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Tarasios

Ταράσιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
7235/corr.
Namensvariante
Taraxios (Schimpfname); Tarassios
Klerus / Laie
Laie; Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
784
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Hypatos; Asekretis; Protasekretis; Patriarch Kpl.; Autor; Hymnographos; Episkopos
Name normalisiert
Tarasios
Ort
Rom; Apostelkirche (Kpl.); Nikaia (Bithynien); Bithynien; Patriarcheion (Kpl.); Athen; Hagia Sophia (Kpl.); Euphemiakirche (Kpl.); Sakkudionkloster (Bithynien); Hagios-Tarasios-Kloster (am Bosporos bei Kpl.); Panton-Martyron-Kirche (im Hagios-Tarasios-Kloster am Bosporos); Peges: tes Peges (Kpl.); Ispigas; Ibererkloster (Kpl.); Pegai (Kpl.); Pegekloster (Kpl.); Tarasioskloster (am Bosporos bei Kpl.)
Quelle
Vita Nicet. Medic. (BHG 1341); Vita Niceph. patriarch. (BHG 1335); Vita Nicet. Medic. (BHG 1342); Vita Irenae imp. (BHG 2205); Suda; Chronicon Bruxellense; Theod. Stud., Ep.; Mansi; Epistula synodica ad Theophilum imp. (BHG 1386); Theophanes; Epistula ad Theophilum (BHG 1387); Synodikon georg.; Synax. Cpl.; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Theoph. cont.; Catal. patr. (Fischer); Skylitzes; Ps.-Symeon; Calendrier palestino-géorgien; Typicon Messinense; Photios, Epp. (Laourdas–Westerink); Theod. Skut.; Vita Tarasii (BHG 1698); Peri Metatheseon; Theod. Stud., Laud. Plat. (BHG 1553); Genesios; Georg. mon. (Muralt); Vita Macarii Pelecetae (BHG 1003); Annales Fuldenses; Georg. mon. cont. (Muralt); Michael syr.; Georg. mon.; Horos der Synode von 843 ; Vita Ioannis Gotth. (BHG 891); Konstantinos v. Tios, Encomium Euphemiae (BHG 621); Men. Basilii; Vita C Theod. Stud. (BHG 1755d); MGH, Epp.; Vita B Theod. Stud. (BHG 1754); Vita Ioannis et Cosmae (BHG 395); Vita Georg. Amastr. (BHG 668); Typicon Mateos; Annales Mettenses; Vita Ioannis Psichaïtae (BHG 896); Vita Ioannic. (Sabas; BHG 935); Vita A Theod. Stud. (BHG 1755); Kanones Deusdedit; Poeta Saxo; Libri Carolini; Annales Einhardi; Vita Cosmae et Ioannis (BHG 394); Vita Cosmae hymnographi (BHG 394a); Vita Theophyl. Nicomed.; Makarios Makres (BHG 622); Synodicon vetus; Ps.-Symeon (Cod. Paris. 1712); Antonij von Novgorod; Vita Petri Atroënsis (BHG 2364); Miraculum imaginis Deiparae Chalcoprat. (BHG 1075e); Nikephoros, Apol. minor; Vita Euthymii Sard. (BHG 2146); Typika Dmitrievskij; Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392); De Schismate; Sym. Theol., Catech.; Chronik v. Monembasia; Methodios, Fragmenta [enthält auch: Methodios, Periorismos]; Theod. Stud., Testamentum; Elpios; Kathairesis kai anathematismos Theodotu, Antoniu, Ioannu; Vita Ignatii (BHG 817); Vita Petri Atroënsis retractata (BHG 2365); Patria; Gesta episc. Neapol.; Nikephoros, Chron. synt.; Annales regni Francorum; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch.

Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

N: Schimpfname: Taraxios — Ταράξιος (Theoph. cont. I 15, p. 26,22 – 27,1; Genesios I 13, p. 11,29; Skylitzes 14,55-74.) bzw. Tarassios — Ταράσσιος (Nikeph., Refutatio § 69,4-9, p. 112); cf. dazu N.-C. Koutrakou, La Propagande impériale byzantine. Persuasion et réaction (VIIIe–Xe siècles), Athen 1994, 270; Efthymiadis, in: Vita Tarasii (BHG 1698; Efthymiadis) 29 Anm. 110; Pratsch, in: Patriarchen (BBS 5) 266 Anm. 21. — Der Name, der allgemein nicht sehr häufig ist, deutet nach Efthymiadis, Introduction 10, auf eine Herkunft aus dem Gebiet des Themas Kibyrrhaioton oder der angrenzenden Regionen, da die meisten in den Quellen belegten Träger dieses Namens aus diesem Gebiet stammten. Jedoch scheinen die Belege zu spärlich zu sein, als daß man sichere Schlüsse daraus ziehen könnte (cf. dazu Ludwig, in: Patriarchen [BBS 5] 58 Anm. 5).

T: Hypatos (Vita Tarasii [BHG 1698]cap. 6, p. 75 [Efthymiadis]); zahlreiche Quellen bezeichnen ihn (wohl vereinfachend) mit dem Funktionstitel Asekretis (Theophanes 458,17: Ταράσιον τὸν ἀσηκρήτην; Georg. mon. 768, 22: τοῦ ἀπὸ ἀσηκρητῶν; Symeon log. [Leon gr. 194,10f.: ὁ ἀπὸ ἀσηκρίτης; Theod. mel. 134,25f.: ὁ ἀπὸ σηκρητῶν; Symeon sl. 85,3: ot sikrita]; Georg. mon. [Muralt] 961A: ὁ ἀσηκρῆτις; Kedrenos II 22,18; Zonaras XV 11, p. 289,7-9; Catal. patriarch. [Fischer] 291,1); nur einige Quellen bezeichnen ihn (wohl zutreffend) mit dem Funktionstitel Protasekretis (Vita Tarasii; Catal. patriarch. [Fischer] Variante, s. app. crit.; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch.; Vita Theophyl. Nicomed. [BHG 2451] cap. 2, p. 72: τῷ πρώτῳ τῶν βασιλικῶν ἐντυχὼν μυστογράφῳ [Umschreibung]; Vita Theophyl. Nicomed. [BHG 2452] cap. 2, p. 172: τῷ τε τῶν βασιλικῶν ὑπογραφίων ἐντυγχάνει πρωτεύοντι [πρωτασηκρῆτις τοῦτον ἡ Ῥωμαίων γλῶττα καλεῖ]); Patriarch von Konstantinopel (25. Dez. 784 – 25. Februar 806).

V: Er wurde um 730 als Sohn des Patrikios und hohen Richters Georgios (# 2152) und dessen Frau Enkrateia (# 1517*) in Konstantinopel geboren. Namentlich bekannt sind aus der Familie auch beide Großväter, Sisinnios (# 6755) und Tarasios (# 7226), nach dem er wahrscheinlich benannt wurde, sowie sein wahrscheinlich älterer Bruder Sisinnios (# 6794). Außerdem soll der spätere Patriarch Photios (# 6253) sein Neffe oder vielmehr Großneffe gewesen sein, dessen Vater Sergios (# 6665) dann ein Neffe und nicht etwa ein weiterer Bruder des T. war (1).

