Accessible Published by K. G. Saur 2021

Klein, Yves

Kramer-Mallordy, Antje
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Vollmer Name
Klein, Yves
Weitere Namen
Klein, Yves
Geschlecht
männlich
Beruf
Maler; Bildhauer; Performancekünstler; Neue Kunstformen
GEO-Nachweis
Paris
Staat
Frankreich
Geburtsdatum
1928.04.28
Geburtsort
Nizza (Alpes-Maritimes); Nice; Niza
Todesdatum
1962.06.06
Todesort
Paris; Parigi; París
PND-ID
PND118562967
Fundstelle
AKL LXXX, 2014, 423; Vollmer VI, 1962, 145
Vollmer Name
Klein, Yves
Further Names
Klein, Yves
Gender
male
Occupation
painter; sculptor; performance artist; non-traditional arts
Geographical data
Paris
Country
France
Date of birth
1928.04.28
Place of birth
Nizza (Alpes-Maritimes); Nice; Niza
Date of death
1962.06.06
Place of death
Paris; Parigi; París
PND-ID
PND118562967
Location
AKL LXXX, 2014, 423; Vollmer VI, 1962, 145
InhaltsverzeichnisTable of Contents

Artikel

Vita

Klein, Yves, frz. Maler, *28.4.1928 Nizza, †6.6.1962 Paris.

