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Eustathios Romaios

Εὐστάθιος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
21870
Namensvariante
Rhomaios (Beiname); Romaios (Beiname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.; 11. Jh.
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Richter; Rechtsgelehrter; Jurist; Krites Hippodrom; Kyr (Herr); Patrikios; Magistros; Protospatharios; Drungarios Bigla (ab 1028 Titel für den vorsitzenden Richter des Hippodromgerichtes); Krites: litos Krites (“einfacher Richter”); Dikastes (Richter); Mystikos; Bestes; Anthypatos; Logothetes Dromos; Anagrapheus; Exaktor; Redaktor kaiserlicher Novellen ?
Name normalisiert
Eustathios
Ort
Kpl.: Kaiserpalast: überdachtes Hippodrom; Kaiserpalast: überdachtes Hippodrom (Kpl.); Reichsgericht = Hippodromgericht (Kpl.); Kpl.: Reichsgericht = Hippodromgericht; Piperatos-Kloster (Kpl. oder Umgebung); Kpl.: Piperatos-Kloster
Quelle
Schminck, Eherechtliche Entscheidungen; Peira; Eustathios Romaios, Entscheidung über die Ehen zweier Cousins 2. Grades (Grumel–Darrouzès, Regestes 834); Syntagma Kanon.; Eustathios Romaios (allg.); Eustathios Romaios, Hypomnema über die Ehen von zwei Cousins mit zwei Cousinen (April 1025); Ius (Zepos); Ficker, Erlasse; Demetrios Chomatenos, Ponem. diaph. (Prinzing); Eustathios Romaios (?), Fragment Εἵλετό τις νόμῳ γάμου

N: Beiname: Romaios (der Römer bzw. der Byzantiner) — Ῥωμαῖος.

T: Zunächst litos Krites — λιτὸς κριτής (einfacher Richter, Peira 64,1, in: Ius [Zepos] IV 237,22) am kaiserlichen Hippodromgericht in Konstantinopel, und zwar irgendwann im Range eines Protospatharios (Peira 61,4: τοῦ μαγίστρου ἔτι πρωτοσπαθαρίου τυγχάνοντος, cf. Oikonomides, in: FM 7 [1986] 171), dann lange Zeit Richter im Range eines Patrikios. Zum Magistros wurde E. vermutlich erst zwischen Mai 1030 und April 1034 erhoben (Oikonomides 174), nachdem er (ebenfalls erst nach Mai 1030) zum Drungarios der Bigla ernannt worden war, womit E. zum vorsitzenden Richter bzw. obersten Richter des Hippodromgerichtes aufstieg (1). Weitere Ämter und Titel, die E. im Laufe seiner Karriere innehatte oder besaß (alle erst nach 1025): Exaktor (Peira 44,1), Anagrapheus, Mystikos (Peira 65,1), Anthypatos, Bestes (ZN 142), Logothetes des Dromos (Ficker, Erlasse 11,31-33; 19,3f.).

V: Die Lebenszeit des E. wird etwas unterschiedlich geschätzt: ca. 975–1034 (ODB), zwischen 970 und 1030 (2), 970er Jahre bis irgendwann zwischen 1040 und 1050 (3); geboren spätestens Anfang der 960er Jahre (Schminck, in: FM 11 [2005] 306); geboren ca. 960 (Pitsakes, Kolyma 100). Entscheidend für die Bestimmung seiner Lebenszeit ist auf der einen Seite eine Überschneidung von E.s Lebenszeit mit der Lebenszeit des wesentlich älteren Theodoros Dekapolites (# 27708) um ca. 25 Jahre, auf der anderen Seite der Umstand, daß E. zum Zeitpunkt der Kompilation der “Peira” durch einen Schüler am Ende der 1030er Jahre noch am Leben war.  

 Bei Identität des in Peira 15,4 nicht namentlich genannten Richters mit E. (4) liefert auch dieses Urteil einen wichtigen Hinweis: E. muß noch unter dem Patriarchat des Nikolaos II. Chrysoberges (# 26019), also vor Dezember 992, als Richter in Erscheinung getreten sein. Daher ist die Geburt des E. spätestens 970 zu datieren. 