Vor seiner Erhebung zum Patriarchen von Konstantinopel stand T. in kaiserlichen Diensten im Range eines Hypatos und mit der Funktion eines Asekretis, wahrscheinlich des Protasekretis. In den Quellen tritt er allerdings erst im Zusammenhang mit seiner Wahl zum Patriarchen von Konstantinopel in Erscheinung. Früheres wird (außer in der Vita Ignatii, die chronologisch vorgeht) nur rückblickend erwähnt. Die Schilderung aller Ereignisse vor seiner Inthronisation ist eng mit seinem Patriarchat und der damit verbundenen Wende in der Kirchenpolitik verknüpft (2).

Am 31. August 784 trat der amtierende Patriarch von Konstantinopel, Paulos IV. (# 5829), zurück und starb kurz darauf. T. soll sich zunächst, als seine Person für die Nachfolge ins Gespräch kam, gesträubt und die Einberufung eines Ökumenischen Konzils sowie absolute Einstimmigkeit bei seiner Wahl zur Bedingung für deren Annahme gemacht haben. Erst gegen Ende dieses Jahres wurde T. schließlich zum neuen Patriarchen gewählt und ernannt und am 25. Dezember 784 zum Bischof geweiht (3). Im Anschluß schickte er seine Synodika und sein Glaubensbekenntnis nach Rom, welche von Papst Hadrian I. (# 2536) akzeptiert wurden (4).

Im Laufe des Jahres 785 luden die Kaiser Eirene und Konstantin VI. zu einem ökumenischen Konzil nach Konstantinopel ein (5) mit dem Ziel, das Verbot der Ikonenverehrung aufzuheben. Als jedoch die erste Sitzung des Konzils am 1. oder (laut Theophanes) 7. August 786 in der Apostelkirche in Konstantinopel eröffnet werden sollte, kam es zu Unruhen, und schließlich wurde die Bischofsversammlung von Soldaten der in und um Konstantinopel stationierten Garderegimenter (Tagmata) aufgelöst (6). T. soll trotz der sich abzeichnenden Schwierigkeiten die Sitzung zunächst ungerührt eröffnet, dann noch im Tumult die Kommunion zelebriert haben und schließlich ohne Hast nach Hause gegangen sein (7).

Erst über ein Jahr später, am 4. September 787, konnte das Konzil – nun offenbar besser vorbereitet – in Nikaia in Bithynien erneut eröffnet werden (8). Unter dem Vorsitz und der geschickten Leitung des T. (9) hob das Konzil die Beschlüsse des Konzils von Hiereia 754 und damit das dort erlassene Verbot der Ikonenverehrung auf und stellte die Einheit der Kirche wieder her. Aus den Akten (10) wird deutlich, daß der Verlauf des Konzils offenbar gründlich durchgeplant war, was wohl hauptsächlich auf T. zurückzuführen sein dürfte. Schritt für Schritt wurden die Punkte abgehandelt, die der Einheit der Kirche im Wege standen.

Die einzelnen Sitzungen befaßten sich mit den folgenden Themen: In der Eröffnungssitzung ging es vornehmlich um die Wiederaufnahme ehemals ikonoklastischer Bischöfe. Einige wurden, nachdem sie bereut und ein Glaubensbekenntnis verlesen hatten, sofort wieder aufgenommen und zum Konzil zugelassen, bei anderen wurde die Entscheidung vertagt, wobei sich T. stark für die Wiederaufnahme einsetzte. Auf der zweiten Sitzung (11) ging es vor allem um die Einigung mit dem Papst. Die dritte Sitzung (12) begann mit der vertagten Wiederaufnahme der ehemals ikonoklastischen Bischöfe, in ihrem Mittelpunkt stand jedoch das Verhältnis zu den Patriarchaten des Ostens; auch hier wurden entsprechende Schreiben verlesen, um die Übereinstimmung mit den von Papst Hadrian I. (# 2536) und T. selbst vertretenen Glaubensinhalten zu prüfen. Auf der vierten Sitzung (13) wurden zunächst eine Reihe von Väterzitaten bezüglich der Bilderverehrung verlesen und besprochen. Diese sollten beweisen, daß die Bilderverehrung die alte Tradition und damit die rechtmäßige Lehre war. Schließlich wurden Unterschriften geleistet, die die zugunsten der Bilderverehrung herangezogenen Väterzitate bestätigten.

Die fünfte und sechste Sitzung (14) waren in erster Linie dem Konzil von Hiereia 754 gewidmet. Auf der fünften Sitzung wurden erst weitere Väterzitate zur Unterstützung der Bilderverehrung beigebracht und verlesen, in der sechsten wurde dann der Horos des Konzils von Hiereia Abschnitt für Abschnitt widerlegt.

In der siebten Sitzung (15) beschloß das Konzil einen eigenen Horos, der dann auch von den Teilnehmern durch eine Unterschrift bestätigt wurde. Vor dem Bericht der Schlußsitzung enthalten die Akten noch einen Brief (16) des T. an die Kaiser Konstantin und Eirene sowie ein Synodalschreiben (17) an den Klerus von Konstantinopel.

Die achte und abschließende Sitzung (18) des Konzils schließlich fand in Konstantinopel im Magnaurapalast statt. Dort wurden die Glaubensdefinition und auch die Anathemata öffentlich verlesen und bekanntgegeben. Innerhalb dieses Teils der Akten befindet sich noch ein Schreiben des T. an Papst Hadrian (19), in dem er ihm kurz den Verlauf und die Ergebnisse des Konzils mitteilte. T. hielt am 23. Oktober 787 im Magnaurapalast in Konstantinopel die Abschlußrede des Konzils (20).

