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Helene Lakapene

Ἑλένη

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
22574
Namensvariante
Lakapene (Familienname); Lakapenos (Familie); Lekapenos (Variante; s. Lakapenos); Elena (mittelbulg.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Frau
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
907
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Augusta; Kaiserin; Basileia; Despoina; Basilis
Name normalisiert
Helene
Ort
Kloster des Romanos = Myrelaionkloster (Kpl.); Kpl.: Kloster des Romanos = Myrelaionkloster; Myrelaion (Kpl.); Kpl.: Myrelaionkloster = Kloster des Romanos; Myrelaionkloster (Kpl.)
Quelle
Vita Euphrosynae iun. (BHG 627); Konst. Porph., De cerim.; Theodoros von Nikaia, Epp.; Theoph. cont. 6; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Istrin); Skylitzes; Zonaras; Ps.-Symeon; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Michael Psellos, Historia Syntomos; Anakreontisches Gedicht auf die Augusta Helene Lakapene; Matranga, Anecdota Graeca; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana; Dandolo, Chron. Venet.; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Vita Basilii iun. (BHG 263); De templo B. M. V. τῆς Πηγῆς et miraculis (BHG 1072); Eutych. Alex.; Jenkins–Mango, Synodicon; Mas‘ūdī, Murūǧ; Ḥasdāy b. Šaprūṭ, Ep.; Mann, Texts and Studies; Symeon log. ; Mas‘ūdī, Tanbīh; Ioannes Geometres; Nikolaos Mystikos, Opuscula (Westerink)

N: Arab.: Ilinā (Mas‘ūdī, Tanbīh 173,7).

T: Augusta (Kaiserin); arab.: malika (Mas‘ūdī, Tanbīh 173,7). Der Zeitpunkt der Krönung ist nicht überliefert (s. u.). Als Augusta stand sie, zumindest nach der Krönung ihrer Mutter Theodora (# 27602) am 6. Januar 921, im Rang hinter dieser, ebenso wie hinter ihrer Schwägerin Sophia (# 27152) – zumindest zwischen 927 und 931 (s. unten); nach dem Tode ihres Halbbruders Christophoros (# 21275) im August 931 nahm sie den ersten Rang unter den Augustai ein; Basileia und Despoina — βασίλεια καὶ δέσποινα (Theodoros von Nikaia, Ep. 26).

V: Tochter von Romanos I. Lakapenos und dessen zweiter Frau Theodora (# 27602), vermutlich um 907 herum als deren ältestes Kind geboren. Ihr älterer Halbbruder war Christophoros (# 21275). Ihre jüngeren Geschwister waren: Agathe (# 20168), ferner die Frau (# 26843A) des Romanos Saronites (# 26843), möglicherweise die Frau (# 20241A) des Alexios Mosele (# 20241), Theophylaktos (# 28192), Stephanos (# 27251) und Konstantinos (# 23831).

H. wurde im April 919 in der fünften Fastenwoche (Theoph. cont.: Τῇ δὲ πέμπτῃ ἑβδομάδι τῶν ἁγίων νηστειῶν, Ἀπριλίῳ μηνί) mit Konstantinos VII. verlobt. Am 9. Mai desselben Jahres wurde die Hochzeit gefeiert (1). Sie hatte mit Konstantinos VII. sieben Kinder: Zoe (# 28507), Theodora (# 27604), Agathe (# 20169), Theophano (# 28126), Anna (# 20435), Romanos II. sowie Leon (# 24418). Theoph. cont. (394,20f.; nicht bei Georg. mon. cont. [Bonn]) rühmt ihre Schönheit und ihren Verstand: ᾗ πρὸς κάλλος σωματικὸν προσήκμαζεν καὶ σύνεσις.

