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Theodote

Θεοδότη

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
7899
Klerus / Laie
Laie; Klerus
Geschlecht
Beides
Zeit
8. Jh.
Erste Erwähnung
795
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Kubikularia Augusta; Augusta; Basilissa; Kaiserin
Name normalisiert
Theodote
Ort
Triton (Bithynien); Isidorospalast (Kpl.); Isidoru: ta Isidoru (Kpl.); Metanoiakloster (Kpl.)
Quelle
Vita Irenae imp. (BHG 2205); Chronicon Altinate; Scriptor inc.; Ps.-Symeon (Cod. Paris. 1712); De Schismate; Theod. Stud., Ep.; Theophanes; Symeon log.; Leon gr.; Theod. mel; Zonaras; Symeon sl.; Kedrenos; Ps.-Symeon; Theod. Skut.; Georg. mon. (Muralt); Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Michael syr.; Georg. mon.; Vita C Theod. Stud. (BHG 1755d); Vita B Theod. Stud. (BHG 1754); Vita A Theod. Stud. (BHG 1755); Bar Hebraeus; Chronik v. 1234; Glykas; Theod. Stud., Catech. parv.; Nikephoros, Chron. synt.

T: Kubikularia der Augusta, Augusta, Basilissa (Theod. Skut.).

V: Das Geburtsdatum T.s ist unklar, dürfte aber keinesfalls später als 780 liegen. Sie war eine Tochter der Anna (# 447) und entstammte einer hochgestellten und einflußreichen Familie aus Konstantinopel, die zahlreiche höhere Würdenträger (insbesondere in der kaiserlichen Finanzverwaltung) stellte (1). Sowohl daraus als auch aus ihrer späteren Position als Kubikularia der Augusta ist wohl zu schließen, daß auch ihr Vater, über den sonst nichts bekannt ist, eine einflußreiche Position am Kaiserhof innehatte. Sie hatte mindestens zwei Brüder (# 447A), die den Rang von Patrikioi bekleideten (2), von denen jedoch nur Sergios (# 6658) namentlich bekannt ist (s. aber auch unter P). Sie war eine Nichte des Abts Platon (# 6285) und eine Cousine des Theodoros Studites (# 7574).

T. wird im Jahre 795 als Kubikularia der Augusta Maria (# 4727) genannt, muß dieses Amt also bereits zuvor bekleidet haben. Anscheinend war sie in dieser Funktion dem Kaiser, Konstantin VI., begegnet, der ihretwegen im Januar 795 seine Frau Maria verstieß, um T. in zweiter Ehe zu heiraten. Die Hochzeit mit Konstantin fand im August bzw. September des Jahres 795 statt und wurde mit großem Aufwand gefeiert (3).

Diese Ehe rief den sogenannten moichianischen Streit hervor, der vorgeblich eine kanonische Auseinandersetzung um die Problematik der Zweitehe, im Kern aber ein eher moralisch motivierter Protest des Theodoros Studites gegen die (aus seiner Sicht “ehebrecherische”) Ehe seiner Cousine Theodote mit dem Kaiser war (4).

T. brachte am 7. Oktober 796 den Sohn Leon (# 4351) zur Welt, der allerdings bereits am 1. Mai 797 starb. Ein weiteres Kind des Kaiserpaares (s. unten) scheint nach 803, möglicherweise noch um 806, gelebt zu haben, wie man einem Brief des Theodoros entnehmen kann (5).

