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Zak‘aria

Ζαχαρίας

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
28497
Namensvariante
Baneli = “von Bana” (georg. Toponymikon); Vałaškerteli (georg. Beiname bzw. Bezeichnung nach seinem Bistum); Svingelozi (georg. Beiname bzw. Amtsbezeichnung); Zacharias (griech. Namensform)
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
11. Jh.
Erste Erwähnung
1021
ethnos
Georgien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Episkopos Vałaršakert; Gesandter ; Synkellos; georg.: Svingeloz (georg.) = Synkellos; Svingeloz (georg.) = Synkellos; Episkopos Bana; Archiepiskopos (Georgien); Katholikos (Georgien); Kalogeros; Monachos
Name normalisiert
Zakaria
Ort
Bana (Stadt in Tao); Valaskert: Vałaškert = Vałaršakert; Valasakert: Vałaršakert (Stadt und Bistum in Tao, am Arax südl. von Karin, türk.: Hasankale, heute: Pasinler); Ekeleac: Ekełeac (Region in Armenien); Karin = Theodosiupolis; Basean (Provinz in Armenien); Salkoray: Sałk‘oray (Basean); Venedig (Italien); Vaghaschakert, s. unter Vałaršakert ; Vatarsakert: Vatašakert (Verschreibung in Inscriptions [Guillou]), s. unter Vałaršakert ; Valar‚ukert: Vałašukert, s. unter Vałaršakert ; Tao; Karin; Hasankale (türk.) = Pasinler (moderner türk. Ortsname); Pasinler (moderner türk. Ortsname) = Hasankale (türk.); Arax (Fluß)
Quelle
Aristakēs Lastivertc‘i; Inscriptions (Guillou); Tesoro San Marco

N: Georgische Beinamen: Vałaškerteli (“von Vałaršakert” nach seinem Bistum), Baneli (“von Bana” nach seinem Bistum); Svingelozi (“Synkellos”); griechische Namensform: Zacharias — Ζαχαρίας.

T: Episkopos von Vałaršakert/Vałaršukert (Aristakēs Lastivertc‘i), einer Stadt in Tao (am Arax, südl. von Karin, türk.: Hasankale, heute: Pasinler); Mönch (Kalogeros) — καλόγηρος (griech. Kolophon); Archiepiskopos — ἀρχιεπίσκοπος (Inscriptions [Guillou]); später Episkopos von Bana (Kolophone laut Djobadze, Monasteries 85).

V: Z. war der Sohn des Patrikios Bakur (# 20748) und der Thekla, wie aus dem georgischen Kolophon des Cod. T‘bilisi A-648 (a. 1030; kleines Synaxar) hervorgeht, dessen Auftraggeber Z. war (1).

Im Frühsommer oder Sommer des Jahres 1021 (2) soll Z., zu diesem Zeitpunkt Bischof von Vałaršakert, zu Kaiser Basileios II. gegangen sein und ihm mitgeteilt haben, daß der georgische König Giorgi I. (# 22309) zu ihm kommen würde, wenn Basileios II. in die Regionen Ekełeac oder Karin ziehen würde. Basileios tat das, aber Giorgi I. kam nicht (Aristakēs Lastivertc‘i [28]).

Wohl im Spätsommer des Jahres 1022 (3) wurde Z. in diplomatischer Mission von Kaiser Basileios II. (aus dessen Heerlager bei Sałk‘oray im Osten der Provinz Basean) zu Giorgi I. geschickt. Er hatte zunächst Erfolg darin, Giorgi I. zum Nachgeben zu überreden, und konnte diesem ein entsprechendes Schreiben an Basileios II. abringen, doch während er sich auf der Rückreise zu Basileios II. befand, wurde er von Kurieren Giorgis eingeholt, die das Schreiben, das Giorgi ihm für Basileios II. mitgegeben hatte, zurücknahmen. Bei Basileios angekommen, soll er von Basileios über die Truppenstärke Giorgis ausgefragt worden sein. Als Z. von einer gewaltigen Streitmacht sprach, soll Basileios in Zorn geraten sein, weil er ihn verdächtigte, ihm Angst vor Giorgi machen zu wollen. Basileios soll deshalb verfügt haben, daß Z. die Zunge abgeschnitten werde und er im Exil in Konstantinopel leben müsse (Aristakēs Lastivertc‘i [36]). Laut Aristakēs (ibidem) soll Z. bis zum Ende seines Lebens in Konstantinopel geblieben sein. Doch beruht diese Nachricht wohl auf einem Irrtum (s. u.).

