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Prokopia

Προκοπία

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
6351
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Frau
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
811
Titel / Beruf
Augusta; Kaiserin; Basilis; Despoine
Name normalisiert
Prokopia
Ort
Triklinos des Augustaios (Kpl.); Tzurulon bzw. Tzurulos (Thrakien); Akidukton (bei Herakleia in Thrakien); Herakleia (Thrakien); Thrakien; Versinikia (Bulgarien); Bulgarien; Pharoskirche (Kpl.); Plate bzw. Plateia (Prinzeninsel); Prinzeninseln; Prokopiakloster (Kpl.); Hippodrom (Kpl.); Landmauer (Kpl.); Stadtmauer (Kpl.)
Quelle
Chronicon Altinate; Vita Antonii iun. (BHG 142); Scriptor inc.; Petros v. Alexandreia; Theophanes Presbyter, Logos auf Nikephoros Patriarches (BHG 1336–1337); Chronik v. 813; Encomium Ignatii (BHG 818); Theophanes; Synax. Cpl.; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Theoph. cont.; Skylitzes; Theod. Skut.; Genesios; Georg. mon. cont. (Muralt); Michael syr.; Georg. mon.; MGH, Epp.; Vita B Theod. Stud. (BHG 1754); Bar Hebraeus; Synodicon vetus; Vita Ioannic., Metaphr. (BHG 937); Glykas; Patria; Vita Ignatii (BHG 817); Nikephoros, Chron. synt.

T: Kaiserin, Basilis — ἡ βασιλίς (Skylitzes), Despoine — δεσποίνη (Patria).

V: Tochter Kaiser Nikephoros' I. (802–811) und Schwester des Kaisers Staurakios (Juli–Oktober 811), Frau des Michael Rhangabe, des späteren Kaisers Michael I. (811–813). Sie hatte fünf Kinder, deren genaue Reihenfolge in der Vita Ignatii (BHG 817) nicht ganz eindeutig wiedergegeben wird (1). Vermutlich war Theophylaktos (# 8336) das älteste der Geschwister und erstgeborenes Kind (ὁ πάντων πρωτότοκος, geboren 793), während die älteste Tochter, Georgo (# 2290), nicht genau einzuordnen ist. Die Quelle läßt jedoch auch die Möglichkeit zu, daß Georgo das älteste aller Kinder war. In jedem Falle wurden die drei Söhne in der Reihenfolge Theophylaktos, Staurakios (# 6890) und Niketas (der spätere Patriarch Ignatios: # 2666) geboren, während die jüngere Schwester Theophano (# 8164) zugleich das jüngste der Geschwisterkinder war.

Nach dem Tod des Nikephoros wurde P. von ihrem Bruder Staurakios beschuldigt, gegen ihn zu konspirieren, da sie selbst nach dem Thron trachte. Laut den syrischen Quellen (Chronik von 813; Michael Syrus) und der Chronik des Petros von Alexandreia (197,21f.) gab es das Gerücht, daß er von ihr vergiftet worden sei, während Bar Hebraeus 129 von Blendung spricht. Jedoch ist dies alles laut Theophanes eine Verleumdung durch die Kaiserin Theophano (# 8163), die Frau des Staurakios, die, dem Vorbild ihrer Verwandten Eirene (# 1439) folgend, nach dem Tod ihres Mannes für sich selbst die Herrschaft angestrebt habe (2).

