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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Samuel Kometopulos

Σαμουήλ

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
26983
Namensvariante
Kometopulos (Beiname); Samayēl (arm.); Ṣamuwīl (arab.); Komsadzag (arm. Beiname); Qumitufilis: al-Qumiṭūfīlis (arab.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
976
ethnos
Armenien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Herrscher Bulgarien; Zar Bulgarien; malik al-Bulgar: malik al-Bulġar (arab.) = König der Bulgaren = rex Bulgarorum (lat.); König Bulgarien = malik al-Bulġar (arab.) = rex Bulgarorum (lat.); rex Bulgarorum (lat.); imperator Bulgarinorum (lat. Variante); sahib guyus: ṣāḥib ǧuyūš (arab.) = Heerführer bzw. Befehlshaber; Heerführer (der Bulgaren) = ṣāḥib ǧuyūš (arab.) ; Befehlshaber (der Bulgaren) = ṣāḥib ǧuyūš (arab.)
Name normalisiert
Samuel
Ort
German (Ort in der Nähe des Prespasees); Prespasee; Derdzan: Derdžan (Armenien); Thrakien; Makedonien; Larissa (Thessalien); Prespa (Bulgarien); Peloponnes; Thessalien; Spercheios (Fluß); Peloponnesos; Dyrrhachion; Vardar (Fluß); Skopje (Makedonien); Vidin (an der Donau); Adrianupolis (Thrakien); Hagios-Achilleios-Kirche (am Prespasee); Kastoria (Sohn, # 26983A); Goldenes Tor (Kpl.) (Sohn, # 26983A); Kpl.: Goldenes Tor (Sohn, # 26983A); Abariya: Abāriya (arab.) (cf. Pirone 193, Anm. 129); Hellas (T); Trajanische Pforte; Bulgarien; Berrhoia; Thessalonike; Zeta = Diokleia; Diokleia = Zeta; Kleidion-Paß (bei Ključ); Ključ; Prilep
Quelle
Inschrift (bei German); Stephan von Taron (Asołik); Skylitzes; Zonaras; Yaḥyā; Lupus Protospatarius; Ademar, Historiae; Anonymus Barensis; Priester von Diokleia (ed. Šišić); Nikephoros Bryennios; Kekaumenos; Ioannes Geometres

N: Arm.: Samayēl Komsadzag (Stephan von Taron III, cap. 22, p. 186,4-6 [Gelzer]; p. 124 [Macler]), arab.: Ṣamuwīl; griech. Beiname: Kometopulos bzw. Kometopolos (“Sohn des Komes”) — κομητόπωλος bzw. κωμητόπωλος (Skylitzes 255,77f.); arab.: al-Qumiṭūfīlis.

T: Bulgarischer Alleinherrscher (ab ca. 987/88); Basileus (Zar) von Bulgarien (ca. 998–1014); arab.: malik al-Bulġar, lat.: rex Bulgarorum (Ademar), imperator Bulgarinorum (Priester von Diokleia); Heerführer — arab.: ṣāḥib ǧuyūš.

V: S. wurde wahrscheinlich in den 40er Jahren des 10. Jh.s als jüngster Sohn des Komes Nikolaos (# 26038) und der Hṙip‘simē (# 22633) geboren. Er war der jüngste der vier Kometopuloi (“Söhne des Komes”), seine älteren Brüder hießen David (# 21433), Moses (# 25425) und Aaron (# 20003) (1).

Die Familie war armenischer Herkunft und stammte aus der armenischen Provinz Derdžan (2). S. war offenbar zunächst mit Agathe (# 20171) verheiratet, ein Sohn hieß Gabriel-Radomir (# 22032) bzw. (griech.) Romanos. Außerdem gab es einen weiteren, anonymen Sohn (# 26983A), die Tochter Miroslava (# 25408) sowie zwei anonyme Töchter (# 26983B) (3).

