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Photios

Φώτιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
26667
Namensvariante
Pot: P‘ot (arm.)
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
867
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Patriarch Kpl. (= mbulg. patriarch); Paideutes; Didaskalos; Erzieher; Lehrer; Patriarch der Griechen (arm.); Oberhaupt der Bischöfe von Neu-Rom (arm.)
Name normalisiert
Photios
Ort
Kpl.: Merdosagaris; Merdosagaris (Kpl.); Kpl.: Eremia-Kloster; Eremia-Kloster (Kpl.); Kpl.: Nea; Nea (Kpl.); Skepekloster; Harmonianoikloster (Lage unklar); Bordonoskloster (Lage unklar); Harmonianoikloster = Bordonoskloster; Bordonoskloster = Harmonianoiklster
Quelle
Theoph. cont. 5; Skylitzes; Vita Ignatii (BHG 817); Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Georg. mon. cont. (Bonn); Ps.-Symeon; Zonaras; Patriarchenliste des Cod. Guelf. Helmst. 63 (PG 119); Vita Euthymii (BHG 651); Anonymus (C), Epp.; Laurent, Corpus V; Oikonomides, Dated Seals; ZN; Šandrovskaja, Katal.; Laurent, Vatic.; Nikolaos Mystikos, Epp.; Arethas, Scripta minora; Konst. Porph., De cerim.; Leon Magistros, Gedichte; Photios, Anacreontische Gedichte, ed. Ciccolella; Gallavotti, in: RSBN 24; Vita Iosephi hymnographi; Dandolo, Chron. Venet.; Erchempert, Hist. Lang.; Chron. Salernitanum; MGH Epp.; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Leo Ostiensis; Annales Bertiniani; Liber Pont.; Leon VI., Grabrede auf Basileios I.; Stephan von Taron (Asołik); Ep. Asotii; Vardan; Symeon log. ; History in connection with the finding of the relics of Saint Grigor; Nikephoros, Chron. Synt.; Catal. patriarch. (Fischer); Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch.; Synodikon georg.; Synodicon vetus; Kanones Deusdedit; Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392); Patriarchenliste des Cod. Athen. 1429; Theoph. cont. 6; Leon VI., Homilien (Antonopoulou)

Fortsetzungsartikel: Photios (# 6253).

N: Arm.: P‘ot (Stephan von Taron [Asołik]; Ep. Asotii).

T: Erzieher und Lehrer der Kinder Basileios’ I. (Theoph. cont.: τῶν οἰκείων παίδων ἀπέδειξε παιδευτὴν καὶ διδάσκαλον); Patriarch von Konstantinopel (zum zweiten Mal 26.10.877 – 29.08.886 oder wenig später); geistlicher Vater des späteren Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885) (Nikolaos Mystikos, Ep. 2,17f.: ὁ ἐν ἀρχιερεῦσι θεοῦ μέγιστος καὶ ἀοίδιμος Φώτιος ὁ ἐμὸς ἐν πνεύματι ἁγίῳ πατήρ); mbulg.: patriarch; aus armenischer Sicht “Patriarch der Griechen” — arm.: Yunac‘ patriarg (Stephan von Taron [Asołik]), bzw. “Oberhaupt der Bischöfe von Neu-Rom” — arm.: glux episkoposac‘ nor hṙomay (Photios, arm. Text [von Ep. 298], ed. Akinian–Ter-Poghosian, in: Handēs Amsōreay 82 [1968] 439/40, l. 6f.).

V: Zur Familie: Um die Mitte des 10. Jh.s wird ein Mönch Sergios (# 27023) als Neffe (ἀνεψιός) des P. erwähnt. Dieser Sergios hatte einen Bruder namens Kosmas (# 24110), der demzufolge ebenfalls ein Neffe des P. gewesen sein muß. Ein weiterer Sergios (# 27044), der von 1001 bis 1019 als Sergios II. Patriarch von Konstantinopel war, soll laut Skylitzes (p. 341,11f.) gleichfalls ein Verwandter gewesen sein.

Am Tag nach nach dem Beginn der Alleinherrschaft des Kaisers Basileios’ I. am 24. September 867 wurde P. von Basileios abgesetzt und in die Verbannung in das Skepekloster gebracht (Vita Ignatii [BHG 817] 540A-B).