Nach dem Tod ihrer Mutter, der Kaiserin Theodora, am 20. Februar 922 wurde ihre Schwägerin Sophia (# 27152) zur Augusta (Kaiserin) erhoben, was von Kresten–Müller als Versuch Romanos’ I. interpretiert wird, seiner eigenen Familie den Vorrang vor Konstantinos VII. zu sichern. Eigentlich hätte H. als Ehefrau des legitimen (Mit-)Kaisers Konstantinos VII. mit gleichem oder besserem Recht die Nachfolge der Theodora als Augusta antreten können (cf. Kresten–Müller, Samtherrschaft 16 Anm. 29). Jedoch wissen wir nicht, ob H. nicht schon anläßlich ihrer Heirat mit Konstantinos VII. zur Augusta erhoben worden war. Dies wäre schon deshalb zu erwarten gewesen, da es sonst – nach der Vertreibung der Zoe Karbonopsina (# 28506) aus dem Palast – keine Augusta gegeben hätte. Theodora, die Gattin des Romanos, wurde erst am 6. Januar 921 zur Augusta gekrönt. Nach ihrem Tod war diese Position in jedem Fall vakant, zumal Romanos I. selbst nicht noch einmal heiratete. Die Ernennung der Sophia zur Augusta braucht zunächst den Rang H.s nicht beeinträchtigt zu haben, da ja auch Christophoros als Mitkaiser noch hinter Konstantinos VII. rangierte. Erst nach seiner Promotion zum ersten Mitkaiser rückte auch seine Gattin Sophia an die erste Stelle der Hierarchie der Kaiserinnen auf. Nach dem Tod des Christophoros wäre dann H. wieder die erste Augusta gewesen. Ausdrücklich als zweite Augusta bezeichnet wird sie in einer Akklamationsliste (Nikolaos Mystikos, Opuscula [Westerink] 200 D I), die in die Zeit zwischen dem 14. Dezember 928 und August 931 datiert werden muß (cf. Kresten–Müller, Samtherrschaft 28). Nach August 931 war sie nach Aussage der Vita Basileios’ des Jüngeren die erste Augusta (2).

Laut Skylitzes unterstützte H. ihren Mann Konstantinos VII. bei dessen Vorgehen gegen ihren Bruder Stephanos (3).

Während der Regierungszeit ihres Mannes soll sie, wie Skylitzes berichtet, sehr einflußreich gewesen sein. Sie sei vor allem, zusammen mit dem Parakoimomenos Basileios (# 20925), ihrem Halbbruder, zu dem sie offenbar ein besonders enges Verhältnis hatte, dafür verantwortlich gewesen, daß Ämter nicht nach Leistung vergeben worden seien, sondern verkauft wurden. Dies wurde auch vom Patriarchen Polyeuktos (# 26715) kritisiert, was zur Feindschaft zwischen beiden führte (4).

Zwischen 945 und 959 war sie Adressatin eines Briefes des Theodoros von Nikaia (# 27705), der sich darin für den Gnadenakt des Kaisers bedankt, der ihn aus der Verbannung zurückgerufen hatte (5).

Während der selbständigen Herrschaft ihres Mannes Konstantinos VII. findet H. nur wenig Erwähnung in den Quellen. Sie scheint sich u. a. karitativen Einrichtungen gewidmet zu haben. So stiftete sie ein Fremden- und Altersheim in dem “alten Petrion”, das nun (nach ihr) “ta Helenes” genannt wurde (ξενῶνος καὶ γηροτροφείου εἰς τὸ παλαιὸν Πετρίν, τὸ λεγόμενον τὰ Ἑλένης. Als sie einmal krank war, soll Konstantinos VII. auf ihre Bitten hin diese Einrichtung durch die Zuweisung von Grundstücken, Chrysobulla und Einkünften unterstützt haben (6).

Bei verschiedenen Empfängen für die russische Fürstin Olga (# 26186), von denen ein Protokoll im Zeremonienbuch existiert, findet H. mehrfach Erwähnung (7).