Biogramm

Als einziges Kind des holl. Malers Frits K. und der abstrakten Malerin Marie Raymond wächst K. in Paris und in Nizza auf. Während seine Eltern ab 1928 hauptsächlich in Paris leben, verbringt er viel Zeit bei seinen Großeltern mütterlicherseits und seiner Tante Rose Raymond Gasperini in Nizza, die ihn bis zu seinem frühen Tod finanziell unterstützt. In den Jahren der Besatzungszeit bleibt K. mit seinen Eltern in Cagnes-sur-Mer. Durch die Kontakte seiner Mutter im Umfeld der informellen Malerei, darunter Hans Hartung und Nicolas de Staël, erhält K. frühe künstlerische Eindrücke. Als immer wiederkehrende Einflüsse zitiert K. später die Malerei von Vincent van Gogh und Eugène Delacroix. Seine Erziehung ist kath. geprägt; mit besonderem Augenmerk auf die Verehrung der Hl. Rita von Cascia als Schutzpatronin K.s, der er 1961 während einer seiner Pilgerreisen nach Italien ein Ex Voto (Pigment und Blattgold in Plexiglas) gewidmet hat (1980 bei Umbauarbeiten im Kloster von Cascia wiederentdeckt). Die Überführung von relig. und mystischen Ritualen und Elementen in seine künstlerische Praxis stellt eine Konstante in K.s Schaffen dar. 1946 verlässt K. nach nicht erlangtem Abitur die Schule (Éc. Nationale de la Marine Marchande in Nizza), die ihn auf eine Karriere in der Handelsmarine vorbereiten sollte. 1947 nimmt er Judounterricht; Beginn seiner lebenslangen Freundschaft mit Claude Pascal und dem späteren Künstler Arman. Gemeinsam versuchen sie sich im Meditieren und im Stud. der Rosenkreuzer-Lehre von Max Heindel. Nach eig. Aussagen beschäftigt sich K. bereits zu dieser Zeit mit der Idee der monochromen Malerei. Erste Ergebnisse (nicht mehr erh. Kleinformate auf Papier) stellt er 1949 in seinem Zimmer aus (aus heutiger Forschungssicht jedoch unwahrsch.). Nach seinem Militärdienst 1949-50 in Deutschland und zahlr. Aufenthalten in London (wo er bei einem Rahmenmacher das Vergolden erlernt, das er ab 1960 für seine Monogolds, vollst. mit Blattgold belegte Lw., anwendet), Irland, Italien und Japan (K. erwirbt 1953 den Schwarzen Gürtel des Kōdōkan Inst. in Tokio) arbeitet K. 1954 zunächst als Judolehrer in Madrid, veröffentlicht ein Buch über die Prinzipien des Judos (Les Fondements du Judo), sowie ein erstes originelles Mappenwerk Yves Peintures/Haguenault Peintures. Es enthält zehn Gouache-Repliken nach verschiedenfarbigen Monochromen, die K. jedoch nie gemalt hat, und ein aus leeren Zeilen bestehendes Vorwort von Claude Pascal. Während die abstrakte Bildsprache des Informel und der Éc. de Paris in diesen Jahren immer mehr Raum gewinnt, lehnt K. diese Ausdrucksform strikt ab und sieht in der radikalen Monochromie die Möglichkeit, das Immaterielle (der Begriff "immaterielle Sensibilität" kehrt immer wieder) und das Unendliche als Art der sublimen Erfahrung fassbar zu machen: "Die abstrakte Malerei ist eine pittoreske Literatur über psychologische Zustände. Das ist arm. Ich bin glücklich, kein abstrakter Maler zu sein" (Tagebuch, 1957). Nicht die subjektive Handschrift des Malers, sondern die individuelle Ausdruckskraft der reinen Farbe soll für ihn das Werk bestimmen. Das Jahr 1955 markiert für K. den Prioritätenwechsel vom Judo zur Kunst. Zurück in Paris lernt er im Frühjahr Jean Tinguely und die frz. Architektin Bernadette Allain, seine künftige Lebensgefährtin, kennen; E. des Jahres entscheidende Begegnungen mit dem Kunstkritiker Pierre Restany, der Galeristin Iris Clert und dem dt. Mitbegr. der Zero-Gruppe Heinz Mack. K.s Beitr. für den Salon des Réalités nouvelles, ein Monochrom orange (Expression de l'univers de la coueur mine orange M60, 1955, Priv.-Slg), wird im Juli aufgrund mangelnder abstrakter Komp. zurückgewiesen. Seine erste bescheidene Einzel-Ausst. (Yves, peintures) im Club des Solitaires in den Räumen des Verlagshauses Lacoste im Okt. erfährt nur ein geringes Echo. Dank der Unterstützung durch P. Restany und K.s Mutter folgt im Febr. 1956 eine Einzelschau in der renommierten Gal. Colette Allendy (Yves, propositions monochromes). In beiden Fällen jedoch werden die verschiedenfarbigen Monochrome vom Pariser Malermilieu als Wanddekoration abgetan, was K. dazu veranlasst, sich im Laufe des Jahres auf eine einzige Farbe, Blau, zu spezialisieren. Angezogen von der Tiefe des Blaus als Sinnbild für Transzendenz und Unendlichkeit trifft K. diese Wahl v.a. in Bezug auf die christliche Ikonogr., Fresken Giottos und seine eig. frühen esoterischen Erfahrungen der Entgrenzung z.B. beim Betrachten des Himmels über Nizza: "Während einer realistisch-imaginären Reise habe ich den Himmel, mein schönstes und größtes Werk, auf der Rückseite signiert." (L'Aventure monochrome, in: D.Semin/M.