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Eirene

Εἰρήνη

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
1437/corr.
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Frau
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
732
Titel / Beruf
Basilissa; Augusta; Chazarin
Name normalisiert
Eirene
Ort
Heroon Justinians (Kpl.); Apostelkirche (Kpl.)
Quelle
Chronicon Bruxellense; Kleinchroniken; Vita Steph. Sugd. slav.; Vita Steph. Sugd. armen.; Vita Steph. Sugd. (BHG 1671); Landmauer Kpl; Psellos, Historia Syntomos; Theophanes; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Theod. Skut.; Georg. mon. (Muralt); Michael syr.; Nikephoros; Konst. Porph., DAI; Bar Hebraeus; Chronik v. 1234; Konst. Porph., De cerim.; Nikephoros, Chron. synt.; Agapius; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch.

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

N: Möglicherweise war ihr chazarischer Name Čičäk (cf. dazu Moravcsik, in: SemKond 4 [1931] 69–76 = idem, Studia byzantina, Budapest 1967, 122–126), ihr Taufname war Eirene. Beiname: Chazara — ἡ Χαζάρα (Nikephoros, Chron. synt.). Auch einfach als ἡ Χαζάρα (Symeon. log. an der zweiten Stelle; Kleinchroniken I 14,37, p. 136; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch.).

T: Basilissa, Augusta.

V: Die Tochter des Chazarenkhagans Theodoros bzw. Virḫor (# 7524) wurde mit dem späteren Kaiser Konstantin V. verlobt, nach Konstantinopel geholt, auf den Namen Eirene getauft und zwischen dem 1. September 732 und dem 31. August 733 mit Konstantin verheiratet (Theophanes 409,30 – 410,3; Nikephoros 58,28 – 59,2 [Mango 63,1-4]). Sie war die Mutter Kaiser Leons IV. (Theophanes 426,14-16; Kedrenos II 9,8-10). Bei Nikephoros, Chron. synt. wird sie in der Liste der Augustai geführt. Einer ihrer Söhne, wohl Leon IV., wurde angeblich von Stephanos von Sugdaia (# 6997) getauft (cf. auch unter P). Theophanes hebt ihre Frömmigkeit hervor, die sie auch gegenüber den “gottlosen” Leon III. und Konstantin V. gezeigt habe (διέπρεπεν ἐν εὐσεβείᾳ τὴν τούτων δυσσέβειαν ἐλέγχουσα), doch dürfte dies nachträgliche Propaganda sein. Das Todesdatum ist unsicher, aber in jedem Fall spätestens 751 (s. unten). Nach dem Zeremonienbuch wurde sie in einem Sarkophag aus proikonnesischem Marmor im Heroon Justinians in der Apostelkirche neben ihrem Mann beigesetzt.

Q: — (Hist.): Theophanes; Nikephoros; Symeon log. (Leon gr. 179,22 – 180,3; 190,6; Theod. mel. 124,8-11; 131,10; Symeon sl. 78,29-31; 82,38f.); Georg. mon. (Muralt) 928A; Kedrenos I 800,7-11; Zonaras XV 4, p. 263,7-11; XV 5, p. 269,5-8; Theod. Skut. 122,29-31; 125,1; Kleinchroniken I 14,37, p. 136; Chronicon Brux. 32,7; Michael Psellos, Historia Syntomos 90, p. 80,51f. — (Hag.): Vita Steph. Sugd. (BHG 1671) cap. 4, p. 76,8f. — (Fs.): Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch. 460A; Konst. Porph., DAI 13,61f. 134f. (ohne Namen); idem, De cerim. I 1, Scholion p. 17 (Vogt); p. 22 (Reiske); II 42, p. 645,10 (Reiske); Anonymus, Lists 38. 41 (Downey): unsicher, da ohne Namen erwähnt; Nikephoros, Chron. synt. 105,16. — (arm.): Vita Steph. Sugd. armen. 871f. — (syr.): Chronik v. 1234: cap. 177. 183, p. 254. 262; Michael syr. II 501. 506. 517; Bar Hebraeus 110. 112. — (arab.): Agapius 507. — (sl.): Vita Steph. Sugd. slav. cap. 28, p. 93,16-24 (Feodora ker'českogo carja dšči – “Tochter des Fürsten Theodoros von Kerč”). — (Inscr.): Landmauer Kpl. Nr. 29b (? cf. unter P).

