Eustathios Argyros

Εὐστάθιος

Open Access
De Gruyter
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
21828
Namensvariante
Argyros (Familienname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
866
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Hypostrategos Anatolikon; Patrikios; Strategos Anatolikon; Strategos Charsianon; Drungarios Bigla; Protostrator; Magistros
Name normalisiert
Eustathios
Ort
Anatolikon (T); Charsianon (T); Elisabethkloster (Charsianon); Charsianon: Elisabethkloster; Aran (Kappadokien); Spynin (Kappadokien); Germanikeia (Nordsyrien) = Mar‘aš (arab.); Maras: Mar‘aš (arab.) = Germanikeia (Nordsyrien)
Quelle
Konst. Porph., DAI; Theoph. cont. 6; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Istrin); ‘Aẓīmī; Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Leon gr.; Symeon log. ; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Ṭabarī; Ibn al-Aṯīr; Ibn Ḫaldūn

Kombinationsartikel: Eustathios (# 1799).

N: Familienname: Argyros — Εὐστάθιος ὁ τοῦ Ἀργυροῦ bzw. ὁ Ἀργυρός (Konst. Porph., DAI 50,137. 141).

T: Theoph. cont. VI 22, p. 368,21f., bezeichnet ihn, etwa zum Jahre 904, als Patrikios und Hypostrategos des Themas Anatolikon: Ὁ δὲ βασιλεὺς εἶχε τῶν Ἀνατολικῶν ὑποστράτηγον Εὐστάθιον πατρίκιον, was laut Vannier, Argyroi 22, nicht bedeutet, daß E. nur Turmarch im Thema Anatolikon war – dafür sei der Rangtitel eines Patrikios zu hoch. Vielmehr könne man annehmen, daß E. Strategos des Themas Anatolikon war und nur deshalb als Hypostrategos bezeichnet werde, weil er auf dem Feldzug von 904 dem Oberkommando des Domestikos der Scholen Andronikos Dukas (# 20405) unterstellt war. Von diesem Feldzug ist bei Theoph. cont. allerdings keine Rede. Später amtierte E. – nach wie vor im Rang eines Patrikios – als Strategos von Charsianon und schließlich – im Rang eines Magistros – als Drungarios der Bigla.

V: Sohn des Leon Argyros (# 4506) und Vater von Leon Argyros (# 24399), Pothos Argyros (# 26730) und Romanos Argyros (# 26838) (1).

Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist E. identisch mit einem Argyros, der für das Jahr 866 als Protostrator und Parteigänger des Kaisars Bardas (# 791) bezeugt ist. Am 21. April 866, unmittelbar vor der Ermordung des Bardas, suchte dieser Argyros im Gefolge des Bardas und gemeinsam mit anderen Begleitern in dem im Thema Thrakesion gelegenen Feldlager das kaiserliche Zelt (κόρτη) Michaels III. auf. Als Eigennamen dieses Protostrators geben Theod. mel. und Georg. mon. cont. (Istrin) Eustathios an, während die anderen Quellen nur den Familiennamen nennen (2).

Im Muḥarram 292 a. h. (13.11. – 12.12.904) unternahm der Domestikos der Scholen, Andronikos Dukas (# 20405), wahrscheinlich zusammen mit E. einen Feldzug gegen das arabische Germanikeia (Mar‘aš) in Nordsyrien. Die Byzantiner überfielen Germanikeia und Umgebung und besiegten die arabischen Truppen von Mopsuestia (al-Maṣṣīṣa) und Tarsos (Ṭarasūs). Dabei kam neben vielen anderen Muslimen auch Abū Riǧāl b. Abī Bakkār (# 20075) ums Leben (3). Von diesem Feldzug weiß Theoph. cont. nichts, gibt aber an einer Stelle, die etwa dem Jahr 904 zuzuordnen ist, eine extrem positive Würdigung des E., die auch dessen militärische Erfolge gegen die Araber hervorhebt: (Εὐστάθιος), ὃς ἐκ τῆς καλλίστης καὶ ἀγαθῆς γενεᾶς τῶν Ἀργυρῶν ἐκπεφώνεται· ὃς τοῖς Ἰσμαηλίταις κατεστράτει καὶ ἔτρεπεν οὐχ ἅπαξ ἀλλὰ καὶ πολλάκις, ῥώμῃ καὶ ἰσχύϊ καὶ συνέσει καὶ ἀνδρίᾳ καὶ φρονήσει καὶ σωφροσύνῃ καὶ δικαιοσύνῃ τετιμημένος καὶ ἐπειλημμένος ... Εὐστάθιον Ἀργυρὸν οἱ Ἀγαρηνοὶ ἐδεδίεσαν, ὡς τὸ τούτου ὄνομα ἔκπληξιν καὶ φόβον αὐτοῖς λέγεσθαι (4). 

