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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Nikephoros Xiphias

Νικηφόρος

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
25661
Namensvariante
Xiphias (Familienname); K‘sip‘e (georg.); Niqfūr al-Iksifāws (arab.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
11. Jh.
Erste Erwähnung
1000
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Strategos Anatolikon = wālī balad an-Nāṭulīq (arab.); Patrikios; Strategos Philippupolis; Bas. Protospatharios; Strategos Thrakien und Ioannupolis; Strategos Ioannupolis; Protospatharios; bitriq: biṭrīq (arab.) = Patrikios bzw. Befehlshaber ; Patrikios bzw. Befehlshaber = biṭrīq (arab.); wari balad an-Natuliq: wālī balad an-Nāṭulīq (arab.) = Statthalter der Provinz Anatolien (also wohl Strategos von Anatolikon); wali: wäl" (arab.) (Statthalter) (der Provinz von Anatolien: balad an-Natuliq: balad an-Nä†ul"q).; Strategos Thrakien; Monachos = rāhib (arab.); rahib: rāhib (arab.) = Monachos
Name normalisiert
Nikephoros
Ort
Plsikova (Makedonien); Preslav: Groß-Preslav; Philippupolis (Bulgarien); Ioannupolis (= Preslav); Preslav (= Ioannupolis); Preslav : Klein-Preslav; Triaditza (Bulgarien); Boio (Bulgarien); Serbia (Epeiros); Soskos (Epeiros); Antigonosinsel; Moglena; Kappadokien (L); Rodantos; Kpl.: Studioskloster; Studioskloster (Kpl.); Anatolikon (T) = an-Nāṭulīq (arab.); Natuliq: an-Nāṭulīq (arab.) = Anatolikon (T); Donau; Thrakien und Ioannupolis (T 971–976); Pliskova (Makedonien); Kleidion-Paß
Quelle
Skylitzes; Zonaras; Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Chronik von K‘art‘li; Yaḥyā; Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Sumbat D.; ‘Aẓīmī; Jordanov, Preslav; Jordanov, Corpus III; Jordanov, Corpus II; Jordanov, Corpus I

N: Familienname: Xiphias — Ξιφίας, georg.: K‘sip‘e (Georgische Chronik); arab.: Niqfūr al-Iksifāws (Yaḥyā und ‘Aẓīmī).

T: Basilikos Protospatharios und Strategos von Thrakien und Ioannupolis (Siegel); Protospatharios (1000); Patrikios bzw. Befehlshaber — arab.: biṭrīq (1022). N. befehligte als General mehrere Feldzüge und war in verschiedenen Provinzen als Strategos tätig. U. a. war er Statthalter der Provinz von Anatolien (also wohl des Themas Anatolikon) — arab.: wālī balad an-Nāṭulīq (so Yaḥyā); nach 1022 Mönch — arab.: rāhib.

V: Ein Verwandter war wahrscheinlich Alexios Xiphias (# 20246), der im Zeitraum 1006/07 als Katepano in Italien belegt ist.

Im Jahre 1000 (6508 a. m.; 13. Indiktion) befehligten der Patrikios Theodorokanos (# 27615) und der Protospatharios N. gemeinsam eine Armee, die die bulgarischen Städte Groß-Preslav und Klein-Preslav (an der Mündung der Donau) sowie Pliskova (in Makedonien, westlich von Thessalonike) eroberte: τήν τε μεγάλην εἷλε Περσθλάβαν καὶ τὴν μικρὰν καὶ τὴν Πλίσκοβαν (1).

Wenig später trat Theodorokanos aus Altersgründen von seinem Amt als Strategos von Philippupolis zurück, und Kaiser Basileios II. ernannte N. zu dessen Nachfolger: ἐν δὲ Φιλιππουπόλει τὸν πρωτοσπαθάριον Νικηφόρον τὸν Ξιφίαν στρατηγεῖν ἔταξε (2).