H. und ihr Mann waren die Adressaten eines Briefes des spanischen Juden Ḥasdāy b. Šaprūṭ (# 22564), von dem sich Fragmente erhalten haben und der am ehesten auf die Zeit nach 340 a. h. (9.6.951 – 28.5.952) zu datieren ist (8).

Theoph. cont. schildert ausdrücklich ihre Trauer über den Tod ihres Mannes, bei dem sie zusammen mit ihren Kindern und dem Parakoimomenos Basileios (# 20925) zugegen war (9).

Nach dem Tod Konstantinos’ VII. protestierte sie vergeblich dagegen, daß ihr Sohn Romanos II. ihre Töchter, seine Schwestern, zwangsweise zu Nonnen scheren und in verschiedene in Konstantinopel gelegene Klöster einschließen ließ. Laut Skylitzes, der diese Maßnahme etwas später datiert (ca. 961), soll dies auf Anstiftung ihrer Schwiegertochter Theophano geschehen sein. Auch sie selbst sollte zunächst geschoren und zum Eintritt in ein Kloster (in den Palast des Antiochos) gezwungen werden. Jedoch habe sich Romanos II. durch ihr Flehen erweichen lassen, so daß sie selbst im Palast bleiben durfte (10).

Sie starb nach längerer Krankheit am 19. September vermutlich des Jahres 961 (Skylitzes: fünfte Indiktion), laut Skylitzes aus Schmerz über den Verlust ihrer Töchter. Romanos II. ließ sie nach aufwendigen Feierlichkeiten in dem von ihrem Vater Romanos I. gegründeten Kloster im Myrelaion neben dessen Sarg beisetzen (11).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 13, p. 394,18-23; Skylitzes, Konstantinos 12, p. 209,63-66; Symeon log. (Leon gr. 300,20 – 301,4; Theod. mel. 211,25 – 212,2; Symeon sl. 130,3-6); Symeon log. (Wahlgren) 136,12-17; Georg. mon. cont. (Bonn) 887,7-11; Georg. mon. cont. (Muralt) 1145A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 46,20-25; Ps.-Symeon 727,19-22; Zonaras XVI 17, p. 468,8-11; Michael Psellos, Historia Syntomos 102, p. 92,69-71; Liudprand, Antapodosis III 30, p. 88,6-9; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 134,15f. (Monticolo); IV 1 (Berto); s. aber auch Schminck, in: BZ 93 (2000) 630f., der für 919/20 eintritt und die Verlobung auf den 1.4.920 (Dienstag nach Ostern) sowie die Hochzeit auf den 11.4.920 datiert; Erwähnung der Heiratsverbindung auch bei Mas‘ūdī, Murūǧ II 353,6f., und Mas‘ūdī, Tanbīh 173,6f.; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p.397. — (2) Vita Basilii iun. (BHG 263) fol. 32v (p. 303 Vilinskij); cap. 23, p. *25A. — (3) Skylitzes, Konstantinos (2) 2, p. 236,77-80; Zonaras XVI 20, p. 481,5-8. — (4) Skylitzes, Konstantinos (2) 3, p. 237,18-20; Zonaras XVI 21, p. 483,12-16; 22, p. 487,2-8. — (5) Theodoros von Nikaia, Ep. 26. — (6) Theoph. cont. VI 40, p. 458,17 – 459,4; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 10,4-9; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 671. Die Erwähnung von Chrysobulla in diesem Zusammenhang wird von Dölger–Müller als mögliche Bestätigung älterer Schenkungen gedeutet. — (7) Konst. Porph., De cerim. II 15, p. 596,10-18; 598,6-12 (Reiske); die Datierung dieses Besuchs ist umstritten: entweder 946 oder 957; cf. unter