Laut Skylitzes begann der Abfall der Bulgaren nach dem Tod Ioannes’ I. Tzimiskes, während die byzantinischen Streitkräfte durch den Bürgerkrieg mit dem Usurpator Bardas Skleros (# 20785) gebunden waren. Einer Angabe bei Stephan von Taron (Asołik) zufolge waren die Brüder – Stephan von Taron erwähnt allerdings nur Samuel und Aaron – Mitglieder einer armenischen Truppeneinheit, die von Basileios II. 976 nach Makedonien geschickt worden war, um gegen die Bulgaren zu kämpfen. Jedoch seien sie bei passender Gelegenheit zu dem “König der Bulgaren” übergegangen und hätten bei ihm dank ihrer Tapferkeit großes Ansehen gewonnen. Dieser König sei ein Eunuch gewesen (4). Seibt vermutet mit guten Gründen, daß es sich bei diesem bulgarischen König um Romanos (# 26847) gehandelt haben muß, den Sohn Petărs (# 26409) und Bruder des bulgarischen Zaren Boris II. (# 21198). Romanos war von den Byzantinern kastriert worden und soll, wenn man Skylitzes und Yaḥyā glauben darf, zusammen mit seinem Bruder 976 nach Bulgarien geflohen sein, wo offenbar nach dem Kaiserwechsel ein Aufstand gegen die Byzantiner ausgebrochen war, was wahrscheinlich durch den praktisch gleichzeitigen großen Aufstand des Bardas Skleros erleichtert, wenn nicht überhaupt erst ermöglicht wurde. Während Boris bei dem Grenzübertritt getötet wurde, konnte Romanos nach Edessa (Vodena) gelangen, wo er dann offenbar eine so bedeutende Rolle spielte, daß manche ihn als König ansehen konnten. Die Kometopulen wären dann 976 oder wenig später in seine Dienste getreten und hätten sich rasch an die Spitze der Bewegung emporgearbeitet, während Romanos nur noch eine untergeordnete Rolle spielte (5). Gegen Ende der 90er Jahre diente Romanos unter S. als Befehlshaber von Skopje, das er, wie Skylitzes mitteilt, 1002 an Basileios II. übergab (6).

Schon in den ersten Jahren des bulgarischen Aufstands wurde David, der älteste der vier Brüder, von Vlachen getötet, während Moses bei der Belagerung von Serrhes (Serrai) fiel. Der dritte Bruder, Aaron, scheint unter oder neben S. einer der bulgarischen Befehlshaber gewesen zu sein. Er wurde, eventuell 987, zusammen mit fast seiner ganzen Familie von S. getötet, der ihn des Hochverrats verdächtigte (7).

Spätestens nach dem Tod Aarons (14. Juni, wohl des Jahres 987) beherrschte S. als Alleinherrscher die bulgarischen Gebiete. Skylitzes sagt in einer Art vorgezogenem Résumee von ihm, daß er äußerst kriegerisch gewesen sei und die Ruhe gehaßt habe. Er habe in ununterbrochenen Kämpfen nicht nur Thrakien, Makedonien und das Umland von Thessalonike heimgesucht, sondern auch Thessalien, Griechenland und sogar die Peloponnes. Die Einwohner von Larissa habe er in das innere Bulgarien umgesiedelt und aus ihnen Soldaten für seine Kriege gegen die Byzantiner rekrutiert. Außerdem habe er die sterblichen Überreste des Achilleios (des Stadtheiligen von Larissa) und von anderen Heiligen in seine Hauptstadt Prespa umgebettet (8).

Von der Einnahme Larissas durch S. erzählt das Strategikon des Kekaumenos (cap. 169f.): S. habe sich zuerst einige Jahre lang mit der Anerkennung seiner Oberhoheit durch Kekaumenos (# 23694), den Strategos von Hellas mit Sitz in Larissa, zufriedengegeben, dann, als Kekaumenos offenbar den Tribut verweigerte, drei Jahre lang nichts gegen Kekaumenos ausrichten können, weil die Stadt Larissa über gute Lebensmittelvorräte verfügte, schließlich unter Kekaumenos’ Nachfolger (# 31678) Larissa belagert und nach drei Jahren Belagerung kampflos übernehmen können. Aus den Angaben des Kekaumenos schloß man auf eine Eroberung Larissas durch S. im Jahre 985 oder 986 (s. unter Kekaumenos). Die Einwohner von Larissa machte S. dem Strategikon des Kekaumenos zufolge zu Sklaven; allein die Familie des Nikulitzas (# 26167) soll er wegen ihrer Verwandtschaft zu Kekaumenos verschont haben.