Als ihr Mann, Kaiser Konstantin VI., im Juli 797 zu seinem letzten Feldzug nach Kleinasien aufbrach, nahm er sie zu Schiff bis zum Triton (Τρίτων) mit und setzte sie dort ab (6). Am 15. August 797 wurde Konstantin VI. von Verschwörern abgesetzt und geblendet (7). Im Anschluß regierte T.s Schwiegermutter Eirene (# 1439) als Alleinherrscherin (8). Über den Verbleib und die Position T.s nach dem Sturz ihres Mannes ist nichts genaues bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, daß sie unter Eirene ihre kaiserlichen Ehren behielt und auch ihr noch lebendes Kind (vermutlich ein Sohn) weiterhin als legitimer Thronerbe betrachtet wurde. Anderenfalls wäre es kaum erklärlich, daß die nachfolgenden Kaiser Nikephoros I. und Staurakios sich zwischen 804 und 808 (vielleicht bald nach der Mitkaiserkrönung des Staurakios im Dezember 803, vielleicht auch erst im Jahre 806) veranlaßt sahen, ein Edikt zu erlassen, das die Ehe T.s mit Konstantin VI. für null und nichtig erklärte, ihr die verbliebenen Ehren nahm und dem Kind der beiden (s. unten) alle Erbrechte – vor allem wohl eventuelle Thronansprüche – absprach (9).

Nach der Darstellung einiger Chroniken soll sie nach der Blendung Konstantins VI. zunächst gemeinsam mit diesem im Palast des Isidoros (Ἰσιδώρου) gelebt haben. Nach Konstantins Tod sei sie dann Nonne geworden, habe das Haus zum Kloster gemacht und es ta Metanoias (τὰ Μετανοίας) genannt (10). Da ihr Mann nach seiner Blendung im Jahre 797 möglicherweise noch einige Jahre lebte (11), könnte sie zusammen mit ihm eine Zeitlang im Isidorospalast gelebt haben. Nach dem Tod ihres Mannes und insbesondere nach dem obenerwähnten Edikt der Kaiser Nikephoros I. und Staurakios, das sie endgültig entmachtete (zu einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt zwischen 804 und 808), könnte sie auch Nonne geworden sein. Der Name des angeblich von ihr gegründeten Klosters (τὰ Μετανοίας) wirft aber Fragen auf (12).

Wenn man die Tatsache, daß T. in den kaiserlichen Gräberlisten (13) nicht erwähnt wird, mit dem oben genannten Edikt der Kaiser Nikephoros I. und Staurakios kombiniert, ist der Schluß zulässig, daß T. keine kaiserliche Bestattung erhielt. Wahrscheinlich wurde sie in einem der hauptstädtischen Klöster beigesetzt. Am ehesten käme dafür ein Kloster in Frage, das sie gegründet oder zumindest unterstützt hatte. Es scheint daher nicht abwegig, das in den Chroniken erwähnte Kloster τὰ Μετανοίας als Ort ihrer Beisetzung zu erwägen.

