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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Otto III.

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
26213
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
980
ethnos
Deutschland
Religion
Lateiner
Titel / Beruf
Kaiser (römisches Reich); König (Deutsches Reich); rex (Deutsches Reich); Imperator (römisches Reich)
Name normalisiert
Otto
Ort
Rom (Italien); Gargano (Italien); Erzengel-Michael-Kloster (Gargano); Serperi; Gaeta
Quelle
Leon von Synada, Epp.; Vita Nili (BHG 1370); Arnulfi gesta; Landulphi historia; Annales Quedlinburgenses; Annales Hildesheimenses

T: Ostfränkisch-deutscher König (983–1002 [bis 994 unter Vormundschaft]) und römischer Kaiser — Imperator Romanorum (21.5.996 – 24.1.1002).

V: Sohn Ottos II. (# 26212) und der byzantinischen Adeligen Theophano (# 28127), einer Verwandten des Kaisers Ioannes I. Tzimiskes. Geboren wurde O. im Juni oder Juli 980. Im Mai 983 ließ sein Vater ihn in Verona zum König wählen. Von dort wurde O. nach Aachen gebracht, wo er am 25. Dezember 983 zum König gekrönt wurde. Nach dem Tode seines Vaters Otto II. am 7. Dezember 983 in Rom, der in Aachen aber erst nach O.s Königskrönung bekannt wurde, ging die Herrschaft auf O. über. Zunächst stand der keine vier Jahre alte König unter der Regentschaft Heinrichs des Zänkers (bis zum 29. Juni 984), dann unter der seiner Mutter Theophano, bis diese im Jahre 991 starb, schließlich unter der seiner Großmutter Adelheid (# 20109). Im September 994 übernahm er dann selbst die Regierungsgeschäfte.

In den griechischen Quellen findet O. kaum Berücksichtigung. Der Metropolit Leon von Synada (# 24416), der sich als byzantinischer Gesandter von 996 bis 998 in Rom aufhielt, erwähnt ihn in einem Brief (Ep. 12,51) namentlich.

Mit Byzanz kam O. trotz seiner offenkundigen Vorliebe für die griechisch-römische Kultur und trotz einiger Gesandtschaften in der Tagespolitik kaum in Berührung. Zwar wurde im Zuge der Affäre um den Gegenpapst Iohannes Philagathos (# 23486) diesem nachgesagt, er habe das Kaisertum auf die Griechen übertragen wollen: De quo dictum est quod Romani decus imperii astute in Graecos transferre temptasset (Arnulfi gesta I 11–12, p. 9,44 – 10,13). Jedoch ist dies spätere Propaganda. Tatsächlich kollidierten in diesem Konflikt die Interessen des stadtrömischen Adels mit denen des ottonischen Kaisers, während Byzanz allenfalls am Rande involviert war. In den Jahren 996/97 verhandelte O. über die Heirat mit einer byzantinischen Prinzessin (Arnulfi gesta I 9, p. 9,7: Otto ... qui Graecae mulieris adeptus contubernium), wobei Ioannes Philagathos als Gesandter fungierte, jedoch ohne Ergebnis.

Im Jahre 997 wurde der von O. eingesetzte Papst Gregor V. (# 22324) von der stadtrömischen Partei unter Crescentius (# 21352) aus der Stadt vertrieben und Iohannes Philagathos als Papst Iohannes XVI. eingesetzt. Als Reaktion darauf marschierte O. nach Rom, unterwarf die gegnerische Partei mit Gewalt und ließ Crescentius hinrichten, Ioannes Philagathos die Augen ausstechen sowie Nase und Ohren abschneiden und ihn in einem Schmähumzug durch Rom führen. Gregor V. kehrte als Papst nach Rom zurück.

Auch in der Vita Nili (BHG 1370) wird diese Episode erwähnt. Danach habe Neilos von Rossano (# 25503) seinen Landsmann Iohannes Philagathos (beide stammten aus Rossano in Kalabrien) nach dessen Erhebung zum Gegenpapst in einer Prophezeiung gewarnt und aufgefordert, zum Mönchsleben zurückzukehren. Iohannes habe aber nicht auf Neilos gehört. Nach der Bestrafung des Iohannes habe Neilos bei Kaiser und Papst (Otto III. und Gregor V.) in Rom interveniert und um die Freilassung des Iohannes gebeten. O. habe Neilos zunächst ein Kloster in Rom angeboten und dann, als Neilos dies ablehnte, das griechische Kloster Hagios Anastasios etwas außerhalb der Stadt. Der rachsüchtige Papst Gregor V. habe Iohannes jedoch weitere Demütigungen (Devestitur und Spottprozession) zugefügt. Daraufhin habe Neilos Kaiser und Papst getadelt. Der Kaiser habe ein Einsehen gehabt und Buße getan, indem er zu Fuß in das Erzengel-Michael-Kloster am Monte Gargano pilgerte, der Papst aber sei nicht lange darauf selbst geblendet und ermordet worden (beides im Jahre 999). Auf dem Rückweg vom Monte Gargano habe O. das Kloster des Neilos in Serperi bei Gaeta besucht und diesem dort angeboten, ihm ein Kloster zu errichten, wo immer er es wolle, und dies mit Zuwendungen auszustatten. Neilos lehnte dies wiederum ab mit dem Hinweis, er sorge sich nur um die Seele des Kaisers.

1001/02 kam es noch einmal zu einer Gesandtschaft nach Konstantinopel, die von Arnulf (# 20579), dem Erzbischof von Mailand, durchgeführt wurde. Diesmal wurde eine Heirat vereinbart, und angeblich hatte Arnulf zusammen mit der Braut, bei der es sich entweder um Zoe (# 28508) oder ihre jüngere Schwester Theodora (# 27605) gehandelt haben wird, auf der Rückreise schon Bari erreicht, als er von dem Tod O.s erfuhr. Die Prinzessin kehrte daraufhin nach Byzanz zurück.

Nach der Darstellung der Vita Nili (BHG 1370) sei es wenig später in Rom zu einem Aufstand gekommen, der Kaiser sei geflohen und auf dem Weg gestorben. O. starb 23. oder 24. Januar 1002 im Alter von nur 21 Jahren.

Q: — (Ep.): Leon von Synada, Ep. 12. — (Hag.): Vita Nili (BHG 1370) cap. 89–93, p. 126–129 (ohne Namen). — (lat.): Annales Quedlinburgenses (a. 997. 998) 74; Annales Hildesheimenses (a. 995. 998) 91; Arnulfi gesta I 9, p. 9,7; 11–12, p. 9,44 – 10,13; Landulphi Historia II 18, p. 51,52 – 53,25.

L: ODB III 1542; LdMA VI (1993) 1568–1570; SSS III (1967) 562f.; LThK VII (1998) 1223f. — Pochettino, Langobardi 393–398; Vinson 101; K. Görich, Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus, Sigmaringen 1993 (ohne jede Erwähnung von Byzanz); Eickhoff, Otto III.; Hester, Italo-Greeks 218f.; Schreiner, Geschenke 275, Nr. 20f.; Huschner, Transalpine Kommunikation 1002f. (Reg.); Althoff, Ottonen 153–201; Müller-Wiegand, Vermitteln 75–77; Panagopoulou, Gamoi 178–184.

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