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Samonas

Σαμωνᾶς

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
26973
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Eunuch
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
900
ethnos
Arabien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Sklave (des Stylianos Zautzes); Nipsistiarios (des Stylianos Zautzes); Kubikularios; Protospatharios; Parakoimomenos; Patrikios ; patrikie (mbulg) = Patrikios; protospaḟarie (mbulg.) = Protospatharios; kuvikularie (mbulg.) = Kubikularios; Gesandter aus Melitene (Vater, # 26973A); arab.: Gesandter aus Melitene (Vater, # 26973A)
Name normalisiert
Samonas
Ort
Melitene; Kpl.: Kaiserpalast; Kaiserpalast (Kpl.); Speira-Kloster (Damatrys); Speirakloster (Damatrys); Damatrys; Halys (Fluß); Timios-Stauros-Kloster (Siricha); Kreuz von Siricha = Timios-Stauros-Kloster (Siricha); Siricha (Kappadokien); Kpl.: Bardasplast; Bardaspalast (Kpl.); Al' (Fluß) (mbulg.) = Halys (Fluß); Hagia Sophia (Kpl.); Kpl.: Hagia Sophia; Kpl.: Hagia Sophia: Mitatorion; Hagia Sophia: Mitatorion (Kpl.); Martinakios-Kloster: Kloster des Martinakios (Kpl.); Kpl.: Martinakios-Kloster: Kloster des Martinakios; Euthymios-Kloster: Kloster des Patriarchen Euthymios (Kpl.) = Psamathiakloster (Kpl.); Psamathiakloster (Kpl.) = Kloster des Patriarchen Euthymios (Kpl.); Kpl.: Euthymios-Kloster: Kloster des Patriarchen Euthymios = Psamathiakloster; Kpl.: Psamathiakloster = Kloster des Patriarchen Euthymios; Tarasios-Kloster (Kpl.); Kpl.: Tarasios-Kloster= mbulg. ; monastir' sv<ę>t<a>go Tarasia (mbulg.) = Tarasios-Kloster (Kpl.) ; Tarsos (Vater, # 26973A); Kpl.: Magnaurapalast (Vater, # 26973A); Magnaurapalast (Kpl.) (Vater, # 26973A)
Quelle
Skylitzes; Theoph. cont. 6; Georg. mon. cont. (Bonn); Arethas, Scripta minora; Leon gr.; Theod. mel.; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Zonaras; Vita Euthymii (BHG 651); Euangelatu-Notara, Semeiomata; Konst. Porph., DAI; Vita Basilii iun. (BHG 263); Vision Daniels; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log.

T: Sklave des Stylianos Zautzes (# 27406) und dessen Nipsistiarios (Diener, der seinem Herrn das Handwaschbecken reichte); später, vermutlich nach seiner Freilassung, wurde er Kubikularios — κουβικουλάριος, mbulg.: kuvikularie (Symeon sl.), dann Protospatharios — πρωτοσπαθάριος, mbulg.: protospafiarie, ca. 905 Patrikios und vermutlich 907 Parakoimomenos. Die Vita Euthymii (BHG 651) behauptet, daß S. von Leon VI. nach der Aufdeckung der Verschwörung (s. unten) zunächst zum Kubikularios und später zum Nipsistiarios ernannt worden sei. Letzteres dürfte aber wohl auf einem Mißverständnis ihrer Vorlage beruhen.

V: Vermutlich ca. 875 in Melitene als Sohn wohl vornehmer arabischer Eltern (s. unten) geboren, geriet der Eunuch S. in byzantinische Kriegsgefangenschaft und wurde Sklave im Haushalt des Stylianos Zautzes, wo er u. a. als Nipsistiarios diente. Nach einer gewissen Zeit wurde S. offenbar freigelassen und zum Kubikularios ernannt. Ein besonderer Freund war Basileios (# 20911), ein Neffe der Kaiserin Zoe Zautzina (# 28505). Nach deren Tod im Winter 899/900 vertraute Basileios dem S. an, daß er und andere Anhänger des Stylianos Zautzes fürchteten, daß Kaiser Leon VI. sich eine neue Frau suchen und daß die Gruppe um Zautzes die kaiserliche Gunst verlieren würde. Deshalb plane man einen Anschlag auf Leon. S. unterrichtete hiervon den Kaiser, der nach anfänglichem Unglauben zwei enge Vertraute (Christophoros [# 21273] und Kalokyres [# 23629]) in das Haus (κέλλιον) des S. schickte, die ein Gespräch zwischen Basileios und S. belauschten und die Version des S. bestätigten. Basileios wurde unter einem Vorwand nach Makedonien geschickt, später mit Schlägen und Schur betraft und schließlich in die Verbannung nach Athen geschickt. Zwei weitere Angehörige der Zautzesfamilie, der Hetaireiarches Nikolaos (# 25910) und dessen Sohn Pardos (# 26265), Drungarios der Bigla, wurden ihrer Posten enthoben. S. selbst wurde unter allgemeiner Zustimmung für seine rechtzeitige Mitteilung belohnt, erhielt den Titel eines Protospatharios verliehen und dazu ein Drittel des konfiszierten Eigentums der Verschwörer (1).

