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Sisinnios

Σισίννιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
27115
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
959
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Eparchos tes poleos (Kpl.); Stadteparch (Kpl.); Sakellarios; Chartularios; Apo sakelliu; Protospatharios; Patrikios; Logothetes Genikon; Gen. Legothetes; Magistros; Richter (in seiner Funktion als Eparchos tes poleos)
Name normalisiert
Sisinnios
Ort
Kpl.: Praitorion; Praitorion (Kpl.)
Quelle
Theodoros Daphnopates, Epp.; Theoph. cont. 6; Skylitzes; Ps.-Symeon; Inscriptions (Guillou); Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Tesoro San Marco; Jordanov, in: SBS 9; Jordanov, Corpus III; Leontiades

T: Protospatharios und apo sakelliu — ἀπὸ σακελλίου, Sakellarios oder Chartularios; Protospatharios und Eparchos tes poleos (Stadteparch von Konstantinopel); Patrikios und genikos Logothetes (Inscriptions [Guillou]; cf. Theoph. cont. 470,4); Magistros und Eparchos tes poleos (Skylitzes 275,88-91).

V: Die früheste greifbare Station seiner Karriere war in der Finanzverwaltung angesiedelt, er wird bezeichnet als apo sakelliu — ἀπὸ σακελλίου, war also ehemals Finanzbeamter im Sakkelion, entweder Sakellarios oder ein niederer Beamter, etwa Chartularios (cf. dazu Brandes, Finanzverwaltung 427–479), im Range eines Protospatharios.

Von Kaiser Romanos II. (959–963) wurde der von Theoph. cont. bei dieser Gelegenheit als Protospatharios und apo sakelliu bezeichnete S. zum Eparchos tes poleos (Stadteparch von Konstantinopel) ernannt. Wenig später (μετὰ βραχύ) sei er zum Patrikios und genikos Logothetes ernannt worden (Theoph. cont.; Symeon log. [Cod. Vat. gr. 163]; Ps.-Symeon). In dieser Zeit (959–963) stiftete er auch einen Abendmahlskelch (Poterion) für eine Kirche in Konstantinopel, der sich heute im Schatz von San Marco in Venedig befindet, wie aus der Invokationsinschrift auf den silbernen Einfassungen des Gefäßes hervorgeht (S. Patrikios und genikos Logothetes).   

Gegen Mitte der 60er Jahre des 10. Jh.s war er Adressat eines Briefes (Ep. 33) des Theodoros Daphnopates (# 27694) und wird dort wiederum als Protospatharios und Eparchos (tes poleos) tituliert (s. P). Zwischen den beiden Amtszeiten des S. als Eparchos tes poleos hatten zunächst Theodoros Daphnopates und anschließend Konstantinos (# 23920) das Eparchenamt von Konstantinopel inne. S. wäre Ostern (31. März) des Jahres 967 beinahe in Ausübung seines Dienstes als Magistros und Eparchos (tes poleos) bei der Niederschlagung eines Aufruhrs in Konstantinopel ums Leben gekommen (cf. Skylitzes).

In dem möglicherweise von Theodoros Daphnopates verfaßten Abschnitt der Chronik des Fortsetzers des Theophanes, Theoph. cont., wird S. außerordentlich positiv gewürdigt. Seine Amtsführung sei gerecht und maßvoll gewesen. Ebenso werden seine Gerichtsurteile gelobt. Zu seinen, ebenfalls gelobten Mitarbeitern gehörten der Asekretis Theophylaktos Matzitzikos (# 28224) und der Spatharokandidatos und Krites Ioseph (# 23528).