Am 16./17. August 986 konnte S. bei der Trajanischen Pforte eine byzantinische Armee schlagen, die unter der persönlichen Führung Basileios’ II. stand, der selbst nur mit Mühe entkam. Dieser Mißerfolg des Kaisers war einer der Auslöser für den Usurpationsversuch des Bardas Phokas (# 20784). Wohl erst nach dieser Schlacht ließ S. seinen Bruder Aaron hinrichten und etablierte sich damit als Alleinherrscher Bulgariens. Von der Niederlage des Basileios berichtet auch Yaḥyā: Die Bulgaren hätten einen Kriegszug auf byzantinisches Gebiet unternommen. Der byzantinische Kaiser sei mit einem großen Truppenaufgebot gegen sie gezogen und habe bei einer Stadt namens Abāriya gelagert, habe jedoch schon am Tag darauf, am 16. August 986, unter großen Verlusten fliehen müssen, da die Bulgaren ihn aus dem Hinterhalt angegriffen und verfolgt hätten (9).

Während des Aufstands des Bardas Phokas zwischen 987 und 989 war der byzantinische Widerstand gegen die Bulgaren offenbar nur gering und in jedem Fall einigermaßen erfolglos. So konnte S. im Sommer wohl des Jahres 989 Berrhoia einnehmen (10).

Nach dem Tod des Bardas Phokas versuchte Bardas Skleros (# 20785) noch einmal, sich gegen Basileios II. zu erheben, gab dieses Unternehmen jedoch schon nach kurzer Zeit wieder auf und versöhnte sich mit dem Kaiser. 991 starben Bardas Skleros und sein Bruder Konstantinos Skleros (# 23921). Laut Yaḥyā soll Basileios in direktem Anschluß an den Tod der beiden Brüder gegen die Bulgaren gezogen und sie in die Flucht geschlagen haben. Er habe den bulgarischen König gefangengenommen und wieder ins Gefängnis gebracht, aus dem er vorher geflohen war (gemeint muß Romanos sein), während Kometopulos (also S.), der Heerführer des bulgarischen Herrschers, entfliehen konnte. Die darauffolgenden vier Jahre sei Basileios hauptsächlich mit der Eroberung von bulgarischen Gebieten beschäftigt gewesen (11).

Im Jahre 992/93 (6. Ind.; 6501 a. m.) ließ S. die slawische Inschrift auf einem Grabmal bei German (in der Nähe des Prespasees) setzen, in der er seines Vaters Nikolaos, seiner Mutter Hṙip‘simē und seines Bruders David gedenkt, cf. Seibt, Kometopulen 97f. Ob es sich bei dem Grabmal um einen Kenotaph handelte oder welcher dieser drei Angehörigen des S. eventuell tatsächlich in dem Grabmal bestattet war, ist unklar. Seibt vermutet, daß es sich um das Grab des David handelte.

995 griff S. Thessalonike an. Der Stadtkommandant Gregorios Taronites (# 22428) wurde getötet, sein Sohn Ašot (# 20650) geriet in bulgarische Gefangenschaft, in der er später die Tochter Samuels, Miroslava, heiratete (12). Nachfolger des gefallenen Gregorios Taronites als Dux von Thessalonike wurde Ioannes Chaldos (# 23166), der jedoch nur kurze Zeit später in einen bulgarischen Hinterhalt geriet und 22 Jahre lang von den Bulgaren in Haft gehalten wurde (13).

