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Vladimir

Βλαδίμηρος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
28432
Namensvariante
Laodimir (lat. Namensform); Bladimeros (griech. Namensform
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
889
ethnos
Bulgarien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Bulgar.: Khan; Khan Bulgarien; Zar (Bulgarien)
Name normalisiert
Vladimir
Ort
Bulgarien; Serbien; Preslav
Quelle
Theophylact. Achrid., Hist. mart.; Annales Fuldenses; Konst. Porph., DAI; Reginonis Chronicon; Vita Clementis (BHG 355)

Fortsetzungsartikel: Vladimir (# 8589).

N: Variante: Laodimir (lat.), Bladimeros — Βλαδίμηρος (Theophylact. Achrid., Hist. mart. [BHG 1199]).

T: Khan bzw. Archon der Bulgaren (889–893).

V: Er war der älteste Sohn des bulgarischen Khans Boris-Michael (# 21197), dem er 889 nach dessen Abdankung nachfolgte. 860 (s. in Abt. I unter Valdimir [# 8589]) oder 870 (KME) oder 880 (LdMA) nahm er an einem Krieg der Bulgaren gegen Serbien teil und geriet in Gefangenschaft, wurde aber nach dem Friedensschluß wieder freigelassen (1).

Im September 892 traf eine Gesandtschaft des ostfränkischen Königs Arnulf (# 20578) bei V. in Pliska ein, um das 862 von Ludwig dem Deutschen mit Bulgarien geschlossene Bündnis zu erneuern, und kehrte im Mai 893 wieder zurück (2). Offensichtlich sollte damit eine politische, aber auch eine religiöse Abkehr von Byzanz vollzogen werden. Diese scheint in der Verfolgung vor allem byzantinischer Geistlicher gegipfelt zu haben, die schließlich V.s Vater Boris-Michael veranlaßte, aus dem Kloster zurückzukehren und diese Versuche einer Anbindung an das ostfränkische Reich mithilfe gleichgesinnter Adliger zu zerschlagen. V. wurde gefangengenommen, geblendet und eingekerkert (3). Über sein Todesdatum ist nichts bekannt.

Von einer Volksversammlung oder Synode, die Boris-Michael 893 in Preslav einberufen haben soll, da in Pliska die antichristlichen Anhänger Vladimirs noch starken Einfluß gehabt hätten, soll schließlich dessen Bruder Symeon (# 27467) zum Zaren gewählt worden sein. Des weiteren soll auf dieser Versammlung noch die Verlegung der Hauptstadt Bulgariens von Pliska nach Preslav sowie die Einführung des Altkirchenslawischen anstelle des Griechischen als Sprache der Kirche beschlossen worden sein. Allerdings dürfte es sich bei dieser in der Sekundärliteratur regelmäßig genannten, aber in keiner einzigen Quelle aufzuspürenden Volksversammlung oder Synode um ein historisches Konstrukt handeln (4).

Anmerkungen: — (1) Hinsichtlich des Jahres herrscht keine Einigkeit, allerdings dürfte 880 auszuschließen sein, da laut Konst. Porph., DAI 32,44-48 dieser Kriegszug während der gemeinsamen Herrschaft der drei Söhne Vlastimirs (# 8590; † 860), nämlich Mutimir (# 25465), Stroimir (# 27401) und Goinik (# 22316), stattfand, d. h. spätestens vor 873, als Stroimir und Goinik von Mutimir aus der Herrschaft vertrieben und den Bulgaren übergeben wurden. — (2) Annales Fuldenses (a. 892) p. 121f. — (3) Reginonis Chronicon (a. 869) p. 96; die Nachricht über diese Ereignisse wurde von Regino dem falschen Jahr zugeordnet. — (4) Cf. Ziemann, Wandervolk 410.

Q: — (Hag.): Vita Clementis (BHG 839) cap. XIX 60, p. 128,3-5 (Milev); cap. XIX 60,792-794, p. 99 (Iliev); Theophylact. Achrid., Hist. mart. (BHG 1199) cap. 36, col. 201B; cap. 47, col. 213A. — (lat.): Annales Fuldenses (a. 892) p. 121f.; Reginonis Chronicon 96 (a. 869).

L: LdMA VIII 1792 s. v. “Vladimir-Rasate”; Savvides V 88; SSS VI (1977) 531f.; KME I (1985) 449f. — Zlatarski, Istorija I/2 248–259; Dvornik, Slaves 302f.; Ostrogorsky, Geschichte 212; Istorija na Bălgarija II 236–238; Fine, Early Medieval Balkans 130f.; Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 59f.; Božilov–Gjuzelev, Istorija 221–225; Iliev, Sv. Kliment Ochridski 27. 70. 80f. 95; Ziemann, Wandervolk 399 Anm. 1946.

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