Q: — (Hist.): Theoph. cont. 470,3-6; Symeon log. [Cod. Vat. gr. 163] 15,11-16; Ps.-Symeon 757,13-15; Skylitzes, Nikephoros 19, p. 275,88-91. — (Ep.): Theodoros Daphnopates, Epp. 15. 16 (beide ohne Namensnennung). 33 (Darrouzès–Westerink). — (Sg.): Jordanov, in: SBS 9 (2006) 48a = idem, Corpus III 813: Σισιννίῳ πατρικίῳ καὶ γενικῷ λογοθέτῃ. Leontiades, in: SBS 9 (2006) 26 Nr. 4: Σισιννίῳ μαγίστρῳ καὶ γενικῷ λογοθέτῃ. — (Inscr.): Tesoro San Marco (Grabar), p. 67 (Catal. Nr. 57; Inv.: Tesoro 83) = Inscriptions (Guillou) Nr. 72.

L: Markopoulos, in: Symmeikta 3 (1979) 109; idem, Joseph 10f.; Darrouzès–Westerink 19f. 23; Guillou, in: Inscriptions (Guillou) 76f.; Jordanov, Corpus III.

P: Zwischen 961 und 963 kam es zu einem seltsamen Briefwechsel zwischen Kaiser Romanos II. und Theodoros Daphnopates (# 27694). Der Kaiser ließ Theodoros den Text eines kaiserlichen Pittakions (τοῦ πρωτοτύπου βασιλικοῦ πιττακίου), der angeblich einen Traum des Kaisers protokollierte, zustellen und bat ihn vordergründig um die Deutung des Traumes (Ep. 15). In dem Traum fand sich der Kaiser zunächst in einer prächtigen und mit reichem Schmuck ausgestatteten Kirche wieder. Im nächsten Augenblick war die Kirche jedoch völlig verwahrlost und vom Einsturz bedroht. Darüber erschrak der Kaiser sehr. Sein Begleiter erklärte ihm, wenn die Kirche einstürzen sollte, würde die gesamte Oikumene zugrundegehen. Dies könne nur verhindert werden, wenn der, der sich früher um diese Kirche gekümmert hatte (ὁ πρότερον ἐπιμελόμενος τοῦ ναοῦ καὶ τοῦ ἐν αὐτῷ θησαυροῦ), wieder in sein Amt eingesetzt werde (τὸ οἰκεῖον ἀναλαβὼν ἀξίωμα). Dieser würde die Schmucklosigkeit in Pracht und die Armut in Reichtum verwandeln. Anschließend zeigte der Begleiter dem Kaiser den Mann, den er meinte. Wie bereits die Herausgeber wohl zu Recht vermutet hatten (cf. Darrouzès–Westerink 20), geht es in dem Traum bzw. Brief um die Wiedereinsetzung eines höheren Würdenträgers mit großer Verantwortung für die Geschicke des Reiches bzw. der Kirche. Diese Wiedereinsetzung soll durch den Traum des Kaisers gewissermaßen gerechtfertigt werden, Theodoros Daphnopates wird in dem Schreiben über die künftige Wiedereinsetzung des Würdenträgers informiert. Darrouzès–Westerink äußerten weiterhin die Vermutung, daß ein wahrscheinlicher Kandidat für diesen Würdenträger der Stadteparch S. gewesen sei, der vor und auch nach Theodoros das Amt des Stadteparchen von Konstantinopel innehatte und folglich wieder in sein ehemaliges Amt eingesetzt worden war. Diese Identifizierung bleibt jedoch insgesamt zweifelhaft. Zum einen würde sie doch eine recht harsche Kritik an der Amtsführung des Theodoros implizieren, zum anderen käme ebenso ein anderer Würdenträger mit vielleicht sogar weitreichenderen Befugnissen als der Stadteparch in Frage. So wären in Bezug auf die Kirche vor allen der Patriarch Polyeuktos (# 26715) und in Bezug auf das Reich auch der Feldherr Nikephoros Phokas (der spätere Kaiser) oder der Parakoimomenos Ioseph Bringas (# 23529) mögliche Kandidaten; von keinem dieser Würdenträger ist jedoch ausdrücklich überliefert, daß sie unter Romanos II. vorübergehend in Ungnade fielen. Am ehesten