Wohl im Sommer/Herbst 996 befehligte S. selbst einen großen bulgarischen Einfall, der über Thessalien nach Hellas führte und auf dem S. sogar die Peloponnes geplündert haben soll. Die Byzantiner sammelten daraufhin ihre Truppen unter dem Befehl des Domestikos der Scholen des Westens, Nikephoros Uranos (# 25617). Am Fluß Spercheios trafen beide Armeen aufeinander, zunächst durch den Fluß getrennt. Die Bulgaren, im Glauben, daß der Fluß unpassierbar sei, hatten ihr Lager nicht durch Wachen abgesichert. Jedoch fand Nikephoros Uranos eine Furt, setzte überraschend über und bereitete den Bulgaren eine schwere Niederlage. S. selbst und sein Sohn Gabriel-Radomir sollen sich nur mit Mühe und verwundet nach Bulgarien gerettet haben. Angeblich entkamen sie nur, weil sie sich unter den Leichen der erschlagenen Bulgaren verbargen. Nikephoros Uranos nahm das bulgarische Lager mit reichen Schätzen ein, befreite die byzantinischen Gefangenen und kehrte erfolgreich nach Thessalonike zurück. Vermutlich fand diese Schlacht im Herbst/Winter 996 statt. Die Überreste der bulgarischen Gefallenen waren angeblich noch im Winter 1018/19 zu sehen (14). Yaḥyā berichtet über dieses Ereignis, daß Nikephoros Uranos nach der Schlacht am Spercheios 1.000 Köpfe und 12.000 Gefangene nach Konstantinopel habe bringen lassen, worauf S. dem Kaiser Basileios seine Unterwerfung zugesichert habe. Nach einem neuerlichen Ausbruch des Krieges mit den Bulgaren infolge der Ausrufung des S. zum alleinigen Herrscher über ganz Bulgarien sei Nikephoros Uranos vom Kaiser mit einem weiteren Feldzug auf bulgarisches Gebiet betraut worden. Laut Yaḥyā zog er drei Monate brandschatzend durch das Land, ohne auf Widerstand zu stoßen, und kehrte dann nach Konstantinopel zurück. Diese Ausrufung des S. zum Herrscher Bulgariens wird von Yaḥyā mit dem Tod des Romanos – der Skylitzes zufolge allerdings 1002 noch am Leben war – in Verbindung gebracht (15).

Nach der Rückkehr von der Schlacht am Spercheios stimmte S. einer Heirat zwischen seiner Tochter Miroslava und dem Gefangenen Ašot Taronites zu, nachdem Miroslava mit Selbstmord gedroht hatte, wenn diese Heirat nicht erlaubt würde. S. ließ Ašot frei und schickte das Paar nach Dyrrhachion, wo Ašot die Statthalterschaft übernehmen sollte. Ašot trat jedoch zusammen mit seiner Frau auf die byzantinische Seite über. Dyrrhachion fiel kurz darauf, wohl 998 oder wenig später, an Byzanz (16).

998 eroberte S. die Herrschaft Zeta/Diokleia und nahm den kroatischen Fürsten Vladimir (# 28434) gefangen, den er später mit seiner Verwandten Kosara (# 22032) verheiratete (17).

Ca. 1002 kam es zu einer erneuten Intensivierung des Kriegs mit Byzanz, ohne daß sich die einzelnen Feldzüge immer genau unterscheiden ließen. Wohl 1002 unternahm Basileios II. einen Feldzug gegen Vidin (an der Donau), das er nach acht Monaten Belagerung im Sturm nahm. S. versuchte, durch einen Gegenangriff, der nach Thrakien führte, die Byzantiner abzulenken. Am 15. August (Entschlafung Mariens) erschien er vor Adrianupolis. An diesem Tag fand ein großes öffentliches Fest (πανήγυρις) vor den Toren der Stadt statt, und S. konnte reiche Beute machen. Auf dem Rückmarsch trafen beide Heere in der Nähe von Skopje am Fluß Vardar zusammen. Die Bulgaren hatten keine Wachen aufgestellt, da sie glaubten, daß der Fluß für die Byzantiner unpassierbar sei. Jedoch fand ein byzantinischer Soldat (# 31941) eine Furt, Basileios überschritt den Fluß, griff die Bulgaren überraschend an und konnte das bulgarische Heerlager nehmen. S. entkam nur mit Mühe. Die meisten seiner Soldaten fielen oder wurden gefangen (18).

Im Jahre 1014 nahm Basileios II. seine Angriffszüge gegen Bulgarien wieder auf oder führte sie, wie Skylitzes schreibt, fort. S. versuchte, dies durch die Befestigung der Haupteinfallsrouten nach Bulgarien zu verhindern. Jedoch gelang es den Byzantinern am 20. Juni am Kleidion-Paß bzw. bei Ključ, die Bulgaren zu umgehen. Die bulgarischen Truppen wurden weitgehend aufgerieben oder gefangengenommen. S. selbst konnte sich nur mit Mühe und mit Hilfe seines Sohnes Gabriel-Radomir retten. Angeblich sollen auf Befehl des Basileios II. 15.000 gefangene Bulgaren geblendet worden sein. Je 100 habe man einen einäugigen Führer mitgegeben und sie alle so zu S. geschickt. Als dieser sie gesehen habe, sei er vom Schlag getroffen worden und zwei Tage später am 6. Oktober 1014 in Prilep gestorben (19).

