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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Senek‘erim-Yovhannēs Arcruni

Σεναχηρείμ

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
27008
Namensvariante
Yovhannēs s. Senek‘erim-Yovhannēs Arcruni; Senachyreim (griech. Namensform); Senacherim (griech. Namensform); Sanḥārīb (arab.); Arcruni (Familienname); Senek‘arim (arm. Variante)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
11. Jh.
Erste Erwähnung
1021
ethnos
Armenien
Religion
Armenier
Titel / Beruf
Patrikios; Strategos Kappadokien; Herrscher Vaspurakan = Archon Asprakania (griech.); Magistros; König Vaspurakan = malik Asfaraǧān (arab.) = malik Isfaraǧān (arab.); Malik Isfaragan: malik Isfaraǧān (arab.) = König Vapurakan; Malik Asfaragan: malik Asfaraǧān (arab.); arkay: ark‘ay (arm.) = "König"; tagawor: t‘agawor (arm.) = "König"
Name normalisiert
Senekerim-Yovhannes
Ort
Asprakania (griech.) = Vaspurakan = Asfaraǧān (arab.); Vaspurakan; Sebasteia (Kappadokien); Larissa (Kappadokien); Abara (Kappadokien); Kappadokien (L); Asfaragan: Asfaraǧān (arab.) = Vaspurakan = Isfaraǧān (arab.); Kappadokien (T); Varag (Vaspurakan)
Quelle
Skylitzes; Aristakēs Lastivertc‘i; ‘Aẓīmī; Yaḥyā; Thomas Artsruni; Stephan von Taron (Asołik); Matthäus von Edessa; Samuel von Ani; Kekaumenos; Vardan; Mat‘evosean, Kolophone (arm.)

N: Griechische Variante: Senachureim — Σεναχυρείμ (Kekaumenos); arab.: Sanḥārīb. Armenische Variante: Senek‘arim.

T: König von Vaspurakan (1003/04–1021), arm.: ark‘ay (König), t‘agawor (König); auch in den arabischen Quellen wird er als “König von Vaspurakan” bezeichnet — arab.: malik Asfaraǧān. Aus byzantinischer Perspektive war er Herrscher (Archon) über Asprakania (Vaspurakan) — ὁ τῆς ἄνω Μηδίας ἄρχων, ἣν Ἀσπρακανίαν ὀνομάζουσιν σήμερον (Skylitzes); Patrikios (Skylitzes) (laut Kekaumenos: Magistros) und Strategos von Kappadokien — στρατηγὸς Καππαδοκίας (Skylitzes).

V: S. war der Sohn des Abū Sahl und der jüngere Bruder des Ašot (König von Vaspurakan 968/69–990/91) sowie des Gurgēn (# 22530). S. selbst hatte vier Söhne: Dawit‘ (David [# 21441]), Atom, Abū Sahl und Konstantinos, sowie zwei Töchter: Maria (# 24943) und S.n.ǧār (# 26911), die nur bei ‘Aẓīmī erwähnt wird. Seine Ehefrau war Xušuš (Chuschusch, griech.: Χουσούσα). Aus dem Geschichtswerk des Vardan sind drei Neffen des S. bekannt: Derenik (# 21536), Gagik und Ašot.

Als Kaiser Basileios II. nach dem Tode Davids III. von Tao (# 21432) im Sommer 1000 dessen Reich annektierte, empfing er S. und dessen Bruder Gurgēn und ließ sich von ihnen huldigen. S. wird hierbei von Stephan von Taron (Asołik) – ebenso wie sein Bruder Gurgēn – als “König von Vaspurakan” bezeichnet, was er aber – zu Lebzeiten seines Bruders – noch nicht gewesen sein dürfte. Der Titel dürfte ihm hier für das Jahr zu unrecht zugeschrieben worden sein. Stephan von Taron berichtet, Basileios II. habe sie mit reichen Geschenken bedacht und habe in ihrem Interesse Botschaften an die arabischen Emire in der Nachbarschaft von Vaspurakan geschrieben, in denen er sich als Schutzherr von S. und Gurgēn präsentierte und die arabischen Emire eindringlich mahnte, ihre Übergriffe auf Vaspurakan zu beenden (Stephan von Taron III, cap. 46; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 792). Das Treffen von Gurgēn und S. mit Kaiser Basileios II. wird von Beihammer (in: Dölger–Müller, Regesten Nr. 791) in die Zeit nach dem 7. Juli 1000 und nach dem Aufenthalt des Kaisers in Havačič‘ datiert. Matthäus von Edessa stellt den Sachverhalt so dar, daß S. im Jahre 449 der armenischen Ära (März 1000 – März 1001) einen Bündnis- und Friedensvertrag schloß (I, cap. 42, p. 41 [Dostourian]).

Laut Stephan von Taron bestieg S. nach dem Tode seines Bruders Gurgēn im Jahr 452 der armenischen Ära (21.3.1003 – 19.3.1004) den Königsthron von Vaspurakan und herrschte 20 Jahre (Stephan von Taron III, cap. 46), doch mißt Stephan von Taron (oder ein späterer Bearbeiter, s. Prolegomena) dem S. hier zwei Jahre zuviel zu.

