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Christophoros Lakapenos

Χριστοφόρος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
21275
Namensvariante
Lakapenos (Familienname); Lekapenos (Variante; s. Lakapenos); Christofor (mbulg.); Iḫrisṭūfūr (arab.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
919
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Mitkaiser; Hetaireiarches; Basileus; Despotes (Kaiser)
Name normalisiert
Christophoros
Ort
Egri Tas: Eǧri Taş kilisesi (Kirche in Kappadokien); Kpl.: Kloster des Romanos = Myrelaionkloster; Romanoskloster (Kpl.) = Myrelaionkloster (Kpl.); Pegai
Quelle
ZV; Syntagma Kanon.; Inschrift (Eğri Taş); Theoph. cont. 6; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Istrin); Skylitzes; Zonaras; Liudprand, Antapodosis; Liudprand, Legatio; Michael Psellos, Historia Syntomos; Konst. Porph., DAI; Konst. Porph., De them.; Sternbach, in: Eos 5 (1898/99); Inschrift (Christupolis); Vita Mich. Maleïni (BHG 1295); Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana; Dandolo, Chron. Venet.; Chronicon Vulturnense; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Yaḥyā; Muthesius, Silk; Vita Basilii iun. (BHG 263); Eutych. Alex.; Ps.-Symeon; Symeon log. ; Mas‘ūdī, Tanbīh; Catalogue, Byzantine Coins; Grierson, Coins; Morrisson II

N: Arab.: Iḫrisṭūfūr; Familienname: Lakapenos — Λακαπηνός.

T: Vermutlich am 9. Mai 919 von Konstantinos VII. zum Hetaireiarches — ἑταιρειάρχης ernannt; zum Mitkaiser am 20. (?) Mai 921 gekrönt. Am 10. Oktober 927 wurde er erster Mitkaiser und damit designierter Nachfolger seines Vaters Romanos I. Lakapenos; cf. Kresten–Müller, Samtherrschaft 22–37.

V: Ältester Sohn des Kaisers Romanos I. Lakapenos von dessen erster Frau (# 26833A), deren Vater möglicherweise Christophoros hieß (1). C.s jüngere (Halb-) Brüder waren Theophylaktos (der spätere Patriarch [# 28192]), Stephanos (# 27251) und Konstantinos (# 23831), seine jüngeren Halbschwestern hießen Helene (# 22574) und Agathe (# 20168). Außerdem werden zwei weitere nicht namentlich bekannte Schwestern (# 26833B) erwähnt. Eine Schwester (# 26843A) war mit Romanos Saronites (# 26843) verheiratet, eine weitere (# 26844A) war die Mutter des Romanos Musele (# 26844) und muß daher mit einem Mitglied der Familie Mosele (vielleicht Alexios Mosele [# 20241]) verheiratet gewesen sein. Ob diese letzten beiden mit den anonymen Schwestern (# 26833B) identisch waren, läßt sich nicht mehr sagen. Verheiratet war C. mit Sophia (# 27152), der Tochter des Patrikios Niketas (# 25740), mit der er die Tochter Maria (# 24919) und die Söhne Romanos (# 26840) und Michael Porphyrogennetos (# 25174) sowie eine weitere, früh verstorbene Tochter (# 27152A) hatte.

C. wurde wahrscheinlich um das Jahr 900 geboren (2). Wahrscheinlich am 9. Mai 919, dem Tag der Hochzeit zwischen Konstantinos VII. und Helene Lakapene, wurde C. von Kaiser Konstantinos VII. zum Hetaireiarches ernannt. In diesem Amt folgte er seinem Vater nach, der zum selben Zeitpunkt Basileopator wurde und das Hetaireiarchenamt anscheinend in diesem Zusammenhang aufgab (Theoph. cont.: Ῥωμανὸν βασιλεοπάτορα προβαλόμενος· ἀντ᾿ αὐτοῦ δὲ Χριστοφόρον υἱὸν αὐτοῦ ἑταιρειάρχην κατέστησε) (3).