Am 12. Oktober 811 wurde P. im Triklinos des Augusteion zur Augusta gekrönt (3). Laut dem Scriptor inc. war sie bei der Krönung ihres Sohnes Theophylaktos am 25. Dezember 811 anwesend und stand dort mit im Vordergrund, wie sie sich überhaupt in die Leitung der Staatsgeschäfte eingemischt habe (4). Bei zwei Auszügen Michaels I. gegen die Bulgaren 812 und 813 begleitete P. ihren Mann bis Tzurulon bzw. Akidukton (bei Herakleia), was angeblich in der Konstantinopolitaner Bevölkerung Kritik auslöste (5). Am 25. Februar 813 beging sie laut Theophanes 500,6-10 zusammen mit Michael den Todestag des Patriarchen Tarasios (# 7235). Als Michael nach der Niederlage bei Versinikia abdanken wollte, wurde dies von P. verhindert, die angeblich die Frau Leons (V.) nicht als neue Kaiserin akzeptieren wollte (6). Nach der Krönung Leons floh Michael mit seiner Familie in die Theotokos- bzw. Pharoskirche, wo sie am 11. Juli 813 zu Mönchen (bzw. zu Nonnen) geschoren wurden (7). Während Michael I. samt seinen Söhnen auf die Insel Plateia verbannt wurde, trat P. in das von ihr selbst gegründete sog. Prokopiakloster in Konstantinopel ein (8). Diese Gründung (Kloster ta Prokopias) wird ihr auch in den Patria zugeschrieben (9).

Wenn die Mitteilung der Vita Antonii zutrifft, daß P. sich um die Translation der Reliquien des hl. Iakobos (# 2630) in ihr Kloster bemüht habe, muß sie ca. 840 noch am Leben gewesen sein, da Iakobos zwischen ca. 837 und 840 gestorben ist. Mit diesem Vorhaben hatte sie allerdings keinen Erfolg (10).

Ein Brief Papst Leos III. (# 4239) an Karl d. Großen (# 3628) berichtet von Gerüchten, daß P. nach dem Tod ihres Mannes ein ehebrecherisches Verhältnis mit einem Patrikios Konstantinos (# 3918) angefangen habe, der auf ihr Betreiben zum Kaiser gekrönt worden sei, während Leon V. im Feld gegen die Bulgaren gestanden habe. P. habe auch die Frau Leons (Theodosia: # 7790) und dessen kleinen Sohn töten lassen. Daraufhin sei Leon V. nach Konstantinopel zurückgekehrt, habe Konstantinos in einem Zweikampf im Hippodrom getötet und anschließend P. hinrichten und zerstückeln lassen. Ihre Gliedmaßen seien auf der Stadtmauer zur Schau gestellt worden. Ein späteres Gerücht behaupte allerdings, daß dies alles nicht wahr sei, sondern daß P. nur die kleine Tochter Leons V. habe töten lassen. Genaueres cf. unter Konstantinos.

Zusätzliche hagiographische Mitteilungen: Vita Ignatii (BHG 817) 489C. 492A-B; Encomium Ignatii (BHG 818) 292B-C; Vita Ioannic., Metaphr. (BHG 937) cap. 19f., col. 53C-D; Synax. Cpl. 158,16.

Anmerkungen: — (1) Vita Ignatii (BHG 817) 492A-B: παῖδες οἱ πάντες, πέντε λέγουσι γενέσθαι· ὧν θήλειαι δύο, πρώτη μὲν ἡ καλουμένη Γεωργώ, πάντων δὲ ὑστάτη Θεοφανὼ· ... . ῎Αῤῥενες δὲ τρεῖς, Θεοφύλακτος, Σταυράκιος, Νικήτας· τούτων Θεοφύλακτος μὲν ὁ πάντων πρωτότοκος, ... — (2) Theophanes 492,22-25: ἀποστρεφόμενος πάντη καὶ Προκοπίαν, τὴν ἰδίαν ἀδελφήν, ὡς ἐπιβουλεύσασαν αὐτῷ ταῖς Θεοφανοῦς τῆς αὐγούστης ὑποβολαῖς. αὐτίκα γὰρ ἡ τάλαινα κατὰ μίμησιν τῆς μακαρίας Εἰρήνης κρατήσειν ἤλπιζε τῆς βασιλείας ἄπαις οὖσα. — (3) Theophanes 494,1-3; Nikephoros, Chron. synt.105,21; Symeon log. (Leon gr. 206,8-10; Theod. mel. 142,12f.; Symeon sl. 90,6f.); Georg. mon. (Muralt) 977C; Zonaras XV 17, p. 312,11-13. — (4) Scriptor inc. 335,3-7 (Bekker); II, p. 39,4-10 (Iadevaia). — (5) Theophanes 495,20-22; 500,14-18; Zonaras XV 18, p. 317,2-5; Scriptor inc. 337,1-7 (Bekker); II, p. 40,45 – 41,53 (Iadevaia). — (6) Theophanes 502,8-10; Genesios I 3, p. 5,64-67; Theoph. cont. I 9, p. 18,5-17; Skylitzes 8,62-67; Vita B Theod. Stud. (BHG 1754) II 59, 169C. — (7) Theophanes 502,26-29; Georg. mon. 776,20-22; Theoph. cont. I 10, p. 19,15-17; Genesios I 5, p. 6,89-95; Skylitzes 8,81-83; Zonaras XV 18, p. 319,2-4; Scriptor inc. 341,9-15 (Bekker); III, p. 49f.,17-25 (Iadevaia). — (8) Theoph. cont. I 10, p. 20,9-11; laut Skylitzes 8,83 – 9,88 wurde P. zusammen mit ihren Söhnen verbannt, während Michael I. getrennt von ihnen auf der Insel Prote in Verbannung lebte. — (9) Patria III 153, p. 264,18 – 265,2; cf. Berger, Patria 654. — (10) Vita Antonii iun. (BHG 142) cap. 37, p. 213,9-26; cf. hierzu auch # 11699.

