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Niketas

Νικήτας

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
5424
Namensvariante
Monomachos (Beiname oder Familienname); Homologetes (Beiname)
Klerus / Laie
Laie; Klerus
Geschlecht
Eunuch
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
787
Religion
orthodox
Titel / Beruf
ek prosopu; Patrikios; Strategos Sizilien; Monachos Asomatoikloster; Hegumenos Asomatoikloster
Name normalisiert
Niketas
Ort
Sizilien (byz. Thema); Paphlagonien; Euphemiakirche (Sizilien); Frankenreich; Chrysonikekloster (Kpl.); Panteicheion bzw. Panteichionkloster; Ruphinianai (Bithynien); Katabolon bzw. Katabolos (Bithynien); Eribolon (Bithynien); Nikomedeia (Bithynien); Zulupas (Proasteion, Lage unklar); Katesia (Bosporos bei Kpl.); Asomatoikloster (Katesia); Daphnusia
Quelle
Annales Fuldenses; Konstantinos v. Tios, Encomium Euphemiae (BHG 621); Vita Nicet. patric. (BHG 1342b); Annales Mettenses; Annales Einhardi; Makarios Makres (BHG 622); Synaxarium Nicet. patric. (BHG 1342e); Synax. Cpl.; Men. Basilii; Typicon Mateos; Annales regni Francorum

N: Bei- oder Familienname: Monomachos — Μονομάχος. Später auch als Homologetes — ὁμολογητής bezeichnet.

T: Ek prosopu, später Patrikios und Strategos von Sizilien, nach dem Ende seiner weltlichen Laufbahn dann Mönch und Abt.

V: Geboren wurde N. ca. 761/62 in Paphlagonien; seine Eltern hießen Gregorios (# 2443) und Anna (# 449). Außer ihm müssen seine Eltern noch weitere Kinder gehabt haben, denn als Neffen des N. werden Niketas (# 2668) und Ignatios (# 5473) erwähnt. N. gehörte wahrscheinlich zu der auch sonst belegten Familie Monomachos, sofern es sich nicht doch um einen persönlichen Beinamen gehandelt haben sollte. Möglicherweise ist er ein entfernter Verwandter der Kaiserin Eirene (# 1439).

Seine Eltern ließen N. bereits als Kind kastrieren, vielleicht, um ihm eine Karriere im Staatsdienst zu ermöglichen oder zu erleichtern. Sofern die Mitteilung der Synaxare korrekt ist, daß er als Beauftragter (ἐκ προσώπου) der Kaiserin am Konzil in Nikaia von 787 teilgenommen hat, muß er bereits vor 787 in relativ jungem Alter nach Konstantinopel gekommen sein. Jedoch wird diese Teilnahme von anderen Quellen, besonders von den Konzilsakten, nicht bestätigt und ist daher auch eher unwahrscheinlich.

Zu einem Zeitpunkt nach dem Konzil wurde N. zum Patrikios ernannt und übernahm das Strategenamt von Sizilien. Dies kann nicht vor 796 geschehen sein, da er in diesem Jahr noch in Konstantinopel bei der Auffindung der Reliquien der hl. Euphemia zugegen gewesen sein soll. Er habe sich dabei einen Teil der Reliquien der hl. Euphemia, eine Hand, angeeignet und mit nach Sizilien genommen, wo er der Euphemia eine Kirche erbaut habe (Konstantinos v. Tios, Encomium Euphemiae [BHG 621] § 16, p. 104). Als Strategos Siziliens leitete er im Jahre 797 eine kaiserliche Gesandtschaft unter Theoktistos (# 8040) an Karl den Großen (# 3628) weiter, wobei er möglicherweise diese Gelegenheit nutzte, um Karl seine Ernennung zum Strategen anzuzeigen. Spätestens 799 muß er das Strategenamt verloren haben, da in diesem Jahr Michael (# 5046) als Strategos von Sizilien belegt ist. Über seine weitere weltliche Laufbahn ist nichts bekannt.

Wohl gegen Ende des Jahres 811 wurde er Mönch, nachdem ihm dies vorher von den Kaisern Nikephoros I. und Staurakios untersagt worden war, und erhielt von Kaiser Michael I. das Kloster von Chrysonike (in Konstantinopel). Gegen Ende des Jahres 815 mußte er das Kloster verlassen und begab sich auf Befehl Kaiser Leons V. in ein Proasteion bei Konstantinopel. Laut dem Synax. Cpl. soll er auch noch unter Kaiser Michael II. verfolgt worden sein. Ostern 830 weigerte er sich, mit Patriarch Antonios I. (# 550) Kommunion zu halten, und mußte in ein anderes Proasteion gehen. Ostern 831 befand er sich in Panteichion. Um 832 hielt er sich in Ruphinianai auf, dann in Katabolon, das er überstürzt verließ, um einer Begegnung mit Kaiser Theophilos auszuweichen. Ende 832 oder Anfang 833 begab er sich auf Befehl des Theophilos nach Eribolon (bei Nikomedeia), das er aber wegen eines arabischen Angriffs wieder verlassen mußte. 833–836 lebte er in dem Proasteion Zulupas, das dem Nikolaos (# 5582) gehörte und das er wegen Auseinandersetzungen mit ikonoklastischen Bischöfen (# 10527) verlassen mußte. Danach kaufte er ein Grundstück in Katesia, wo er ein Kloster namens τῶν Ἀσωμάτων gründete und mit Wunderheilungen hervortrat. Anfang September 836 begab er sich wegen seines nahenden Todes in ein Kloster am Meer (in der Nähe von Daphnusia), wo er am 11. September eintraf, am 18. September bettlägerig wurde und am 6. Oktober starb (laut Synax. Cpl. im Alter von 75 Jahren). Seine Reliquien erwiesen sich als wundertätig. Gefeiert als Heiliger am 5., 6., 7. bzw. 13. Oktober.