Anmerkungen: — (1) Zur Familie cf. Pratsch, Theodoros 45–67. — (2) Cf. Scriptor inc. 236,7f. (Bekker); II, p. 40,24f. (Iadevaia). — (3) Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten nach Theophanes 470,5-7 vierzig, nach Theod. Stud., Epp. 22,87f.; 28,40f. mindestens dreißig Tage; die Einsegnung fand möglicherweise am 15. August 795 (Mariä Himmelfahrt) statt, an die sich dann mehrwöchige Feierlichkeiten anschlossen; cf. dazu Pratsch, Theodoros 92. — (4) Cf. dazu Pratsch, Theodoros 83–114. — (5) Theod. Stud., Ep. 31,53-58. Der Brief kolportiert ein Edikt der Kaiser Nikephoros I. und Staurakios, das zwischen 804 und 808, möglicherweise im Jahre 806, erlassen wurde und einem Kind Konstantins VI. und der T. das Erbrecht abspricht; cf. dazu Pratsch, Theodoros 151. — (6) Cf. dazu T. Pratsch, in: Varia V 116–119. — (7) Zu seinem Tod bzw. Weiterleben cf. Lilie, Eirene 273–277. — (8) Zu den Hintergründen cf. Lilie, Eirene 267–273. — (9) Zu dem Edikt s. bereits oben Anm. 5; Wortlaut: ...διὰ τῆς τῶν εὐσεβῶν ἡμῶν βασιλέων δικαιοκρισίας, ἀποδωσάντων μετὰ θάνατον τὸν μοιχὸν τῇ νομίμῳ γαμετῇ αὐτοῦ, ἀποκαλεσάντων δὲ τὴν μαχλῶσαν μοιχαλίδα· καὶ τὸ μοιχογέννητον τέκνον ἐασάντων ἄκληρον ὡς ἀθέμιτον καὶ ἀνομώτατον. — (10) Symeon log. (Theod. mel. 158,12f.; Symeon sl. 99,24f.); Ps.-Symeon 646,1f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 809,12-14; Georg. mon. cont. (Muralt) 1028D; Theod. Skut. 136,18f. In den Chroniken finden diese Nachrichten allerdings nur beiläufig Erwähnung, nämlich zum Zeitpunkt der Krönung Michaels III. durch seinen Vater Theophilos (840 a. d.), wo im Anschluß erwähnt wird, daß Theophilos im Haus des Isidoros einen Xenon eingerichtet hat. Aus diesem Anlaß werden einige Fakten aus der Geschichte des Hauses des Isidoros angeführt. — (11) Cf. dazu Lilie, Eirene 273–277. — (12) Bei dem üblicherweise unter diesem Namen bekannten Kloster τὰ Μετανοίας handelt es sich um eine Gründung der Kaiserin Theodora, der Frau Justinians I., aus dem 6. Jh.; cf. dazu Janin, Constantinople 151. Für den Anfang des 7. Jh.s (602 und 610 a. d.) ist anscheinend ein weiteres Kloster der Reue (τῆς νέας Μετανοίας) belegt; cf. dazu Janin, Églises 332; Berger, Patria 658f. Wir können nicht sicher sein, ob es sich bei dem in unserem Zusammenhang (Anfang des 9. Jh.s) erwähnten Kloster τὰ Μετανοίας um eine Verwechslung, eine falsche Zuschreibung oder um ein weiteres Kloster dieses Namens handelt. Zu dem Kloster cf. auch Tomadakes, in: EEPhSA 1953/54 (1956) 168–174; Janin, Églises 263. 332. — (13) Cf. dazu Prolegomena 156. 162.

Q: — (Hist.): Theophanes 470,5-7; 472,3; 484,23f.; Georg. mon. 770,11; Scriptor inc. 336,7f. (Bekker); II, p. 40,24 (Iadevaia); Symeon log. (Leon gr. 198,22-24; Theod. mel. 137,5f.; 158,12f.; Symeon sl. 86,38f.; 99,24f.); Georg. mon. (Muralt) 965C; Georg. mon. cont. (Bonn) 809,12-14; Georg. mon. cont. (Muralt) 1028D; Ps.-Symeon 646,1f.; Ps.-Symeon (Cod. Paris. 1712) fol. 225 (Markopulos 140); Kedrenos II 26,10f. 15f.; Zonaras XV 12, p. 296,1f.; Glykas 529,17; Theod. Skut. 128,26f.; 136,18f. — (Ep.): Theod. Stud., Epp. 22. 31. 443. 514. 555 (Fatouros); I 22. 31; II 218. 181. 221 (PG 99); NPB V, 3, p. 101 (Mai). — (Hag.): Vita A Theod. Stud. (BHG 1755) 136D. 137A. 140A; Vita B Theod. Stud. (BHG 1754) 252C. 253A-B; Vita C Theod. Stud. (BHG 1755d) 267f.; Vita Irenae imp. (BHG 2205) cap. 10, p. 19. — (Hom.): Theod. Stud., Catech. parv. 74 (p. 258 Auvray). — (Fs.): Nikephoros, Chron. synt. 105,19. — (Sonst.): De Schismate 1852A-C. — (lat.): Chronicon Altinate 109,27f. (fälschlich als “Theodora”). — (syr.): Chronik v. 1234: cap. 188, p. 2; Michael syr. III 9; Bar Hebraeus 120.

