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Aëtios

Ἀέτιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
106/corr.
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Eunuch
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
790
Titel / Beruf
Patrikios; Protospatharios; Komes Opsikion; Strategos Anatolikon; Paradynasteuon; Archipatrikios syr
Name normalisiert
Aëtios
Ort
Anatolikon (byz. Thema); Opsikion (byz. Thema)
Quelle
Vita Irenae imp. (BHG 2205); al-Mas‘ūdi, Avertissement; Chronik v. 813; Theophanes; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Georg. mon. (Muralt); Michael syr.; Bar Hebraeus; Chronik v. 1234

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

T: Patrikios, Protospatharios, später kurzzeitig Komes von Opsikion und Strategos von Anatolikon, Paradynasteuon. In den syrischen Quellen wird A. als Archipatrikios bezeichnet (Michael syr.; Chronik v. 1234).

V: Eunuch, Bruder des Leon Monostrategos (# 4405), Vertrauter (Theophanes: ἐπιστήθιος) Kaiserin Eirenes (# 1439), auch wenn wir über seine konkreten Lebensumstände vor 790 nichts wissen. Im Dezember 790 wird er von Konstantin VI. verbannt (1). Spätestens nach der erneuten Machtergreifung Eirenes kehrt allerdings auch Aëtios wieder zurück. Im Oktober 797 schlägt er einen Usurpationsversuch zugunsten der Söhne Konstantins V. (2) nieder und brachte sie in die Verbannung nach Athen (3). Zu diesem Zeitpunkt scheint er zum Patrikios erhoben worden zu sein. Theophanes (473,18-22) hebt seine Rivalität mit Staurakios (# 6880) hervor, da beide für ihre jeweiligen Verwandten die Kaiserwürde gewollt hätten. Als Eirene 799 erkrankte, verbündet A. sich mit dem Domestikos der Scholen, Niketas (# 5426), gegen Staurakios, ohne ihn jedoch stürzen zu können (Theophanes 474,11-20). Im Juni 800 gelingt es ihm zusammen mit Niketas, einen angeblichen Putschversuch des Staurakios abzuwehren (4). Im Jahre 802 soll er, der zu diesem Zeitpunkt Befehlshaber der Themen Anatolikon und Opsikion war und gleichzeitig als Paradynasteuon amtierte, versucht haben, Eirene zugunsten seines Bruders Leon (# 4405) zu stürzen. Aus diesem Grund habe er auch den Heiratsantrag Karls des Großen (# 3628) an Eirene hintertrieben. Jedoch habe seine Arroganz die anderen Würdenträger (τοὺς ἐν τέλει ἄρχοντας) so gegen ihn aufgebracht, daß sie den schon vorher von ihnen geplanten Sturz Eirenes jetzt ins Werk setzten (5). Über sein Schicksal nach 802 ist nichts bekannt. Wenn er jedoch mit dem Aëtios identisch ist, der laut Theophanes (491,5f.) im Jahre 811 bei der Niederlage des Kaisers Nikephoros I. gegen die Bulgaren fiel, könnte er den Sturz Eirenes 802 unbeschadet überstanden haben. In diesem Fall hätte er zwar seine Ämter verloren, wäre aber doch am Leben geblieben und anscheinend auch nicht verbannt worden.

Anmerkungen:(1) Theophanes 466,29 – 467,1; Vita Irenae imp. (BHG 2205) cap. 9. p. 18; Symeon log. (Leon gr. 197,8-11; Theod. mel. 136,5-7); Georg. mon. (Muralt) 964C. — (2) Es handelt sich um Nikephoros (# 5267), Christophoros (# 1101), Niketas (# 5403), Anthimos (# 487) sowie Eudokimos (# 1635). — (3) Theophanes 473,11-18; Zonaras XV 13, p. 300,6-9. — (4) Theophanes 474,22 – 475,9; Symeon log. (Leon gr. 200,16f.; Theod. mel. 138,14f.; Symeon sl. 87,29f.); Georg. mon. (Muralt) 969A-B; Kedrenos II 28,6-9. — (5) Theophanes 475,20-32; 476,15-17; Vita Irenae imp. (BHG 2205) cap. 13, p. 22; Kedrenos II 28,17-19; Zonaras XV 13, p. 301,2-16.

Q:(Hist.): Theophanes; Georg. mon. (Muralt); Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Zonaras; Kedrenos. — (Hag.): Vita Irenae imp. (BHG 2205). — Die orientalischen Quellen heben die herausragende Stellung des A. bei Eirene hervor: (syr.): Chronik v. 813, p. 190; Michael syr. III 12; Bar Hebraeus 120; Chronik v. 1234: cap. 188, p. 2. — (arab.): al-Mas‘ūdi, Avertissement 228 (Carra de Vaux) bezeichnet ihn als Logothetes: Elle eut pour logothète Aëtius, qui était un homme de bon conseil, d'autorité et de gouvernement.

L: ODB I 30; Savvides I 123f. — Speck, Konstantin VI. 327. 357–359. 367–370 sowie 740 Anm. 33; Glossar (griech.) II 46; Niavis, Nicephorus I 27f. 35–39. 54–56. 192; Treadgold, Revival 477 (Reg.); Rochow, Theophanes 255. 271–273. 275. 277. 300. 333; Lilie, Eirene 425 (Reg.); Treadgold, History 423ff. — Zum Amt des Paradynasteuon cf. Beck, in: BZ 48 (1955) 309–338 (= Beck, Ideen und Realitaeten Nr. XIII).

P: Theophanes 466,29 – 467,1 bezeichnet den Aëtios als πρωτοσπαθάριον καὶ ἐπιστήθιον αὐτῆς (i. e. der Kaiserin Eirene). Überraschend ist hierbei, daß dies die erste Erwähnung des A. bei Theophanes überhaupt ist, so daß man u. U. auch an eine “ex eventu”-Hervorhebung des A. denken könnte. Seine Verbannung nach der Thronbesteigung Konstantins VI. ist allerdings in jedem Fall sicher, da laut Theophanes (ibidem) alle Eunuchen aus dem Umfeld Eirenes verbannt worden waren: ἐξώρισε δὲ καὶ Ἀέτιον ... καὶ πάντας τοὺς οἰκειακοὺς αὐτῆς εὐνούχους. — Möglicherweise ist die Funktion als Strategos von Anatolikon und Opsikion im Jahre 802 mit einem Feldzug gegen die Araber zu erklären, von dem (und der späteren Niederlage des A.) die syrischen Quellen berichten (Michael syr. III 12; Bar Hebraeus 120). — Unklar ist die angebliche Verschwörung des Aëtios 802 zugunsten seines Bruders Leon. Möglicherweise hat Aëtios, wie Winkelmann II 58f. darlegt, gar nicht selbständig geputscht, sondern im Gegenteil das Pronunciamento Nikephoros' I. unterstützt und ist hier nur der Tendenz des Theophanes (bzw. von dessen Vorlage) zum Opfer gefallen. Eine endgültige Entscheidung ist aufgrund der Quellensituation nicht möglich. — Ob der 811 gegen die Bulgaren gefallene πατρίκιος Ἀέτιος tatsächlich mit unserem A. identisch ist, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, da weitere Angaben fehlen. Andererseits ist der Patrikiostitel in dieser Zeit noch relativ hoch und der Name Aëtios nicht sehr häufig, so daß insgesamt gesehen wohl mehr für eine Identität spricht als dagegen; cf. auch Lilie, Eirene 108.

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