-A. Sichère 2003, 280). Mithilfe seines Pariser Farbenhändlers Édouard Adam experimentiert K. mit dem damals geläufigen Fixativ Rhodopas MA, das, mit Aceton und Ethanol verdünnt, zwar noch die Farbpigmente bindet, aber ihre Leuchtkraft nicht verringert. Im Herbst entstehen die ersten markanten Monochrome, die unter Einsatz des neu gefundenen Bindemittels und der Malerrolle anstelle des Pinsels (laut K. "zu psychologisch") als ebenmäßige, pudrige Bildflächen in einem gesättigten Blau, frei von jeglicher individuellen Faktur, erscheinen. Auch wenn K. entgegen geläufiger Annahmen nie aufgehört hat, andersfarbige Monochrome zu malen, wird sein typisches, ab 1960 als I.K.B. (International Klein Blue) lanciertes Ultramarin zu seinem Markenzeichen. Den Eintritt in seine 'blaue Epoche' zelebriert K., wieder durch Vermittlung P. Restanys, im Jan. 1957 in der Mailänder Gall. Apollinaire (Y. K.: Proposte monocrome, epoca blu) mit einer Ser. von elf monochrom blauen Tafeln mit identischem Format, die er nach eig. Angaben zu unterschiedlichen Preisen verkauft (u.a. an Lucio Fontana), "da jedes Bild einen and. Moment der Sensibilität und Poesie darstellt". Diese in der Lit. häufig wiederholte Selbst-Darst. ist allerdings durch Arch.-Mat. revidiert worden (D.Riout, 2004): Jedes Bild wurde für 25000 Lire zum Verkauf angeboten. Das Beispiel zeigt jedoch, wie sehr K. in seinen zahlr. Schriften und Aussagen Freunden gegenüber seine eig. Künstler-Biogr. manipuliert, Ereignisse umschreibt oder mystisch verschleiert, um seinen Kreationen eine legendenhafte Nachhaltigkeit zu verleihen. Umgeben vom Flair des Skandals als monochromer "Scharlatan" erzielt K. erstes Aufsehen ab Mai 1957 in Paris mit einer Doppel-Ausst. bei I. Clert (Yves le Monochrome) und Colette Allendy (Pigment pur), in der neu gegr. Gal. Alfred Schmela (Yves, propositions monochromes) in Düsseldorf sowie in der Gall. One (Monochrome Propositions of Y. K.) in London. In Paris präsentiert er neben den blauen Monochromen zum ersten Mal auch blau gefärbte Objekte, u.a. ein Stück Holz, Naturschwämme, einen Paravent, einen Globus, Metallstäbe (Pluies bleues), einen völlig leeren Raum, der dem "Immateriellen" gewidmet ist, sowie ein mit bengalischen Feuerwerkskörpern bestücktes Monochrom, das im Garten von C. Allendy angezündet wird (Feu de Bengale M41, tableau de feu d'une minute, Priv.-Slg) und als erstes seiner ab 1961 beg. Ser. der Feuerbilder in sein Werk eingeht. Im Sommer in Nizza, Begegnung mit Rotraut Uecker, seiner zukünftigen Frau, Schwester des Malers Günther Uecker; Verbindungen zur ital. Bewegung Arte Nucleare und zur Zero-Gruppe. Über die neu gewonnenen Kontakte erhält K. im Jan. 1958 neben J. Tinguely, Norbert Kricke u.a. den Auftrag zur Mitgestaltung des neuen, von Werner Ruhnau erbauten Gelsenkirchener Theaters. Seine für das Foyer entworfenen Wandreliefs (Fertigstellung Dez. 1959) gelten als sein größtes realisiertes Werk und werden von der dt. Presse als gelungene Kunst am Bau gewertet. Im Zuge dieses Auftrags vertieft K. seine Arbeit mit Naturschwämmen und erschafft eine neue eigenständige Ser. von monochromen Schwammreliefs und Schwammskulpturen. Am 28. April 1958 eröffnet er seine Ausst. der Leere (La Spécialisation de la sensibilité à l'état matière première en sensibilité picturale stabilisée) bei I. Clert. Der leere Gal.-Raum, den K. zuvor weiß gestrichen hat, um ihn mit seiner immateriellen Sensibilität zu "imprägnieren", geht als eine der gewagtesten Ausst. in die Gesch. ein. Dank einer ausgeklügelten Marketingstrategie von K. und I. Clert erhält die Gal. einen immensen Zulauf, auch wenn die als Höhepunkt geplante, zeitgleiche blaue Beleuchtung des Obelisken auf der Place de la Concorde im letzten Moment scheitert. Im Okt. 1960 antwortet K.s Freund Arman mit einer Gegen-Ausst., indem er dieselbe Gal. fast vollständig mit Abfällen und Sperrmüll füllt (Arman, Le Plein). Angetrieben durch das pos. Arbeitsklima und neue Freundschaften in Gelsenkirchen entwickelt K. in dieser Zeit sein Ideal der künstlerischen Zusammenarbeit zur Schaffung kollektiver Kunstwerke (cf. K.s "Rede zur Ausst.-Eröffnung von J. Tinguely in der Gal. Schmela", Jan. 1959, in: D.Semin/M.-A. Sichère 2003, 102-105). Er überwindet jedoch nie seinen individuellen, z.T. egomanischen Anspruch auf die Autorschaft seiner Werke, die sich auch in seinen Versuchen zw. 1959 und 1960 zur Patentierung mehrerer Arbeiten widerspiegelt (alle Patentanmeldungen in D. Semin, 2001). Im Nov. 1958 präsentiert er mit J. Tinguely gemeinsam geschaffene Skulpturen in der Gal. I. Clert (Vitesse pure et stabilité monochrome): monochrome Scheiben in versch. Farben und Größen, die, mit einem Motor versehen, um die eig. Achse rotieren (Excavatrice de l'espace, 1958, Priv.