 Die Ämter, die E. im Laufe seines Lebens innehatte, finden sich alle in der Peira, nur ist anhand der Peira kaum einer der Karriereschritte des E. datierbar. Am ausführlichsten hat sich bislang N. Oikonomides mit der Karriere des E. auseinandergesetzt, dessen Darstellung hier gefolgt wird:  

 E. stammte aus einer Familie von Juristen, denn schon sein Urgroßvater (# 21870A) war Richter. Noch als junger Mann wurde E. einer der Richter am kaiserlichen Hippodromgericht in Konstantinopel, zunächst nur einfacher Richter. Als solcher gab er in einem Prozeß vor dem Kaiser (Basileios II.) um eine Dokumentenfälschung ein von der Meinung der anderen (höherrangigen) Richter – namentlich genannt werden ein gewisser Tepeiganos (# 27579), Theodoros Dekapolites (# 27708), der Bestes Bardas (# 20791) und der Magistros und Logothetes Symeon (# 27504) – abweichendes Votum ab. Der Magistros und Logothetes Symeon schloß sich E.s Auffassung an und lobte ihn: “Recht hat der junge Eustathios ...” (δικαίως λέγει ὁ νέος Εὐστάθιος ..., Peira 64,1, in: Ius [Zepos] IV 237,26f.). Man darf wohl annehmen, daß sich in der Folge auch die anderen Richter der Auffassung des E. und des Symeon anschlossen. Dieser Prozeß kann nur durch Wahrscheinlichkeitserwägungen ungefähr in die Dekade zwischen 990 und 1000 datiert werden (5). 

 Noch vor Dezember 992 (Todesdatum des Patriarchen Nikolaos II. Chrysoberges [# 26019]) arbeitete E. als Richter (ὁ δικαστής) im Auftrage des Kaisers (Basileios II.) das Urteil aus (ἐσημειώσατο, d. h. er schrieb das Semeioma, das Urteil), durch das die Ansprüche des Patriarchen auf das Piperatos-Kloster zurückgewiesen wurden (Peira 15,4). 

 Der dritte in der Peira zusammengefaßte Fall, der vom Anfang von E.s Karriere stammen muß und vielleicht vor 1000 zu datieren ist, liegt in Peira 61,4 vor, weil E. zum Zeitpunkt des Prozesses noch den Rangtitel eines Protospatharios innehatte. E. verurteilte damals einen nicht namentlich genannten Dioiketes (# 31867) wegen der Festnahme und Folter eines Jungen (# 31868) zu Entschädigungszahlungen von insgesamt 56 Nomismata. 

 Die vielen in der Peira enthaltenen Fälle, in denen E. als Richter im Range eines Patrikios Recht sprach, dürften von E. in den Jahren zwischen ca. 1000 und ca. 1030 entschieden worden sein (cf. Oikonomides 171–174, bes. 174 Anm. 25). 

 Sicher in den April 1025 – in E.s Zeit im Range eines Patrikios – ist dagegen eine der vier komplett überlieferten eherechtlichen Entscheidungen des E. (s. u.) datiert. 

 Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Romanos III. Argyros, eines früheren Kollegen und vermutlich auch Freundes von E., im November 1028 kam offenbar Bewegung in E.s Karriere. E. wurde zum Mystikos erhoben (cf. Oikonomides 172). Anschließend erhielt er den reinen Ehrentitel eines Bestes (Oikonomides 172. 182), mit dem er verschiedentlich in der Peira bezeichnet wird (z. B. Peira 25,23; 25,28; 46,5).  

 Im Mai 1030 begegnet E. als Beisitzer einer Synode (cf. Grumel–Darrouzès, Regestes, Nr. 839) des Patriarchen Alexios I. Studites (# 20247) mit folgenden Titeln: Anthypatos Patrikios, Bestes und Logothetes des Dromos (ἀνθύπατος πατρίκιος βέστης καὶ λογοθέτης τοῦ δρόμου, in: Ficker, Erlasse 11,31-33; 19,3f.). Den Titel des Drungarios der Bigla und den Rangtitel eines Magistros kann E. demnach erst nach Mai 1030 erhalten haben. 

 Vermutlich erhielt E. als nächstes das Amt des Quaestors (Koaistor — κοαίστωρ) (Peira 16,20; 51,29); er scheint dieses jedoch nicht lange ausgeübt zu haben (Oikonomides 173). Darauf scheint E. den Funktionstitel des Drungarios der Bigla erhalten zu haben und dann erst den Rangtitel des Magistros, denn es gibt ein Siegel, das E. als Drungarios der Bigla im Range eines Anthypatos Patrikios und Bestes ausweist, aber noch nicht als Magistros. Der Mai 1030 bildet einen terminus post quem für dieses ältere von ihm erhaltene Siegel. Auf der anderen Seite wurde Eustathios noch unter Romanos III. Argyros zum Magistros erhoben und hätte dann sicher mit dem höheren Rangtitel gesiegelt, was einen terminus ante quem von April 1034 ergibt. Das Siegel ist also nach Mai 1030 und vor April 1034 zu datieren. 