Laut Theoph. cont. (V 33, p. 262,10-13) und Skylitzes (Basileios Kephalas 16, p. 133,70 – 134,75), die hier allerdings die Ereignisse von 867 und 869/70 zusammenziehen, mußte P. auf Befehl des Kaisers Basileios I., der hierzu eine Synode einberufen hatte, von seinem Amt als Patriarch von Konstantinopel zurücktreten und (mit einer erneuten Amtsübernahme) warten, bis der rechtmäßige Amtsinhaber (Ignatios [# 22712]) gestorben sei (1). Die Logothetenchronik stellt demgegenüber einen Zusammenhang mit der Ermordung Kaiser Michaels III. her und behauptet, P. sei abgesetzt worden, weil er den Kaiser Basileios I., als dieser mit ihm die Liturgie feiern wollte, als Räuber und Mörder bezeichnet und ihn als unwürdig des Abendmahls bezeichnet habe (Φώτιος ... τοῦτον [i. e. Basileios I.] λῃστὴν καὶ φονέα ἔλεγεν καὶ ἀνάξιον τῆς θείας κοινωνίας). Daraufhin habe Basileios sich an Rom gewandt und zusammen mit den römischen Bischöfen einen Beschluß (τόμος) herbeigeführt, durch den P. abgesetzt und an seiner Stelle wiederum Ignatios zum Patriarchen bestimmt wurde. Mit diesem Beschluß meinen die Chronisten das Konzil von 869/70, über das wir genauer durch die lateinische Übersetzung der Konzilsakten informiert sind. Die Bezeichnung Basileios’ I. als Räuber und Mörder dürfte auf die auch sonst greifbaren Ressentiments des Autors der Logothetenchronik gegenüber der makedonischen Dynastie zurückzuführen sein.

Die Teilnahme an dem Konzil von 869/70 war zunächst sehr gering; an der ersten Sitzung nahmen neben Vertretern des Senats, des Papstes und der Orientpatriarchate nur zwölf Bischöfe und Metropoliten teil. Diese Situation verbesserte sich zwar von Sitzung zu Sitzung, aber auch die zehnte und letzte Sitzung wurde nur von wenig mehr als 100 Bischöfen besucht. P. selbst wurde erst auf der fünften Sitzung unter Zwang vorgeführt, nachdem er freiwillig nicht erscheinen wollte, nahm jedoch zu den Vorwürfen nicht Stellung, sondern schwieg. Auch als er auf der siebten Sitzung nochmals vorgeführt und befragt wurde, äußerte er sich nicht. Am Ende dieser Sitzung wurde P. anathematisiert. Die förmliche Absetzung durch eine ökumenische Synode, an der sowohl Legaten des Papstes als auch der drei Orientpatriarchen teilnahmen, beschreibt auch das Synodicon vetus (2).

P. fiel nach der Absetzung keineswegs völlig in Ungnade, sondern Basileios ernannte ihn zum Erzieher seiner Kinder und wies ihm einen Wohnsitz im kaiserlichen Palast zu (3). Die Vita Ignatii und Ps.-Symeon begründen dies mit einer ingeniösen Aktion des P. Dieser habe in der Verbannung im Skepekloster eine Genealogie der Familie des Basileios verfertigt, die bis auf den antiken Herrscher Teridates zurückging und auf den Namen “Beklas” bezogen wurde. Dies war ein erfundener Name, der sich aus den Anfangsbuchstaben des Basileios, seiner Frau (Eudokia) und seiner vier Söhne (Konstantinos, Leon, Alexandros, Stephanos) zusammensetzte. Dieses Manuskript wurde von P. in einer antikisierenden Schrift niedergeschrieben und in einen alten Einband gebunden. Durch den Priester Theophanes Sphenodaimon (# 28076), der das Vertrauen des Kaisers besaß, wurde dieses Buch in die kaiserliche Bibliothek gestellt, und bei Gelegenheit wurde die Aufmerksamkeit des Kaisers darauf gelenkt. Da nur P. dieses merkwürdige Manuskript entziffern und erklären konnte, erhielt er eine Audienz beim Kaiser, erklärte diesem die prophetische Genealogie und wurde wieder am Kaiserhof aufgenommen (4). Nach Darstellung der – gegenüber P. sehr feindselig eingestellten – Vita Ignatii (BHG 817) unternahm P. viele Bemühungen, um von Patriarch Ignatios wieder in den Priesterstand aufgenommen zu werden. Ignatios habe dies jedoch abgelehnt, da P. von einer ökumenischen Synode (gemeint ist das Konzil von 869/70) aus dem Priesterstand ausgeschlossen worden sei. P. habe sich daher selbst wieder zum Priester eingesetzt, im Palast (Magnaura) zelebriert, Exarchen ernannt und Weihen erteilt. Ausführlich wird (fälschlich) berichtet, daß P., während er in der Verbannung saß, den Theodoros Santabarenos (# 27619) zum Metropoliten von Patras geweiht habe (Vita Ignatii 572C).