Die gründliche Vorbereitung und die leitende Hand des T., auch jeweils in Absprache mit anderen Konzilsteilnehmern, ist vielfach zu erkennen (21). Zur Eröffnung des Konzils wurde T. von den sizilianischen Bischöfen aufgefordert, die ihm auf diese Weise die Leitung des Konzils überließen (22). Nach T.s Eröffnungsrede wurden nacheinander verschiedene Gruppen ikonoklastischer Bischöfe wieder in die Konzilsgemeinschaft integriert, nämlich zunächst diejenigen, die sich mit den Protestierenden des Jahres 786 nur solidarisiert hatten (23), danach die am Protest Beteiligten (24), später die von ikonoklastischen Bischöfen Geweihten (25) und zuletzt einer, an dessen Reue zunächst Zweifel bestanden (26). Alle Genannten wurden schließlich in ihren Ämtern belassen und durften ihre Plätze auf dem Konzil wieder einnehmen. Gesprächspartner des T. über deren Wiederaufnahme waren Konstantinos von Zypern (# 3846) und später Sabas, der Hegumenos des Studiosklosters (# 6442), der als Wortführer der Mönchsgruppe fungierte. Die Thematik erfuhr noch eine Verschärfung, als es darum ging, ob man auch diejenigen, die Maßnahmen gegen Ikonodule ergriffen hatten, wieder zulassen könne. Auch hier setzte sich T. am Ende durch. Einwände kamen von den sizilianischen Bischöfen und von Sabas (# 6442), Hilfestellung von dem bereits in Erscheinung getretenen Konstantinos von Zypern (# 3846) und dem Logothetes Ioannes (# 3055). Schließlich betonte aber auch Sabas die Einigung der Kirche als oberstes Gebot des Konzils; auch die Legaten des Papstes und der Patriarchen des Ostens äußerten sich zustimmend, so daß das Konzil einstimmig die Wiederzulassung der entsprechenden Bischöfe beschließen konnte (27). Es gelang T., die Vertreter der unterschiedlichen Gruppierungen geschickt einzubinden, indem sie strittige Fragen vorbringen konnten, die der Klärung durch das Konzil bedurften. Man sieht, daß T. bemüht war, nichts auszulassen, was nach dem Konzil etwa zu Problemen führen könnte. Aus seinen Reaktionen läßt sich ablesen, daß kein Einwand für ihn unerwartet kam, sondern daß er im Gegenteil diese bewußt nutzte, um sein Ziel unter Berücksichtigung aller Aspekte zu erreichen.

Die Einigkeit der Patriarchate untereinander wurde durch das Verlesen entsprechender Schreiben demonstriert. Durch den basilikos Asekretis Nikephoros (# 5301), den späteren Patriarchen Nikephoros I. von Konstantinopel, wurde ein Brief Papst Hadrians I. an die Kaiser verlesen. Aufgefordert zur Verlesung des Briefes hatte Leontios, basilikos Asekretis (# 4582). Dieser Brief Papst Hadrians I. an die Kaiser befindet sich in griechischer und lateinischer Fassung bei den Akten, allerdings fehlt in der griechischen Fassung der zweite Teil mit verschiedenen Monita des Papstes gegenüber den Kaisern (28). Bedenken Hadrians gegenüber T. erscheinen auch in einem an diesen geschickten Schreiben, welches im Anschluß verlesen wurde. Auch die Forderung nach der Verdammung des Konzils von Hiereia wird wiederholt und das Engagement des Patriarchen für die Wiedereinsetzung der Bilder zustimmend gewürdigt (29). T. antwortete auf die Verlesung der Briefe mit einem Pauluszitat, das wohl auch als Antwort auf die Betonung des päpstlichen Primats unter Bezug auf den Apostel Petrus zu verstehen ist (30). Die Papstbriefe wurden jedenfalls vom Konzil angenommen, ein großer Teil der anwesenden Bischöfe stimmte namentlich in teilweise voneinander abweichenden Formulierungen den zu Gehör gebrachten Dokumenten und Inhalten zu. Ebenfalls verlesen wurden das Schreiben des Tarasios an die Patriarchen von Antiocheia, Alexandreia und Jerusalem, deren Antwort und ein Synodalschreiben des Patriarchen von Jerusalem (31).

Recht bald nach dem Konzil hatte sich T. mit der Frage der “Simonie”, also der Entrichtung und Annahme bestimmter Geldsummen im Zusammenhang mit kirchlichen Weihen, zu befassen. Es gelang ihm jedoch, auch diese Streitfrage innerhalb der Kirche bis Anfang 789 zu bereinigen, indem er die der Simonie Beschuldigten nach einem Jahr der Buße wieder zum Priesteramt zuließ (32).

Nach dem Fest der Epiphanie im Jahre 789, vermutlich noch im selben Jahr, weihte T. Theodoros Studites (# 7574) in Konstantinopel zum Priester (33). Weniger genau zu datieren sind eine ganze Reihe anderer Weihen und Ernennungen durch T., die in hagiographischen Quellen erwähnt werden und sowohl niedere Ränge der Hierarchie (34) als auch Kleriker des Patriarcheion (35) und Bischöfe (36) betreffen. Teilweise können wir darin das besondere Bemühen des T. erkennen, sich eine loyale Anhängerschaft unter den Mönchen im besonderen und im Klerus im allgemeinen zu schaffen, teilweise könnte es sich auch nur um die (fiktive) hagiographische Verknüpfung des jeweiligen Vitenhelden mit dem bekannten Patriarchen handeln.

Zeitlich ebenfalls nicht genau einzuordnen ist die Nachricht eines lateinischen Briefes aus dem Jahre 835, der zufolge T. anläßlich einer Gesandtschaft nach Rom Nachforschungen über den kirchlichen Status Athens anstellen ließ und dieses dann zum Erzbistum erhob (37).

Ganz ohne historischen Hintergrund und rein literarisch ist eine Episode in der Vita Tarasii, in der sich der Patriarch für einen (zu Unrecht) der Unterschlagung beschuldigten Spatharios (# 11166) einsetzt. Der Verfasser Ignatios Diakonos bettet sie ein zwischen dem Konzil 787 und den Ereignissen des Jahres 794 (38).

Alle Quellen außer der Vita Tarasii (39) lassen keinen Zweifel daran, daß T. die zweite Ehe Kaiser Konstantins VI., die dieser im Jahre 794/95 mit Theodote (# 7899), einer Kubikularia seiner ersten Ehefrau Maria, schließen wollte (40), mit der Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zuließ, wenngleich er sie nicht persönlich einsegnete, sondern diese Aufgabe dem Priester und Oikonomos der Hagia Sophia, Ioseph ( # 3447 ), übertrug (41).

Im Jahre 796, vermutlich vor dem 1. September (42), soll der Patriarch T. gemeinsam mit den Kaisern Konstantin VI. und Eirene an der feierlichen Rückführung der Gebeine der heiligen Euphemia nach Konstantinopel, in die Kirche der Heiligen, teilgenommen haben (43).

Ebenfalls 796 übten die Mönche des Sakkudionklosters in Bithynien unter ihrem Abt Platon Kritik an der zweiten Ehe Konstantins VI. mit Theodote, die sie als “Moicheia”, also Ehebruch bezeichneten (44), und stellten damit auch die Autorität des Patriarchen in Frage, der die Genehmigung zu dieser Ehe erteilt hatte. In der Darstellung der Chronographie des Theophanes soll der Abt Platon die Gemeinschaft mit dem Patriarchen aufgehoben haben (45). T. dürfte aber eher indirekt über die Aufhebung der Gemeinschaft der Sakkudioten mit dem Priester Ioseph, der die Zweitehe geschlossen hatte, und “allen, die mit diesem Gemeinschaft halten”, betroffen worden sein (46).