Seine Krönung zum Basileus (Mitkaiser) fand vermutlich am 20. Mai 921 statt (4). Die Krönung wurde durch Konstantinos VII. vollzogen, was auch dadurch augenfällig gemacht wurde, daß die beiden Kaiser, also Konstantinos und C. alleine, ohne Romanos I., die kaiserliche Prozession anführten: καὶ μόνοι οὗτοι οἱ δύο ἐν τῇ ταύτῃ προελεύσει προῆλθον (Theoph. cont.; ähnlich die anderen Chroniken; anders Liudprand, Antapodosis III 37, p. 91,23-28, der davon spricht, daß Romanos I. und C. die Spitze der Prozession gebildet hätten. Danach erst seien Konstantinos VII. und die beiden jüngeren Söhne des Romanos gekommen).

Nach dem Tod der Kaiserin Theodora (# 27602) wurde auch Sophia, die Frau des C., zur Augusta gekrönt (5).

Als es im Herbst des Jahres 927 zu Friedensverhandlungen mit den Bulgaren kam, wurde Maria, die Tochter des C., als Braut für den bulgarischen Zaren Petăr (# 26409) ausgewählt. Am 8. Oktober 927 wurde die Hochzeit gefeiert. Am dritten Tag der Hochzeitsfeierlichkeiten gab Kaiser Romanos in Pegai ein großes Fest, an dem außer Petăr auch die Mitkaiser Konstantinos (VII.) und C. beteiligt waren. Dabei bestanden die Bulgaren nachdrücklich darauf, C. vor Konstantinos als Kaiser zu akklamieren. Romanos I. stimmte dem schließlich zu, und so wurde C. als erstem Mitkaiser hinter Romanos akklamiert. Nach Abschluß der Feierlichkeiten kehrten die Bulgaren in ihre Heimat zurück, wobei die Eltern Marias sie bis zum Hebdomon geleiteten. Mit dieser Akklamation, bei der man nicht ausschließen kann, daß sie von Romanos I. eingefädelt worden war, rückte C. vor aller Augen an die erste Stelle der Mitkaiser hinter Romanos I., womit er de facto zu dessen präsumtivem Nachfolger aufstieg (6).

Wenig später wurde der Schwiegervater des C., Niketas (# 25740), angezeigt, er habe C. zur Rebellion gegen Kaiser Romanos aufgestachelt. Niketas wurde zum Mönch geschoren und aus Konstantinopel verbannt. Von C. ist in diesem Zusammenhang weiter keine Rede (7).

Vermutlich im Jahre 929 oder wenig später fungierte C. zusammen mit dem Mönch und früheren Rhaiktor Ioannes (# 22937) als Trauzeuge bei der Hochzeit des aus Bulgarien nach Konstantinopel geflohenen Prinzen Ioannes (# 22903) (8).

C. starb im August der 4. Indiktion (931), von seinem Vater Romanos heftig betrauert, da dieser, wie die Quellen erklären, schon alt und seine jüngeren Söhne, die Halbbrüder des C., noch Kinder waren. Sein Leichnam wurde in dem von seinem Vater gegründeten Kloster bestattet. Es existieren mehrere anakreontische Grabgedichte eines anonymen Autors auf C.