Am 11. Mai 903 geleitete S. laut Georg. mon. cont. (Bonn) Zoe Karbonopsina (# 28506) in den Palast, wo sie den Kaiser erwarten sollte: ὁ Σαμωνᾶς ... ἀπελθὼν ἀγαγεῖν Ζωὴν ἐν τῷ παλατίῳ πρὸς τὸ συνεῖναι τῷ βασιλεῖ. Er war aus diesem Grund nicht bei der Prozession Leons in die Mokioskirche anwesend, während der Leon von einem Attentäter fast erschlagen worden wäre (2).

Vermutlich 904 floh S., wie die Chroniken übereinstimmend berichten, zu den Arabern, wobei die Motive dieser Flucht völlig unklar sind: Laut Theoph. cont. verließ er Konstantinopel unter dem Vorwand, das von ihm gegründete Kloster ta Speira (Σαμωνᾶς ... ἐν τῇ μονῇ αὐτοῦ, ᾗ ἐπώνυμον τὰ Σπειρά, ἐξελθεῖν) in Damatrys zu besuchen. Er floh unter Mitnahme seiner Gelder und Pferde und ließ den Pferden, die sich in den Stationen des staatlichen Pferdewechsels befanden, die Sehnen durchschneiden. Als seine Flucht in Konstantinopel bekannt wurde, beauftragte Leon VI. den Hetaireiarches Basileios Kamateros (# 20912) und Georgios Krenites (# 22127) mit der Verfolgung, die ihn jedoch offenbar nicht einholen konnten. Am Übergang über den Halys wurde S. jedoch von dem Drungarios Nikephoros Kallonas (nach anderen Quellen: Kaminas) (# 25573) aufgehalten und nicht über den Fluß gelassen, obwohl S. es mit Bitten und Bestechung versuchte. Schließlich gab S. den Versuch auf und wandte sich zu dem Kreuz in Siricha (εἰς τὸν ἐν τῷ Σιριχᾷ καταφεύγει σταυρόν), wobei er vorgab, überhaupt nur wegen der Pilgerfahrt nach diesem Heiligtum aufgebrochen zu sein (3). Wahrscheinlich dort wurde er von Konstantinos Dukas (# 23817), dem Sohn des Andronikos Dukas (# 20405), gefangengenommen und nach Konstantinopel zurückgebracht. Auf Befehl Leons VI. inhaftierte man S. in dem Palast des Kaisars Bardas (# 791). Leon VI. befragte nun den Konstantinos, ob S. wirklich nach Syrien habe fliehen wollen, und als dieser den Sachverhalt bestätigte, forderte der Kaiser ihn auf, vor dem Senat zu behaupten, daß S. nach Siricha gereist sei, um dort zu beten, da der Kaiser, wie Theoph. cont. schreibt, für S. Verzeihung erlangen wollte (ἤθελε γὰρ ὁ βασιλεὺς συγγνώμης τυχεῖν τὸν Σαμωνᾶν), was bei einer öffentlichen Verurteilung vor dem Senat wegen Übertritts zu den Arabern offenbar schwierig geworden wäre. Konstantinos stimmte zu und trat vor dem Senat als Zeuge auf. Als man ihn unter Eid fragte, ob S. nun nach Syrien geflohen sei oder nicht, bejahte Konstantinos die Frage (4). Er wurde vom Kaiser zornig entlassen, der S. vier Monate im Bardas-Palast unter Hausarrest stellte und dann begnadigte, so daß er seine frühere Stellung zurückerhielt (5).

Kurz nach dieser Episode, wahrscheinlich im Jahre 905, wurde S. von Leon VI. zum Patrikios ernannt, wie wir aus Georg. mon. cont. (Bonn) und Theod. mel. wissen: γέγονε δὲ Σαμωνᾶς πατρίκιος ἀπὸ τῆς αὐτοῦ φυγῆς. Auch Theoph. cont. bestätigt indirekt diese Nachricht, wenn er im Anschluß von der Geburt und Taufe des Sohnes Leons, des späteren Kaisers Konstantinos VII. Porphyrogennetos, berichtet. Bei der Taufe in der Hagia Sophia sei dieser von dem Bruder des Kaisers, Alexandros, von dem Patrikios S. und von allen hohen Würdenträgern aus der Taufe gehoben worden: ἀναδεξαμένων αὐτὸν ἀπὸ τοῦ ἁγίου βαπτίσματος Ἀλεξάνδρου τοῦ αὐταδέλφου τοῦ βασιλέως καὶ Σαμωνᾶ πατρικίου καὶ τῶν ἐν τέλει ἁπάντων (6).

Als Patrikios, also etwa im Jahre 906, wird er auch in einem Schreiben des Arethas von Kaisareia (# 20554) an den basilikos Hypographeus Stephanos (# 27240) erwähnt, demzufolge er Arethas getadelt hatte. Dies ist so zu interpretieren, daß S. den Arethas wegen dessen ablehnender Haltung zur vierten Ehe des Kaisers Leon VI. kritisiert, mithin den Standpunkt des Kaisers vertreten hatte.

Wenig später, vermutlich im Winter 906/07, wurde S. zum Parakoimomenos ernannt (7). Grund dieser Ernennung war laut den Chroniken, daß S. den Kaiser bei jeder Schlechtigkeit unterstützt habe, insbesondere bei dem Vorgehen Leons gegen den Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885), der im Zuge der Auseinandersetzung um die vierte Ehe Leons (Tetragamiestreit) abgesetzt wurde, wobei freilich andere Quellen eine angebliche Verwicklung des Patriarchen in die Verschwörung des Andronikos Dukas gegen den Kaiser als Grund angeben (8). Im folgenden soll S. versucht haben, den neuen Patriarchen Euthymios (# 21913) dazu zu bewegen, Zoe Karbonopsina (als Kaiserin) auszurufen, womit Euthymios die vierte Ehe Leons als rechtmäßig anerkannt hätte, was dieser aber zurückwies (9).