 Wenig später fiel E. offensichtlich in Ungnade und wurde verbannt. Der Grund der Verbannung ist unbekannt. Die moderne Forschung bringt die Verbannung übereinstimmend mit der Revolte des Andronikos Dukas im Jahre 906/07 in Verbindung, doch gibt es dafür keine Beweise. Nicht viel später wurde E. aus der Verbannung zurückgerufen und zum Strategos des Themas Charsianon ernannt (Konst. Porph., DAI 50,136-138). Er setzte sich als Fürsprecher für die im Exil in Melitene lebenden Armenier Melias (# 25041), Baasakios (# 20723), Krikorikes (# 24198), Pazunis (# 26400) und Ismael (# 23566) ein (DAI 50,139f.), die bald darauf ebenfalls ins byzantinische Reich zurückkehren konnten und militärische Kommandos erhielten (5). 

 Ende 908 wurde E. zum Drungarios der Bigla ernannt und mit dem Magistros-Titel geehrt, während Konstantinos Dukas (# 23817) – eventuell nicht direkt an E. anschließend – neuer Strategos von Charsianon wurde. Laut Theoph. cont. wurde E. schließlich (nach 908) abgesetzt, wohl weil der Kaiser ihm nicht traute (Theoph. cont.: δι᾿ ὑπόνοιάν τινα), und auf seine Besitzungen im Thema Charsianon verbannt. Auf dem Weg dorthin erhielt er in Aran (εἰς τὸ Ἄραν) von einem seiner Leute (# 30891) Gift und starb. Er wurde zunächst in Spynin bei Aran (Theoph. cont.: εἰς τὸ Σπυνὶν τοῦ Ἄρα τὴν κορυφήν) begraben. Seine Söhne exhumierten den Leichnam und bestatteten ihn in dem von seinem Vater Leon gegründeten Kloster der hl. Elisabeth im Thema Charsianon (6).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 27, p. 374,8f. 11-19; DAI 50,150f. — (2) Symeon log. (Theod. mel. 171,9f.; Symeon sl. 107,29); Symeon log. (Wahlgren) 131,341f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 830,20; Georg. mon. cont. (Muralt) 1060B; Georg. mon. cont. (Istrin) 13,12f. Nur den Familiennamen nennt Symeon sl., während Leon gr. (244,21) die Passage ganz ausläßt. Auch wenn der Zeitraum von ca. 40 Jahren sehr lang erscheint, ist die Identifizierung trotzdem nicht ohne Wahrscheinlichkeit, wenn man die traditionelle Namensvergabe bedenkt, nach der die Eigennamen in einer Familie sich generationsmäßig häufig vom Großvater auf den Enkel wiederholten. Dies war auch hier der Fall, s. Theoph. cont. p. 374,8-12. Wenn der Eustathios des Jahres 866 nicht mit E. identisch gewesen ist, müßte er demnach sein Großvater gewesen sein, was zeitlich kaum möglich scheint. Wie Vannier, Argyroi 22 Anm. 2, feststellt, konnte das Amt des Protostrators auch sehr jungen Personen übertragen werden, so daß eine Identität zumindest nicht auszuschließen ist. — (3) Ṭabarī III 2251,14-16; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 19; Ibn al-Aṯīr VII 537,4-7; ‘Aẓīmī 275,3; Ibn Ḫaldūn III 750,16f. Ṭabarī datiert den Angriff auf Germanikeia in den Muḥarram 292 a. h. (13.11. – 12.12.904), während die anderen arabischen Quellen allgemein das Jahr 292 a. h. (13.11.904 – 1.11.905) angeben. Die arabischen Quellen erwähnen E. zwar nicht. Da er aber bei Theoph. cont. zusammen mit Andronikos Dukas an einer Stelle genannt wird, die etwa dem Jahr 904 zuzuordnen ist (cf. Anm. 4), ist davon auszugehen, daß E. auf dem Feldzug dabei war. — (4) Theoph. cont. VI 22, p. 368,21 – 369,5; verkürzt bei Georg. mon. cont. (Istrin) 33,1-5 und Skylitzes, Leon 24, p. 183,83-86. — (5) Die Datierung dieser Revolte ist umstritten: im Jahre 905 laut Dédéyan; Herbst 905 laut Canard, Deux Épisodes 55; 906 laut DAI, Comm. 191; Polemis, Dukai 18, datiert sie auf 906/07; cf. dazu ausführlich unter Andronikos Dukas; s. auch Konst. Porph., DAI 50,136-138. 151. Der Rückruf aus der Verbannung ist im DAI nicht datiert. Anzunehmen ist wohl ein Datum um 907 oder wenig später, da E. schon Ende 908 als Drungarios der Bigla erscheint, also in jedem Fall nur relativ kurz als Strategos von Charsianon amtiert haben kann. — (6) Theoph. cont. VI. 27, p. 374,3-12; verkürzt bei Skylitzes, Leon 30, p. 188,23 – 189,27. Theoph. cont. und Skylitzes verbinden diese Nachricht mit einer Lobpreisung des Leon Argyros, des Großvaters des E. Diese erneute Verbannung wird in DAI, Comm. 191, nicht erwähnt. Zu Aran und Spynin s. Hild–Restle, Kappadokien 146. 288.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Symeon log. (Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn, Muralt, Istrin). — (Fs.): Konst. Porph., DAI. — (arab.): Ṭabarī; ‘Aẓīmī; Ibn al-Aṯīr; Ibn Ḫaldūn.