Bei dem großen byzantinischen Sieg über den Zaren Samuel (# 26983) am 29. Juni 1014 am Kleidion-Paß war auch N. dabei, der eine Umgehungsaktion durchführte, durch die die bulgarischen Verteidiger des Passes im Rücken gefaßt wurden, woraufhin sie den Widerstand aufgaben und flohen. Auch zu diesem Zeitpunkt kommandierte er noch als Strategos in Philippupolis (3).

Nach dem Tod Samuels im Oktober 1014 und der Einnahme von Edessa (Vodena) intensivierte Basileios II. die byzantinischen Anstrengungen und schickte N. zusammen mit Konstantinos Diogenes (# 24045) aus, um die Stadt Moglena und die umliegende Region zu erobern. Er selbst kam hinterher und nahm die Stadt nach umfangreichen Vorbereitungen ein (4).

Im Jahre 1016 führte N. ein Heer gegen die Region Triaditza und nahm hierbei die Festung Boio (τὸ ἔρυμα, ὃ Βοιὼ καλεῖται) durch Belagerung ein (5).

Nach dem Zusammenbruch des bulgarischen Widerstands im Frühjahr 1018 erhielt N. die Aufgabe, die Festungen Serbia und Soskos zu schleifen, was er mit Erfolg durchführte (6).

Im Jahre 1022 rebellierte N. zusammen mit Nikephoros Phokas (# 25675) gegen Kaiser Basileios II. Beide stellten in Kappadokien und Rodantos eine Truppe auf, was für Basileios II. eine ernste Gefahr darstellte, da der Kaiser mit seinem Heer im Frühjahr von Trapezunt aus in die Region Basean gegen den georgischen König Giorgi I. (# 22309) marschiert war, denn die Aufständischen befanden sich offenbar im Rücken des kaiserlichen Heeres und sollen auch mit König Giorgi in Verbindung gestanden haben. Der Kaiser verschanzte sich angesichts der Gefahr, in die Zange genommen zu werden, in der Festung Mazdat (Mastaton). Von dort schickte er einen Boten (# 31994) zu den Verschwörern, der den Auftrag hatte, zu versuchen, beide gegeneinander aufzuwiegeln. Dies gelang, und N. ließ am 15. August 1022 den Nikephoros Phokas durch einige Leute (# 30604) töten. Nachdem der Kaiser hiervon erfahren hatte, ließ er N. durch Theophylaktos Dalassenos (# 28254) gefangennehmen und gefesselt nach Konstantinopel bringen. Dort wurde er auf Befehl des Protonotarios Ioannes (# 23371) zum Mönch geschoren und in ein Kloster auf der Antigonosinsel verbannt. N.s Anhänger wurden gefangengenommen und ihr Vermögen wurde konfisziert.

Etwas abweichend berichtet Yaḥyā, daß Basileios II. zwar den Protospatharios und Drungarios Theophylaktos Dalassenos (# 28254) als Statthalter (Strategos?) nach Anatolikon geschickt habe, um die beiden Aufständischen gegeneinander aufzuwiegeln; der eigentliche Grund, warum N. den Nikephoros Phokas habe umbringen lassen, sei jedoch seine Eifersucht auf den großen Zustrom von byzantinischen Verbündeten auf der Seite des Phokas gewesen. Am 14. Ǧumādā I 413 a. h. (15.8.1022) sei es zu einem Treffen zwischen N. und Nikephoros Phokas gekommen, bei dem Phokas von einem Diener (# 31992) des N. mit einem Haken niedergestreckt worden sei. Nach dem Tod des Phokas seien alle Leute geflohen, die sich mit den Rebellen verbündet hatten, so daß N. um sein Leben fürchtete und ebenfalls floh. Er schickte dem Kaiser den Kopf des Phokas und versicherte ihm, daß es von Anfang an sein Plan gewesen sei, den Rebellen zu töten. Als jedoch Theophylaktos Dalassenos von der Flucht des N. erfuhr, verfolgte er ihn und ließ ihn gefangennehmen und nach Konstantinopel bringen, wo er zum Mönch geschoren und auf die Antigonosinsel verbannt wurde. Dies tat Basileios II. angeblich aus Achtung für die Dienste, die N. ihm zuvor auf den Bulgarien-Feldzügen geleistet hatte. Außerdem habe der Kaiser N. am Leben gelassen, weil dieser zuweilen von Melancholie ergriffen wurde. Basileios habe sich zwar seiner Güter bemächtigt, habe aber dennoch nicht aufgehört, ihn zu respektieren (7).