Auch der Sturz des Andronikos Dukas soll den historiographischen Quellen zufolge ein Werk des Samonas gewesen sein. Wie mitgeteilt wird, übergab Leon VI. im Herbst wahrscheinlich des Jahres 906 bei einem arabischen Flottenangriff den Oberbefehl dem Himerios (# 22624) und befahl auch dem Andronikos Dukas, an dem Unternehmen teilzunehmen. Jedoch haßte S. die Dukai, angeblich wegen der Rolle, die sie während seiner Flucht gespielt hatten, als er von Konstantinos Dukas gefangengenommen und nach Konstantinopel gebracht worden war. S. ließ einen Vertrauten (# 30883) des Andronikos einen Brief an diesen schreiben, in dem er ihn davor warnte, an Bord zu gehen, da Himerios den Befehl habe, ihn gefangenzunehmen und zu blenden. Andronikos glaubte dem Brief und blieb an Land, so daß Himerios den Arabern allein entgegentreten mußte, aber trotzdem am 6. Oktober 906 (zu dem Datum s. unter Himerios) über sie einen glänzenden Sieg erfocht. Als Andronikos dies hörte, floh er mit seinem Gefolge nach Osten und verschanzte sich in der Festung Kabala (unweit von Ikonion). Damit hatte S. leichtes Spiel, den Kaiser davon zu überzeugen, daß Andronikos einen Aufstand plane. Leon schickte den Domestikos der Scholen Gregoras Iberitzes (# 22328) gegen Andronikos aus, der daraufhin mit seinen Angehörigen und Anhängern auf arabisches Gebiet floh und beim Kalifen al-Muktafī (# 25446) Zuflucht suchte, der ihn ehrenvoll aufnahm.

Leon VI. bereute sein Vorgehen gegen Andronikos und versuchte, ihn zur Rückkehr zu überreden. Man fertigte ein vom Kaiser unterschriebenes Schriftstück an, das mit einem Goldsiegel gesiegelt war und die Verzeihung des Kaisers enthielt. Es wurde zusammengerollt und mit Wachs umschlossen, so daß es wie eine Kerze aussah. Man gab es einem arabischen Kriegsgefangenen (# 30878), den man hierzu aus dem Praitorion geholt hatte. Als der Araber mit dem Brief den Kaiser verließ, fing S. ihn ab und erklärte ihm, wenn er diese Kerze dem Andronikos überreiche, werde das Verderben über ganz Syrien bringen. Er solle sie vielmehr dem Wesir (# 30879) übergeben. Dazu erhielt der Araber reiche Geschenke. Der Mann tat, wie S. ihm geraten hatte. Andronikos wurde gefangengenommen. Als er hörte, daß dies durch die List des S. geschehen sei, trat er zusammen mit seinen Leuten zum Islam über. Nur sein Sohn Konstantinos entkam mit einigen Gefährten und kehrte nach Konstantinopel zurück, wo er vom Kaiser freundlich aufgenommen wurde (10).

Etwa in diese Zeit, 907 oder wenig später, ist wohl auch jene Episode zu datieren, die in der Vita Basileios’ des Jüngeren (BHG 263) kolportiert wird (11). Der Vita zufolge wurde der Asket Basileios in der Provinz Asia von zwei Magistrianoi (# 30199) des Kaisers ergriffen und der Spionage verdächtigt. Sie nahmen Basileios mit nach Konstantinopel und übergaben ihn dort dem S., der die Sache untersuchen sollte. Da Basileios auf die Frage des S., wer er sei, woher er komme und was er mache, nicht antwortete, wurde er immer neuen Mißhandlungen unterworfen. Zunächst wurde er eine Woche lang ausgepeitscht und geschlagen, dann wurde er für drei Tage an einem Fuß kopfüber aufgehängt. Weil er dies unbeschadet überstand, wurde er von S. der Zauberei verdächtigt und dem im Palast lebenden Löwen zum Fraß vorgeworfen. Als der Löwe Basileios nicht angriff, sondern ihm Respekt erwies, befahl S. seinen Dienern (# 30200), Basileios in Eisen zu legen und ins Meer zu werfen. Dies wurde ausgeführt, Basileios wurde aber von zwei Delphinen gerettet und beim Hebdomon wieder an Land gesetzt (12).

Zu einem nicht mehr völlig eindeutig datierbaren Zeitpunkt, am wahrscheinlichsten wohl 906/07, erschien eine arabische Gesandtschaft, bestehend aus Abū ‘Umayr (# 20086), dem Gesandten des Emirs von Tarsos, Rustam ibn Baradū al-Farġānī (# 26909), und aus dem Vater (# 26973A) des S., der als Gesandter des Herrn von Melitene fungierte, in Konstantinopel, um einen Gefangenenaustausch in die Wege zu leiten. Beide wurden von Kaiser Leon VI. in der Magnaura mit großer Pracht empfangen. Man zeigte ihnen auch die Hagia Sophia und sogar die liturgischen Gerätschaften, deren Anblick, wie Theoph. cont. und Skylitzes behaupten, selbst Christen verborgen blieben. Der Vater des S. war von der ganzen Pracht so beeindruckt, daß er bei seinem Sohn in Konstantinopel bleiben und zum Christentum übertreten wollte. Jedoch lehnte S. dies ab und forderte ihn auf, in seine Heimat zurückzukehren und seinen Glauben zu bewahren. Auch er, S., werde so schnell wie möglich zu ihm kommen. Aufgrund dieses Berichts u. a. wurde in der Sekundärliteratur gemutmaßt, daß S. insgeheim dem Islam treu geblieben sei (13).