L: Vestberg, in: VV 14 (1907) 231 u. ö.; Ševčenko, in: Iconoclasm 114 Anm. 8; Golden, Khazar Studies 44. 175f.; Glossar (lat.) III 438; Pritsak, in: Harvard Ukrainian Studies 12/13 (1988/1989) 100f.; Downey, Tombs 36; Schreiner, in: Byz 61 (1991) 181–193; Rochow, Theophanes 130f. 201. 329 (jeweils weitere Quellen und Lit.); ead., Konstantin V. 246 (Reg.); ead., Leon IV. 1. 8. 27. 30f.; Treadgold, History 354. 366.

P: In einigen Quellen (z. B. DAI) wird sie als Frau Leons IV. bezeichnet, wobei es sich augenscheinlich um eine Verwechslung mit Eirene (# 1439) handelt. — Die syrischen Quellen behaupten, daß Konstantin erst drei Jahre nach dem Tod Eirenes eine neue Ehe eingegangen sei und zwar, nachdem er seinen Sohn Leon zum Mitkaiser gekrönt habe. Wenn dies zutrifft, müßte Eirene ca. 748 gestorben sein, da Leon 751 zum Mitkaiser gekrönt worden ist, während die zweite Frau Konstantins V., Maria (# 4725), gleichfalls schon 751 oder 752 gestorben ist. Allerdings begegnet diese dreijährige Pause zwischen zwei Ehen bei den syrischen Chronisten häufiger, so daß wir hier wahrscheinlich mit Topik zu rechnen haben. — Ein Scholion zum Zeremonienbuch berichtet, daß ein später nach dieser benanntes chazarisches Gewand, das sogenannte “Tzitzakion”, von einer chazarischen Prinzessin am Kaiserhof in Konstantinopel eingeführt worden und auch nach ihr in Gebrauch geblieben sei (Scholion p. 17 [Vogt]; p. 22 [Reiske]); cf. dazu Moravcsik II 313f.; idem, in: SemKond 4 (1931) 69–76. Bei dieser Prinzessin könnte es sich entweder um Theodora (# 7282) oder, nach Moravcsik wahrscheinlicher, um E. handeln. — Die Viten des Stephanos von Sugdaia (Surož) sagen nicht ausdrücklich, daß sich die Kaiserin Eirene für den Heiligen eingesetzt habe, sondern sprechen nur von “einer gewissen Frau Eirene”: διά τινος γυναικὸς Εἰρήνης. Dennoch ist angesichts der Umstände und besonders angesichts der Herkunft Eirenes und der Taufe ihres Sohnes Leon IV. durch Stephanos wohl anzunehmen, daß die Kaiserin gemeint ist (so auch schon Vestberg). Dieselbe Identifizierung findet sich ausdrücklich in der armenischen Version der Stephanosvita, die ca. Anfang des 13. Jh.s entstanden ist. Ševčenko gibt als Begründung für die Identifizierung an, daß in der slawischen Version, die im 15. Jh. entstanden ist, besagte Frau als Tochter des Herrn ('car') von Kerč bezeichnet werde. Zumindest einige Forscher sind davon ausgegangen, daß ihr Name mit Theodora angegeben wird, doch handelt es sich wohl um den Genitiv des Namens Theodoros, den der Khazarenkhagan Virḫor auch führte, cf. dort. — Ob es neben Leon IV. noch weitere Kinder gegeben hat, wie die Vita nahelegt, läßt sich nicht mehr entscheiden. Da solche Kinder in anderen Quellen nicht erwähnt werden, dürften sie in jedem Fall schon sehr früh verstorben sein. — Die Inschrift an der Landmauer von Konstantinopel erwähnt die Kaiser Leon und Konstantin und die Augusta Eirene. Die Identifizierung mit Leon IV., Konstantin VI. und der späteren Kaiserin Eirene liegt nahe; die Inschrift wäre dann zwischen 776 und 780 zu datieren. A. M. Schneider, in: Landmauer Kpl. 131, lehnt dies jedoch mit folgender Begründung ab: “allein dies erledigt sich durch die vielen Leo- und Konstantininschriften, zu denen auch diese gehört”, und schlägt statt dessen die Identifizierung mit Leon III., Konstantin V. (den er dort als Konstantin IV. zählt) und Eirene, der ersten Frau Konstantins V., vor. Zwar erscheint Schneiders Argument kaum stichhaltig, dennoch ist seine Identifizierung unter bestimmten Umständen denkbar. Das gilt für den Fall, daß Maria, die Frau Leons III., frühzeitig verstarb und daher Eirene, die erste Frau Konstantins V., noch zu Lebzeiten Leons III. zur Augusta ernannt wurde; über diese Sachverhalte sind wir jedoch nicht genau unterrichtet. Insgesamt erscheint Schneiders Identifizierung umständlicher, weshalb die erstere Identifizierung wohl zu bevorzugen ist; einwandfrei klären läßt sich die Frage jedoch nicht.

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