Laut Yaḥyā soll Konstantinos VIII. nach seinem Regierungsantritt sämtliche Verbündeten des N. sowie des Nikephoros Phokas wieder freigelassen haben (8).

Unter Kaiser Romanos III. Argyros (1028–1034) wurde er aus der Verbannung zurückgerufen, trat jedoch freiwillig als Mönch in das Studioskloster in Konstantinopel ein.

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Basileios 26, p. 343,83 – 344,88. Nach der Eroberung Bulgariens unter Ioannes I. Tzimiskes 971 wurde Preslav in Ioannupolis umbenannt. Es fiel dann 976 an die Bulgaren zurück und wurde erst um 1000 wieder byzantinisch. — (2) Skylitzes, Basileios 29, p. 345,38-40. — (3) Skylitzes, Basileios 35, p. 348,21-24; Zonaras XVII 9, p. 563,11-18 (ohne Namensnennung). — (4) Skylitzes, Basileios 37, p. 352,23-32. — (5) Skylitzes, Basileios 38, p. 354,84-87. — (6) Skylitzes, Basileios 43, p. 364,67f. — (7) Skylitzes, Basileios 45, p. 366,34 – 367,54. 64f.; Zonaras XVII 9, p. 567,13-18 (verkürzt); Yaḥyā [p. 94–97; 100f.] p. 462–465; 468f. (PO 47,4); 15:31-35, p. 324f.; 15:40, p. 328 (Pirone); Erwähnung, daß Basileios II. N. und Nikephoros Phokas bekämpft und schließlich umgebracht habe, bei ‘Aẓīmī 326,4, unter dem Jahr 414 a. h. (26.3.1023 – 14.3.1024); Georgische Chronik, Chronik von K‘art‘li [Qx286f.], engl. Übers. Thomson: the Dalassanites enticed him to their fortress ... exiled him to a certain island. Ohne Erwähnung N.s s. auch Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 3, [33] p. 16–18 (Canard–Berbérian). — (8) Yaḥyā [p. 114f.] p. 482 (PO 47,4); 15:71, p. 336f. (Pirone).

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras. — (georg.): Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Sumbat D., § 60 [Ar55; Qx383f.], p. 364 (Rapp); p. 476f. (Pätsch); Georgische Chronik (K‘art‘lis C‘xovreba), Chronik von K‘art‘li, cap. 52 [Qx286–287], p. 283 (Thomson); p. 361 (Pätsch). — (arab.): Yaḥyā; ‘Aẓīmī. — (Sg.): Jordanov, Preslav 250 = idem, Corpus I 35.18 = II 526 = III 1267. 1268: Νικηφόρος βασιλικὸς πρωτοσπαθάριος καὶ στρατηγὸς Θρᾴκης καὶ Ἰωαννουπόλεως ὁ Ξιφίας.

L: Stephenson, Balkan frontier 59. 63. 71–73. 76 (zu N.s Tätigkeit auf dem Balkan); Rapp, Georgian Historiography 400.

P: Die armenischen Quellen, die von der Rebellion im Jahr 1022 berichten (Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 3, [33] p. 16–18 [Canard–Berbérian]; Matthäus von Edessa I, cap. 51, p. 46f. [Dostourian]; Vardan, cap. 51 [92]), erwähnen nur Nikephoros Phokas, nicht aber N. Diesen Quellen zufolge ließ der armenische Fürst David Arcruni (# 21441) den Nikephoros Phokas umbringen, s. unter David Arcruni.

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