Das zweite Patriarchat (26. Oktober 877 – Ende August 886)

Drei Tage nach dem Tod des Ignatios, also am 26. Oktober 877, bestieg P. wieder den Patriarchenthron von Konstantinopel. Der Vita Ignatii zufolge soll er die Weihen des Ignatios aufgehoben und von diesem geweihte Kleriker noch einmal geweiht haben (ἀναχειροτονεῖν), außerdem habe er von ihnen Glaubensbekenntnisse bzw. Loyalitätserklärungen (χειρόγραφα) verlangt. Vermutlich stark übertrieben wird in der Vita Ignatii dargestellt, wie P. gegen die Anhänger des Ignatios und Gegner seiner erneuten Thronbesteigung vorgegangen sei. So habe er etwa seinen Verwandten, den hochgestellten kaiserlichen Würdenträger Leon Katakalon (# 24329), damit betraut, seine Gegner auch körperlich zu züchtigen. Andererseits sollen, wenn man dem Synodicon vetus trauen will, alle Bischöfe gegen P. rebelliert haben, auch wenn dieser nach seinem erneuten Amtsantritt Ignatios ganz offiziell in den Diptychen als Heiligen apostrophiert und so den allgemeinen Zorn beruhigt habe: καὶ πρὸς αὐτὸν πᾶς ἐπίσκοπος αὐτῆς ἐστασίασε, καίπερ αὐτοῦ  Ἰγνάτιον τὸν μακάριον ἐν τοῖς ἱεροῖς διπτύχοις ἐπὶ τοῦ ἄμβωνος μετὰ πάντων ἁγίων ἀνακηρύττοντος καὶ τῶν πολλῶν τὴν ὀργὴν καταπαύοντος (5).

Als eine seiner ersten offiziellen Handlungen wird berichtet, daß P. im Herbst 878 den von einem Feldzug ins byzantinisch-arabische Grenzgebiet zurückgekehrten Kaiser bei dessen feierlichem Einzug mit einem Siegeskranz (τῆς νίκης ... στέφανος) geschmückt habe (6). 878 setzte er sich für den Admiral Adrianos (# 20122) ein, der zu langsam gewesen war, den Verlust von Syrakus an die Araber zu verhindern. P. konnte zwar nicht die Bestrafung verhindern, wohl aber ihre Schärfe mildern (7).

Im Jahre 879/80 fand unter der Leitung des P. das Konzil in Konstantinopel statt, auf dem er rehabilitiert und feierlich wieder eingesetzt wurde. Das Konzil verzeichnete etwa dreimal so viele Teilnehmer wie dasjenige zehn Jahre zuvor. Die Rehabilitation nahm auf dem gesamten Konzil breiten Raum ein, es wurden dazu verschiedene Schreiben verlesen und Lobreden auf P. von mehreren Vertretern gehalten. Auch P. selbst ergriff mehrfach das Wort, um seine Haltung deutlich zu machen. Die Forderung Roms, daß sich Konstantinopel aus der Bulgarenmission zurückziehen solle, wurde zurückgewiesen. Auf der dritten Sitzung entspann sich eine Diskussion über die Erhebung von Laien zu Bischöfen in Byzanz – der diesbezügliche Tadel von Seiten Roms betraf ja auch P. –, was zu einer ausführlichen Rechtfertigung der byzantinischen Praxis führte. So war der Verlauf des Konzils einerseits auf die volle Rehabilitation des P. in der ganzen Ökumene ausgerichtet, andererseits vermied man es, dem Papst vor allem in der Bulgarenfrage Zugeständnisse zu machen. In diesem Zusammenhang ist wohl auch zu sehen, daß von den auf dem Konzil verlesenen Schreiben des Papstes (MGH Epp. VII, Epp. Iohannis Nr. 207–210, p. 167–187) zwei (Nr. 207 und 208) durch P. oder dessen Leute verfälscht ins Griechische übersetzt und so dem Konzil zur Kenntnis gebracht wurden. Der Papst wiederum bestätigte die Ergebnisse des Konzils in einem gleichfalls ins Griechische übersetzten Brief (Nr. 258, p. 227f.) an P. sowie in einem weiteren Brief (Nr. 259, p. 229f.) an Kaiser Basileios, in dem er dem Kaiser u. a. dafür dankt, daß die bulgarische Kirche jetzt unter römischer Obödienz stehe. Das läßt vermuten, daß der Papst über die entsprechenden Beschlüsse auf dem Konzil nur unzureichend oder falsch informiert worden war (8).

Nach Fertigstellung der von Basileios I. erbauten Nea Ekklesia wurde diese am 1. Mai 881 feierlich von P. geweiht, der zu diesem Zweck auch eine Homilie verfaßte (9). Durch Vermittlung des Leon Salibaras (# 24342) lernte P. den Mönch Theodoros Santabarenos (# 27619) kennen, der den Quellen zufolge Archiepikopos von Euchaïta war bzw. unter ihm wurde. Angeblich verfügte jener Theodoros über magische Kräfte. P. führte ihn bei Kaiser Basileios I. ein, wo Theodoros rasch das Vertrauen des Kaisers gewann und eine bedeutende Rolle am Hofe spielte (10). Während der angeblich von Theodoros Santabarenos angezettelten Auseinandersetzung zwischen Basileios I. und dessen Sohn Leon (VI.), der zeitweilig abgesetzt und verbannt wurde, setzte P. sich mit Erfolg dafür ein, daß Leon nicht geblendet wurde (11). Die Mitteilung, daß Basileios I. auf dem Sterbebett P. und Theodoros Santabarenos verwünscht habe, weil sie ihn von Gott entfernt und zu unrechtem Handeln getrieben hätten, findet sich nur in der Vita Euthymii (BHG 651) I, p. 5,28-33, und, davon abhängig, bei Ps.-Symeon 700,1-4 und dürfte als nachträgliche Verleumdung zu werten sein.