-Slg). Als schwebende, scheinbar schwerelose Farbfelder stehen diese Arbeiten auch in direkter Verbindung zur zeitgleichen Auseinandersetzung von Otto Piene und Heinz Mack mit der Bewegung und Vibration des Lichts. Im März Teiln. an der Gruppen-Ausst. Vision in Motion in Antwerpen. Parallel entwickelt er zus. mit W. Ruhnau u.d.T. Luft-Archit. utopische Modelle für eine entstofflichte, transparente Bauweise, die auf den Elementen Wasser, Luft und Feuer beruht und dem Menschen ein von klimatischen Verhältnissen befreites Leben garantieren soll. Mithilfe des Architekten Claude Parent gestaltet K. 1959 eine Reihe an zeichnerischen Entwürfen; Überlegungen mit W. Ruhnau zur Gründung einer "Schule der Sensibilität" im Sinne eines neuen Bauhauses, die K. in der Text-Slg Le Depassement de la problématique de l'art im Dez. 1959 in Belgien veröffentlicht. Trotz der Versuchsreihen in Gelsenkirchen mit Druckluft und Gasbrennern scheitert das gemeinsame Archit.-Projekt zwar an der technischen Umsetzung, geht jedoch als Leitgedanke in K.s Œuvre ein und prägt, ähnlich wie bei Kazimir Malevič, sein absolutes, spirituell untermauertes Verständnis der Raumkonzeption. In einer Rede an der Sorbonne am 3. Juni 1959 (L'évolution de l'art vers l'immatériel, in: D.Riout, 2006) präsentiert K., gefolgt von W. Ruhnau, seinen künstlerischen Werdegang und die gem. architektonischen Ideen, denen das Publikum jedoch nur wenig Ernst entgegenbringt. Angezogen von den Prinzipien der Schwerelosigkeit, den über das Meditieren ersehnten Zustand der Levitation und der Unendlichkeit des Raums erweitert K. die Idee der Luft-Archit. auf den Kosmos. Sein Werk steht deutlich im Kontext des Kalten Kriegs, der atomaren Bedrohung und der Eroberung des Weltalls, der K.s utopische Vorstellungen anfeuert und sich auch bei seinen Freunden, z.B. H. Mack, O. Piene und J. Tinguely, wiederfindet. 1958 verfasst K. mehrere Briefe (u.a. an Dwight D. Eisenhower) mit Vorschlägen für eine neue internat. Regierung, sowie die blaue Bemalung von Atom- und Wasserstoffbomben als "unübertreffliche monochrome Realisierungen, die die Menschheit und sogar der Kosmos je erlebt haben". "Wir müssen, und das ist keine Übertreibung, daran denken, dass wir im Atomzeitalter leben, wo alles Materielle und Physische von einem auf den anderen Tag verschwinden kann." (Ma position dans le combat entre la ligne et la couleur, 1958, in: D.Semin/M.-A. Sichère 2003, 50). Im Rahmen des Festival d'avant-garde in Paris am 27. Nov. 1960 veröffentlicht K. seine Ztg Dimanche (nach dem echten Modell des J. du Dimanche) mit der berühmten Fotomontage von Harry Shunk und John Kender ("Le Saut dans le vide"), die K. beim Sprung von einem Hausdach in Fontenay-aux-Roses zeigt, angeblicher Beweis für seine übernatürlichen Levitationskräfte. 1961 entstehen monochrome Reliefs von der Oberfläche versch. Planeten (Reliefs planétaires); nach dem ersten bemannten Flug ins Weltall im April feiert K. Juri Gagarin als Besucher seiner Ausst. im All mit der Erde, dem blauen Planeten, als sein größtes Werk. Sein 1962 im MAD Paris (Gruppen-Ausst. Antagonismes 2) gezeigtes Modell einer ausschl. mit Druckluft angetriebenen Rakete (Rocket pneumatique, 1962, Priv.-Slg) für den bemannten Flug ins All wird trotz seiner Bemühungen einer Zusammenführung von Kunst und Technologie vom Luft- und Raumfahrtspezialisten Air Liquide kopfschüttelnd abgelehnt. Auch seine bedeutende Werkgruppe der Anthropometrien (Namensgebung durch P. Restany) weist deutliche Spuren seiner utopischen Vorstellungen und Zeitauseinandersetzung auf. Nach ersten Versuchen ab 1958, weibliche Modelle als "lebende Pinsel" zu verwenden, realisiert K. bis zu seinem Tod eine große Anzahl an monochromen Körperabdrücken auf Papier, Lw. und Seidentüchern (z.B. ANT SU 1, Anthropométrie suaire sans titre, 1960, Slg Schönberg Lenz), für die sich die Modelle nach seinen Anweisungen mit Farbe bemalen und frontal auf der Fläche entweder statisch (z.B. ANT 82, Anthropométrie de l'époque bleue, 1960, Paris, MNAM) oder in Bewegung (z.B. ANT 130, 1960, Köln, Mus. Ludwig) abdrücken. Diese in einem ritualisierten Prozess entstandenen Abdrücke (v.a. Brust, Bauch und Schenkel) entsprechen K.s Vorstellung einer "immateriellen Energie des Fleisches", die im Bild bewahrt wird. In ANT 79, Hiroshima (1961, Houston, Menil Coll.) treten die weiblichen Körper unter Verwendung einer Sprühdose als Schatten hervor, in denen die atomare Katastrophe von 1945 nachklingt, während sie in ANT 96, People begin to fly (1961, Houston, Menil Coll.) schwerelos emporschweben. Am 9. März 1960 erste öff. Inszenierung der Anthropometrien in der Gal. internat. d'art contemp. in Paris, begleitet von einem Streichorchester, das K.s Symphonie Monoton-Silence interpretiert. Ab dieser Zeit verwendet K. verstärkt die Farben Rosa und Gold für die Anthropometrien, Monochrome und Reliefs, die mit seinem Blau einen spirituell unterlegten Kanon bilden als Entsprechung zum sichtbarem Fleisch (Rosa), seiner Transzendenz (Blau) und seinem alchimistischen Gegenwert (Gold). Dementsprechend fordert K. ab 1959 auch echtes Gold für den Verkauf seiner "immateriellen malerischen Sensibilität" (Zones de sensibilité picturale immatérielle, 1959, Priv.