L : Bury, Eastern Rom. Emp. 34–36; Ostrogorsky, Geschichte 150f.; Alexander, Nicephorus 286 (Reg.); Speck, Konstantin VI. 250–320; Niavis, Nicephorus I 312 (Reg.); Fatouros 9*f.; Rochow, Theophanes 261–263. 266f. 334; Lilie, Eirene 434 (Reg.); Pratsch, Theodoros 53 und 350 (Reg.).

P: Einem freundlichen Hinweis von G. Fatouros zufolge könnte der Abt Nikephoros (# 5282) möglicherweise ein Bruder der T. gewesen sein oder jedenfalls aus deren Familienzweig gestammt haben, wenn nämlich Theodoros mit dem Ausdruck ἅπαντας τοὺς συγγενεῖς μου ... ὡς ὑμεῖς γινώσκετε (Theod. Stud., ep. 4,41) den Familienzweig der Theodote apostrophieren sollte.

Angehörige (anonym):

1. Sohn 7899A

V: Es handelt sich um ein Kind Konstantins VI. und der T. und wahrscheinlich jüngeres Geschwisterkind des Leon (# 4351). Die Existenz dieses ansonsten unbekannten Kindes geht hervor aus einem Brief des Theodoros Studites, in dem dieser ein Edikt der Kaiser Nikephoros I. und Staurakios kolportiert, das (nach dem Tode Konstantins) die Auflösung der Ehe zwischen Konstantin VI. und T. und die Enterbung dieses Kindes durch die Kaiser verfügte. Als terminus post quem für diesen Erlaß ergibt sich die Erhebung des Staurakios zum Mitkaiser (Dezember 803); da der Brief wahrscheinlich ca. 808 geschrieben wurde, ist dies der terminus ante quem. Aufgrund der in dem Edikt enthaltenen Erbregelungen war dieses Kind wahrscheinlich ein Sohn der Theodote und Konstantins, daher ein jüngerer Bruder Leons und kaum vor 798 geboren. Über den weiteren Verbleib dieses Kindes ist nichts bekannt.

Q: — (Ep.): Theod. Stud., Ep. 31 (Fatouros); I 31 (PG 99): ... διὰ τῆς τῶν εὐσεβῶν ἡμῶν βασιλέων δικαιοκρισίας, ἀποδωσάντων μετὰ θάνατον τὸν μοιχὸν τῇ νομίμῳ γαμετῇ αὐτοῦ, ἀποκαλεσάντων δὲ τὴν μαχλῶσαν μοιχαλίδα· καὶ τὸ μοιχογέννητον τέκνον ἐασάντων ἄκληρον ὡς ἀθέμιτον καὶ ἀνομώτατον, ὡς ἐνυπήκοόν μοι τὸ τίμιον αὐτῶν στόμα λελάληκεν κατὰ τοὺς ῥωμαϊκοὺς νόμους.

L : Speck, Konstantin VI. 311–316; Fatouros 173* Anm. 117; Lilie, Eirene 274f.; Pratsch, Theodoros 56. 151.

P: Es ist nicht völlig auszuschließen, daß das Edikt sich auf den bereits am 1. Mai 797 verstorbenen Leon bezogen haben könnte. Allerdings wäre nicht ersichtlich, warum dieser postum von der Erbschaft ausgeschlossen werden sollte. Speck, Konstantin VI. 315, interpretierte – wohl nicht zutreffend – das Edikt als Urteil eines Erbschaftsprozesses, der “einzig zivilrechtlichen Charakter hatte”. — Ein genaues Geburtsdatum für das zweite Kind ist nicht zu ermitteln, jedoch scheint eine spätere Geburt, möglicherweise erst nach der Absetzung oder sogar nach dem Tod Konstantins VI., wahrscheinlicher zu sein (cf. dazu auch Speck, Konstantin VI. 314 oben).

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