Nach der Blendung und Absetzung Kaiser Konstantins VI., die wohl am 15. August 797 stattfand (47), kam es durch die Bemühungen der Kaiserin Eirene, die Gegner ihres Sohnes für sich einzunehmen, zu einer Versöhnung zwischen T. und den Sakkudioten, während der Priester Ioseph zum Schuldigen erklärt und seines Amtes enthoben wurde. Welchen Anteil der Patriarch T. an den Vergünstigungen hatte, die den Sakkudioten und vor allem Theodoros Studites zuteil wurden, läßt sich nicht mehr bestimmen. Letzterer soll nach seiner Entlassung aus der Verbannung mehrmals im Beisein des Patriarchen T. empfangen worden sein (48).

Am 31. Oktober 802, einem Montag, krönte T. den neuen Kaiser Nikephoros I. in der Hagia Sophia in Konstantinopel (49) und war ein gutes Jahr später, wohl am 25. Dezember 803, an demselben Ort an der Krönung von dessen Sohn Staurakios zum Mitkaiser beteiligt (50).

Im Zusammenhang mit der Erhebung des Bardanes Turkos (# 766) gegen Kaiser Nikephoros I., die am 19. Juli 803 begann, wird in der Chronik des Theophanes auch T. genannt (51). Anscheinend betraute er den Oikonomos Ioseph, der 797 als Priester abgesetzt worden war, mit den Verhandlungen zwischen dem Kaiser und dem Rebellen (52). Nach der Kapitulation der Rebellen trug die Urkunde über die geforderte Zusicherung der Straffreiheit für die Aufständischen zur Bestätigung auch die Unterschrift des Patriarchen.

Nach der Darstellung des Ignatios Diakonos in der Vita des T. wurde der Patriarch gegen Ende seines Lebens immer schwächer, erkrankte schließlich und wurde bettlägerig, ehe er am 25. Februar des Jahres 806 nach mehr als 21 Jahren Amtszeit im Alter von 70 bis 80 Jahren starb (53). Seiner Vita zufolge wurde er noch am selben Tag vermutlich in der Krypta (54) der Kirche aller Märtyrer (aller Heiligen) des von ihm gegründeten Klosters am Bosporos (55) beigesetzt, wobei heilige Männer ihm das letzte Geleit gaben (56). Dieses auf seinem Landbesitz errichtete und nach ihm benannte Kloster (τοῦ ἁγίου Ταρασίου) wird u. a. (57) auch in einem Brief (ep. 250) des späteren Patriarchen Photios (# 6253) an den dortigen Abt bezeugt. Am 25. Februar 813 begingen Kaiser Michael I. und seine Gemahlin Prokopia (# 6351) dort das Gedenken des T. (τὰ μνημόσυνα) und statteten das Grab mit einer Silberverkleidung im Wert von 95 Litrai aus (58). T. wurde als Heiliger verehrt, und sein Gedenken wurde am 25. Februar in der Hagia Sophia begangen.

Eine Beschreibung seiner äußeren Erscheinung findet sich im Synaxar von Konstantinopel (59). Demnach ähnelte er in seinem körperlichen Aussehen dem Theologen Gregorios (gemeint ist Gregor von Nazianz), abgesehen vom grauen Haar und dem vernarbten Auge, er sei nämlich nicht völlig grau gewesen.

Als Autor ist T. anscheinend nicht besonders hervorgetreten; die einzigen Werke im weitesten Sinne, die erhalten sind, stammen aus dem Umfeld des Konzils von 787, nämlich einige Briefe, die Widerlegung des Horos von Hiereia und eine Predigt auf die Darstellung der Jungfrau Maria (cf. dazu die unter W angegebene Literatur).

Der Pilgerbericht des Antonij von Novgorod aus dem Jahre 1200 (60) teilt mit, der Leichnam des T. ruhe in einem Frauenkloster in der Gegend von Ispigas (τῆς Πηγῆς) in Konstantinopel, in der Nähe des “iberischen Klosters” (61). Der Wahrheitsgehalt dieser Nachricht läßt sich nicht überprüfen.