Der Streit mit Rom über die Rechtmäßigkeit des (zweiten) Patriarchats des Photios setzte sich auch in den 80er Jahren fort. Noch 885/86 bezeichnete Papst Stephanus V. (# 27384) Photios als Laien. Allerdings war die außenpolitische Situation des Papstes in Italien in dieser Zeit so angespannt, daß er einen völligen Bruch mit Byzanz vermied (12).

Zu den Briefen des Photios an armenische Adressaten s. unter Ašot I. (# 20642). Vermutlich ist in P. auch der Initiator einer sicherlich in Konstantinopel erdachten Geschichte von der Auffindung der Reliquien dreier äußerst bedeutender armenischer Heiliger in Konstantinopel zu sehen, s. unter Niketas (# 25703).

Ep. 2 des Patriarchen Nikolaos Mystikos betont eine trotz der unterschiedlichen Religion enge Freundschaft zwischen P. und vermutlich dem arabischen Emir Abū ‘Abdallāh (# 20032), dessen Name aber nicht genannt wird.

Neben den “politischen” Aktivitäten des Photios sind natürlich eine ganze Reihe von innenpolitischen Stellungnahmen, Entscheidungen etc. zu erwähnen, die zum normalen Arbeitsalltag eines Patriarchen gehörten und großteils in den erhaltenen Briefen des Patriarchen zu finden sind.

Die Absetzung

Schon kurz nach seiner Thronbesteigung ging Leon VI. gegen Photios vor. Laut Theoph. cont. ließ der Kaiser den Domestikos (bei Theoph. cont.: Stratelates) Andreas (# 20351) und den früheren Logothetes des Dromos, Ioannes Hagiopolites (# 22825), vom Ambon der Hagia Sophia die Missetaten des Patriarchen verkünden und befahl ihnen, P. von seinem Patriarchenthron zu entfernen und in das Harmonianoi-Kloster, das auch tu Bordonos hieß, zu bringen: τοῦτον τοῦ θρόνου κατήγαγον, καὶ ὑπερόριον αὐτὸν ἐν τῇ μονῇ τῶν Ἁρμονιανῶν τῇ ἐπονομαζομένῃ τοῦ Βόρδονος ἀπήγαγον (13). Dennoch ist der Zeitpunkt der Absetzung nicht völlig klar, denn wenig später berichten die Quellen von einem Schauprozeß gegen Theodoros Santabarenos, bei dem auch Photios, auf den dieser Prozeß eigentlich zielte, als Zeuge anwesend war und von den Anklägern behandelt wurde, als ob er noch Patriarch sei (14). Diese Ankläger waren wiederum der Domestikos Andreas sowie der Magistros Stephanos (# 27224), die Patrikioi Krateros (# 24191) und Guber (# 22511) sowie der Logothetes des Dromos, Ioannes Hagiopolites (# 22825), wobei die drei letzteren nicht aktiv in Erscheinung traten. P. wurde ehrenvoll behandelt und konnte auf einem Thron Platz nehmen (ἀγάγοντες οὖν τὸν πατριάρχην Φώτιον καὶ ἐπὶ θρόνου ἐντίμως καθίσαντες). Dann stellte man fest, daß P. den Theodoros kannte. Anschließend wurde Theodoros beschuldigt, dem Kaiser gehörende Gelder zu besitzen. Schließlich fragte Andreas, warum Theodoros Basileios I. geraten habe, seinen Sohn Leon blenden zu lassen. Habe er einen seiner eigenen Angehörigen oder einen Verwandten des P. zum Nachfolger machen wollen? Als Theodoros auch dies abstritt, erklärte Andreas, daß Theodoros selbst ihm gegenüber behauptet hätte, daß P. solches geplant habe. Als Theodoros auch dies abstritt und auch P. offensichtlich seiner Aussage glaubte, wurde die Befragung beendet. Man teilte Leon VI. die Ergebnisse mit, der Theodoros nach Athen verbannte und später blenden ließ. Über das Schicksal des Photios sagt Theoph. cont. an dieser Stelle nichts; dennoch ist unzweifelhaft, daß er schon kurz nach der Thronbesteigung Leons die Patriarchenwürde verlor. Er starb in der Verbannung. Sein genaues Sterbedatum ist unsicher. Allgemein nimmt man den 6. Februar 893 an (laut SLER 536 war es der 6. Februar 891, allerdings wird kein Grund für diese Datierung gegeben), wobei die Annahme, daß P. an diesem Datum starb, wohl vor allem darauf beruht, daß er in der orthodoxen Kirche am 6. Februar als Heiliger gefeiert wird. Sein Körper wurde in dem Kloster der Theotokos tes Eremias (ἐν τῇ μονῇ τῇ λεγομένῃ τῆς Ἐρημίας bzw. τὰ Ἐρημίας) in Merdosagaris (ἐν τῷ Μερδοσαγάρῃ bzw. Μερδοσάγαρι) beigesetzt. Das Eremia-Kloster war ein Frauenkloster, das von P. selbst an der Stelle einer früheren Kirche gegründet worden war (15). Laut der – nicht glaubwürdigen – Darstellung der Vita Euthymii war Stylianos Zautzes (# 27406) für die Absetzung des P. verantwortlich. Ebenso soll Stylianos alle Verwandten des P. verfolgt haben (16). Ein Grabgedicht auf P. hat Leon Choirosphaktes (# 24343) geschrieben. Das Gedicht läßt keinen Zweifel daran, daß P. für den Verfasser zu den Heiligen zählte und seine Seele im Himmel war (v. 12). Ein anderes Gedicht auf P. wurde von Arethas von Kaisareia (# 20554) verfaßt, doch ist von diesem nur noch der Titel erhalten, und es läßt sich nicht sagen, ob es zu Lebzeiten oder nach dem Tode des P. geschrieben wurde.