Auch die Darstellungen des Sturzes des S. ähneln sich bei Theoph. cont. und Skylitzes. Wenn man der Reihenfolge der bei den Chronisten wiedergegebenen Ereignisse folgt, ist der Sturz nach der Krönung Konstantinos’ VII. zum Mitkaiser einzuordnen, also entweder nach dem 15. Mai 908 oder – weniger wahrscheinlich – nach dem 9. Juni 911 (zum Zeitpunkt s. unter Konstantinos VII.), sowie nach einer ersten Intrige des S. gegen Konstantinos Barbaros, aber vor dem 13. Juni (eines ungenannten Jahres) und vor der Flottenunternehmung (Sommer 911 bis April 912) des Himerios (# 22624). Als wahrscheinliche Datierung für den Sturz ergibt sich damit der Frühsommer 910 oder 911. Die Quellen erwähnen noch eine Mondfinsternis, die dem Sturz des S. vorausgegangen sei. Jenkins, Samonas 234, möchte diese Mondfinsternis auf den 20. März 908 datieren, so daß dann auch der Sturz des S. in den Sommer 908 fallen müßte. Demzufolge wäre auch die arabische Gesandtschaft des Emirs von Tarsos und des Vaters des S. entsprechend vorzuziehen. Jedoch ist der zeitliche Ansatz von Jenkins nicht überzeugend (14).

An den Ereignissen selbst ändert sich nichts: S. hatte der Kaiserin Zoe seinen Diener Konstantinos (# 23820) geschenkt, einen Eunuchen aus Kappadokien, der zuvor dem Magistros und Kanikleios Basileios (# 20913) gedient hatte. Zoe und Leon VI. hatten diesen Konstantinos so liebgewonnen, daß S., der um seinen Einfluß fürchtete, eifersüchtig wurde und dem Kaiser einredete, daß Konstantinos und die Kaiserin ein Verhältnis miteinander hätten. Leon glaubte dies und ließ Konstantinos durch S. im Tarasioskloster zum Mönch scheren. Nach kurzer Zeit wollte er ihn allerdings wieder aufnehmen und ließ ihn in das Speirakloster in Damatrys bringen, das dem S. gehörte. Eines Tages hielt der Kaiser sich in diesem Kloster auf, um zu frühstücken, sah Konstantinos, begnadigte ihn und ließ ihn wieder in den Palast zurückkehren, wo er bei dem Kaiserpaar fortan in höherer Gunst stand als zuvor. S. schmiedete nun zusammen mit dem Koitonites Megistos (# 25030) und mit Michael Tzirethon/Tzerithon (# 25161) ein Komplott gegen Konstantinos. Durch seinen Hypographeus Konstantinos Rhodios (# 23819) ließ er einen Brief mit Schmähungen gegen den Kaiser schreiben und legte ihn im Mitatorion (der Hagia Sophia) nieder, wo der Kaiser sich zum Gebet aufhielt. Leon fand ihn und war ratlos. Da zudem eine große Mondfinsternis stattfand, ließ er den Pantoleon (# 26252) kommen, den Metropoliten von Synada, der in die Wissenschaft der Astronomie eingeweiht war. Diesen nun fing S. ab, bevor er den Kaiser erreichte, und befragte ihn über die Zukunft. Pantoleon erklärte S., daß ihm ein Unglück bevorstehe, daß er es aber überstehen werde, wenn er über den 13. Juni hinwegkomme. Dem Kaiser wiederum erklärte Pantoleon, daß das durch die Mondfinsternis angekündigte Unglück einen anderen betreffen werde, was der Kaiser auf seinen Bruder Alexandros bezog. Wenig später sagte Michael Tzirethon aus, daß der Brief im Auftrag des S. entstanden sei. Sofort ließ Leon VI. ihn unter Hausarrest stellen und zum Mönch scheren. Dann wurde er in das Kloster des Patriarchen Euthymios eingewiesen und später, da es dort zu Schwierigkeiten kam, in das Kloster des Martinakios. An seiner Stelle wurde Konstantinos zum Parakoimomenos ernannt (15).

Während S. das Amt des Parakoimomenos bekleidete, also vermutlich wischen 907 und 911/12, setzte er sich mit Erfolg bei Leon VI. für den Klerikos Ktenas (# 24205) ein, der den Titel eines Protospatharios anstrebte und dafür zunächst 40 und dann insgesamt 60 Goldpfund bot (16).

Im Jahre 913/14 (2. Indiktion; 6422 a. m.) stiftete S. (immer noch mit seinem Patrikios-Titel bezeichnet) eine Handschrift mit Teilen des Alten Testaments auf bestem Pergament und von erstklassiger Gestaltung, den von dem Klerikos Ioseph (# 23520) geschriebenen Cod. Athen. Bibl. Nat. 2641 (Fragment davon: Philadelphia, Free Library, Lewis E 251). Dies geht aus dem Kolophon des Ioseph auf fol. 331r des Cod. Athen. 2641 hervor (17).