Anmerkungen: — (1) Cf. dazu Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 57f. — (2) Zu weiteren Einzelheiten seines Lebens vor seinem Patriarchat cf. Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 57–62. — (3) Zu Paulos IV. cf. Lilie, in: Patriarchen (BBS 5) 50–56; zu Wahl, Ernennung und Weihe des T. cf. im einzelnen Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 62–72; zu T.s angeblicher Vorbedingung für die Annahme der Wahl, daß ein Konzil zur Aufhebung des Verbots der Ikonenverehrung abgehalten werde, s. Theophanes 458,10 – 460,25; Kedrenos II 22,16-24; Zonaras XV 11, p. 289,9-14; Vita Ioannis Gotth.; dazu Ludwig op. cit. 69–72. — (4) So nach Theophanes 460,23-27. Der Text dieses Schreibens ist nicht erhalten, zu den Belegstellen über diesen Brief cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 351; allerdings kritisierte der Papst die Wahl des T. aus dem Laienstand. Der Grund für diese Erhebung – immerhin die erste seit der Weihe des Paulos III. (# 5768) im ausgehenden 7. Jh. – ist nicht bekannt. Vermutlich brauchte Eirene für die angestrebte Rückkehr zur Ikonenverehrung einen erfahrenen Diplomaten, der ihr Vertrauen besaß und nicht durch den vorangegangenen Ikonoklasmus in irgendeiner Weise persönlich kompromittiert war, was nach über 50 Jahren Ikonoklasmus bei einem Kleriker kaum möglich gewesen wäre. — (5) Cf. Speck, Konstantin VI. 143–145; Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 73–77; das Einladungsschreiben an Papst Hadrian I. in Rom wurde am 29. August 785 abgesandt. — (6) Cf. dazu ausführlich Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 77–80. — (7) Zu den verschiedenen Versionen des gescheiterten Konzilsversuchs s. Ludwig, op. cit. 78–80. — (8) Cf. Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 84–88. — (9) Theophanes 462,27 – 463,13; Georg. mon. 769,6-9. 15f.; Symeon log. (Leon gr. 195,12-18. 22 – 196,4; Theod. mel. 134,27 – 135,2. 6-10; Symeon sl. 85,9-14. 17-19); Georg. mon. (Muralt) 961A-B; Kedrenos II 23,6-9; Zonaras XV 11, p. 289,14 – 290,15; T.s Rolle auf dem Konzil wird ferner erwähnt in Epistula synodica ad Theophilum (BHG 1386) Version des Cod. Athous Iviron 381, p. 139,3-5; 150,9f. (Gauer); cap. 28, p. 105,24 – 107,1; cap. 65, p. 129,10f. (Munitiz); Epistula ad Theophilum (BHG 1387) cap. XV, p. 102,3-6 (Gauer); cap. 15.b, p. 173,10-13 (Munitiz); Vita Irenae imp. (BHG 2205) cap. 7f., p. 14f.; Vita Niceph. patriarchae (BHG 1335) 146,17f. — (10) Zur Darstellung des Konzils in der Vita Tarasii des Ignatios Diakonos cf. ausführlich Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 84–86. — (11) Mansi XII 1051A–1111E; 1086C beginnt die Liste der zustimmenden Äußerungen zum Brief des Papstes. — (12) Mansi XII 1114A–1154E. — (13) Mansi XIII 1A–156E einschließlich der Unterschriftenlisten, die 133B beginnen. Nur an dieser Stelle unterschreiben auch eine ganze Reihe Hegumenoi und Mönche; diese Liste beginnt 152A. — (14) Mansi XIII 157A–201E (fünfte Sitzung) und XIII 203A–364D (sechste Sitzung). — (15) Mansi XIII 364E–414A. Davon sind die Seiten bis 373C Anwesenheitsliste; es folgen bis 380A der Horos und bis 397C die Unterschriften, danach einige Anathemata und die gleich zu nennenden Schreiben. — (16) Mansi XIII 400D–408D. — (17) Mansi XIII 408D–413A. — (18) Mansi XIII 413B–439E; ab 417C die vom Konzil verabschiedeten Kanones. — (19) Mansi XIII 458C–462D; dazu Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 359. — (20) Die Rede ist nicht erhalten; es findet sich lediglich ein Hinweis darauf zu Beginn der achten Sitzung (Mansi XIII 413D). — (21) Zu dem Konzil cf. die ausführliche Darstellung und Analyse bei Ludwig, in: Patriarchen (BBS 5) 84–97, die sich dort auch zu weiteren möglichen Implikationen des Konzils, zum Verhältnis von Rom und Byzanz im Zusammenhang mit dem Konzil sowie zu der herausragenden Rolle des T. bei der Durchführung und dem erfolgreichen Abschluß des Konzils äußert. Zur genauen Vorbereitung des Konzils s. jetzt auch E. Lamberz, Handschriften und Bibliotheken im Spiegel der Akten des VII. Ökumenischen Konzils (787), in: I Manoscritti greci tra Riflessione e dibattito. Atti del V Colloquio Internazionale di Paleografia Greca (Cremona, 4-10 ottobre 1998) a cura di G. Prato, Florenz 2000, p. 47–63, bes. 57. — (22) Es ist interessant, daß die Bischöfe von Sizilien diese Aufgabe wahrnahmen, da Sizilien möglicherweise in den Verhandlungen zwischen den byzantinischen Kaisern und dem Papst eine besondere Rolle spielte, s. Ludwig, op. cit. 87 Anm. 118. — (23) Es sind hier Basileios von Ankyra (# 869), Theodoros von Myra (# 7596) und Theodosios von Amorion (# 7846); Mansi XII 1002C-D. Man beachte auch den Kontrast zu den propagandistischen Aussagen, daß es mindestens bis weit in das Jahr 784 fast keine Ikonodulen gegeben haben soll. Zur Debatte über die Wiederaufnahme s. Mansi 1007C–1015D. Die Diskussion beansprucht übrigens den geringsten Platz der angegebenen Seiten. Viel umfangreicher sind die von den Delinquenten verlesenen Bekenntnisse. — (24) Mansi XII 1015D-E, cf. dazu Ludwig, op. cit. 88. Es handelt sich um Georgios von Antiocheia in Pisidien (# 2163), Leon von Ikonion (# 4314), Leon von Karpathos (# 4315), Hypatios von Nikaia (# 2615), Gregorios von Pissinus (# 2410), Leon von Rhodos (# 4307) und Nikolaos von Hierapolis (# 5555). — (25) Mansi XII 1015D–1034C (erste Diskussion); 1034C–1050C (zweite Diskussion). 1034C spricht Sabas das Problem der Weihe an. — (26) Mansi XII 1054A-C. Hier ging es um die Frage von Unwissenheit oder Mißachtung der Wahrheit, vielleicht als Nachtrag zur vorigen Sitzung, wofür auch die Kürze der Verhandlung spricht. Jedenfalls wird Gregorios von Neokaisareia (# 2405), um den es sich handelt, ernsthaft ermahnt. — (27) Mansi XII 1119C. — (28) Mansi XII 1073A–1076D; zu diesem Brief, den abweichenden Fassungen und der Überlieferungslage siehe jetzt E. Lamberz, Studien zur Überlieferung der Akten des VII. Ökumenischen Konzils: Der Brief Hadrians I. an Konstantin VI. und Irene (JE 2448), in: DA 53 (1997) 1–43; Ludwig, op. cit. 89–91. — (29) Mansi XII 1078C–1084A. Wichtig ist der Hinweis von Lamberz 42 (s. die vorige Anm.), daß außer der Frage der Patrimonia Petri und der Jurisdiktion über die ehemals römischen Kirchenprovinzen, die von Leon III. oder Konstantin V. dem Papst entzogen und dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt worden waren, alle anderen Monita dieses Briefes auf dem Konzil erwähnt werden, daß also nur diese die Kürzung der griechischen Übersetzung veranlaßt haben können. — (30) Mansi XII 1086A. — (31) Mansi XII 1119E–1127A (Schreiben des Tarasios an die Patriarchate des Ostens); XII 1127C–1135B (sogenannter Brief der orientalischen Patriarchen); XII 1135C–1146C (Synodika des Theodoros, des Patriarchen von Jerusalem). Diese Synodika ist möglicherweise auch deshalb verlesen worden, weil das Patriarchat von Jerusalem keinen Topoteretes zum Konzil geschickt hatte, bzw. sich vielleicht neben Ioannes (# 3056) und Thomas (# 8444) kein dritter finden ließ, der diese Aufgabe hätte wahrnehmen können. Damit nun alle drei Patriarchate des Ostens in irgendeiner Form ordnungsgemäß repräsentiert waren, mußte aus Jerusalem die Synodika verlesen werden. — (32) Cf. Speck, Konstantin VI. 194–203; Pratsch, in: Patriarchen (BBS 5) 97–99. — (33) Vita A Theod. Stud. (BHG 1755) 129C-D; Vita B Theod. Stud. (BHG 1754) 248A-B; Vita C Theod. Stud. (BHG 1755d) 265,23-32; cf. auch Theod. Stud., Ep. 38,75; Synax. Cpl. 215,1f.; cf. Pratsch, Theodoros 80; idem, in: Patriarchen (BBS 5) 99f. — (34) Cf. Vita Ioannis Psichaïtae (BHG 896) 108,12f. (Theodoros [# 7613] zum Priester, Ioannes [# 3053] zum Diakon); Vita Georg. Amastr. (BHG 668) cap. 19, p. 31 (Georgios [# 2183] zum Priester); Vita Macarii Pelecetae (BHG 1003) 149,11-17 (Makarios [# 4672] zum Hegumenos) bzw. Synax. Cpl. 577f.,38-42 (zum Priester); Vita Nicet. Medic. (BHG 1341) cap. 10, p. XX und Vita Nicet. Medic. (BHG 1342) 40 (Niketas [# 5443] zum Priester); Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2451) 74, cap. 7 (Theophylaktos von Nikomedeia [# 8295] und Michael von Synada [# 5042] zu Priestern); Vita Hilarionis Dalmat. (BHG 2177), Resümee Matantseva 19 (Hilarion [# 2584] zum Diakon); Synax. Cpl. 597/598,49 – 599/600,38 (12. April); 613,17 – 614,21 (18. April) (Anthusa [# 499] zur Nonne); cf. auch den Fall des Petros von Atroa (# 6022), den T. ca. 794 durch den Bischof Basileios (“Pezos”) von Zygos (# 886) zum Priester weihen ließ: Vita Petri Atroënsis (BHG 2364) cap. 6,19-24, p. 81–83; cap. 6,47-61, p. 83–85; Vita Petri Atroënsis retractata (BHG 2365) cap. 6,47-54, p. 88. — (35) Vita Cosmae et Ioannis (BHG 394) cap. 21, p. 290,28-30; cap. 26, p. 298,9-12 (ernannte den Mönch Gregorios [# 2190] zum Chartophylax, wohl des Patriarcheion von Konstantinopel). — (36) Vita Georg. Amastr. (BHG 668) § 19, p. 30f. (Georgios [# 2183] zum Episkopos von Amastris); Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2451) cap. 5, p. 73; cap. 7f., p. 74f.; Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2452) cap. 2. 