trifft dies noch auf den Patriarchen Polyeuktos zu, der wohl in Ungnade stand, aber nicht offiziell abgesetzt wurde. Letztendlich kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden. Theodoros verstand natürlich das kaiserliche Schreiben (das in Wirklichkeit keine Deutungsmöglichkeiten offenließ!) sehr wohl, antwortete jedoch recht umständlich und ausweichend – was dafür sprechen könnte, daß er die Wiedereinsetzung des Würdenträgers nicht unbedingt begrüßte – in seinem längeren Antwortschreiben (Ep. 16), ohne freilich dem Kaiser direkt zu widersprechen. — Die Titulatur des S. in dem Brief (Ep. 33) des Theodoros Daphnopates (nämlich Protospatharios und Eparchos) läßt sich mit der Information, daß S. zuvor schon zum Patrikios und genikos Logothetes erhoben worden war, nur schwer vereinbaren. Zwar ist eine Rotation in den oberen Ämtern (hier etwa in der Reihenfolge Sakellarios, Eparchos tes poleos, genikos Logothetes und erneut Eparchos tes poleos) nicht ungewöhnlich, eine Degradierung vom Rang eines Patrikios zu dem eines Protospatharios entspricht jedoch nicht dem üblichen cursus honorum. Entweder wäre daher der Brief früher zu datieren, nämlich in die Zeit vor der Erhebung des S. zum Patrikios und genikos Logothetes – dem stehen jedoch seine Stellung im Briefkorpus und auch der Inhalt des Briefes entgegen –, oder aber es wären zwei Stadteparchen mit dem Protospathariostitel namens S. in nur kurzer Folge anzunehmen. Dem widersprechen jedoch einige Bemerkungen des Theodoros Daphnopates in dem Brief (die beiden scheinen sich schon lange zu kennen, cf. Ep. 33,7f.: ἀλλὰ γὲ τὴν παλαιὰν συνήθειαν καὶ ἀναστροφὴν αἰδούμενος εἴης καὶ τὴν ἐξ ἐκείνων τῶν χρόνων ἐμφυτευθεῖσαν ἐν ἡμῖν φιλίαν. Jetzt aber, nach der Absetzung des Theodoros Daphnopates, sei S. im Zwiespalt zwischen seiner Pflicht und seiner Freundschaft zu Theodoros – das paßt alles sehr gut auf jenen S., der bereits früher Stadteparch gewesen war und von dem Theodoros das Amt des Stadteparchen übernommen hatte, als dieser zum Patrikios und genikos Logothetes aufstieg). Da es sich also wohl um ein und dieselbe Persönlichkeit handelt, wäre ein Fehler in der Titulatur des Briefes die wahrscheinlichste Erklärung. — Seibt I p. 213 überlegt, ihm das Siegel eines gleichnamigen basilikos Protospatharios und epi tes megales hetaireias (# 27111) zuzuweisen. Wenn diese Zuweisung zuträfe, müßten ihm auch zwei weitere Siegel mit identischem Text gehören, s. dort. Im übrigen ging Seibt noch von zwei Personen aus, s. jedoch oben. — Es erscheint nicht unmöglich, daß S. der Gegner des Symeon Magistros (# 27504) war, der nach seinem Tode Objekt eines höhnischen Grabgedichtes des Symeon wurde. Siehe unter Disinios (# 21570). — Laurent, Corpus II, p. 186, möchte ihm das Siegel eines gleichnamigen Spatharios und basilikos Notarios des genikon Logothesion zuweisen. Wenn diese Zuweisung zuträfe, stammte das Siegel aus einem früheren Stadium seiner Karriere. Der von Laurent an dieser Stelle gegebene Verweis auf die Nr. 284 ist falsch, denn dort macht Laurent darauf aufmerksam, daß jenes Siegel S. gerade nicht gehört.

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