Eine wohl aus der Mitte des 10. Jh.s stammende hebräische Danielsvision, die auch die arabische Herkunft des S. hervorhebt, erwähnt S. – ohne Namensnennung – als schlechten Ratgeber Leons VI.: “a man from Arabia will contend with him [sc. Leon VI.] and overcome him and give him bad advice but not succeed” (18).

S. wird in den Quellen ausnahmslos sehr negativ beurteilt, so daß es kaum möglich ist, die Entstellungen und Verfälschungen in der Darstellung der Ereignisse dingfest zu machen.

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 15, p. 362,17 – 364,8; Skylitzes, Leon 17, p. 179,73 – 180,6; Symeon log. (Leon gr. 271,20 – 273,21; Theod. mel. 189,28; Symeon sl. 118,15 – 119,7); Symeon log. (Wahlgren) 133,180-223; Georg. mon. cont. (Bonn) 857,24 – 859,18; Georg. mon. cont. (Muralt) 1101C–1105A; Zonaras XVI 12, p. 445,2-8. Die Vita Euthymii (BHG 651) VIII, p. 49,25 – 51,7 (Karlin-Hayter), behauptet zusätzlich, daß S. ein Drittel des Vermögens der Verschwörer erhalten habe. Er sei zum Kubikularios und später zum Nipsistiarios ernannt worden. Letzteres dürfte ein Mißverständnis der Vorlage sein, da S., wie die historiographischen Quellen mitteilen, Nipsistiarios des Stylianos Zautzes gewesen war. Aber ein entsprechendes Amt am Tisch des Kaisers kann natürlich nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden. — (2) Georg. mon. cont. (Bonn) 861,18-20; Symeon log. (Leon gr. 275,18f.; Theod. mel. 192,25f.; Symeon sl. 119,35-37); Symeon log. (Wahlgren) 133,259f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1108A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 29,32 – 30,26; zu dem Attentat s. unter Stylianos (# 27410). — (3) Das Timios-Stauros-Kloster in Siricha (τίμιος σταυρὸς ἐν τῷ Σιριχᾷ), in dem ein großes Goldkreuz gezeigt wurde, das ein Partikel des “Wahren Kreuzes” enthielt, liegt in Kappadokien, etwa 50 Kilometer nördlich von Kaisareia, in der Nähe des Halys, cf. Hild–Restle, Kappadokien 281. — (4) Die Quellen entschuldigen diese Kehrtwendung des Konstantinos damit, daß er jetzt unter Eid befragt worden sei, was man vorher nicht von ihm gefordert habe. — (5) Der gesamte Vorgang: Theoph. cont. VI 22, p. 369,5 – 370,7; verkürzt bei Skylitzes, Leon 26, p. 184,87-15; Symeon log. (Leon gr. 277,21 – 279,3; Theod. mel. 194,9 – 195,3; Symeon sl. 120,28 – 121,6); Symeon log. (Wahlgren) 133,300-322; Georg. mon. cont. (Bonn) 863,18 – 864,20; Georg. mon. cont. (Muralt) 1112B–1113A; Georg. mon. cont. (Istrin) 33,6-27; Ps.-Symeon 708,4-18; Zonaras XVI 13, p. 448,7 – 449,3. — (6) Theoph. cont. VI 23, p. 370,11-15; Skylitzes, Leon 26, p. 185,19-21; Symeon log. (Leon gr. 279,7-10; Theod. mel. 195,6 [von Leon gr. ausgelassen]; 195,8-10; Symeon sl. 121,7; 121,9-11); Symeon log. (Wahlgren) 133,326-328; Georg. mon. cont. (Bonn) 865,1-5; Georg. mon. cont. (Muralt) 1113B; Georg. mon. cont. (Istrin) 33,30-33; Ps.-Symeon 708,22 – 709,2; die Vita Euthymii (BHG 651) XI, p. 71,14-18 (Karlin-Hayter), fügt hinzu, daß S. Taufpate geworden sei, weil der eigentlich ausersehene Euthymios (# 21913) aufgrund seines Alters physisch zu schwach gewesen sei, den kleinen Prinzen zu tragen. — (7) Theoph. cont. VI 24, p. 370,21 – 371,1; Skylitzes, Leon 27, p. 185,26f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 865,14f.; Georg. mon. cont. (Istrin) 34,5; Ps.-Symeon 709,9-12 datiert die Ernennung in das 22. Jahr Leons, also auf 907/08; Zonaras XVI 13, p. 449,3f. Dieses Amt war seit der Zeit Michaels III., als Basileios I. es innegehabt hatte, vakant gewesen. Die Ernennung des S. war also ein ausgesprochener Vertrauensbeweis Leons VI. Das Ernennungsjahr wird in gewisser Weise auch von der hebräischen Vision Daniels bestätigt, die (ohne direkte Namensnennung) davon spricht, daß Stylianos Zautzes 22 Jahre lang der Vertraute Leons VI. gewesen sei, und daß ihm nach seinem Tod S. als Ratgeber gefolgt sei. Offenbar nahm der Verfasser eine unmittelbare Nachfolge an, was der Mitteilung der Chronisten entsprechen würde, daß S. im 22. Jahr Leons VI. ernannt wurde (s. dazu unten Anm. 18). — (8) Theoph. cont. VI 24, p. 370,21 – 371,6 (ähnlich Georg. mon. cont. [Bonn] 865,14 – 866,4, Georg. mon. cont. [Istrin] 34,5-15; Ps.