-Slg), das nach Verbrennen der von K. ausgestellten Quittung in die Seine geworfen werden soll. Mehrere Verkäufe an Freunde, Kritiker und Sammler finden zw. 1959 und 1962 statt. Im Frühjahr 1960 Teiln. an den Ausst. Monochrome Malerei im StM Leverkusen und Les Nouveaux Réalistes in der Gall. Apollinaire in Mailand. Am 27. Okt. 1960 Gründung der Gruppe der Nouveaux Réalistes bei K. in der Rue Campagne-Première. Neben K. und P. Restany unterzeichnen Arman, François Dufrêne, Raymond Hains, Martial Raysse, Daniel Spoerri, J. Tinguely und Jacques Villeglé die knappe Gründungserklärung. César, Mimmo Rotella, Niki de Saint Phalle und Christo werden weitere Mitglieder. Die kollektive Identität und P. Restanys Vormundschaft als Sprachrohr vertragen sich jedoch nicht lange mit K.s egozentrischem Anspruch auf Eigenständigkeit. Die "Aneignung der urbanen Wirklichkeit" als gemeinsamer Nenner trifft sich nicht mit K.s idealistischer bzw. utopischer Haltung. Nach Erscheinen des zweiten Manifests der Gruppe im Mai 1961 während der Ausst. A quarante degrés au-dessus de Dada (Paris, Gal. J) versucht K., sich als eigentlicher Urheber der Gruppe darzustellen und attackiert P. Restanys Interpretation bis zum definitiven Bruch am 8. Okt. 1961, an dem er zus. mit R. Hains und M. Raysse die Auflösung der Gruppe beschließt. In dieser Zeit entstehen die letzten neuen Werkreihen. Seine erste und einzige museale Ausst. zu Lebzeiten im Jan. 1961 im Haus Lange in Krefeld versteht K. als eine großangelegte Retr., für die er hauptsächlich neue Werke kreiert (z.B. MG 17, Frémissement, 1960, Humlebaek, Louisiana; die Obelisken S 33 Concorde bleue, S 34 Concorde rose und S 35 Concorde or, alle in Priv.-Slgn; das legendäre, wie eine Grabplatte anmutende Monogold RP 3 Ci-gît l'espace, 1960, Paris, MNAM). In den ab 1960 entstandenen Kosmogonien (in Anlehnung an M. Heindels Kosmogonie der Rosenkreuzer) versucht K., auf einer präparierten Lw. die klimatischen Spuren der Atmosphäre, wie Wind und Regen, u.a. während einer Autofahrt einzufangen (z.B. COS 10, Paris-Nice, 1960, Priv.-Slg; COS 24, 1961, Nizza, MAMAC). Im Garten des Mus. lässt K. zwei Feuerfontänen und eine Feuerwand aus blütenartigen Gasflammen installieren, die auf seinen Experimenten mit W. Ruhnau beruhen und mit denen er im Febr. seine ersten Feuerbilder realisiert (z.B. F 43, 1961, Priv.-Slg). Im Febr. entsteht im Centre d'Essais de Gaz de France mithilfe eines riesigen Flammenwerfers eine Ser. von ca. 30 Feuerbildern auf präpariertem, z.T. mit Anthropometrien versehenem Spezialkarton. In einem Brief an O. Piene grenzt sich K. von dessen zeitgleichen Feuer- und Rauchbildern ab. Wie bei seinen Anthropometrien und Kosmogonien geht es K. um den energetischen Abdruck des Feuers. Im April erste Reise in die USA zu seiner Ausst. Y. K. le Monochrome bei Leo Castelli, die jedoch nur ein mäßiges Echo in der amer. Presse und z.T. harsche Ablehnung bei den New Yorker Künstlern auslöst. Um sein künstlerisches Gesamtkonzept zu rechtfertigen, verfasst K. sein Chelsea Hotel Manifesto, in dem er schreibt: "Ich halte es für sicher, dass es im Herzen der Leere wie auch im Herzen der Menschen Feuer gibt, die brennen." Im Juli 1961 erscheint sein Text Le vrai devient réalité in der dritten Nr der Künstler-Zs. ZERO, für den er die letzte Seite zur H. heraustrennen und wie abgebrannt erscheinen lässt, damit sein Text "unendlich" wird. Seine Hochzeit mit Rotraut Uecker am 21. Jan. 1962 in Paris inszeniert K. als ein mystisches Gesamtkunstwerk im Beisein der Ritter des Ordens des Hl. Sebastian, dem er 1956 beigetreten ist. Zu seinen letzten Arbeiten gehören die blauen Gipsabgüsse seiner Freunde Arman, M. Raysse und C. Pascal (PR 1, Portrait-relief d'Arman, 1962, Paris, MNAM). - K. gilt als einer der prägenden internat. Künstler nach 1945. Getreu dem Ideal der 1960er Jahre der Überführung der Kunst ins Leben sind bei K. Leben und Werk eng miteinander verwoben und entsprechen seinem Tagebucheintrag von 1957: "Ein Maler muss nur ein einziges Meisterwerk malen: sich selbst, immer wieder, eine Art atomare Batterie werden, eine Art Generator mit konstanter Strahlung." Als Konzeptkünstler avant la lettre charakterisiert er sein Werk durch den Satz: "Meine Bilder sind die Asche meiner Kunst.".