4, p. 172–174 (Michael [# 5042] zum Metropolites von Synada und Theophylaktos [# 8295] zum Metropolites von Nikomedeia); Vita Euthymii Sard. (BHG 2146) cap. 7–8, p. 71f. (Euthymios [# 1838] zum Metropolites von Sardes, Ostern 785, 786 oder 787); zu weiteren möglichen, aber nicht gesicherten Ernennungen von Bischöfen durch T. cf. den Überblick bei Efthymiadis, in: Vita Tarasii (BHG 1698; Efthymiadis) 20f. — (37) Cf. MGH Epp. V, epp. variorum Nr. 20, p. 332,24-30. Als sich das hohe Alter des Bischofssitzes herausstellte, habe T. den dortigen Bischof zum Erzbischof erhoben. Dem widerspricht jedoch das Zeugnis der Inschriften des Parthenon, wo Athen wenigstens bis 819 als einfaches Bistum und frühestens 841 als Erzbistum belegt ist; cf. Orlandos–Branuses 33*. Allerdings ist aufgrund einer vermuteten vorangegangenen vorübergehenden Ernennung Athens zum Erzbistum sowie aufgrund des in dieser Zeit (mit wechselndem Erfolg) ausgetragenen Kampfes um die Vorrangstellung zwischen den Bistümern Athen und Korinth nicht auszuschließen, daß Athen zwischen 787 und 802 von T. (vielleicht auf Drängen der Kaiserin Eirene) vorübergehend zum Erzbistum erhoben wurde; cf. Laurent, L’érection de la métropole d’Athènes et le statut ecclésiastique de l’Illyricum au VIIIe siècle, in: REB 1 (1943/44) 58–72, bes. 71; zusammenfassend Koder–Hild, Hellas (TIB I) 81. 127. Zu den Gesandten cf. # 10328. — (38) Vita Tarasii (BHG 1698) 407,6 – 408,18 (Heikel); § 34–37, p. 111–114 (Efthymiadis); cf. dazu Pratsch, in: Patriarchen (BBS 5) 101f. — (39) Cf. Vita Tarasii 409,10 – 412,14 (Heikel); § 40–45, p. 118–129 (Efthymiadis); cf. Speck, Konstantin VI. 256–259; zuletzt Pratsch, Theodoros 85–89; idem, in: Patriarchen (BBS 5) 102f. Der Verfasser der Vita Tarasii (Ignatios Diakonos: # 2665) macht Konstantin VI. den Vorwurf, als Vorwand für seine angestrebte Scheidung einen Giftmordanschlag seiner Gattin Maria erfunden zu haben (408,36 – 409,9 [Heikel]; § 39, p. 117f. [Efthymiadis]), und schließt die Schilderung des Widerstandes des T. dagegen an (409,10 – 410,3 [Heikel]; § 40f., p. 118–121 [Efthymiadis]). Dieser von Ignatios Diakonos behauptete Widerstand des T. entspricht sicher nicht den Tatsachen, sondern dient Ignatios Diakonos dazu, den Patriarchen von jeder Verantwortung für den sich an die Scheidung anschließenden “moichianischen Streit” freizusprechen. — (40) Cf. Theophanes 469,23-27; zu den Ereignissen Speck, Konstantin VI. 251–295; Lilie, Eirene 71–76; Rochow, Theophanes 250 (Parallelquellen; Lit.); Pratsch, Theodoros 83–92. — (41) Theophanes 470,5-7; Theod. Stud., Ep. 22,87f.; 28,40f.; cf. dazu Pratsch, Theodoros 90–92; idem, in: Patriarchen (BBS 5) 103f. — (42) Die Datierung ist nicht ganz eindeutig; die Chronographie des Theophanes gibt einen Zeitpunkt “unter Konstantin (VI.) und Eirene, 22 Jahre nach dem Tod Konstantins V., in der 4. Indiktion” an. Konstantin V. starb am 14. September 775, cf. Rochow, Konstantin V. 19; die 4. Indiktion währte vom 1. September 795 bis zum 31. August 796; am 15. August 797 wurde Konstantin VI. geblendet und abgesetzt, cf. Lilie, Eirene 269. Im allgemeinen wird daher ein Zeitpunkt im Jahre 796 angenommen, cf. Efthymiadis, in: Vita Tarasii, Introduction 23; Mango, in: BollBadGr 53 (1999) 85. — (43) Theophanes 440,2-11; die Rückführung der Gebeine wird außerdem in einem eigenen Translationsbericht erwähnt: Konstantinos v. Tios, Encomium Euphemiae (BHG 621) § 14f., p. 102f.; cf. dazu und vornehmlich zu einer früheren Translatio der Reliquien der Euphemia Berger, in: Hellenika 39 (1988) 311–322; Mango, in: BollBadGr 53 (1999) 79–87. Die Gebeine der Euphemia sollen den Quellen zufolge unter Konstantin V. (Theophanes; Pastria) oder Leon III. (BHG 621) ins Meer geworfen und ihre Kirche profan (nämlich als Arsenal und Stall: ἀρμαμέντον καὶ κοπροθέσιον, Theophanes 440,5) genutzt worden sein. Zur Euphemiakirche cf. auch Janin, Églises 120–124; Berger, Patria 556–559. — (44) Daher die Bezeichnung “moichianischer Streit” für diese Auseinandersetzung; zur gesamten Affäre cf. Speck, Konstantin VI. 251–295; Pratsch, Theodoros 83–114, weitere Literatur ibidem 83 Anm. 1. — (45) Theophanes 470,24-28: Πλάτων, ὁ τοῦ Σακκουδίωνος ἡγούμενος, ἀπέσχισε τῆς κοινωνίας Ταρασίου τοῦ πατριάρχου, ὡς δεξαμένου τὸν βασιλέα εἰς κοινωνίαν καὶ ἐπιτρέψαντος τῷ τε κατηχητῇ τοῦ κουρεῦσαι τὴν γυναῖκα αὐτοῦ Μαρίαν, καὶ τῷ ἀββ Ἰωσήφ, τῷ ἡγουμένῳ τῶν Καθαρῶν, τοῦ στεφανῶσαι αὐτὸν μετὰ τῆς Θεοδότης. — (46) Zu den συλλειτουργοῦντες cf. Theod. Stud., Ep. 22,123 und 25,72; cf. dazu Pratsch, Theodoros 94–101; idem, in: Patriarchen (BBS 5) 105. — (47) Cf. Lilie, Eirene 88–99. 268f. — (48) Vita A Theod. Stud. 144D–145A; Vita B Theod. Stud. 257D–260A; Vita C Theod. Stud. 270,32 –271,4; cf. dazu ausführlich Pratsch, Theodoros 115–123; idem, in: Patriarchen (BBS 5) 106. — (49) Theophanes 476,23-25; cf. auch Georg. mon. 772,4; Georg. mon. (Muralt) 969C; Symeon log. (Leon gr. 201,5-7. 10f.; Theod. mel. 138,27 – 139,1; Symeon sl. 89,37. 39); Chronicon Brux. 32,13f.; Michael syr. III 12. Zu den Einzelheiten cf. Lilie, Eirene 286–291; zu Nikephoros allgemein cf. Niavis, Nicephorus I; ODB III 1476f. — (50) Theophanes 480,11-13: ἔστεψε Νικηφόρος τὸν υἱὸν αὐτοῦ Σταυράκιον διὰ Ταρασίου, τοῦ ἁγιωτάτου πατριάρχου; cf. auch Zonaras XV 14, p. 304,13-16; Chronicon Brux. 32,16f. — (51) Theophanes 479,15-25; cf. dazu Rochow, Theophanes 280f. — (52) Cf. dazu Pratsch, in: Patriarchen (BBS 5) 106f. mit Anm. 223. — (53) Theophanes 481,15-19; Georg. mon. 774,10f.; Georg. mon. (Muralt) 976A; Symeon log. (Leon gr. 204,11f.; Theod. mel. 141,8; Symeon sl. 89,14f.); Kedrenos II 34,3-6; Zonaras XV 14, p. 305,1f.; Vita Niceph. patriarchae (BHG 1335) 152,28 – 153,1; Vita Tarasii (BHG 1698) 419,8 – 421,23 (Heikel); § 61, p. 155f. (Efthymiadis); Catal. patr. (Fischer) 291,6-11; Synax. Cpl. 488,28-30; Men. Basilii 328C; Theod. Stud., Laud. Plat. (BHG 1553) cap. 34, col. 837A; Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2451) cap. 10, p. 76; Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2452) cap. 5, p. 178; zum Todesdatum cf. Rochow, Theophanes 284. — (54) Vita Tarasii 421,17f. (Heikel); § 65, p. 159 (Efthymiadis): ὑπὸ τὸ ... τέμενος; vielleicht wurde er in einer Krypta beigesetzt. — (55) Vita Tarasii 421,15-19 (Heikel); § 65, p. 159f. (Efthymiadis); bei dem Kloster handelt es sich um die später als Tarasioskloster (τοῦ ἁγίου Ταρασίου) öfters erwähnte Gründung, cf. dazu und zu weiteren Parallelquellen Berger, Patria 706f. — (56) Vita Tarasii 421,15f. (Heikel); § 65, p. 159 (Efthymiadis), gemeint ist wohl die höhere Geistlichkeit, sicher der Patriarchatsklerus sowie Bischöfe und Äbte seiner Paroikia. — (57) Patria III 160, p. 266,8-10; s. dazu Berger, Patria 706f.; Rochow, Theophanes 284; cf. Photios, Ep. 290,311. — (58) Theophanes 500,8-10. — (59) Synax. Cpl. 488,30-33; zu einer möglichen Vorlage dieser Notiz, nämlich einem Malerbuch eines Elpios oder Ulpios Rhomaios, cf. F. Winkelmann, “Über die körperlichen Merkmale der gottbeseelten Väter”. Zu einem Malerbuch aus der Zeit zwischen 836 und 913, in: Fest und Alltag in Byzanz, ed. G. Prinzing – D. Simon, München 1990, 111–113. 125. — (60) Antonij von Novgorod 36 (Loparev); 109 (Khitrowo); 122 (Itineraria Rossica). — (61) Cf. dazu Prolegomena 214, Janin, Églises 256f. sowie unter Hilarion dem “Iberer” (# 2583).