Anmerkungen: — (1) Es handelt sich um das Konzil von 869/70, auf dem die Absetzung des P. bestätigt wurde. Der zurückhaltende Bericht der Chronisten dürfte durch die spätere Rückkehr des P. auf den Patriarchenthron beeinflußt worden sein. — (2) Symeon log. (Leon gr. 254,21 – 255,5; Theod. mel. 177,31 – 178,5; Symeon sl. 111,30-34); Symeon log. (Wahlgren) 132,35-40; Georg. mon. cont. (Bonn) 841,1-6; Georg. mon. cont. (Muralt) 1076A; Georg. mon. cont. (Istrin) 18,28-33; Ps.-Symeon 688,22 – 689,4; verkürzt: Zonaras XVI 8, p. 418,9-18; verkürzt: Michael Psellos, Historia Syntomos 99, p. 88,79-81; der spätere venezianische Chronist Dandolo, Chron. Venet. 157,8f., teilt mit, daß diese Synode, u. a. wegen der Absetzung des P., von den Griechen nicht als ökumenisch anerkannt worden sei; zu dem Konzil cf. ausführlich die Konzilsakten bei Mansi XVI 1–534, dazu Hergenröther II 75–132, bes. 92–97 und 105–109; Synodicon vetus, cap. 162,15-17, p. 140; die Rolle des Photios wird auch ausführlich beleuchtet im Liber Pont. II 108, p. 180,25 – 184,23. — (3) Theoph. cont. V 44, p. 276,18 – 277,1; s. auch Theoph. cont. VI 1, p. 353,2-4; Georg. mon. cont. (Bonn) 849,1f. (Erzieher des Stephanos [# 27208]); ähnlich: Symeon log. (Leon. gr. 262,16f.; Theod. mel. 173,14f.; Symeon sl. 114, 29f.), Symeon log. (Wahlgren) 133,3f. und Georg. mon. cont. (Istrin) 25,2-4. — (4) Vita Ignatii (BHG 817) 565B – 568A; Ps.-Symeon 689,5 – 690,3; cf. auch Hergenröther II 258–262. — (5) Theoph. cont. V 44, p. 276,11-18; Skylitzes, Basileios Kephalas 20, p. 140,41f. (beide ohne genauere Zeitangabe); Georg. mon. cont. (Bonn) 844,11-13; Georg. mon. cont. (Muralt) 1081B; Georg. mon. cont. (Istrin) 22,16; Zonaras XVI 8, p. 422,2f.; Synodicon vetus, cap. 163,1-7, p. 140; cap. 164,1-5, p. 140; in den lateinischen Quellen wird dies natürlich anders dargestellt. So erklärt Erchempert, Hist. Lang. 52,28-31, daß P. von Papst Iohannes (# 23470) wieder in sein früheres Amt eingesetzt worden sei. — (6) Theoph. cont. V 49, p. 284,4; Skylitzes, Basileios Kephalas 23, p. 143,19 (zur Datierung dieses Feldzugs s. Lemerle, Pauliciens 104–108); zu den Einzelheiten des Einzugs s. Konst. Porph., De cerim., Appendix, p. 140,724 – 146,807 (Haldon); 498,14 – 503,16 (Reiske); zur Rolle des Patriarchen p. 144,779-792 (Haldon); 502,2-19 (Reiske) (ohne Namensnennung). — (7) Theoph. cont. V 70, p. 312,3-9. — (8) Akten des Konzils von 879/80, in: Mansi XVIIA 373–525; cf. dazu Hergenröther II 463–528; Synodicon vetus, cap. 165,1-6, p. 142; Dandolo, Chron. Venet. 157,33-35. — (9) Symeon log. (Leon gr. 258,14-18; Theod. mel. 180,23-29; Symeon sl. 113,10-12); Symeon log. (Wahlgren) 132,110-114; Georg. mon. cont. (Bonn) 845,1-4; Georg. mon. cont. (Muralt) 1081C; Georg. mon. cont. (Istrin) 22,23-25; Ps.