L: Savvides III 142; EPBLHC I 362f. — Jenkins, Samonas 223; Guilland, in: BZ 43 (1950) 347f.; idem, Recherches I, p. 570; DAI, Comm. 191; Vannier, Argyroi 21–24 (Nr. 2–3); Winkelmann II 82. 169. 188. 196; Cheynet–Vannier, Argyroi 59f. (Nr. 2–3).

P: Laut Vannier, Argyroi 23f., ist E. Argyros nicht mit Eustathios (# 21836), dem Drungarios tu ploïmu unter Leon VI., zu identifizieren, wie es Jenkins, Samonas 223 Anm. 4, getan hatte; für Jenkins’ Identifizierung entscheidend ist Skylitzes 188,26 – 189,27, der E. eine Karriere sowohl in der Armee als auch in der Flotte zuschreibt (πολὺ πόθον τῷ τε στρατῷ καὶ τῷ στόλῳ καταλιπών). Ebenso könnte für seine These Georg. mon. cont. (Bonn) 854,2-4. 18-22, sprechen, wo der Drungarios tu ploïmu und der Drungarios der Bigla als eine Person angesehen werden; Vannier gibt für seine Ablehnung der Identität keine Gründe an; s. auch DAI, Comm. 191. Guilland, in: BZ 43 (1950) 347f., beschäftigt sich nicht mit dem Problem. Eine definitive Entscheidung kann nicht mehr gefällt werden, weshalb beide Personen getrennt in die PmbZ aufgenommen worden sind; ausführlicher zu dem Problem s. unter Eustathios (# 21836). — Laut Vannier, Argyroi 22, ist er wahrscheinlich mit Eustathios Argyros (# 1799), dem Protostrator des Kaisars Bardas (# 791) im Jahre 866, identisch, doch führt Vannier gleichwohl E. und den Eustathios Argyros von 866 unter zwei einzelnen Nummern (Nr. 2 und Nr. 3) an. — Die extrem positive Charakterisierung des E. bei Theoph. cont. VI 22 und seines Vaters Leon (ibidem VI 27) läßt darauf schließen, daß der Autor von Theoph. cont. oder von dessen Vorlage in einer engen Beziehung zu der Familie der Argyroi stand.

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