am Fluß Lamos statt. Tatsächlich übernahm in der Folge Sayfaddawla schnell die Herrschaft über das Grenzgebiet, denn schon kurz nach dem Tod des M., im Ṣafar 335 a. h. (1.–29.9.946), nahm er Damaskus und ar-Ramla ein (Einzelheiten und Quellen unter den genannten Personen).

Anmerkungen: — (1) Ibn Sa‘īd 18,24 – 23,26 (Tallqvist); Übers.: Canard, Lettre ... à l’empereur Romain Lécapène 195–205; Kitāb al-‘uyūn 319,8-13; zu der Gesandtschaft cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 632 (Beihammer). — (2) Mas‘ūdī, Tanbīh 193,16 – 194,2; Maqrīzī, Ḫiṭaṭ II 192,17-20; Yaḥyā [p. 12] p. 710 (PO 18,5); 1:1, p. 30 (Pirone) (ohne Nennung des M.); Ibn al-Aṯīr VIII 352,5-9; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 156 (ohne Nennung des M.). Weitere Quellen s. unter Bašīr aṯ-Ṯamalī. Datierung bei Mas‘ūdī in das Ende des Ḏū l-Qa‘da 326 a. h. (30.8. – 28.9.938) und in den Ḏū l-Ḥiǧǧa 326 a. h. (29.9. – 28.10.938). Cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 633a. 633b (Beihammer). — (3) Konst. Porph., De cerim. II, Index capitum, p. 510f.; II 15, p. 570,14; zum Aufenthalt der beiden Gesandtschaften in Konstantinopel s. p. 570,11 – 594,14 (Reiske); Mas‘ūdī, Tanbīh 194,14f.; Übers: Vasiliev, Arabes II 2, p. 407; Mas‘ūdī, Murūǧ II 318,4-7; Maqrīzī, Ḫiṭaṭ II 192,27-29; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 653 (Beihammer).

Q: — (Fs.): Konst. Porph., De cerim. — (arab.): Ibn Sa‘īd al-Maġribī; Kitāb al-‘uyūn; Mas‘ūdī, tanbīh; Mas‘ūdī, Murūǧ; Maqrīzī, Ḫiṭaṭ; Ibn al-Aṯīr; Yaḥyā.

L: EI2 III, s. v. “Muḥammad b. Ṭughdj” (Bacharach). — Canard, Lettre ... à l’empereur Romain Lécapène 189–209; Stern, in: JOAS 80 (1960) 223; Runciman, Romanos 143; Vasiliev, Arabes II 1, p. 279–283; Toynbee, Constantine 392; Forsyth, Yahya 344f.; Byzantine Diplomacy 138f.; Bosworth, in: JOAS 3–4 (1991–1992) 16; Campagnolo-Pothitou, Échanges 19. 44; Kresten, Staatsempfänge 13–34 (mit ausführlicher Diskussion der früheren Lit.); Dölger–Müller, Regesten Nr. 554a. 632. 633a. 633b. 653. 653b (Beihammer). — Zum Briefwechsel zwischen Romanos Lakapenos und M. cf. Shboul, Attitudes 118f.; 121; Gil, Palestine 316–325; Beihammer, in: BZ 95 (2002) 13f. 27–30; Halm, Kalifen 222.

P: Zur Identität des in De cerim. nur anonym angeführten “amerimnes” mit M. cf. ausführlich Kresten, Staatsempfänge 15f. Anm 43; 22 Anm. 73. In der Literatur wird sonst allgemein der Amiras von Tarsos als Entsender der Gesandtschaft genannt, cf. jedoch die Argumentation bei Kresten.

QuelleSource

Downloaded on 9.12.2022 from https://www.degruyter.com/database/PMBZ/entry/PMBZ27597/html
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