Begraben wurde S. in der Kirche des hl. Achilleios auf der Insel des hl. Achilleios im Prespa-See. Die dortige Kirche hatte er selbst ca. 988 erbauen lassen, nachdem er die Reliquien des hl. Achilleios von Larissa dorthin gebracht hatte. Zum Zeitpunkt seines Todes war er etwa 70 Jahre alt (20).

S. wird auch mehrfach in den Gedichten des Dichters Ioannes Geometres (# 23092) erwähnt. So wird er in einem Epigramm mit dem Erscheinen eines Kometen verglichen, für den zwei historische Kometen in Frage kommen, entweder der Komet des Jahres 975 oder der des Jahres 989 (21).

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Basileios 11, p. 328,59-63; erste – anachronistische – Erwähnung in griechischen Quellen bei Skylitzes, Basileios und Konstantinos 5, p. 255,76 – 256,81; Zonaras XVI 23, p. 495,7-13; zu den “Söhnen des Komes”, im Armenischen: Komsadzagk‘ (Stephan von Taron [Asołik]), cf. ODB II 1140 s. v. “Komsajagk”; Seibt, Kometopulen 83; zu dem mutmaßlichen Alter von S. cf. Moutsopoulos, Tombeau 123–125. — (2) Stephan von Taron III, cap. 22, p. 186,4-9 (Gelzer). — (3) Skylitzes, Basileios 11, p. 329,91 (nur für Gabriel-Radomir); Skylitzes, Basileios 35, p. 349,48-51: Agathe war anscheinend eine Tochter des Ioannes Chryselios (# 23183) aus Dyrrhachion, der 998 oder wenig später Dyrrhachion den Byzantinern übergab. Wenn das zutrifft, dann dürfte sie vor diesem Zeitpunkt gestorben sein; die früher in der Literatur als Tochter von S. angenommene Kosara (# 22032) war zwar anscheinend eine Verwandte von S., aber keine Tochter; s. dort. — (4) Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 22, p. 186,9-12 (Gelzer); p. 125 (Macler); Zitat und Übersetzung auch bei Seibt, Kometopulen 82f. — (5) Cf. hierzu die Diskussion bei Seibt, Kometopulen 81–89. — (6) Skylitzes, Basileios 11, p. 328,63 – 329,77; 30, p. 346,64-69; Zonaras XVII 8, p. 560,15-18. — (7) Skylitzes, Basileios 11, p. 328,57-63; 329,86-91; Zonaras XVII 6, p. 547,5 – 548,7 (gibt als Motiv zusätzlich an, daß Aaron selbst nach der Herrschaft gestrebt habe); als Motiv nimmt Seibt, Kometopulen 93–95, aufgrund einer Angabe bei Stephan von Taron (Asołik) an, daß Basileios II. versucht habe, Aaron durch ein Heiratsangebot auf die byzantinische Seite zu ziehen. — (8) Skylitzes, Basileios 11, p. 329,91 – 330,9. — (9) Skylitzes, Basileios 12, p. 330,14 – 331,51; Zonaras XVII 6, p. 548,12 – 549,18; Yaḥyā [p. 210f.] p. 418f. (PO 23,3); 10:141f., p. 193 (Pirone); die Hinrichtung des Aaron erfolgte wahrscheinlich am 14. Juni 987, cf. Seibt, Kometopulen 93. Die byzantinische Niederlage bei der Trajanischen Pforte fand auch Widerhall in einem Gedicht des Ioannes Geometres: εἰς τὸ πάθος  Ῥωμαίων ἐν τῇ Βουλγαρικῇ κλείσει, 4 vv., ed. van Opstall, p. 306 (Nr. 90) = ed. Cramer, p. 296,21-25. — (10) Leon Diakonos, Historia X 10, p. 175,9-11. — (11) Yaḥyā [p. 223] p. 431 (PO 23,3); 10:173, p. 201 (Pirone). — (12) Skylitzes, Basileios 23, p. 341,13-22; zu der Heirat s. unter Ašot. — (13) Skylitzes, Basileios 32, p. 347,81f. (chronologisch falsch eingeordneter Einschub). — (14) Skylitzes, Basileios 23, p. 341,22 – 342,51; 43, p. 364,76-78; Zonaras XVII 8, p. 558,12 – 559,10; zum wahrscheinlichen Datum der Schlacht cf. Strässle, in: BF 26 (2000) 231–254. — (15) Yaḥyā [p. 238f.] p. 446f. (PO 23,3); 11:27f., p. 213 (Pirone); cf. Dölger-Müller, Regesten Nr. 785b (Beihammer). — (16) Skylitzes, Basileios 24, p. 342,52 – 343,67; laut Lupus Protospatarius 56 kehrte Dyrrhachion erst im Jahre 1004/05 in byzantinische Hände zurück. — (17) Skylitzes, Basileios 38, p. 353,64 – 354,67; Priester von Diokleia (ed. Šišić) cap. 36, p. 331–337. — (18) Skylitzes, Basileios 30, p. 346,44-64; Zonaras XVII 8, p. 559,11 – 560,15; Yaḥyā [p. 253f.] p. 461f. (PO 23,3); 12:33, p. 226 (Pirone). Zu datieren ist diese Niederlage laut Cheynet, Skylitzès 289 Anm. 152 auf etwa 1003/04; die Übereinstimmungen mit der bulgarischen Niederlage von 996 am Spercheios (s. oben mit Anm. 14) sind so stark, daß eine Dublette nicht ausgeschlossen erscheint. — (19) Skylitzes, Basileios 35, p. 348,9 – 349,44; ihm folgend: Zonaras XVII 9, p. 563,3 – 564,8; das Datum 6. Oktober findet