-Symeon 692,18f. (am 1. Mai des 14. Jahres des Kaisers); Photios, Hom. X (99–104 Laourdas); zu der “Neuen Kirche” ( Ἡ Νέα  Ἐκκλησία) cf. Janin, Églises 361–364; ODB ΙΙ 1446. — (10) Symeon log. (Leon gr. 259,4-7; Theod. mel. 181,8-11; Symeon sl. 113,18-20); Symeon log. (Wahlgren) 132,120-123; Georg. mon. cont. (Bonn) 845,11-15; Georg. mon. cont. (Muralt) 1084A; Georg. mon. cont. (Istrin) 22,32-34; Ps.-Symeon 692,20 – 693,3; Zonaras XVI 11, p. 438,6-10. — (11) Theoph. cont. V 100, p. 350,13-15; Skylitzes, Basileios Kephalas 46, p. 169,18-20; Symeon log. (Leon gr. 260,12-16; Theod. mel. 182,4-7; Symeon sl. 113,39 – 114,3); Symeon log. (Wahlgren) 132,146-149; Georg. mon. cont. (Bonn) 846,20 – 847,1; Georg. mon. cont. (Istrin) 23,19-21; Georg. mon. cont. (Muralt) 1089A-B; Ps.-Symeon 697,17-20; 700,13-16; zu Namen und Lage des Klosters, das nur bei dieser Gelegenheit erwähnt wird, und zu möglichen Identifizierungen cf. Janin, Centres 84f. (dort zu ergänzen ist die mbulg. Namensform Gordonov [Symeon sl. 115,1], die auf der Variante Γόρδονος des Ps.-Symeon beruhen dürfte). — (12) MGH Epp. VII, Epp. ad res Orientales Nr. 1, p. 372,19 – 374,33 (Brief an Kaiser Basileios I.) (weitere Edition von Grumel, in: REB 11 [1953] 137–147). — (13) Theoph. cont VI 2, p. 353,12 – 354,5; Skylitzes, Leon 1, p. 171,68-74; 6, p. 173,17; Georg. mon. cont. (Bonn) 849,9-14; 850,14f.; Symeon log. (Leon gr. 263,2-8; Theod. mel. 183,22-27; Symeon sl. 114,36 – 115,1); Symeon log. (Wahlgren) 133,10-15; Georg. mon. cont. (Muralt) 1089A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 25,11-16; Zonaras XVI 11, p. 440,11-14. — (14) S. z. B. Theoph. cont. 355,4f.: ἀγαγόντες οὖν τὸν πατριάρχην Φώτιον καὶ ἐπὶ θρόνου ἐντίμως καθίσαντες. Ähnlich auch Georg. mon. cont. (Bonn) 850,15f.: καὶ ἀγαγόντες τὸν πατριάρχην καὶ καθίσαντες ἐπὶ θρόνου ἐν τιμῇ; Symeon log. (Leon gr. 264,10f.; Theod. mel. 184,20f.; Symeon sl. 115,18f.); Symeon log. (Wahlgren) 133,36f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1092A; Georg. mon. cont. (Istrin) 25,33 – 26,2. Zum Kloster cf. Janin, Centres 84f. — (15) Theoph. cont. VI 5, p. 354,16 – 356,10; Skylitzes, Leon 6, p. 173,6 – 174,47; Symeon log. (Leon gr. 258,6-10; 263,21 – 265,19; Theod. mel. 180,17-20; 184,14 – 185,17; Symeon sl. 113,2-5; 115,12 – 116,1); Symeon log. (Wahlgren) 132,102-105; 133,27-64; Georg. mon. cont. (Bonn) 844,13-16; 850,4 – 851,17; Georg. mon. cont. (Muralt) 1081B. 1089C–1093A; Georg. mon. cont. (Istrin) 22,16-18; Georg. mon. cont. (Istrin) 25,24 – 26,23; Ps.-Symeon 700,22 – 701,6; zu dem Kloster cf. Janin, Églises 113; Michael Psellos, Historia Syntomos 100, p. 90,22-25; das Synodicon vetus, cap. 166,3-8, p. 142, spricht in diesem Zusammenhang davon, daß P. freiwillig zurückgetreten sei, wobei er hohes Alter und körperliche Schwäche als Grund angegeben habe. Dies sei von der Synodos endemusa akzeptiert worden. — (16) Vita Euthymii (BHG 651) II, p. 11,19-25 (Karlin-Hayter).