Anmerkungen: — (1) Der Name des Vaters ist nur indirekt aus dem Namen des C. zu erschließen, sofern dieser nach seinem Großvater mütterlicherseits benannt worden ist. Kresten–Müller, Samtherrschaft 49 mit Anm. 149, nehmen eine Identität mit Christophoros (# 21258) an, die wir jedoch für nicht beweisbar halten (s. dort). — (2) Cf. Kresten–Müller, Samtherrschaft 49; s. jedoch auch unter Maria (# 24919). — (3) Theoph. cont. VI 13, p. 394,21 – 395,2; Skylitzes, Konstantinos 12, p. 209,63-68; Symeon log. (Leon gr. 300,20 – 301,4; Theod. mel. 211,25 – 212,4; Symeon sl. 130,3-6); Symeon log. (Wahlgren) 136,12-17; Georg. mon. cont. (Bonn) 887,12f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1145B; Georg. mon. cont. (Istrin) 46,20-25; Ps.-Symeon 727,22f.; Zonaras XVI 17, p. 468,11f.; zu dem Datum cf. Kresten–Müller, Samtherrschaft 44–46. — (4) Theoph. cont. VI 1, p. 398,5-8; Skylitzes, Romanos Lakapenos 1, p. 213,46-50; verkürzt: idem, Konstantinos (2) 1, p. 233,11f.; Symeon log. (Leon gr. 304,8-13; Theod. mel. 214,12-15; Symeon sl. 131,16-19); Symeon log. (Wahlgren) 136,80-84; Georg. mon. cont. (Bonn) 890,17-21 (nennt den 17. Mai der 5. Indiktion); Georg. mon. cont. (Muralt) 1149B-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 48,12-15; Ps.-Symeon 731,14-18; Zonaras XVI 18, p. 470,1-5; verkürzt: Michael Psellos, Historia Syntomos 102, p. 92,71f.; verkürzt: Liudprand, Antapodosis III 37, p. 91,16-18; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 134,16-20 (Monticolo); IV 1 (Berto); Eutych. Alex. II 82,8f.; zu den Datierungsproblemen cf. die ausführliche Erörterung bei Kresten–Müller, Samtherrschaft 10–12 mit Anm. 22. — (5) Theoph. cont. VI 9, p. 402,11f.; Skylitzes, Romanos Lakapenos 7, p. 215,27 – 216,28; Symeon log. (Leon gr. 307,9f.; Theod. mel. 217,6f.; Symeon sl. 132,37); Symeon log. (Wahlgren) 136,154f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 894,14f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1156A; Georg. mon. cont. (Istrin) 50,17f.; Ps.-Symeon 733,19f. — (6) Theoph. cont. VI 22, p. 413,12-15; 414,14-21; Skylitzes, Romanos Lakapenos 18, p. 223,50 – 224,60; Symeon log. (Leon gr. 316,18-20; 317,11-18; Theod. mel. 225,2-5; 225,27 – 226,9; Symeon sl. 137,7-9. 22-26); Symeon log. (Wahlgren) 136,364-366. 388-396; Georg. mon. cont. (Bonn) 905,7-9; 905,19 – 906,13. 16f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1168C–1169C; Georg. mon. cont. (Istrin) 55,33; 56,16-32; Ps.-Symeon 741,1f. 10-13; Zonaras XVI 18–19, p. 474,2-14; Konst. Porph., DAI 13,161-164; verkürzt bei Liudprand, Antapodosis III 38, p. 92,3-9; idem, Legatio 16, p. 184,13-17. — (7) Theoph. cont. VI 25, p. 417,3-7; Skylitzes, Romanos Lakapenos 20, p. 225,81-84; Symeon log. (Leon gr. 318,14-17; Theod. mel. 227,13-16; Symeon sl. 138,19-21); Symeon log. (Wahlgren) 136,425-427; Georg. mon. cont. (Bonn) 908,8-12; Georg. mon. cont. (Muralt) 1172C; Ps.-Symeon 742,9-12. — (8) Theoph. cont. VI 28, p. 23f.; Symeon log. (Leon gr. 321,1f. (wobei hier die Angabe über C. als Trauzeuge fehlt); Theod. mel. 229,20-22; Symeon sl. 139,29f.); Symeon log. (Wahlgren) 136,484f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 911,9f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1176C; Georg. mon. cont. (Istrin) 58,33-38.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt, Istrin); Ps.