sich in einem Zusatz zu Skylitzes (p. 349,45); laut Skylitzes, Basileios 36, p. 351,94-1, starb er am 24. Oktober. In der Forschung umstritten ist die Frage, ob Basileios II. wirklich während der Jahre vor 1014 ununterbrochen in Bulgarien Krieg geführt hat. Eine persönliche Beteiligung des Kaisers ist zwischen 1004 und 1014 nicht nachzuweisen. Jedoch ist es natürlich möglich und nicht unwahrscheinlich, daß der Krieg durch lokale Befehlshaber geführt worden ist. Daß tatsächlich 15.000 Bulgaren geblendet worden sind, wird in der Forschung gleichfalls und mit guten Gründen bezweifelt; der Tod S.s findet auch Erwähnung bei Lupus Protospatarius 57 (a. 1015). — (20) Moutsopoulos, Tombeau 124f., spricht sich “avec réserve” für eine Identität der in einem der vier Sarkophage gefundenen Leiche mit S. aus. Weitere Leichen ordnet er den Kindern des Gabriel-Radomir zu; zu dem Kirchenbau cf. idem,  Ἡ βασιλικὴ τοῦ ἁγίου Ἀχιλλείου στὴν Πρέσπα, Thessalonike 1989. — (21) Ioannes Geometres, Εἰς τὸν κομητ(ό)π(ου)λ(ον), ed. Cramer, Appendix, p. 283,15-26. S. wird in einem Wortspiel mit dem Beinamen des S. als irdischer Komet (κάτω κομήτης) einem Kometen am Himmel (ἄνω κομήτης) gegenübergestellt, v. 1f. Zum Kometen des Jahres 975 cf. Leon Diakonos, Historia X 6, p. 168,10 – 169,13; Kronk, Cometography 159–161. Die Identifikation mit dem Kometen des Jahres 975 ist wohl zuerst von Krumbacher, Litteratur 731, vorgenommen worden. Bei dem Kometen des Jahres 989 handelt es sich um den im Sommer/Herbst 989 sichtbaren Kometen Halley: Leon Diakonos, Historia X 10, p. 175,6-20 und p. 176, 11f.: vor dem Erbeben vom 25. Oktober 989; Stephan von Taron III 27, p. 190,5-13 (Gelzer); p. 132 (Macler), mit genauer Datierung: an Mariae Entschlafung des Jahres 438 armenischer Ära = 15.8.989; Yaḥyā [p. 225] p. 433 (PO 23,3); 10:178, p. 203 (Pirone): “in der Nacht des Sonntags, 19. Rabī‘ I 379 a. h.” (laut PO 23,3 und Pirone der 27.7.989 [kein Sonntag, sondern ein Samstag, der nach unserer Umrechnung dem 19. Rabī‘ II 379 a. h. entspricht], nach den üblichen Umrechnungstabellen aber der 27.6.989 [ebenfalls kein Sonntag, sondern ein Donnerstag]. So liegt in Yaḥyās Datierung wohl ein Fehler vor.) Der Komet war dann 20 Tage lang sichtbar. Zu Halley cf. auch Kronk, Cometography 162–165. Die irrtümliche Datierung auf 985 durch Orgels, in: Byz 42 (1972) 420, beruht auf der fehlerhaften Datierung bei Skylitzes 331f. Angesichts der zeitlichen Nähe zum Aufstieg des S. wäre wohl eher an den Kometen des Jahres 975 zu denken, angesichts der Lokalisierung (in der Nähe der Venus) wohl eher an den des Jahres 989, cf. Ioannes Geometres, Εἰς τὸν κομητόπουλον, v. 4:  Ἐκεῖνος (sc. κομήτης/ἀστήρ) ἠμεροῦτο φωτὶ Φωσφόρου. Leon Diakonos, Historia X 10, p. 175,11f.: ὁ πρὸς δύσιν ἐπὶ καταφορὰν τοῦ φωσφόρου ἀνίσχων ἀστήρ, ... Jüngst entschied sich van Opstall 314 Anm. 80 für den Kometen Halley (989). Von der Entscheidung für einen der beiden Kometen würde einen die Hypothese befreien, daß die Zeitgenossen den Kometen von 975 und den von 989 (irrtümlich) für ein und denselben Kometen hielten, der im Jahre 989 zum zweiten Mal erschien. Für diese Hypothese würde sprechen, daß Stephan von Taron (loc. cit.) für das Jahr 989 von einem “zweiten Erscheinen” des Kometen spricht und Leon Diakonos X, p. 175, beide Kometen durcheinanderzubringen bzw. auch nur von einem Kometen zu sprechen scheint. Ioannes Geometres spielt auch in anderen Gedichten auf die Bulgarenkriege an, so in dem Gedicht “Auf die Niederlage der Rhomäer im bulgarischen Paß” — Εἰς τὸ πάθος  Ῥωμαίων τὸ ἐν τῇ Βουλγαρικῇ κλείσει (4 vv.), ed. van Opstall 306 (Nr. 90); ed. Cramer 296,21-25, das sich auf die Niederlage des Basileios II. bei der Trajanischen Pforte im August 986 bezieht. Zwei Gedichte scheinen auf die Annahme kaiserlicher Würden durch S. anzuspielen: das Gedicht Nr. 91, ed. van Opstall 312 (4 vv.); ed. Cramer, p. 296,26-29, wo in v. 3 die Rede davon ist, daß “Istros” die Krone Roms ergreifen solle ( Ἴστρος ἕλε στέφανον  Ῥώμης), und das Epigramm Εἰς τοὺς Βουλγάρους, ed. Cramer 282,31 – 283,8 (8 vv.); s. dazu Lauxtermann, Poetry 289 mit Anm. 10; van Opstall 552 (Nr. 29).