 Als Drungarios der Bigla war E. der oberste Richter des kaiserlichen Hippodromgerichtes (6). Beide Titel, den des Drungarios der Bigla und den eines Magistros, hat E. sicher noch unter Romanos III. erhalten (cf. Peira 63,1), also vor April 1034, am wahrscheinlichsten in den frühen 1030er Jahren (Oikonomides 174). Auch die Kombination der Titel Magistros und Drungarios der Bigla ist durch ein Siegel belegt. 

 Nach dem Tode des Romanos III. Argyros am 11. April 1034 scheint E. in seinen Ämtern geblieben zu sein (Oikonomides 175). Das Ende seiner Karriere und der Zeitpunkt seines Todes sind unbekannt. Oikonomides (177f.) spekulierte, ob E. mit jenem von Psellos erwähnten alten Mann, einer Art “graue Eminenz” des Gerichtswesens, zu identifizieren sein könnte, der hinter der vom alten Ophrydas vorgebrachten Kritik an der Ernennung des Ioannes Xiphilinos zum Nomophylax und Leiter der neu eingerichteten kaiserlichen Rechtsschule unter Konstantinos IX. Monomachos gestanden haben soll. In diesem Fall hätte E. bis 1043 oder bis 1046/47 gelebt, wäre dann aber, bevor Michael Psellos seine Entgegnung gegen Ophrydas verfaßte, gestorben.

Anmerkungen: (1) Cf. Oikonomides, in: FM 7 (1986) 170: “the position of droungarios of the Vigla, i. e. of chief judge of the empire”; 173f. Anders als Oikonomides datierte Weiss, in: JÖB 22 (1973) 120, den Rangwechsel von Patrikios zu Magistros: E. sei bis einschließlich April 1025 Patrikios gewesen, dann ab ca. Jahresmitte 1025 Magistros, s. dazu jedoch Oikonomides 174 Anm. 25. — (2) Simon, in: M. Stolleis (Hrsg.), Juristen. Ein biographisches Lexikon von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1995, 193. — (3) Oikonomides, op. cit. 171. 175f. — (4) Von Oikonomides, op. cit. 171, nicht für vollkommen sicher gehalten, hier jedoch angenommen. — (5) Idem, op. cit. 171: “this must have been in the last years of the Xth century”; cf. Svoronos, Novelles 154: “dernier quart du Xe siècle”. Schminck, in: FM 11 (2005) 306, datierte den in Peira 64,1 referierten Prozeß jedoch “spätestens auf die 80er Jahre”, bevor Symeon seine weltlichen Ämter aufgab und sich der Arbeit am Menologion widmete. — (6) Zum Funktionswandel des Amtes unter Romanos III. und bes. durch die Person des E. s. Oikonomides, op. cit. 174f.: “initially commander of elite troops, guarding the emperor and the covered hippodrom [where were situated the tribunals], becomes, under Romanos III, the head of the imperial court”, “the chief justice of the Empire”.

W: Der Großteil aller Urteile und Abhandlungen des E. ist nur indirekt, fragmentarisch oder zusammenfassend paraphrasiert, in der Peira überliefert (s. Prolegomena II 156–159). Daneben sind jedoch auch vier Urteile, ausnahmslos zu eherechtlichen Fällen, sowie eine Abhandlung vollständig erhalten: 