W: Zu seinen Werken cf. Beck, Kirche 489; Karayannopulos–Weiß 328–330; Tusculum-Lexikon 763; ODB III 2011.

Q: — (Hist.): Theophanes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon.; Georg. mon. (Muralt); Georg. mon. cont. (Muralt) 1000C; Kedrenos II 26,11-15; Zonaras, zusätzlich XV 21, p. 332,8-11; Ps.-Symeon 611,19 – 612,2; Ps.-Symeon, Cod. Paris. 1712 (Markopulos); Chronik von Monembasia 20,193; 22,195f.; Chronicon Brux.; Theod. Skut. 127,8f. 19f.; 130,7f. — (Ep.): Theod. Stud., Epp. 22. 30. 32. 38. 48. 75. 78. 93. 43. 53. 63. 64. 68. 95. 105. 175. 475. 555 (Fatouros); I 22. 30. 32. 38. 48 (PG 99); 4. 7. 22 (Mai); I 43. 53; II 198. 156. 133 (PG 99); 24. 34 (Mai); II 4. 127. 221 (PG 99); NPB V,3, p. 101 (Mai); Photios, Epp. 1. 2. 114. 250. 290. 291 (I 13. 52. 152. II 187. III 129. 133. 150 Laourdas–Westerink); Epistula synodica ad Theophilum (BHG 1386), Cod. Vat. 37, p. 83,12 (Munitiz); Epistula synodica ad Theophilum (BHG 1386), Version des Cod. Athous Iviron 381; Epistula ad Theophilum (BHG 1387); Arethas, Scripta minora Nr. 68, II, 73f. — (Conc.): Synodicon vetus, cap. 152,4, p. 126; cap. 153,6f. 9, p. 128; Appendix II, cap. 152,4f., p. 192; Mansi XII. XIII; Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392) Z. 110, p. 51; Z. 114, p. 53; Z. 881, p. 103; Horos der Synode von 843. — (Hag.): Vita Cosmae et Ioannis (BHG 394); Vita Cosmae hymnographi (BHG 394a) Z. 764-769, p. 287; Z. 930-950, p. 292; Vita Ioannis et Cosmae (BHG 395) cap. 28, p. 334,29-31; Konstantinos von Tios, Encomium Euphemiae (BHG 621); Makarios Makres (BHG 622) § 10, p. 181; Vita Georg. Amastr. (BHG 668); zusätzlich § 18, p. 29,3 – 30,1; Vita Ioannis Gotth. (BHG 891) cap. I 4, p. 168C; Vita Ioannis Psichaïtae (BHG 896); Vita Ioannic. (Sabas; BHG 935) cap. 47, p. 373A; Vita Macarii Pelecetae (BHG 1003); Miraculum imaginis Deiparae Chalcoprat. (BHG 1075e) cap. 1, p. 852,34-46; cap. 3, p. 855,117 – 856,129; Vita Niceph. Patriarch. (BHG 1335) loc. cit., zusätzlich 152,28 – 153,1; 196,4; 210,5. 18f.; Vita Nicet. Medic. (BHG 1341); zusätzlich cap. 30, p. XXIV; Vita Nicet. Medic. (BHG 1342); Theod. Stud., Laud. Plat. (BHG 1553) cap. 31, col. 833C; Vita Tarasii (BHG 1698-1698c); Vita A Theod. Stud. (BHG 1755) 120D. 129C. 137A. 141D. 144A. 144D. 156A-C; Vita B Theod. Stud. (BHG 1754) 240C. 248A-B. 252B-D. 256D. 257A. 260A. 265D. 268A-B. D. 273A; Vita C Theod. Stud. (BHG 1755d) 261. 265. 267. 269. 271. 274; Narratio de Tarasio et Nicephoro (BHG 1757); Vita Euthymii Sard. (BHG 2146); Vita Irenae imp. (BHG 2205) cap. 6–8, p. 11–15 (Exzerpt aus Theophanes, ohne eigenen Quellenwert); Vita Petri Atroënsis (BHG 2364); Vita Petri Atroënsis retractata (BHG 2365); Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2451); Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2452); Synax. Cpl. 175/176,30f.; 488,30-33; 519,5f.; 577/578,38-42; Men. Basilii; Typicon Mateos; Typicon Messinense; Typika Dmitrievskij I 51. 214 Anm. 5. 423; III 40 (25. Februar); Theod. Stud., Testamentum 1816B; Vita Ignatii (BHG 817) 548B. — (Hom.): Sym. Theol., Catech. 5, p. 432. (Fs.): Nikephoros, Chron. synt. 120,1; Patria II a, cap. 7, p. 212,22f.; III 160, p. 266,8-10; Catal. patriarch. (Fischer) 291,1-11; Nikephoros Kallistos, Catal. patriarch. 460A; Suda II 608,1; Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392); Peri Metatheseon (Darrouzès) Nr. 30, p. 178; (Rhalles–Potles) p. 392. — (Sonst.): De Schismate 1849C–1853C; Nikephoros, Apol. minor, cap. 5, col. 840A-B; Methodios, Periorismos 100; Methodios, Fragmenta 51–53. 55f.; Kathairesis kai Anathematismos Theodotu, Antoniu, Ioannu 139,12; Elpios: ed. Chatzidakis, in: EEBS 14 (1938) (repr. M. Chatzidakis, Studies in Byzantine Art and Archaeology, London 1972, Nr. III), 414,121-124. — (lat.): Annales regni Francorum (798) 104; Annales Einhardi (798) 105; Poeta Saxo (798) 254,48f.; Annales Fuldenses (798) 14; Annales Mettenses (798) 83,3f.; Gesta episc. Neapol. 45, p. 427,6-9; Libri Carolini (Bastgen) 6,27f.; 7,30-33; 18,20f.; 45,29 – 46,2. 17-19; 61,31; 63,1f.; 66,1. 21f.; 81,44; 91,18-26; 103,37-43; 104,5-7; 108,17 – 109,11; 110,9-12. 19-27; 115,34-41; 148,26f.; MGH Epp. V, epp. Hadriani I. Nr. 2, p. 7,22-27; 13,13-15; 18,29-31. 33f.; 25,3-8; 29,25; 33,29 – 34,1; 37,6f.; MGH Epp. V, epp. variorum Nr. 20, p. 332,24-30; MGH Epp. VI, Nicolai epp. Nr. 85, p. 448,24 – 449,4. 32-34; Kanones Deusdedit Nr. 428, p. 605,1-3. — (georg.): Calendrier palestino-géorgien; Synodikon georg. 310 (zweimal). 313. — (syr.): ohne Namensnennung: Michael syr. III 12 (beteiligt an der Absetzung Eirenes und der Krönung des Nikephoros). — (sl.): Antonij von Novgorod 36 (Loparev); 109 (Khitrowo); 122 (Itineraria Rossica).

