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Eustathios

Εὐστάθιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
21836
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
895
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Bas. Protospatharios; Patrikios; Drungarios Ploïmoi ; Drungarios Bigla; drungar vodnye voisky: drun’gar’ vodnyę voisky (mbulg.); patrikie (mbulg.) = Patrikios
Name normalisiert
Eustathios
Ort
Bulgarien; Ungarn; Donau; Abydos; Ägäis; Dardanellen; Parion; Kpl.: Studioskloster; Studioskloster (Kpl.); Taormina (Sizilien) = Tauromenion (griech.); Sizilien
Quelle
ZN; Leon gr.; Theoph. cont. 6; Skylitzes; Georg. mon. cont. (Bonn); Konst. Porph., DAI; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log.

T: Patrikios, basilikos Protospatharios und Drungarios ton ploïmon, möglicherweise auch Drungarios der Bigla (Georg. mon. cont. [Bonn; Muralt]); mbulg.: patrikie, drun’gar’ vodnyę voisky (Drungarios des ‘Wasserheeres’).

V: Nach Ausbruch des Krieges gegen die Bulgaren 894 und nach einer ersten byzantinischen Niederlage ernannte Kaiser Leon VI. (886–912) den Nikephoros Phokas (# 25545) zum Oberbefehlshaber des Landheeres und E. zum Befehlshaber der Flotte, die gegen die Bulgaren ausgeschickt wurden. Zugleich gewann der Kaiser die Ungarn als Verbündete. Nach einer Niederlage der Bulgaren gegen die Ungarn bat der bulgarische Zar Symeon (# 27467) durch Vermittlung des E. den Kaiser um Frieden. Leon VI. stimmte zu und ließ Heer und Flotte zurückkehren. Die konkrete Rolle, die die Flotte unter E. im Kampf gegen die Bulgaren spielte, bleibt unklar. Wahrscheinlich fuhr sie, wie bei anderen Kriegen gegen die Bulgaren auch, in die Donau ein und transportierte Truppen, die die Bulgaren im Rücken angreifen sollten (1). 

 Im Jahre 902 wurde das sizilische Taormina von den nordafrikanischen Arabern angegriffen und am 1. August 902 erobert. Gegen die Araber hatte Leon VI. E. mit einer Flotte ausgeschickt, um das belagerte Taormina zu entsetzen. In diesem Zusammenhang berichten einige Quellen (Georg. mon. cont. [Bonn], Georg. mon. cont. [Muralt], Symeon log. [Leon gr. und Theod. mel.; Symeon sl.]), daß die Einnahme durch die Nachlässigkeit, ja den Verrat (τῇ ἀμελείᾳ, μᾶλλον δὲ προδοσίᾳ) des Drungarios ton ploïmon E. geschehen sei. E. sowie der örtliche Befehlshaber Konstantinos Karamallos (# 23816) und Michael Charaktos (# 25161) seien nach Konstantinopel zurückgekehrt, und letzterer habe E. sowie Konstantinos Karamallos beim Kaiser und beim Patriarchen Nikolaos Mystikos (# 25885) als Verräter angeklagt. Beide seien zum Tode verurteilt, aber auf Bitten des Patriarchen zur Strafschur begnadigt worden. Konstantinos Karamallos wurde in das Pikridionkloster, E. in das Studioskloster eingewiesen (2). 