 De hypobolo (“Über die Mannesgabe”), ed. Reinsch, in: FM 7 (1986) 246 (die älteren Editionen durch C. E. Zachariae von Lingenthal, Geschichte des Griechisch-Römischen Rechts, 3. Aufl., Berlin 1892 [Ndr. Aalen 1955], 96f., und A. Dain, Eustathe Romain, De hypobolo, in: REB 11 [1953] 47–49, bes. 48, sollten nicht mehr benutzt werden). — Hypomnema über die Ehen von zwei Cousins mit zwei Cousinen (April 1025 [Indiktion 8; 6533 a. m.]), in: Syntagma Kanon. V 341–353, Titel: Εὐσταθίου πατρικίου τοῦ Ῥωμαίου ὑπόμνημα ..., zusammenfassende Auszüge in: Peira 49,27 – 49,33, in: Ius (Zepos) IV 206–208. Cf. dazu unter Nikolaos (# 26130), Eudokia (# 21762) und Niketas Bothyrites (# 25855). — Hypomnema (ca. 1025–1028) über die Ehe des Ioannes (# 23414) und der Maria (# 24950), in: Schminck, Eherechtliche Entscheidungen, Fall 1, p. 224–232, Titel: Ὑπόμνημα τοῦ κῦρ Εὐσταθίου τοῦ μαγίστρου (p. 224,1), zusammenfassende Auszüge in: Peira 49,36 und 49,37, in: Ius (Zepos) IV 209f.; wahrscheinlich auch die Entscheidung (ca. 1000–1025) über die Ehe des Theophylaktos Saronites (# 28255) und der Theophano (# 28131), ibidem, Fall 2, p. 240–246. Cf. dazu Laurent, in: EO 37 (1938) 127; Schminck, op. cit. 249; zur Zuweisung der Entscheidung an E. ibidem 250. — Entscheidung über die Ehen zweier Cousins zweiten Grades (Grumel–Darrouzès, Regestes 834) (ca. 1025–1030), in: PG 119, col. 844D–849C = Syntagma Kanon. V 32–36; zusammenfassende Auszüge in: Peira 49,34 und 49,35, in: Ius (Zepos) IV 208f.; cf. dazu unter Euphemios (# 21798) und Maria (# 24941). — Von E. stammten auch einige der Scholien zu den Basiliken, auch wenn viele der dem E. zugewiesenen Basiliken-Scholien nicht von E. selbst stammen dürften, sondern von anderen Juristen, die Schriften des E. für ihre Scholien verwandt haben (Oikonomides, op. cit. 176f.). — (Unsicher:) Fragment Εἵλετό τις νόμῳ γάμου (Grumel–Darrouzès, Regestes, Nr. **849), in: Demetrios Chomatenos, Ponem. diaph. 6,80-104, p. 44f. (Prinzing). Cf. Prinzing, ad loc.; Schminck, in: FM 3 (1979) 222 Anm. 8; 248 Anm. 62. 63; idem, in: FM 5 (1982) 208 mit Anm. 84; Pitsakes, Kolyma 110–114 Anm. 44; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. **849; Burgmann, Sisinnios 176 mit Anm. 34; Prolegomena II 155f.

Q: — (Sonst.): Peira, in: Ius (Zepos) IV 11–260 passim, besonders: Peira 15,4, in: Ius (Zepos) IV 49,37-39; Peira 16,20, ibid. 60,23f.; Peira 25,23, ibid. 98,11; Peira 44,1, ibid. 184,9-11; Peira 51,29, ibid. 218,22f.; Peira 61,4, ibid. 232,25f.; Peira 63,1, ibid. 235,18f.; Peira 64,1, ibid. 237,6-10; Peira 65,1, ibid. 239,23f. Bei den späteren Juristen wird E. häufig erwähnt, doch ist hier auf eine Ermittlung der Textstellen verzichtet worden. Nach 1025: Synodalerlaß des Patriarchen Alexios Studites (# 20247) gegen die Jakobiten (Mai 1030, cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 839), in: Ficker, Erlasse 11,31-33: (συνεδρευσάντων) ... Εὐσταθίου τοῦ περιβλέπτου ἀνθυπάτου πατρικίου βέστου καὶ λογοθέτου τοῦ δρόμου; 19,3f.: (συνεδριασάντων) ... Εὐσταθίου ἀνθυπάτου πατρικίου βέστου καὶ λογοθέτου τοῦ δρόμου. — (Sg.): ZN 142 (datiert frühes 11. Jh.): Εὐσταθίῳ ἀνθυπάτῳ, πατρικίῳ, βέστῃ καὶ δρουγγαρίῳ τῆς βίγλης; Laurent, Corpus II 888 (datiert Anfang des 11. Jh.s): Εὐσταθίῳ μαγίστρῳ καὶ δρουγγαρίῳ τῆς βίγλης.