Olga. — (8) Näheres dazu s. unter Ḥasdāy b. Šaprūṭ. — (9) Theoph. cont. VI 52, p. 466,19 – 467,3: Αὐγοῦστα Ἑλένη σὺν τοῖς τέκνοις αὐτῆς καὶ τῷ πατρικίῳ καὶ παρακοιμωμένῳ Βασιλείῳ καὶ τοῖς κοιτωνίταις. — (10) Theoph. cont. VI 3, p. 471,11-18; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 15,16-29; Skylitzes, Romanos neos 9, p. 252,8-14; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 10,9-11 schildert im Gegenteil ein gutes Einvernehmen zwischen H., ihren Töchtern und Romanos II. Jedoch ist diese Stelle noch in die Regierungszeit Konstantinos’ VII eingeordnet (etwa 955–957). — (11) Theoph. cont. VI 6, p. 473,9-17; Ps.-Symeon 758,6-10; Georg. mon. cont. (Muralt) 1197B; Skylitzes, Romanos neos 9, p. 252,15-18, behauptet, daß H. nicht neben, sondern in dem Sarg ihres Vater beigesetzt worden sei: ἐν τῇ λάρνακι τοῦ πατρός.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt; Istrin); Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Ps.-Symeon; Skylitzes; Zonaras; Michael Psellos, Historia Syntomos. — (Ep.): Theodoros von Nikaia. — (Hag.): Vita Euphrosynae iun. (BHG 627) cap. 33, p. 873E; Vita Basilii iun. (BHG 263) fol. 21v–22r (p. 296 Vilinskij); cap. 15, p. *23B (AASS) (ohne Namen); fol. 30r–33v (p. 301–304 Vilinskij); cap. 21–24, p. *24D–*25B (AASS); De templo B. M. V. τῆς Πηγῆς et miraculis (BHG 1072) cap. 28, p. 885F–886A. — (Fs.): Konst. Porph., De cerim.; Jenkins–Mango, Synodicon 226. — (Vers.): Vermutlich anonymes, in der Handschrift und den Editionen aber dem Leon Magistros (Choirosphaktes [# 24343], s. dort) zugeschriebenes anakreontisches Gedicht auf die Augusta Helene Lekapene, die Ehefrau des Konstantinos VII. — Εἰς τὴν αὐγούσταν Ἑλένην Κωνσταντίνου τοῦ νέου σύζυγον, ed. Ciccolella, Anacreontee 110–114 (= ed. Matranga, Anecdota graeca 568–571; ed. Bergk, PLG III 361f.), bes. Titel und v. 32; unsicher: Ioannes Geometres, Epitaphios auf die Kaiserin Helena — Εἰς τὴν βασιλίδα Ἑλένην (7 vv.), ed. Cramer, p. 327,13-20. — (Sonst.): Nikolaos Mystikos, Opuscula (Westerink) 200D I 5; III 9; V 7; VI 8; VII 6; VIII 12; IX 7; X 7; XI 12; XII 12. — (lat.): Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 134,15f. (Monticolo); IV 1 (Berto); Dandolo, Chron. Venet. 167,15f. — (arab.): Mas‘ūdī, Murūǧ; Mas‘ūdī, Tanbīh. — (hebr.): Brieffragmente des Ḥasdāy b. Šaprūṭ an die Kaiserin H. und an Konstantinos VII., ed. Mann, Texts and Studies 21–23 (mit Übersetzung).

L: ODB II 1203f. s. v. “Lekapenos”; 1262f. s. v. “Macedonian Dynasty”. — Kresten–Müller, Samtherrschaft 16 Anm. 29; 29 Anm. 76; 44–46 (zum Datum der Hochzeit); 81f.; 84. 86f.; Stammbaum (nach p. 87); Schminck, in: BZ 93 (2000) 630f.

P: Ein Grabgedicht, das Ioannes Geometres (# 23092) auf eine Kaiserin Helene schrieb, bezieht sich entweder auf H. oder auf die gleichnamige Gattin (Helene [# 22578]) des Kaisers Konstantinos VIII., die erst in den 980er Jahren starb; cf. Lauxtermann, Poetry 231; van Opstall 7. 556 (Nr. 240).

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