Werke

Amsterdam, Sted. Mus. Berlin, SMBK. Buffalo, Albright-Knox-Gall. Carros, CIAC. Düsseldorf, Mus. Kunst-Pal. Eindhoven, VAM: IKB 63, 1959. Hamburg, KH. Hiroshima, City MCA: ANT 170, 1960. Houston, Menil Coll. Humlebæk, Louisiana. Krefeld, KH, Adolf-Luther-Stiftung. London, Tate: IKB 79, 1959. Neuss, Mus. Insel Hombroich. New York: MMA. - Guggenheim Mus. Nizza, MAMAC. Paris, MNAM. Salzburg, MdM. San Francisco, SFMOMA. Schwäbisch Hall, KH Würth. Stockhom, Mod. Mus. Ulm, Ulmer Mus., Slg Kurt Fried. Washington/D.C., Hirshhorn Mus. Wien, MUMOK. Zürich, Courtesy Gal. Gmurzynska.

Selbstzeugnisse

Slg aller veröff. Schr. K.s in: D.Semin/M.-A. Sichère (Ed.), Y. K. Le dépassement de la problématique de l'art, P. 2003; Engl. Übersetzung in: K.Ottmann (Ed.), Overcoming the Problematics of Art: The Writings of Y. K., Putnam, 2007; D.Riout (Ed.), Y. K., Vers l'immateriel, P. 2006 (Tonaufnahme seines Vortrags an der Sorbonne von 1959, CD und Transkription).