L: ODB III 1793 s. v. “Rhomaios, Eustathios”; LdMA VII (1995) 140f. s. v. “Practica ex actis Eustathii Romani”; Savvides VI 365f. — Christophilopulos, in: BNJ 17 (1939–1943) 82–91; Weiss, in: JÖB 22 (1973) 117–143; Schminck, Eherechtliche Entscheidungen passim, bes. 221–224. 232–235. 246–251. 266f. 277–279; Pitsakes, Kolyma gamu 96–100. 114–116; Vryonis, Peira; Oikonomides, in: FM 7 (1986) 169–192; Reinsch, in: FM 7 (1986) 239–252; Svoronos, Novelles 154 mit Anm. 393; Simon, in: ZSSRG rom. Abt. 104 (1987) 559–595; Laiou, Sex, Consent, and Coercion 157–164. 175f.; Simon, in: M. Stolleis (Hrsg.), Juristen. Ein biographisches Lexikon von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1995, 193; Burgmann, Sisinnios passim; PBW: Eustathios 61; Burgmann, Peira 51; Prolegomena II 151–159.

P: Bereits ZN erwägen eine Identifizierung des Sieglers mit E., was von Oikonomides, in: FM 7 (1986) 169–192, bes. 173f. mit Anm. 24, ganz klar bestätigt wird. — Laut ZN ist der Siegler sicher nicht mit Eustathios Argyros (# 21828) zu identifizieren, der im Jahre 910 starb, da das Siegel stilistisch eindeutig dem frühen 11. Jh. zuzuweisen ist. — Das Siegel Laurent, Corpus II 888, weist Oikonomides in: FM 7 (1986) 169–192, bes. 173f. mit Anm. 27, ebenso eindeutig dem E. zu. Laurent möchte E. mit Eustathios Maleinos (# 21861) identifizieren. — Oikonomides, in: FM 7 (1986) 171 Anm. 14, hält eine Identität mit dem Siegler Eustathios (# 21855), der Protospatharios, Krites epi tu Hippodromu und Anagrapheus von Paphlagonien bzw. Protospatharios und Krites epi tu Hippodromu und von Charsianon war, für möglich, denn wir wissen von E. daß er ca. 1027/28 das Amt des Anagrapheus eines ungenannten Themas übernommen hatte und sich aus diesem Grunde nicht in der Hauptstadt aufhielt. — Svoronos, Novelles 154 Anm. 393, vertritt die Auffassung, daß die Peira unter Konstantinos Dukas, also in den Jahren 1059–1063 herausgegeben worden sei. Und da dort eine Entscheidung des E. als erst “vor kurzer Zeit” (ἀρτίως) getroffen bezeichnet wird (Peira 53,2, in: Ius [Zepos] IV, 221f.), habe E. bis kurz vor 1059 gelebt. Das erscheint angesichts des Umstandes, daß E. bereits spätestens im letzten Jahrzehnt des 10. Jh.s als Richter aktiv war, unmöglich. Vor allem aber verweist Oikonomides zu recht darauf, daß keiner der großen Juristen des 11. Jh.s, die ihre Karriere unter Konstantinos IX. Monomachos (1042–1055) begannen, in der Peira erwähnt wird und daß ferner die Peira noch nichts von Maria Sklerainas Aufstieg zur “Sebaste” weiß. Daher stellt die Herrschaft des Konstantinos IX. Monomachos wohl einen terminus ante quem für die Abfassung der Peira dar. — Schminck, in: FM 11 (2005) 305f., hält es für wahrscheinlich, daß E. auch der Redaktor der beiden Versionen der Novelle des Basileios II. vom 1. Januar 996 (cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 783; ed. Svoronos, Novelles, Nr. 14, p. 199–227) war, obwohl für diese Gesetzestexte keine entsprechenden Angaben (“Diktatvermerke”) existieren.

Angehörige (anonym):

1. Urgroßvater 21870A

T: Richter am kaiserlichen Gerichtshof — παλαιὸς δικαστὴς σοφὸς ... ἐπὶ βασιλικοῦ δικαστηρίου (Peira 30,76).

V: Dieser Richter war der Urgroßvater (πρόπαππος) des E., der sich in einem Urteil auf ihn beruft. Er könnte ca. 100 Jahre vor E. geboren worden sein, also vielleicht in den 870er Jahren unter Basileios I. In diesem Fall könnte er ca. unter Leon VI. Richter geworden sein, vielleicht aber auch erst später.

Q: — (Fs): Peira 30,76, in: Ius (Zepos) IV 136,13-15.

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