Q: — (Hag.): Konstantinos v. Tios, Encomium Euphemiae (BHG 621); Makarios Makres (BHG 622) § 10, p. 182; Vita Nicet. patric. (BHG 1342b); Synaxarium Nicet. patric. (BHG 1342e); Synax. Cpl. 115,14 – 116,15 (6. Oktober, hier als Eunuch bezeichnet); cf. 137,39 (13. Oktober); Men. Basilii 93B-C (6. Oktober); Typicon Mateos I 61 app. crit. (Codd. Fa, Ox zum 6. Oktober). — (lat.): Annales regni Francorum (797) 100: … et legatus Nicetae, qui tunc Siciliam regebat, nomine Theoctistus venit imperatoris epistolam portans; ähnlich Annales Einhardi (797) 101: legatusque Nicetae patricii, qui tunc Siciliam procurabat, nomine Theoctistus litteras imperatoris de Constantinopoli missus; Annales Fuldenses (797) 13; Annales Mettenses priores (797) 82,5-7. — (Sg.): Zu den Siegeln, die N. möglicherweise zuzuordnen sind, s. unter Niketas (# 5430).

L : Cosentino II (Nicetas 7*); BHG 1342b-1342e (Auctarium, p. 138f.). — Janin, Centres 95f.; idem, Églises 541; idem, in: Bibl. Sanct. 9 (1967) 892f.; Halkin, Euphémie 104 Anm. 2; Papachryssanthou, in: TM 3 (1968) 309–351; Guilland, in: Byz 40 (1970) 332; Treadgold, Revival 495 (Reg.); Lilie, Eirene 127. — Zu seinem Amt als Strategos von Sizilien cf. Amari I 316; Gay 14; Speck, Konstantin VI. 706 Anm. 9; Winkelmann I 86f. — Zu der Gesandtschaft an Karl den Großen s. Dölger, Regesten Nr. 350; Lounghis, Ambassades 503 (Reg.); Nerlich, Gesandtschaften 261.

P: N. sind möglicherweise eine Reihe von Siegeln zuzuweisen, die einen Niketas, Patrikios und Strategos von Sizilien, nennen. Angesichts der Häufigkeit des Namens, der nur ungefähren Datierung der Siegel und der Lückenhaftigkeit der Amtsliste der sizilianischen Strategoi ist die Verbindung eines oder mehrerer dieser Siegel mit N. zwar möglich, aber keineswegs sicher. Zu diesen Siegeln cf. unter Niketas (# 5430). — Problematisch ist die Verbindung zwischen den hagiographischen griechischen (Vita und Synaxare) und den historiographischen lateinischen Quellen. Zwar dürfte es sich um ein und dieselbe Person handeln, jedoch sind die zusätzlichen Nachrichten der Vita und der Synaxare, soweit sie nicht anhand der historischen Quellen überprüft werden können, nur eingeschränkt glaubwürdig. — Guilland, in: Byz 40 (1970) 132, sowie in: RESEE 8 (1970) 597 (mit Hinweis auf Theoph. cont. 90,1-4), nimmt an, daß evtl. eine Identität mit dem Patrikios Niketas vorliegen könnte, der einen Palast an Theoktiste (# 8025) verkauft habe, die diesen ihrerseits in ein Kloster verwandelte. Die Häufigkeit des Namens und das Fehlen weiterer Nachrichten machen einen solchen Identifizierungsversuch jedoch unsicher; cf. auch unter Niketas (# 5435). — Die Verwandtschaft mit Eirene (im Synaxarium Nicet. patric. cap. 1, p. 325 wird eine Kaiserin Theodora genannt, die jedoch, wenn mit ihr die Frau des Theophilos gemeint sein sollte [Theodora: # 7286], schon aus chronologischen Gründen nicht in Frage kommt), wird nur in den hagiographischen Quellen erwähnt und ist somit verdächtig. Ähnlich zweifelhaft ist auch die nur in den Synaxaren behauptete Anwesenheit auf dem Konzil von 787.

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