L : ODB III 2011; LdMA VIII (1997) 468; Beck, Kirche 489; Nicol 119; Fedalto 6 (hat als Todesdatum fälschlich den 18. Febr. 806); LCI 8 (1994) 420. — J. Andreev, Der heilige Tarasios, Patriarch von Konstantinopel. Skizze seines Lebens und seiner Thätigkeit im Zusammenhange mit dem Verlaufe der Wirren des Bilderstreites (so die Übersetzung des Titels und wohl freie inhaltliche Paraphrase von K. Krumbacher, cf. BZ 9 [1900] 703), in: Bogoslovskij Vestnik 1899, Juniheft 143–180; Juliheft 302–346; Augustheft 459–504 (uns nicht zugänglich; so angezeigt in: VV 7 [1900] 226); idem, German i Tarasij, patriarchi Konstantinopol'skie, Sergiev Posad 1907; Loparev, in: VV 17 (1910/1911) 99–109; Bury, Eastern Rom. Emp. 32ff.; Ostrogorsky, Rom und Byzanz im Kampfe um die Bilderverehrung, in: SemKond 6 (1933) 73–87; Janin, in: DTC 15 (1946) 54–57; da Costa-Louillet, in: Byz 24 (1954) 217–229; Garitte, in: Calendrier palestino-géorgien 165 (zu einer georgischen Version seiner Vita); Alexander, Nicephorus 286 (Reg.); Ostrogorsky, Geschichte 148f.; Komines 119; Szövérffy II 18; Winkelmann II 108. 183. 189; Niavis, Nicephorus I 312 (Reg.); Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 350–373e; Rochow, Theophanes 241 (Parallelquellen; Lit.); 345 (Reg.); Efthymiadis, in: JÖB 41 (1991) 73–83; Fatouros 9*. 171*. 192*; Lilie, Eirene 433 (Reg.); Pratsch, Theodoros 349 (Reg.); DO Hagiography Database Nr. 39 (zu BHG 1689); Treadgold, History 419–426. 572; Ludwig–Pratsch, in: Patriarchen (BBS 5) 57–108. — Zum Tarasioskloster (τοῦ ἁγίου Ταρασίου) cf. Janin, Constantinople 481f.; Berger, Patria 706f.

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