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras. — (Hag.): Vita Niconis (BHG 1366. 1367) cap. 43, p. 148. — (Fs.): Kekaumenos, cap. 169–170, p. 65f. (W.–J.); p. 250,14 – 252,16 (Litavrin, § 73); p. 202,18 – 204,23 (Spadaro). — (Vers.): Ioannes Geometres, Εἰς τὸν κομητ(ό)π(ου)λ(ον) (4 vv.), ed. Cramer, p. 283,15-26; ältere Ed. in: PG 106, col. 920; ebenfalls abgedruckt bei Leroy-Molinghen, in: Byz 42 (1972) 410 (franz. Übers. ibid. 410f.). — (lat.): Lupus Protospatarius 57 (a. 1015); Anonymus Barensis 148 (a. 1015); Ademar, Historiae III 32, p. 131,6-15 (MGH); III 32, p. 154,5 – 155,10 (Bourgain); Priester von Diokleia (ed. Šišić) cap. 33, p. 330; cap. 36, p. 331–337. — (arm.): Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 22, p. 186,4-18 (Gelzer); p. 124f. (Macler). — (arab.): Yaḥyā — (sl.): Inschrift bei German, in: Seibt, Kometopulen 97; Malingoudis, Inschriften 39–42; Abbildung in Istorija na Bălgarija II 401; Popkonstantinov–Kronsteiner, Inschriften 36f. (Edition und Abbildung); KME III (2003) 529–531 (Edition und Abbildung: p. 530).