W: S. Tusculum-Lexikon 638–641; Beck, Kirche 520–528; Hunger, Literatur II, 505 (Index); Rosenqvist, Literatur 66f.; Scholien zu einer rhetorischen Schrift Peri staseon (nicht erhalten, cf. Anonymus [C], Ep. 36); drei anakreontische Gedichte auf Basileios I., ed. Ciccolella, in: OCP 64 (1998) 305–328 (griech. Text: 308–315).

Q: — (Hist.): Theoph. cont. V 33, p. 262,10-13; Skylitzes, Basileios Kephalas 16, p. 133,70 – 134,75; idem, Basileios 22, p. 341,11f.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt Istrin); Ps.-Symeon; Zonaras. — (Ep.): Nikolaos Mystikos, Ep. 2,17-27; Anonymus (C), Ep. 36; Arethas, Scripta minora Nr. 5, I, 52,19-28; Nr. 8, I, 92,28; Nr. 77, II, 132 (Marginalie); MGH Epp. VII, Epp. ad res Orientales Nr. 1, p. 372,19 – 374,33, darin: 374,9-18 (Brief an Kaiser Basileios I.) (weitere Edition von Grumel, in: REB 11 [1953] 137–147); Nr. 2, p. 375,7 – 379,19. — (Conc.): Mansi XVI 1–534 (zu 869/70); Mansi XVIIA 373–525 (879/80); Kanones Deusdedit Nr. 432–437, p. 610–617 passim; Synodicon vetus. — (Hag.): Vita Euthymii (BHG 651) II, p. 11,19-25 (Karlin-Hayter); Vita Ignatii (BHG 817) 565A–573A; Vita Iosephi hymnographi (BHG 944) cap. 14, p. 11,23-28; Vita Iosephi hymnographi (BHG 945–946) cap. 30, col. 968D–969A; Men. Basilii 124D. — (Fs.): Nikephoros, Chron. Synt. 120,12. 15; Catal. patriarch. (Fischer) 292,1-3. 5; Patriarchenliste im Cod. Guelf. Helmst. 63, ed. Leonclavius, in: PG 119, col. 917C; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch. 460C; Konst. Porph., De cerim., Appendix (Haldon; Reiske); Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392) 53,112 (späterer Zusatz); 53,115 (späterer Zusatz); 103,883; Suda III 246,12. — (Sonst.): Leon VI., Grabrede auf Basileios I. 62,6-26; neue Edition durch Antonopoulou, p. 195–218 (Nr. 14). — (Vers.): Leon Choirosphaktes, Στίχοι ἰαμβικοὶ εἰς Φώτιον πατριάρχην τὸν ἐν ἁγίοις, in: Leon Magistros, Iamben, p. 130 (Kolias) (ebenfalls abgedruckt in: Paschalides, Συνείδηση 382); Titel eines Epigramms des Arethas von Kaisareia auf P., ed. Gallavotti, in: RSBN 24 (1987) 36 (Nr. 28): Ἀρέθα ἀρχιεπισκόπου εἰς Φώτιον τὸν πατριάρχην. — (lat.): Liber Pont. II 108, p. 177,31 – 179,21; 180,25 – 184,23; Erchempert, Hist. Lang. 52,28-31; Chron. Salernitanum 131, p. 143,5-8; Annales Bertiniani 120,7-23 (Waitz); 187,5-22 (Grat); Leo Ostiensis I 42, p. 112; Dandolo, Chron. Venet. 157,9f. 33-35; MGH Epp. VI, Epp. Hadriani II. Nr. 39, p. 751,5 – 752,29: Nr. 4, p., 758,11-17; MGH Epp., VII, Epp. Iohannis VIII. Nr. 207–210, p. 167–187; Nr. 258, p. 227f.; Nr. 259, p. 229f.; MGH Epp. VII, Fragmenta Registri Iohannis VIII. Nr. 7, p. 277,35f.; Nr. 37, p. 294,27-36. — (arm.): Ep. Asotii, p. 214 (ed. Papadopulos-Kerameus); p. 451 (ed. Akinian–Ter-Poghosian); dt. Übers.: Finck–Gjandschezian, in: Zeitschrift für armenische Philologie 1 (1903/04) 4; franz. Übers., in: Dorfmann-Lazarev, Arméniens et Byzantins 33; Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 2, p. 116,3-6 (Gelzer); p. 9 (Macler); Vardan, cap. 44 [82–85], p. 184–186 (Thomson); History in connection with the finding of the relics of Saint Grigor, Illuminator of Greater Armenia (Greenwood) 178–181, bes. 180f. — (georg.): Synodikon georg. 310. 313. — (Sg.): Šandrovskaja, Katal. II 786 (M-212); Laurent, Corpus V 8. 9: Φωτίῳ ἀρχιεπικόπῳ Κωνσταντινουπόλεως Νέας Ῥώμης; ZN 7 A (= Laurent, Vatic. 152 = Oikonomides, Dated Seals 54). B (= Laurent, Corpus V 7 = Oikonomides, Dated Seals 53): Φωτίῳ ἀρχιεπισκόπῳ Κωνσταντινουπόλεως Νέας  Ῥώμης.