-Symeon 709,9-16; Zusammenfassung bei Zonaras XVI 13, p. 449,3-11): Προεβλήθη δὲ Σαμωνᾶς παρακοιμώμενος, διὰ τὸ συνεργὸς καθεστάναι τῷ βασιλεῖ πρὸς παρανομίαν καὶ κακίαν ἅπασαν. καὶ κατὰ τῆς ἐκκλησίας ἤρξαντο μελετᾶν. Die Vita Euthymii (BHG 651) XIV, p. 91,17 – 93,20 (Karlin-Hayter), begründet die Absetzung mit der Verwicklung des Nikolaos in die Verschwörung des Andronikos Dukas und teilt in diesem Zusammenhang mit, daß Leon VI. den Protobestiarios S. zusammen mit einigen Metropoliten zu Nikolaos geschickt habe, um diesen dazu zu veranlassen, dem Kaiser sein Rücktrittsschreiben zuzuschicken; s. auch Vita Euthymii (BHG 651) XXII, p. 137,31f. (Karlin-Hayter). — (9) Vita Euthymii (BHG 651) XVII, p. 111,3-9 (Karlin-Hayter). — (10) Theoph. cont. VI 26, p. 371,19 – 373,15; Georg. mon. cont. (Istrin) 34,22 – 35,33; Skylitzes, Leon 29, p. 186,50 – 188,9; Zonaras XVI 14, p. 450,2 – 452,10; (ohne den Schlußabschnitt über die Aufnahme des Konstantinos Dukas durch den Kaiser, dafür mit einem Vergleich des Verhaltens Leons VI. gegenüber Andronikos Dukas mit dem des Kaisers Theophilos gegenüber Manuel [# 4707] zu Beginn der 30er Jahre des 9. Jh.s): Symeon log. (Leon gr. 280,17 – 282,16; Theod. mel. 196,14 – 197,24; Symeon sl. 121,32 – 122,24); Symeon log. (Wahlgren) 133,354-392; Georg. mon. cont. (Bonn) 866,12 – 868,5; Georg. mon. cont. (Muralt) 1116B–1117C; Ps.-Symeon 710,7 – 711,14; die Vita Euthymii (BHG 651) XI, p. 69,29-33 (Karlin-Hayter), sieht zwar kein direktes Mitwirken des S., kennzeichnet ihn aber gleichfalls als Feind des Andronikos Dukas. — (11) Cf. Vita Basilii iun. (BHG 263) fol. 4r–5r (p. 285 Vilinskij); cap. 2, p. *20C–D (AASS), mit widersprüchlicher Datierung: Im zehnten Jahr der Herrschaft Leons VI. und Alexandros’ (= 895/96) wird Basileios dem Patrikios (erhoben 905) und Parakoimomenos (erhoben Winter 906/07) Samonas übergeben. — (12) Vita Basilii iun. (BHG 263) fol. 4v–10r (p. 285–288 Vilinskij); cap. 2–7, p. *20D–*21C (AASS). Die ganze Episode erscheint ausnehmend phantastisch und fiktiv. — (13) Theoph. cont. VI 28, p. 374,20 – 375,8; Skylitzes, Leon 31, p. 189,37-50; Symeon log. (Leon gr. 282,17 – 283,7; Theod. mel. 197,25 – 198,6; Symeon sl. 122,25-34); Symeon log. (Wahlgren) 133,392-402; Georg. mon. cont. (Bonn) 868,11-20; Georg. mon. cont. (Muralt) 1120A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 35,34 – 36,7; Ps.-Symeon 711,15-22; Zonaras XVI 14, p. 452,11-18. Auch hier ist die gegen S. gerichtete Tendenz so augenfällig, daß man auch die sachlich erscheinenden Teile des Berichts in Frage stellen muß. Canard, Deux Épisodes 60, und Bosworth, in: JOAS 3-4 (1991–92) 14, vermuten, daß S. insgeheim dem Islam treu geblieben sei; zu den Datierungsproblemen der Gesandtschaft s. unten unter Angehörige (anonym). (14) Laut Jenkins war die Mondfinsternis vom 20.3.908 die “only satisfactory lunar eclipse” in dieser Zeit. Darin ist ihm zwar nach Recherche auf der NASA Eclipse Web Site (http://eclipse.gsfc.nasa.gov), in dem Five Millennium Catalog of Lunar Eclipses, durchaus zuzustimmen, denn die Mondfinsternisse vom 17.1.911 oder vom 14.7.911 lassen sich wegen mangelnder Sichtbarkeit in Konstantinopel ausschließen (die vom 17.1.911 war in Konstantinopel nur partiell zu sehen [wohl höchstens 2/5 des Mondes verdeckt]; die vom 14.7.911 müßte in Konstantinopel so gut wie nicht sichtbar gewesen sein [größte Eklipse südlich der Galapagos-Inseln]). (Es gab noch eine Mondfinsternis am 13.9.908 [größte Eklipse im Atlantik], die in Konstantinopel immerhin noch für einige Sekunden als totale Mondfinsternis