L: ODB II 1140f. s. v. “Kometopouloi”; III 1838 s. v. “Samuel of Bulgaria”; LdMA VII (1995) 1348; SSS II (1964) 449 s. v. “Kometopuli”; V (1975) 41f. s. v. “Samuel”. — Zlatarski, Istorija I/2 643–745. 813–816; Adontz, Samuel passim; Ferluga, in: ZRVI 9 (1966) 75–84 (Ndr. in: J. Ferluga, Byzantium on the Balkans, Amsterdam 1976, 345–354); Leroy-Molinghen, in: Byz 39 (1969) 497–500; Tivčev, in: ByzBulg 3 (1969) 42; Vlasto, Entry of the Slavs 180–182; Leroy-Molinghen, in: Byz 42 (1972) 405–419; Orgels, in: Byz 42 (1972) 420–422; R. Ljubinković, L’Illyricum et la question romaine à la fin du Xe et au début du XIe siècle, in: La chiesa greca in Italia III, Padua 1973, 917–969; Seibt, Kometopulen passim; Istorija na Bălgarija II 390–417; Ferluga, in: Byzantina 10 (1980) 439–445; Moutsopoulos, Tombeau; Bourgain, in: Ademar, Historiae (Bourgain), p. 285; Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 331–334; Pirivatrić, Samuilova država 73–120. 133ff. passim; Nikolov, Centralizăm 124–127; Stephenson, Basil 26. 28–31. 34f.; Geschichte Südosteuropas 73–75. — Zur Inschrift Samuels bei German cf. Prinzing, in: Südost-Forschungen 40 (1981) 260; KME III (2003) 529–531; SLER 316; zur Herkunft der Kometopulen cf. auch Pirivatrić, Samuilova država 57–71; zu den Gedichten des Ioannes Geometres auf S. cf. auch Lauxtermann, Poetry 289; van Opstall 305–315.

Angehörige (anonym):

1. Sohn 26983A

V: Als nach dem Tod des Zaren Ivan Vladislav (# 23582) im Februar 1018 der bulgarische Widerstand zusammenbrach, begab sich auch die Witwe des Ivan Vladislav, Maria (# 24944), mit ihren Kindern und weiteren Verwandten zu Basileios II. Unter diesen Verwandten wird auch ein unehelicher Sohn (νοθογενὴς υἱός) des S. erwähnt. Sie alle wurden von Basileios II. nach Konstantinopel geschickt, wo sie beim triumphalen Einzug des Kaisers durch das Goldene Tor dem Kaiser vorausziehen mußten.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 41, p. 359,20-26; 43, p. 364,66 (Zusatz).

2. Zwei Töchter 26983AB

V: Skylitzes berichtet, daß Kaiser Basileios II., als nach dem Tod des bulgarischen Zaren Ivan Vladislav im Februar 1018 der bulgarische Widerstand zusammenbrach, durch Bulgarien zog, um die gewonnenen Gebiete in Besitz zu nehmen. Hierbei wurde er offenbar zumindest teilweise von Maria, der Witwe des Ivan Vladislav, begleitet. Als er sich in Kastoria aufhielt, sahen zwei Töchter des S., welche Ehren der Kaiser Maria erwies, und stürzten sich auf sie, um sie zu töten. Basileios II. schritt jedoch ein, und es gelang ihm, durch ehrenvolle Behandlung und reiche Geschenke den Grimm der beiden Töchter S.s zu besänftigen. Bei dem triumphalen Einzug des Basileios in Konstantinopel durch das Goldene Tor mußten Maria, die Töchter S.s, die anderen Bulgaren und der bulgarische Erzbischof dem Kaiser vorausgehen.

Q: — (Hist.): Skylitzes 43, p. 363,57 – 364,63; 364,89 – 365,91.

P: Laut Nikephoros Bryennios I 2 (p. 19 M); p. 77,12f. (Gautier), heiratete eine Tochter des S. names Aikaterina den späteren Kaiser Isaak I. Komnenos. Jedoch handelt es sich hier um einen Irrtum des Autors. Aikaterina war eine Großnichte des S. und Tochter des Ivan Vladislav.

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