Ausstellungen

E: (alle mit K): 1965 Amsterdam, Sted. Mus. / 1966 Stockholm, Mod. Mus. / 1968 Humlebaek, Louisiana / Paris: 1969 MAD; 1983 MNAM; 2006 MNAM / 1976 Berlin, NG (Wander-Ausst.) / 1982 Houston, Rice Mus. of Contemp. Art (Wander-Ausst.) / 1995 Köln, Mus. Ludwig (Wander-Ausst.) / 1999 Basel, Mus. Tinguely / 2000 Nizza, MAMAC (Wander-Ausst.) / 2004 Frankfurt am Main, Schirn (Wander-Ausst.) / 2006 Passau, MMK / Wien: 2006 MAK; 2007 MUMOK / 2010 Washington (D.C.), Hirshhorn Mus. (Wander-Ausst.) / 2012 Genua, Pal. Ducale. - G: (alle mit K): 1964 Wien, Mus. des 20. Jh.: Pop etc. / Berlin: 1965 AK: Neue Realisten & Pop Art; 2001 Dt. Guggenheim: Über das Erhabene / Bern, KH: 1966 Weiß auf Weiß; 1969 When attitudes become form / Paris: 1970 Gal. Mathias Fels: Nouv. Réalisme 1960-1970; MNAM: 1977 Paris-New York, 1908-1968; 1981 Paris-Paris, créations en France 1937-1957; 1994 Hors limites, l'art et la vie 1952-1994; 1996 Face à L'Histoire, 1933-1996; 2001 Les Années Pop; 2008 Vides; 1986 MAMVP: 1960, Les Nouveaux Réalistes (Wander-Ausst.); 2007 Grand Pal.: Le Nouv. Réalisme / 1971 Brüssel, Pal. des BA: Métamorphose de l'Objet, art et anti-art / 1979 Antwerpen, Koninkl. MSK: Zero Internationaal Antwerpen / 1980 Krefeld, Mus. Haus Lange: Wendepunkt, Kunst in Europa um 1960 / Madrid: 1987 Fund. Caja de Pensiones: Beuys, K., Rothko, Profecia y transformación; 2010 Reina Sofia: Nuevos Realismos / Düsseldorf: 1988 Gal. Schoeller: Gruppe Zero; 2006 Mus. Kunst-Pal.: Zero - Internat. Künstler-Avantgarde der 50er/60er Jahre / 1992 Essen, Gal. Neher: Zero - eine europ. Avantgarde (Wander-Ausst.) / Esslingen, Gal. der Stadt, Villa Merkel: 1997 Zero und Paris 1960. Und heute; 1999 Zero aus Deutschland, 1957-1966 und heute / Nizza, MAMAC: 1997 De K. à Warhol, face-à-face France/Etats-Unis; 1998 Zero Internat.; 2011 La couleur en avant; 2012-13 K. - Byars - Kapoor / Los Angeles, MOCA: 1998 Out of Actions (Wander-Ausst.); 2012-13 Destroy the Picture / 1999 Washington (D.C.), Hirshhorn Mus.: Regarding Beauty; Montréal, Mus. des BA: Cosmos, du romantisme à l'avant-garde / 2002 Toulouse, Les Abattoirs: La Conquête de l'air, une aventure dans l'art du XXe siècle / 2003 Saint-Étienne, Mus. d'Art mod.: Figures de la négation, avant-gardes du dépassement de l'art / 2004 Angers, Mus. des BA: Marie Raymond, Y. K. (Wander-Ausst.) / 2005 London, Barbican AG: Colour after K. / 2007 Fort Worth, Mod. AM: Declaring Space / 2009-10 Bremen, KS Böttcher-Str.: Farbwelten / 2012 Stockholm, Mod. Mus.: Explosion! Painting as Action.