Im Winter 1021/22 (cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 811a [809] [Beihammer]. Thomas Artsruni datiert auf das Jahr 470 der armenischen Ära [16.3.1021 – 15.3.1022].) übergab S. sein Reich an Byzanz und wurde dafür mit dem Titel eines Patrikios und dem Amt des Strategos von Kappadokien entschädigt. Darüber hinaus erhielt er die Städte Sebasteia, Larissa, Abara und viele andere Plätze (Skylitzes: καὶ κτήσεις ἀντιλαβὼν τάσδε τὰς πόλεις, τὴν Σεβάστειαν, τὴν Λάρισσαν, τὴν Ἄβαραν, καὶ ἄλλας κτήσεις πολλάς). Laut Matthäus von Edessa hatte S. dem Kaiser 72 Festungen, 4.400 Dörfer sowie Klöster übergeben, nicht aber die 115 Klöster auf dem Territorium von Vaspurakan (I, cap. 49, p. 45 [Dostourian]; mit fast gleichen Zahlen Samuel von Ani – die Zahlen sind sicherlich übertrieben!). Grund für die Abtretung war laut Skylitzes sowie den armenischen Autoren Matthäus von Edessa, Samuel von Ani und Vardan der starke Druck der muslimischen Nachbarreiche. Matthäus von Edessa erwähnt im besonderen einen Angriff türkischer Verbände im Jahre 467 armenischer Ära (März 1018 – März 1019), auf deren Waffen (besonders effiziente Bogen) und Kampfesweise das Heer von Vaspurakan nicht vorbereitet war (I, cap. 48, p. 44f. [Dostourian]). Yaḥyā berichtet zusätzlich, daß auch Derenik (# 21536), der Neffe des S., und andere Familienangehörige vom Kaiser Titel und großzügige Schenkungen bekamen.

Im Jahr 412 a. h. (17.4.1021 – 5.4.1022) besiegte Basileios II. den georgischen König Giorgi I. (# 22309). Laut ‘Aẓīmī schenkte Giorgi dem Kaiser, nachdem er von diesem begnadigt worden war, seine Kriegsgefangene S.n.ǧār (# 26911), die angeblich eine Tochter des S. war.

S. starb 1025 (cf. Dédéyan, in: Byz 45 [1975] 81) oder 1027 (Matthäus von Edessa, ed. Dostourian, p. 297). Falsch sind jedenfalls die Angaben bei Matthäus von Edessa (I, cap. 52–54, p. 48–50), nach dem sowohl Basileios II, wie auch S. im Jahre 478 der armenischen Ära (14.3.1029 – 13.3.1030), in dem sich auch weitere böse Omina zeigten, starben. Es beerbte ihn sein ältester Sohn Dawit‘ (David [# 21441]).

Eine heute nicht mehr erhaltene Grabinschrift in der Georgskapelle in Varag in Vaspurakan, die S.s Beisetzung in dieser Kapelle im Jahre 1029 vermerkt, ist vermutlich jünger als 1029 gewesen und daher ohne historischen Wert (cf. Thierry, in: REA 6 [1969] 154).

Q: — (Hist.): Skylitzes, Basileios 39, p. 354,94 – 355,6. — (Fs.): Kekaumenos, cap. 245, p. 96,25-30 (W.-J.). — (arm.): Thomas Artsruni IV, cap. 12 [p. 306–310] p. 369–374 (Thomson); Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 43, p. 211,17-25 (Gelzer); p. 165 (Macler); cap. 46, p. 214,21-23 (Gelzer); p. 169 (Macler); Samuel von Ani (Brosset) p. 443; Matthäus von Edessa I, cap. 42, p. 41; I, cap. 48f., p. 44f.; I, cap. 54, p. 50. (Dostourian); Vardan, cap. 51 [92], p. 190 (Thomson); verwechselt mit seinem Sohn David: Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 3, [34] p. 19 (Canard–Berbérian); Mat‘evosean, Kolophone (arm.) Nr. 87, p. 73. — (arab.): ‘Aẓīmī 325,3f.; Yaḥyā [p. 94f.] p. 462f. (PO 47,4); 15:28, p. 324 (Pirone).

L: Thierry, in: REA 6 [1969] 154; Dédéyan, in: Byz 45 (1975) 78–82. 101–103; Garsoïan, Kingdoms 166. 170; eadem, Annexation 189f.; Ripper, Marwāniden 37; Dölger–Müller, Regesten; Nr. 791. 792. 811a [809]. 811c. 814b. — Zu den Söhnen des S. s. Cheynet, in: SBS 9 (2006) 220–226.

P: Aristakēs Lastivertc‘i bringt S.s Sohn Dawit‘ mit S. durcheinander, so daß sein Text den Eindruck erweckt, S. selbst hätte an der Verschwörung des Nikephoros Xiphias (# 25661) und des Nikephoros Phokas (# 25675) teilgenommen, sich dann jedoch eines besseren besonnen und den Nikephoros Phokas (Cṙaviz) mithilfe einer List getötet sowie dessen abgeschlagenen Kopf von seinen Leuten zu Kaiser Basileios II. bringen lassen, s. Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 3, [34] p. 19 (Canard–Berbérian). Aus den anderen Quellen (Matthäus von Edessa, Vardan) geht jedoch hervor, daß es Dawit‘ war, der Nikephoros Phokas tötete.

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