Z. wird wohl auch in einer Invokationsinschrift auf der silbernen Bordüre einer Lampe als Stifter derselben genannt. Diese Lampe stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus Konstantinopel und befindet sich heute in Venedig im Schatz von S. Marco (Inventar-Nr. 67). Die Inschrift wird aus paläographischen Gründen vom Herausgeber, A. Guillou, vorsichtig in das 11. Jh. datiert. Trifft Guillous Identifizierung des Stifters Zacharias mit Z. zu, was die communis opinio inzwischen annimmt, so kann das Entstehungsdatum von Lampe und Inschrift auf den Zeitraum zwischen 1022/23 (Eintreffen des Z. in Konstantinopel) und 1030 (Rückkehr des Z. nach Georgien) eingeengt werden.

Daß Z. im Jahre 1030 nach Georgien zurückkehrte und zum Bischof von Bana sowie zum Synkellos ernannt wurde, wissen wir aus den georgischen Kolophonen verschiedener georgischer Handschriften, die Z. in Auftrag gegeben hat, s. dazu Djobadze, Monasteries 85, sowie Skhirtladze, Zacharia of Bana.

Anmerkungen: — (1) Vortrag von Z. Skhirtladze am 23.8.2006 in London; cf. idem, Zacharia of Bana. — (2) So Dölger–Müller, Regesten Nr. 810 (Beihammer). Laut Aristakēs Lastivertc‘i [28] im Jahr 470 armenischer Ära (16.3.1021 – 15.3.1022) und noch vor der auf Herbst 1021 zu datierenden Schlacht am See Pałakac‘is. — (3) Dölger–Müller, Regesten Nr. 814a (Beihammer): zwischen dem 15. August und dem 11. September 1022. Der terminus post quem ergibt sich daraus, daß Aristakēs Lastivertc‘i [33-34] den Tod des Nikephoros Phokas Barytrachelos (# 25675), der an Mariae Himmelfahrt 1022 ermordet wurde, zuvor erzählt.

Q: — (Ms.): Griechische Subskription (in Versen) im Cod. Tbilisi A-648 (a. 1030; georgisches Menologion), fol. 142r, ed. Ševčenko, in: DOP 16 (1962) 273f. Anm. 97, bes. vv. 10-12: πίστις δὲ ταῦτα καὶ πονεῖ καὶ προσφέρει | καὶ ποτνειᾶται [lege: ποτνιᾶται] καὶ νεουγει [lege: νεουργεῖ] καὶ γραφη [lege: γράφει] | Ζαχαρίου καλογήρου τοῦ ἡβήρου [lege:  Ἰβήρου]. ὦ θεῖος ἔρος [lege: ἔρως]. — (Inscr.): Inschrift auf Lampe, in: Tesoro San Marco (Grabar) p. 76 (Catal. Nr. 78; Inv.: Tesoro 67) = Inscriptions (Guillou) Nr. 89: Ἅγιε Παντελέημον βοήθει τῶ σῶ δούλω Ζαχαρία ἀρχιεπισκόπω τῶ  Ἴβηρι. — (arm.): Aristakēs Lastivertc‘i, cap. 2, [28] p. 11 (ohne Namensnennung); cap 4, [36] p. 22 (Canard–Berbérian). — (georg.): Zu den georgischen Kolophonen s. die Literatur in: Djobadze, Monasteries 85 Anm. 300.

L: Ševčenko, in: DOP 16 (1962) 273f. Anm. 97; Canard–Berbérian, in: Aristakēs Lastivertc‘i, p. 22 Anm. 1; Djobadze, Monasteries 84f. (mit Hinweisen auf die relevante georgische Lit.); Guillou, in: Inscriptions (Guillou) 90f.; Dölger–Müller, Regesten Nr. 810. 814a; Skhirtladze, Zacharia of Bana.

P: Canard–Berbérian halten es für möglich, daß er mit jenem Mönch Zacharias (# 28493) zu identifizieren sein könnte, dem laut Skylitzes Kaiser Konstantinos VIII. wegen Anstiftung zur Verschwörung die Zunge abschneiden ließ und der ein Verwandter des Theudatos (# 28276) gewesen sei. — A. Guillou interpretierte die Formulierung “dem Archipiskopos, dem Georgier” bzw. “dem georgischen Archiepiskopos” (ἀρχιεπισκόπω τω  Ἴβηρι) der Inschrift so, daß Z. dort als “Archiepiskopos von Georgien” (“archevêque de Géorgie”) bezeichnet werde, und hielt es für möglich, daß das nichts anderes als “Katholikos von Georgien” bedeute, so daß Z. dort also als georgisches Kirchenoberhaupt bezeichnet werde. Das Attribut “dem Georgier” (τῶ  Ἴβηρι) bezieht sich jedoch vermutlich eher auf die Person des Z. und nicht speziell auf den Archiespiskopos-Titel, so daß hier kein “Archiepiskopos von Georgien” angenommen werden sollte.

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