oder zumindest als fast totale Mondfinsternis sichtbar gewesen sein könnte.) Allerdings lassen sich aus der Identifikation der Mondfinsternis (20.3.908) wohl nicht die Schlußfolgerungen ziehen, die Jenkins gezogen hat. Die Reihenfolge, in der Theoph. cont. und Skylitzes die Ereignisse wiedergeben, macht es erforderlich, daß die Mondfinsternis und der Sturz des Samonas sich nach der Mitkaiserkrönung des Konstantinos VII., d. h. wohl nach dem 15. Mai 908 (s. dazu unter Konstantinos VII.), sowie nach der ersten Intrige des S. gegen Konstantinos Barbaros (# 23820) und der zeitweiligen Verbannung des letzteren, für die wohl mindestens ein bis zwei Jahre zu veranschlagen sind, ereignet haben. Die Interpretation, die der Metropolit Pantoleon (# 26252) dem S. von der Mondfinsternis gab, macht zudem klar, daß sie vor einem 13. Juni stattgefunden hatte, vielleicht nicht allzu lange vor diesem Datum, und daß S. vor demselben 13. Juni die kaiserliche Gunst verlor. In der Folge berichten die Historiker vom Flottenunternehmen (Sommer 911 bis April 912) des Himerios (# 22624). So ergibt sich aus der Reihenfolge der Ereignisse bei den Historikern für die Mondfinsternis und den folgenden Sturz des S. als wahrscheinlichster Zeitraum Frühjahr/Frühsommer 911 (bis zum 13. Juni 911), eventuell auch noch Frühjahr/Frühsommer 910 (bis zum 13. Juni 910). Doch gerade für diesen Zeitraum kann keine Mondfinsternis ermittelt werden, die in Konstantinopel sichtbar war und zudem das Attribut “sehr groß” (Skylitzes 191,79f.: ἔκλειψις σελήνης μεγίστη) verdient. So bleibt eigentlich nur der Schluß, daß es wohl die Mondfinsternis vom 20.3.908 war, die nachhaltigen Eindruck auf die Byzantiner machte, daß dieses Naturereignis jedoch erst später in irrtümlicher Weise chronologisch mit dem Schicksal des S. verknüpft worden ist. — (15) Theoph. cont. VI 30, p. 375,10 – 376,20; Skylitzes, Leon 32, p. 189,53 – 191,96; Symeon log. (Leon gr. 283,8 – 284,20; Theod. mel. 198,9 – 199,10; Symeon sl. 122,34 – 123,19); Symeon log. (Wahlgren) 133,433; Georg. mon. cont. (Bonn) 869,1 – 870,12; Georg. mon. cont. (Muralt) 1120B–1121B; Georg. mon. cont. (Istrin) 36,9 – 37,2; Ps.-Symeon 712,2 – 713,11; Zonaras XVI 14, p. 453,2 – 454,14. — (16) Konst. Porph., DAI 50,235-256. — (17) Im Kolophon des Ioseph wird der Stifter S. als Patrikios bezeichnet. Wenn er mit S. identisch ist, so müßte man annehmen, daß der Schreiber den Patrikios-Titel anachronistisch für seinen inzwischen im Mönchsstande lebenden Auftraggeber verwendet hätte oder aber daß S. seinen Sturz und seinen Mönchsstand nicht hätte wahrhaben wollen und sich vom Kopisten Ioseph immer noch mit seinem weltlichen Rangtitel bezeichnen ließ. Der Name des S. im Cod. Athen. Bibl. Nat. 2641 ist nicht mit rein griechischen Buchstaben geschrieben, sondern enthält ein lateinisch anmutendes “s” und ein ebensolches “a”. Kugeas (in: BNJ 5 [1926] 201f.) hat dafür keine Erklärung und spekuliert, ob es sich um eine bewußte Nachahmung von S.s persönlicher Unterschrift durch den Schreiber Ioseph handeln könnte. Paschou (p. 383) beschreibt die Schreibung des Namens leicht abweichend: Das σ sei wie ein lateinisches “c” geschrieben, das μ als Majuskelbuchstabe und das ν als seitenverkehrtes Majuskel-Ν (cf. die Abb. auf p. 385). Sie vermutet, daß S. persönlich seinen Namen geschrieben haben könnte. Paschou (p. 381f.) identifiziert auch den im Kataster von Theben (nach 1050) erwähnten Protospatharios Samonas (N. Svoronos, Recherches sur le cadastre byzantin et la fiscalité aux XIe et XIIe siècles: le cadastre de Thèbes, in: BCH 83 [1959] 12, l. 35 [Ndr. in: N. Svoronos, Études Nr. III]) mit S., doch besteht keinerlei Notwendigkeit zu einer solchen Identifikation. — (18) Vision Daniels 305f. (Sektion F) (Sharf); 30 (Bonfil); zu dem Text cf. Sharf, op. cit. 308–318; Bonfil 43f. (zu S. und mit Verbesserungen gegenüber Sharf).