L: ODB III 1669f.; SSS VIII (1996) 315f.; KME IV (2003) 296–302 (Lit.); SLER 536; Fedalto 6; Beck, Kirche 520–526 u. ö. — Vogt, Basile 443 (Index); Tobias, Basil 444–463 (für die Zeit nach 867); Janin, Centres 84f.; Karlin-Hayter, in: Vita Euthymii (BHG 651) 162f.; Anderson, Biographical Dictionary 534f.; Kolbaba, Lists 228 (Index); Cortassa, Lettere 136–139; Strano, Il patriarca Fozio e le epistole agli Armeni: Disputa religiosa e finalità politiche, in: JÖB 55 (2005) 43–58; Dorfmann-Lazarev, Arméniens et Byzantins passim; RdIm Nr. 1075; Greenwood, in: Le Muséon 119 (2006) 115–159; idem, Discovery passim; Herbers, Rom und Byzanz 57–68. — Zu Photios und Bulgarien cf. Ziemann, Wandervolk 365–370. 392–397. 400–403; zum Prozeß gegen Photios cf. zuletzt Tougher, Leon 72–84; zu den Konzilien cf. Hergenröther II passim; Dvornik, Photian Schism 145–149. 159–201.

P: Laut Ps.-Symeon 688,11-13 wurde Stephanos (# 27208) durch den Patriarchen P. getauft. Jedoch handelt es sich hier anscheinend um eine eigene Zusatzinformation des Ps.-Symeon, die sich in den anderen Redaktionen der Logothetenchronik nicht findet. Die Taufe des Stephanos dürfte durch den restituierten Patriarchen Ignatios vollzogen worden sein; cf. auch die Überlegungen bei Hergenröther II 21. — Laut einer Kleinchronik, die sonst aber nur chronologisch verzerrte Mitteilungen zu Petros von Argos (# 26428) bietet (z. B. Teilnahme an den beiden Synoden von 869/70 und 879/80), soll P. den hl. Theodosios den Jüngeren (# 27910) zum Priester geweiht haben; Näheres s. dort. — L. Brubaker, Vision and Meaning in Ninth-Century Byzantium, Image as Exegesis in the Homilies of Gregory of Nazianzus, Cambridge 1999, bes. p. 6f. 201–205. 236, sieht in P. auch den Auftraggeber der illuminierten Prachthandschrift Cod. Paris. gr. 510 (Homilien des Gregor von Nazianz), der zwischen Jahresende 879 und der Hochzeit Leons VI. im Jahre 882 als Geschenk für Basileios I. und dessen Familie geschaffen worden sein muß (cf. auch schon Der Nersessian, in: DOP 16 [1962] 227). Da es keinen Kolophon oder ähnlich sicheren Beweis für P.s Kommissionierung der Handschrift gibt, beruht diese (durchaus sehr wahrscheinliche) Zuschreibung im wesentlichen auf dem Vergleich der in den Illuminationen zum Ausdruck gebrachten Vorstellungen mit P.s schriftlichen Zeugnissen. — In der Vita Ignatii findet sich die kaum glaubwürdige, vermutlich nur der Verleumdung des P. dienende Geschichte von zwei von einem gewissen Eustratios (# 1829) gefälschten und von P. lancierten Briefen, von denen einer vorgegeben haben soll, von Papst Nicolaus an P. geschrieben worden zu sein, und der Entschuldigungen des Papstes Nicolaus für frühere Mißverständnisse enthalten haben soll (Vita Ignatii [BHG 817] 529A); cf. auch Hergenröther I 523–525. Die Vita berichtet ferner, daß sich unter den Büchern, die Photios nach seiner Absetzung unbemerkt aus dem Patriarcheion habe schaffen lassen wollen, die ihm jedoch von den Leuten des kaiserlichen Praipositus Baanes (# 719) abgenommen worden seien (Vita Ignatii [BHG 817] 540C), auch die (laut Vita Ignatii von Photios fingierten) Akten der Synode von 867, auf der Papst Nicolaus exkommuniziert wurde, befunden hätten (op. cit. 541C; cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 526) und zwar in zwei Kopien, deren eine P. für sich habe anfertigen lassen, während die andere für Kaiser Ludwig II. bestimmt gewesen sei. Nachdem der Kaiser (Basileios I.) sie öffentlich gemacht und der Synode übergeben habe, seien sie im Beisein des Photios angeprangert und schließlich verbrannt worden (541D); cf. den Bericht des Metrophanes von Smyrna, in: Mansi XVI 417E–420A, von einem Brief des Photios an Angelberga (# 438), die Gattin Ludwigs II., der von einer Kopie der Akten und von Geschenken begleitet werden sollte, jedoch von Kaiser Basileios zurückgehalten wurde, cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 500. Laut Metrophanes hat Basileios die Akten dann an Hadrian II. nach Rom gesandt. Cf. Anastasius Bibliothecarius, Ep. 5, in: MGH Epp. VII, p. 408,17-29 (= Praefatio in octavum concilium, in: Mansi XVI 7A-B); Liber Pont II 104 (Vita Hadriani II.), p. 178,12 – 179,31.

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