-Symeon; Zonaras. — (Ep.): Nikolaos III. Grammatikos, Ep. ad Alexium imp. (August 1084), in: Syntagma Kanon. V, p. 72,27f. (Erwähnung eines Chrysobulls der Kaiser Ῥωμανοῦ, Χριστοφόρου, καὶ Κωνσταντίνου für die Metropolis Patras [Dölger–Müller, Regesten Nr. 612a]); p. 75,11 (Erwähnung eines Chrysobulls der Kaiser Ῥωμανοῦ, Χριστοφόρου, καὶ Κωνσταντίνου, das das Bistum Rhizaion betraf [Dölger–Müller, Regesten Nr. 612b]). — (Hag.): Vita Mich. Maleïni (BHG 1295) cap. 23, p. 23,34 – 24,7 (ohne Namen in einer angeblichen Vision des hl. Michael Maleïnos [# 25124] zum Sturz der Lakapenen 944); Vita Basilii iun. (BHG 263) fol. 22r (p. 296 Vilinskij); cap. 15, p. *23B (AASS) (ohne Namen); fol. 32r–v (p. 303 Vilinskij); cap. 23, p. *24F (AASS). — (Fs.): Konst. Porph., De them. VI,41f., p. 91; Konst. Porph., DAI. — (Vers.): Monodien auf C. aus dem Paris. Suppl. gr. 690 [s. XII], fol. 68r-v (I. Fragment [Ende eines Gedichtes], II. Ἐπιτύμβια εἰς τὸν αὐτὸν Χριστοφόρον κατὰ ἀλφάβητον, III. Fragment [Anfang eines Gedichtes] Ἕτερον ἀλφαβητάριον εἰς τὸν αὐτὸν ...), ed. Leo Sternbach, in: Eos 5 (1898/99) 7–21 (griech. Text 15–17); cf. Lauxtermann, Poetry 330. — (lat.): Liudprand, Antapodosis; idem, Legatio; Chronicon Vulturnense II, p. 77,1-4 (Erwähnung als Mitkaiser in einem in die Chronik inserierten Chrysobull vom April 927 [Dölger–Müller, Regesten Nr. 610]); Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 134,16-20 (Monticolo); IV 1 (Berto); Dandolo, Chron. Venet. 167,16-18. — (arab.): Mas‘ūdī, Tanbīh 173,5-10; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 397; Yaḥyā [p. 42] p. 740 (PO 18,5); 3:8, p. 57 (Pirone); Eutych. Alex. II 82,8f. — (Sg.): ZV 65 (zusammen mit Romanos I. und Konstantinos VII.; datiert 921–922/24): Ῥωμανός, Κωνσταντῖνος καὶ Χριστοφόρος βασιλεῖς Ῥωμαίων. ZV 66 a-d (zusammen mit Romanos I. und Konstantinos VII.; datiert 922/924–931, vermutlich um 930): Ῥωμανός, Χριστοφόρος καὶ Κωνσταντῖνος βασιλεῖς Ῥωμαίων. — (Inscr.): Inschrift in der Kirche Eğri Taş in Kappadokien, ed. N. Thierry, in: Beldiceanu-Steinherr–Thierry, in: JÖB 38 (1988) 395–420 (Text der Inschrift: 401f.), l. 6-9: [ἐπὶ β-| ασιλέων] Ῥωμ[ανοῦ.. (?) | Κωνσταν]τίν[ου .. (?) |. Χρισ]τοφόρ[ου .. (?) |, cf. Ed. und Kommentar von N. Oikonomides, in: Harvard Ukrainian Studies 7 (1983) 502–504; Inschrift von Christupolis 269 (= Lemerle, Philippes 141); eingewebte Inschrift auf Löwenseide (aus dem Schrein des hl. Anno der Kirche St. Servatius in Siegburg), in: Muthesius, Silk I, p. 34. 180f. (M 52): + ΕΠΙ ΡΩΜΑΝΟΥ ΚΑΙ ΧΡΙCΤΟΦΩΡΟΥ ΤΩΝ ΦΙΛΟΧΡΙCΤΟΝ ΔΕCΠΟΤΩΝ. — (Num.): Morrisson II 562–568. 571; Catalogue, Byzantine Coins III/2, p. 526–573: Taf. XXXVI–XL; Grierson, Coins 398 (Reg.): Abb. Nr. 802.

L: ODB I 442.; II 1203f. s. v. “Lekapenos”. — Runciman, Romanos (passim, bes. 64f.; 71f.); Kresten–Müller, Samtherrschaft (passim); Dölger–Müller, Regesten Nr. 595b. 610. 612. — Zu den Ἐπιτύμβια auf C. s. Sternbach, in: Eos 5 (1898/99) 19; Maas, in: BZ 12 (1903) 301 Anm. 1; Nissen, Anakreonteen 70f.; Lauxtermann, Poetry 219. 330.

P: Kresten–Müller datieren die Promotion C.s auf den zweiten Platz hinter Romanos I. und vor Konstantinos VII. auf den Herbst 927 (s. oben). Wenn dies zutrifft, so sind die Siegel ZV 66a-d etwas genauer als bisher auf den Zeitraum 927–931 zu datieren. — Eine Fälschung ist das von Stavrakos, Sammlung Kophopoulos 1.1, publizierte Siegel (wäre 927–931 zu datieren): Ῥωμανόϛ, Χριστοφόροϛ καὶ Κωνσταντῖνοϛ Πορφυρογέννητοϛ. Stavrakos verweist auch auf ähnliche Fälschungen.

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