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Hārūn ar-Rašīd

Ἀαρών

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
2541/corr.
Namensvariante
Aaron (griech.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
780
Titel / Beruf
Araber; Kalif
Name normalisiert
Harun
Ort
Semaluos (Festung in Kappadokien); Chrysopolis (Bithynien); Bithynien; Bane(s); Persien; Kibyrrhaioton (byz. Thema); Herakleia (Kappadokien); Thebasa; Zypern; Rhodos (Insel); Kalifat
Quelle
Kleinchroniken; Łewond - Ghevond; Ps.-Symeon (Cod. Paris. 1712); Theophanes; Synax. Cpl.; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Ps.-Symeon; Georg. mon. (Muralt); Michael syr.; Georg. mon.; Konst. Porph., DAI; Vita Steph. Sabaït. arab.; Bar Hebraeus; Vita Steph. Sabaït. (BHG 1670); aṭ-Ṭabarī

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

T: Arabischer Kalif (786–809).

V: Sohn des Kalifen al-Mahdī (# 4663) sowie Bruder und Nachfolger des Mūsā al-Hādī (# 5193). Im Jahre 780 befehligte H. einen Einfall in das Gebiet des Byzantinischen Reiches, auf dem u. a. das Kastron Semaluos erobert wurde (1). Zwei Jahre später (782) leitete er den großen arabischen Angriff gegen Westkleinasien, der bis nach Chrysopolis führte. Laut Theophanes gelang es dem Domestikos Antonios (# 531), die Araber bei dem Ort Bane (Theophanes: τὴν Βάνην) so einzuschließen, daß sie um Frieden baten. Jedoch hätten die byzantinischen Unterhändler es versäumt, sich für ihre persönliche Sicherheit Geiseln geben zu lassen, so daß die Araber sie festhalten und Kaiserin Eirene (# 1439) damit zwingen konnten, Frieden zu schließen und jährlichen Tributzahlungen an den Kalifen zuzustimmen (2). Im September 786 (EI) folgte H. seinem Bruder Mūsā al-Hādī (# 5193) als Kalif nach (bei Theophanes 461,9-11 zum Jahr 785 berichtet). In der Vita des Stephanos Sabaïtes wird berichtet, daß H. den Patriarchen von Jerusalem, Elias (# 1486), unter ungerechter Anschuldigung nach Persien habe verschleppen lassen. Daraufhin habe Christophoros (# 1109) geplant, zugunsten des Elias bei dem Kalifen zu intervenieren (3). Etwa um dieselbe Zeit oder kurz darauf (790) soll H. versucht haben, den bei einer Seeschlacht gefangengenommenen Strategos des Themas Kibyrrhaioton, Theophilos (# 8194), zur Annahme des islamischen Glaubens zu bewegen. Als das mißlang, habe er ihn martern und enthaupten lassen (4). Im Jahre 806 (5) führte H. einen großen Feldzug in das Gebiet des Byzantinischen Reiches, auf dem u. a. Herakleia erobert wurde. Schließlich wurde mit Kaiser Nikephoros I. ein Tributfriede abgeschlossen, der allerdings von dem Kaiser nach Abzug Hārūns gebrochen wurde. Die Araber eroberten daraufhin Thebasa, plünderten Zypern und siedelten die Bevölkerung der Insel in das Kalifat um (6). Im darauffolgenden Jahr (807) entsandte H. eine Flotte unter dem Kommando des Ḥumaid ibn Ma‘yūf (# 2597) gegen Rhodos (Theophanes 483,4-15; Kedrenos II 36,1-9). Er starb im März 809. Nachfolger wurde sein Sohn al-Amīn (# 214). Es kam zum Bürgerkrieg im Kalifat (Theophanes 484,5-19).