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn); Ps.-Symeon. — (Ep.): Arethas, Scripta minora Nr. 70, II, 94 und 104. — (Hag.): Vita Euthymii (BHG 651); Vita Basilii iun. (BHG 263) fol. 4v–10r (p. 285–288 Vilinskij); cap. 2–7, p. *20D–*21C (AASS); fol. 11v–12r (p. 289f. Vilinskij); cap. 8, p. *21D–E (AASS). — (Fs.): Konst. Porph., DAI 50,227f. — (Ms.): Kolophon in: Cod. Athen. Bibl. Nat. 2641, fol. 331r, ed. Kugeas, in: BNJ 5 (1926) 201: τῷ κτισαμένῳ Σαμωνᾶ πατρικίῳ ... — (hebr.): Vision Daniels 305f. (Sektion F) (Sharf); 30 (Bonfil).

L: ODB III 1835f. — De Boor, in: Vita Euthymii 215; Janin, in: EO 34 (1935) 307–318; Jenkins, Samonas passim; Canard, Deux Épisodes 55–62; idem, in: DOP 18 (1964) 42; Vasiliev, Arabes II 1, p. 184–189. 192 Anm. 1; 193; Karlin-Hayter, in: Vita Euthymii 176f.; Ryden, in: Graeco-Arabica 3 (1984) 101–108; Jeffreys, The Image of the Arabs 320; Bosworth, in: JOAS 3–4 (1991–1992) 14; Tougher, Leon 260 (Index); Magdalino, The road to Baghdad 205; Prinzing, Sklaven 357; Tougher, Eunuch 164 (Nr. 184). — Zum Cod. Athen. Bibl. Nat. 2641 cf. Kugeas, in: BNJ 5 (1926) 198–204; Euangelatu-Notara, Semeiomata 126 (Nr. 21); Paschou, in: Byz 69 (1999) 366–395, bes. 375–383; Kavrus-Hoffmann, in: RSBN 42 (2005) 94f. 103f.

P: Jenkins, Samonas, nimmt an, daß S. unter Leon VI. eine einflußreiche Stellung eingenommen habe und vor allem für den Geheimdienst des Kaisers zuständig gewesen sei. In dieser Funktion sei er auch nach Melitene gereist, um einer vermuteten Usurpation der aristokratischen Opposition (vertreten vor allem durch die Geschlechter der Argyroi und der Dukai) gegen Leon VI. entgegenzuwirken, auf der er dann aber abgefangen worden sei. In der Forschung ist diese Hypothese allgemein mit Skepsis aufgenommen worden. — Zur denkbaren Zugehörigkeit des S. zur Gruppe der Feinde und Ankläger (# 30249) des Leon Choirosphaktes (# 24343) s. unter # 30249.

Angehörige (anonym):

1. Vater 26973 A

T: Muslimischer Gesandter von Melitene.

V: Der Vater des S. kam zu einem nicht mehr genau datierbaren Zeitpunkt zusammen mit Abū ‘Umayr (# 20086), dem Gesandten des Emirs von Tarsos, Rustam b. Baradū al-Faġānī (# 26909), nach Konstantinopel, um einen Gefangenenaustausch in die Wege zu leiten. Beide wurden von Kaiser Leon VI. in der Magnaura mit großer Pracht empfangen. Man zeigte ihnen auch die Hagia Sophia und sogar die liturgischen Gerätschaften, deren Anblick, wie Theoph. cont. und Skylitzes behaupten, selbst Christen verborgen blieb. Der Vater des S. war von der ganzen Pracht so beeindruckt, daß er bei seinem Sohn in Konstantinopel bleiben und zum Christentum übertreten wollte. Jedoch lehnte S. dies ab und forderte ihn auf, in seine Heimat zurückzukehren und seinen Glauben zu bewahren. Auch er (Samonas) werde so schnell wie möglich zu ihm kommen.

Diese arabische Gesandtschaft wurde in der Forschung verschiedentlich als Reaktion auf die vorangegangene Gesandtschaft des Leon Choirosphaktes (# 24343), der sowohl Melitene als auch Tarsos besucht hatte, gesehen, was zu ihrer Datierung auf 906–907 führte. Allerdings sind die Quellen nicht ausführlich genug, um Genaueres über einen solchen Zusammenhang sagen zu können.

Q: — (Hist.): Theoph. cont. VI 28, p. 374,20 – 375,8; Skylitzes, Leon 31, p. 189,37-50; Symeon log. (Leon gr. 282,17 – 283,7; Theod. mel. 197,25 – 198,6; Symeon sl. 122,25-34); Symeon log. (Wahlgren) 133,392-402; Georg. mon. cont. (Bonn) 868,11-20; Georg. mon. cont. (Muralt) 1120A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 35,34 – 36,7; Ps.-Symeon 711,15-22; Zonaras XVI 14, p. 452,11-18.

L: Dölger–Müller, Regesten Nr. 548b [550], datieren auf 906/907 (vor Februar 907) und identifizieren den Emir, mit dem Leon Choirosphaktes erfolgreich verhandelt hat, mit Rustam b. Baradū al-Faġānī (# 26909).

P: Die Empörung der Chronisten über die unterstellte Entweihung der Hagia Sophia ist offensichtlich. Da sie aber mit einer weiteren Diffamierung des S. verbunden wird, ist eine tendenziöse Übertreibung nicht auszuschließen. — Zur Datierung dieser Gesandtschaft cf. unter Abū ‘Umayr (# 20086), Anm. 2. Die arabische Herkunft des S. (“a man from Arabia”) wird auch in einer anonymen hebräischen Danielvision erwähnt, s. Vision Daniels 305f. (Sektion F) (Sharf); 30 (Bonfil).

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