Q: — (Hist.): Theophanes; Nikephoros; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon.; Georg. mon. (Muralt), zusätzlich 980A; Scriptor inc.; Theoph. cont.; Genesios; Skylitzes; Zonaras; Petros v. Alexandreia; Glykas 531,17f.; Theod. Skut. 130,18-20. 30f.; 138,13. — (Conc.): Synodicon vetus, cap. 154,3, p. 128; Appendix, cap. 154,6, p. 193. — (Hag.): Vita Antonii iun. (BHG 142); Vita Ignatii (BHG 817); Encomium Ignatii (BHG 818); Theophanes Presbyter, Logos auf Nikephoros Patriarches (BHG 1336-1337) cap. 2, p. 117; Vita Ioannic., Metaphr. (BHG 937); Vita B Theod. Stud. (BHG 1754); Synax. Cpl. — (Fs.): Nikephoros, Chron. synt.; Patria. — (lat.): Chronicon Altinate 110,6 (dort fälschlich als Frau Nikephoros' I. bezeichnet); 110,13; MGH Epp. V, epp. Leonis Nr. 7, p. 99,13f.; Nr. 8, p. 99,24 – 100,26. — (syr.): Chronik v. 813, p. 196; Michael syr. III 26. 70; Bar Hebraeus 129.

L : Bury, Eastern Rom. Emp. 14 Anm. 2 (Zeitfragen); Alexander, Nicephorus 285 (Reg.); Niavis, Nicephorus I 43f. 115. 248; Treadgold, Revival 497 (Reg.); Rochow, Theophanes 303. 305. 309. 317. 319; Pratsch, Theodoros 180f. 199; Sansterre, in: Byz 67 (1997) 373–380; Treadgold, History 942. — Zu dem angeblichen Ausspruch der Prokopia, das Kaisertum sei ein schönes Leichentuch, cf. Thurn, Skylitzes 291; zu der angeblichen Verschwörung gegen Leon V. cf. Sansterre, Les informations parvenues en Occident sur l'avènement de l'empereur Léon V et le siège de Constantinople par les Bulgares en 813, in: Byz 66 (1996) 373–380, besonders 374–378; Alexander, Nicephorus 78–80; Rochow, Theophanes 317; Signes Codoñer 72.

P: Die versuchte Translation der Reliquien des Iakobos wird von der Vita Antonii iun. in den Zeitraum nach 837 datiert, also gut 25 Jahre nach der Absetzung Prokopias als Kaiserin. — Treadgold, Revival 405, nimmt an, daß die Mutter der P. ebenfalls Prokopia hieß, aber schon frühzeitig gestorben war.

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