Aṭ-Ṭabarī berichtet über einen Austausch von Briefen zwischen H. und Kaiser Nikephoros I., in dem es einmal um die Rückgabe eines von den Arabern gefangenen Mädchens (# 10032) aus Herakleia ging, das Nikephoros mit seinem Sohn verheiraten wollte (7), und zum zweiten um einen Austausch von gegenseitigen Beleidigungen, die schließlich zum Krieg führten (8). Letzterer Brief findet sich auch bei Georg. mon. 773,4 – 774,2, allerdings in einer für Nikephoros freundlicheren Fassung (9). Die Historizität dieser Briefe ist sowohl in der von aṭ-Ṭabarī gegebenen Form als auch in derjenigen des Georg. mon. fragwürdig.

Anmerkungen: — (1) Theophanes 452,20-23; 453,20-22; Symeon log. (Leon gr. 192,7-9; Theod. mel. 132,22f.; Symeon sl. 83,29-31); Georg. mon. (Muralt) 956A. — (2) Theophanes 456,2-23; Kleinchroniken 2, 10, p. 48 (Vorstoß bis Chalkedon; cf. auch Schreiner, Kleinchroniken II 90); Georg. mon. 767,5-14; Symeon log. (Leon gr. 193,19 –194,4; Theod. mel. 133,21-28; Symeon sl. 84,14-20); Georg. mon. (Muralt) 957C–960A; Kedrenos II 21,18; Zonaras XV 10, p. 286,16 – 287,9; Michael syr. III 2; Bar Hebraeus 118; Bar Hebraeus, Dyn. 216f.; Łewond 152–154 (Chahnazarian); 142f. (Arzoumanian). — (3) Vita Steph. Sabaït. (BHG 1670) cap. 19, p. 511A; cap. 21, p. 511F (beide ohne Namensnennung). — (4) Theophanes 465,12-26; Synax. Cpl. 433/434,40-51; 434,13-29. — (5) Laut Georg. mon. 772,26 805: im dritten Jahr des Nikephoros. — (6) Theophanes 482,1-23; mit nikephorosfreundlichen Modifizierungen: Georg. mon. 772,26 – 774,2; Symeon log. (Leon gr. 203,4 – 204,2; Theod. mel. 140,7-26; Symeon sl. 88,31 – 89,8); Georg. mon. (Muralt) 973A-C; Ps.-Symeon, Cod. Paris. 1712, fol. 229 (Markopulos 140f.); Kombination beider Darstellungen bei Kedrenos II 34,15 – 35,24. — (7) Aṭ-Ṭabarī (Yar-Shater XXX) 263f. [710f.] (= Williams II 275f.). — (8) Aṭ-Ṭabarī (Yar-Shater XXX) 239–244 [695–698] (= Williams II 260–263). — (9) Cf. auch Michael. syr. III 16; Bar Hebraeus 121.

Q: — (Hist.): Theophanes; Kleinchroniken; Georg. mon.; Georg. mon. (Muralt); Symeon log. (Leon gr.; Theodosios mel.; Symeon sl.); Ps.-Symeon, Cod. Paris. 1712 (Markopulos); Kedrenos; Zonaras. — (Hag.): Synax. Cpl.; Vita Steph. Sabaït. (BHG 1670) cap. 19, p. 511A-F. — (Fs.): Konst. Porph., DAI 22,59-65. — (arm.): Łewond. — (syr.): Michael syr.; Bar Hebraeus. — (arab.): At-Ṭabarī (Yar-Shater XXX) 263 [710f.] (= Williams II 275f.): Friedensschluß mit Nikephoros I. 806; Vita Steph. Sabaït. arab., cap. 23,2-6, p. 130–132 (Pirone); cap. 23,2-6, p. 37f. (Lamoreaux) (ohne Namensnennung).

L : ODB II 902f.; LdMA IV (1989) 1949f.; EI III (1971) 238–241. — Lilie, Reaktion 172–176; Treadgold, Revival 487; Niavis, Nicephorus I 308 (Reg.); Rochow, Theophanes 225. 227. 236f. 253. 285f.; Kennedy, Caliphates 141–148; Hoyland, Seeing Islam 844 (Reg.); Lilie, Eirene 428 (Reg.); Treadgold, History 418. 423–428. — Zum Briefwechsel zwischen H. und Nikephoros I. cf. auch Lilie, Theophanes 309–311.

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