Bibliographie

Vo6, 1962. – CatBolaffiArtMod, 1966; ELU IV, 1966; Kindler, ML III, 1966; MűvLex II, 1966; Bauer, GEM V, 1977; ContempArtists, 1983; Alauzen, 1986; EAPD, 1989; L.Harambourg, L'Ec. de Paris 1945-1965, Neuchâtel 1993; DA XVIII, 1996; I.F. Walther, Künstler-Lex., in: Kunst des 20. Jh., II, Köln u.a. 1998; Bénézit, 1999; R.Kostelanetz, A dict. of the Avant-Gardes, N. Y. 22000. – P.Wember, Y.K., Monogr. zur zeitgen. Kunst, Köln 1969 (unvollst. WV); T.Kellein, Sputnik-Schock und Mondlandung, St. 1989; T.de Duve, Cousus de fil d'or, Villeurbanne 1990; P.Restany, Y.K.: Le feu au coeur du vide, P. 1990; A.Kuhn, Zero. Eine Avantgarde der sechziger Jahre, B./Ffm. 1991; J.Heynen (Ed.), Y.K. Monochrome und Feuer, Krefeld 1994; S.Stich, Y.K. (K Mus. Ludwig Köln), St. 1994 (Ausführliche Biogr., Bibliogr. und Ausst.-Verz.); H.Weitemeier, Y.K. 1928-1962, Köln 1994; M.Hesse/M.Bockemühl, Das Gelsenkirchener Musiktheater und die blauen Reliefs von Y.K., Ostfildern 1995; D.Riout, La Peinture monochrome, Nîmes 1996; J.Meinhardt, Ende der Malerei und Malerei nach dem Ende der Malerei, Ostfildern-Ruit 1997; J.-M. Poinsot, Quand l'œuvre a lieu, Genf 1999; D.Semin, Le Peintre et son modèle déposé, Genf 2001; J.-M. Ribettes, Y.K. contre C.G. Jung, Brüssel 2003; Y.K. (K), Ffm. 2004 (Ausführliche Biogr., Bibliogr. und Ausst.-Verz.); L.Bertrand Dorléac, L'Ordre sauvage, P. 2004; D.Riout, Y.K. Manifester l'immatériel, P. 2004; N.Charlet, Les Écrits d'Y.K., P. 2005; Y.K. Corps, couleur, immatériel (K), P. 2006 (Ausführliche Biogr., Bibliogr. und Ausst.-Verz.); A.Jouffroy, Manifeste pour Y.K., Besançon 2006; R.Klein-Moquay (Ed.), Y.K., USA, P. 2009; J.Carrick, Nouv. réalisme, 1960s France, and the Neo-avant-garde, Farnham 2010; T.McEvilley, Yves the Provocateur, Kingston 2010; P.Musso, Y.K., fin de représentation, Houilles 2010; K.Ottmann, Y.K., le philosophe, P. 2010; A.Kramer, L'Aventure allemande du nouv. réalisme, Dijon 2012; F.Prot, Y.K., embrasure, P., 2012; M.Broska, Paris - Krefeld (1947 - 1964), I, Goch 2013; M.Schieder, The Getty Research J. 5:2013, 133-147. – Paris, Y.-K.-Arch.: Nachlass (Unveröff. Texte und Korr., WV); Rennes, Arch. de la critique d'art: Nachlass P. Restany; Düsseldorf, Mus. Kunst-Pal., Arch. der Zero-Stiftung.

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Biogramm

Klein, Yves, franz. Maler, *1928 Nizza, ansässig in Paris. Abstrakter Kstler, Monochromist. 2 auf Blau gestimmte Wandbilder im Foyer des Theaters in Gelsenkirchen. Sonderausst.: 1957 in d. Gal. One in d. Arblay Street in New York, 1960 in d. Gal. des 4 Saisons in Paris, 1961 im Mus. Haus Lange in Krefeld. 1952 Reise nach Japan. Lit.: Architect. Review, 122 (1957) 206. - Arts a. Architect., 77 (1960) März p. 19 (Abb.). - art actuel internat. (Lausanne), 3 (1960) Nr 15 p. [3] 1. Sp. - Art Internat. (Zürich), 5 (1961) H. 2 p. 58/65, m. zahlr. Abbn. - Baukst u. Werkform, 13 (1960) 131, m. Abb. - Bild. Kst (Dresden), 1960 p. 492f; 1961 p. 643f., m. Lit. - D. Kstwerk (Baden-Baden), 14 (1960/61) H. 7 p. 27, 32 (Abb.). - Ausst.-Kat.: Kstsammler an Rhein u. Ruhr, Malerei 1900/1959, Städt. Mus. Leverkusen, Schloß Morsbroich 1959, m. Abb.; Monochrome Malerei, ebda 1960.

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