 Wenn diese Strafe tatsächlich ausgesprochen und vollstreckt worden sein soll, so muß sie sehr bald wieder aufgehoben worden sein, denn im Jahre 904 wurde E., der von Theoph. cont. und Skylitzes als damaliger Flottenchef (ὁ τηνικαῦτα δρουγγάριος) bezeichnet wird, gegen die unter dem Befehl des Leon von Tripolis (# 24397) stehende arabische Flotte ausgeschickt, die angeblich Konstantinopel angreifen wollte. E. kam offenbar bis in den Nordteil der Ägäis, wagte jedoch keinen Kampf, sondern zog sich durch die Dardanellen zurück. Leon von Tripolis folgte ihm, eroberte Abydos und drang bis Parion vor (3). Danach übertrug Leon VI. den Oberbefehl über die Flotte dem Himerios (# 22624). E. wird in den Quellen nicht mehr erwähnt, es sei denn, er ist identisch mit Eustathios Argyros (# 21828) (s. dazu unter P).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 9, p. 358,12 – 359,8; Skylitzes, Leon 12, p. 176,6 – 177,26; Symeon log. (Leon gr. 267,21 – 268,18; Theod. mel. 187,5-23; Symeon sl. 116,33 – 117,8); Symeon log. (Wahlgren) 133,108-123; Georg. mon. cont. (Bonn) 854,2-4. 18-22; Georg. mon. cont. (Muralt) 1096C–1097C; Georg. mon. cont. (Istrin) 27,24 – 28,5. Konst. Porph., DAI 51,109-124, spricht davon, daß E. die Ungarn zum Kampf gegen die Bulgaren über den Fluß (die Donau) gebracht habe, obwohl die Bulgaren ihr Ufer mit Befestigungen gesichert hätten. — (2) Symeon log. (Leon gr. 274,9 – 275,4; Theod. mel. 191,25 – 192,12; Symeon sl. 119,15-27); Symeon log. (Wahlgren) 133,231-248; Georg. mon. cont. (Bonn) 860,19 – 861,6; Georg. mon. cont. (Muralt) 1105B-C. In der Forschung, die sich mit dieser Episode beschäftigt, wird allgemein angenommen, daß E. sich bei Taormina unkorrekt verhalten habe bzw. daß es sich um eine Intrige gegen ihn gehandelt habe (so vor allem Dolley). Jedoch gibt es keine – byzantinische oder nichtbyzantinische – Quelle, die seinen Aufenthalt in Taormina oder überhaupt in Unteritalien bezeugt. Ebenso ist schwer vorstellbar, daß E. nach einem schweren Versagen, das von einigen Quellen sogar als Verrat bezeichnet wurde, schon knapp zwei Jahre später wiederum als Oberbefehlshaber der Flotte auftaucht. Das angebliche Versagen des E. und seine Bestrafung stehen in Zusammenhang mit dem Vorwurf gegen Leon VI., daß dieser die Matrosen der Flotte in Konstantinopel beim Kirchenbau eingesetzt habe und daß die Araber deshalb Taormina hätten einnehmen können. Diese Behauptung könnte darauf schließen lassen, daß es E. nicht gelungen war, die Flotte rechtzeitig nach Sizilien zu bringen und daß man ihm diese Verzögerung vorwarf, nicht aber ein Versagen auf Sizilien selbst, wo andere kommandierten. Auch Theoph. cont. VI. 18, p. 365,3-6, berichtet, daß die Einnahme Taorminas durch die Araber dadurch verursacht worden sei, daß die (Besatzung der) Flotte beim Kirchenbau in Konstantinopel beschäftigt gewesen sei, nennt aber nicht den Namen des E., was Jenkins, Samonas 223, mit Rücksichtnahme des Schreibers auf die Argyros-Familie erklärt. Dieses Argument setzt eine Identität E.s mit Eustathios Argyros voraus. — Die Chroniken wiederholen hier einen Vorwurf, der schon 878 gegen Basileios I. erhoben worden war, als die Flotte beim Bau der Neakirche eingesetzt worden sein soll, anstatt das belagerte Syrakus zu entsetzen. 878 hatte der Admiral Adrianos (# 20122) die Flotte nicht rechtzeitig nach Sizilien gebracht, was zu seiner Bestrafung führte. Ähnliches könnte man auch für 902 annehmen, wobei die Chroniken, die weder Basileios I. noch Leon VI. positiv gegenüberstehen, in beiden Fällen die Kaiser als die eigentlich Verantwortlichen anprangern. Ob der Vorwurf jeweils zutrifft, ist kaum mehr zu entscheiden. In jedem Fall würde eine Verurteilung des E. weniger schwer wiegen, wenn sie sich “nur” auf eine Verspätung der Flotte auf der Fahrt nach Italien beziehen würde, als auf ein schweres Fehlverhalten in Italien/Sizilien, das sogar als Verrat gedeutet werden konnte. Im zweiten Fall wäre die erneute Ernennung zum Oberbefehlshaber 904 unerklärlich. Amari, Storia II 100 Anm. 1, geht davon aus, daß der Chronist im Zusammenhang mit der Einnahme Taorminas versehentlich E. an der Seite des Konstantinos Karamallos erwähnt und dabei Taormina mit dem späteren Einsatz des E. gegen Leon von Tripolis verwechselt habe. Allerdings ist diese Hypothese kaum beweisbar. — (3) Theoph. cont., VI 20, p. 366,21 – 367,4; Skylitzes, Leon 23, p. 182,56-60; Symeon log. (Leon gr. 276,18 – 277,1; Theod. mel. 193,15-19; Symeon sl. 120,13-15); Symeon log. (Wahlgren) 133,279-283; Georg. mon. cont. (Istrin) 32,2-6; Georg. mon. cont. (Bonn) 862,18-22 und Georg. mon. cont. (Muralt) 1109A fügen hinzu, daß E. mit der ganzen Flotte und den Strategen (μετὰ παντὸς στόλου καὶ τῶν στρατηγῶν) gegen Leon Tripolites geschickt worden sei. Ob es sich bei diesen Strategoi um Offiziere der Flotte gehandelt hat oder ob Teile der Landstreitkräfte unter ihren Strategoi auf die Schiffe abkommandiert worden sind, bleibt unklar; Ps.-Symeon 707,11-14 modifiziert diese Aussage dahingehend, daß er allgemein von Stratiotai spricht (μετὰ παρόντος τοῦ στόλου καὶ τῶν στρατιωτῶν).

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon. cont. (Bonn); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin). — (Fs.): Konst. Porph., DAI. — (Sg.): ZN 144: Εὐσταθίῳ πατρικίῳ, βασιλικῷ πρωτοσπαθαρίῳ καὶ δρουγγαρίῳ τοῦ θεοσώστου πλοΐμου (Datierung: spätes 9. bis frühes 10. Jh.).

L: Kolias, Léon Ch. 25f.; Dolley, Eustathios passim. — Zu dem Fall Taorminas cf. auch Amari, Storia II 100 Anm. 1; Talbi, L’Émirat aghlabide 520; Eickhoff, Seekrieg 248f.; Vasiliev, Arabes II 1, p. 145; Ahmad, History 17. (Dolley, Eickhoff und Ahmad gehen, Jenkins folgend, von einer Identität des E. mit Eustathios Argyros [# 21828] aus); cf. auch Lev, in: Byz 54 (1984) 226; Tougher, Leon 256 (Reg.).

P: Georg. mon. cont. (Bonn) 854,2-4 und Georg. mon. cont. (Muralt) 1096C bezeichnen E. als Drungarios des Ploïmon, 854,20-22 und 1097B als Drungarios der Bigla und sehen beide eindeutig als eine Person. Bei Leon gr. und Theod. mel. wird der genaue Titel im zweiten Fall nicht genannt, sondern E. wird nur als Drungarios bezeichnet. Eine verbindliche Erklärung gibt es nicht, doch kann man wohl vermuten, daß “tes biglas” später in den Text von Georg. mon. cont. (Bonn) und Georg. mon. cont. (Muralt) gekommen ist, vielleicht von einer Randglosse her. Einige Forscher identifizieren E. daher mit dem als Drungarios der Bigla bezeugten Eutstathios Argyros, so z. B. Jenkins, Samonas 223 mit Anm. 42; Dolley, Eustathios passim und Guilland, Recherches I p. 537 mit Anm. 56 auf p. 553f., doch wird dies von Vannier, Argyroi 23f., zurückgewiesen. Nach Vannier sind der Drungarios tu ploïmu E. und Eustathios Argyros zwei verschiedene Personen. Eine Begründung für diese Meinung gibt Vannier nicht. Guilland, Recherches I 537, sieht im Textteil Eustathios Argyros als Drungarios der Flotte, während er in der dazugehörigen Anm. (p. 553 Anm. 56) eine Identität dieses Eustathios, Drungarios der Flotte, mit dem Magistros Eustathios Argyros ablehnt. Da es in derselben Zeit kaum zwei Argyroi mit dem Namen Eustathios, die beide in hohen Positionen waren, gegeben haben kann, ist die Hypothese Guillands unwahrscheinlich. Ebenso können wir seiner Interpretation von Georg. mon. cont. (Bonn) 854,18-24 nicht folgen, wo er zwei unterschiedliche Personen annimmt, während u. E. eindeutig nur von einer einzigen die Rede ist. Eine definitive Entscheidung kann nicht mehr gefällt werden. Gegen eine Identität könnte vor allem sprechen, daß der Verlauf der Karriere des E. dann in sich sehr widersprüchlich wäre: 902 fiel er in Ungnade und wurde angeblich sogar geschoren, nur um wenig später wieder zum Flottenbefehlshaber ernannt zu werden. 904 wurde er wiederum wegen Ineffektivität abgesetzt, dann aber fast sofort nach dieser Absetzung zum (Hypo)strategos des Anatolikon ernannt, später wiederum abgesetzt, zum Drungarios der Bigla befördert und schließlich endgültig abgesetzt und verbannt. Sofern die Quellen die Begebenheiten zutreffend beschreiben, wäre eine solche Folge von Bestrafungen und Beförderungen nur schwer erklärlich. — Laut ZN gehört das Siegel ZN 144 wahrscheinlich dem E., Drungarios des Ploïmon, der dieses Amt an der Wende zum 9. Jh. innehatte.

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