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Ioannes

Ἰωάννης

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
22937
Klerus / Laie
unklar
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
922
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Presbyteros; Rhaiktor; Paradynasteuon; Mönch; Rhektor; Klerikos; prezviter (mbulg.) = Presbyteros; rektor’ (mbulg.) = Rhaiktor; Monachos
Name normalisiert
Ioannes
Ort
Tribunalion (Kpl.); Kaiserpalast (Kpl.); Galakrenaikloster (Bithynien); Kloster: Galakrenai (Bithynien); Mesembria; Bosporos: Stenon; Stenon (Bosporos); Pegai (Kpl.); Kpl.: Pegai; Manglaba (Thrakien); Maglaba s. Manglaba; Kpl.: Tribunalion; Kpl.: Kaiserpalast
Quelle
Georg. mon. cont. (Bonn); Theoph. cont. 6; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Theod. mel.; Leon gr.; Skylitzes; Konst. Porph., DAI; Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Symeon log.

T: Klerikos und Rhektor — τοῦ κληρικοῦ Ἰωάννου καὶ κατὰ συγχώρησιν Θεοῦ ῥέκτορος γεγονότος (Konst. Porph., DAI); Paradynasteuon, Presbyteros und Rhaiktor — ἦν δὲ τότε παραδυναστεύων ὁ πρεσβύτερος Ἰωάννης ὁ ῥαίκτωρ. Später Mönch.

V: Wohl im Jahre 922 wurde ein Anschlag auf Romanos I. Lakapaneos und (evtl.) auf Konstantinos VII. vorbereitet. Beteiligt waren u. a. Arsenios (# 20608) und der Manglabites Paulos (# 26332). Die Verschwörung wurde durch Leon (# 24412), einen Diener des Arsenios, verraten. Während Arsenios und Paulos bestraft wurden, ernannte der Presbyteros und Rhaiktor I., der zu dieser Zeit Paradynasteuon war, den Leon zum Hebdomadarios und nahm ihn in das Gefolge des Kaisers auf (τῷ βασιλεῖ τοῦτον προσοικειώσας).

Im Zusammenhang mit dieser Verschwörung fiel auch der Mitverschwörer Theodotos (# 27969) in Ungnade, der zu dieser Zeit Protokarabos (der kaiserlichen Dromone) und Protospatharios tes phiales war. Er wurde seines Amtes enthoben, bestraft und verbannt. Sein Kollege Konstantinos Lorikatos (# 23832) blieb als erklärter Anhänger Romanos’ I. im Amt und wurde an Stelle des Theodotos zum Protospatharios tes phiales ernannt. Dieser Konstantinos Lorikatos wandte sich mit einer Denkschrift an I., in der er Theophylaktos (# 28195), dem epi tes trapezes der Augusta, unterstellte, daß dieser schon aufgrund seines Amtes als Vertrauter der Augusta (hier: Helene Lakapene [# 22574], der Tochter Romanos’ I.) ein potentieller Verschwörer sei. Daher müsse man ihm die Verfügungsgewalt über die Barken (Agraria) der Augusta – die bis dahin dem epi tes trapezes der Augusta unterstanden – wegnehmen und sie dem Protospatharios tes phiales unterstellen, damit ihre Mannschaften nicht gegen den Kaiser aufgewiegelt werden könnten. I. unterstützte diese Forderung, woraufhin Romanos I. Lakapenos im Sinne des Konstantinos Lorikatos entschied (1).

Als im Frühjahr 922 eine bulgarische Armee, die vermutlich unter dem Befehl des Menikos (# 25056) stand, die Umgebung von Konstantinopel angriff, wurde I. zusammen mit dem Domestikos der Scholen, Pothos Argyros (# 26730), und mit Leon Argyros (# 24399) gegen die Angreifer ausgeschickt. Die Truppe setzte sich aus Angehörigen der Tagmata und der Hetaireia zusammen. Außerdem war der Drungarios ton ploïmon Alexios Mosele (# 20241) beteiligt. Als die Bulgaren (vermutlich Anfang April 922) die Byzantiner angriffen, floh I. sofort, wobei Photeinos (# 26663) und viele andere fielen, die für ihn kämpften. I. rettete sich mit Mühe auf eine Dromone. Die Bulgaren nahmen viele Byzantiner gefangen und töteten andere. Da ihnen nun niemand mehr entgegentrat, brannten sie die Paläste bei Pegai und am Stenon nieder (2).

Wenig später wurde I. beim Kaiser angeklagt. Er schützte Krankheit vor, verließ den Palast und ließ sich in seinem Kloster, das unweit des Galakrenaiklosters lag, zum Mönch scheren (3).

Auch nach der Annahme des Mönchshabits scheint I. weiter das Vertrauen des Kaisers genossen zu haben. Wohl im Jahre 929 wurde er von Romanos nach Bulgarien geschickt, wo sich der Bruder des Petăr (# 26409), Ioannes (# 22903), gegen jenen empört hatte, aber gefangengenommen, geprügelt und zum Mönch geschoren worden war. Offiziell sollte I. eine Versöhnung zwischen den beiden Brüdern herbeiführen, tatsächlich aber war es seine Aufgabe, Ioannes nach Konstantinopel zu bringen. Dies bewerkstelligte er mit Erfolg. Er brachte ihn nach Mesembria und von dort zu Schiff nach Konstantinopel. In Konstantinopel legte der bulgarische Prinz Ioannes die Mönchstracht bald wieder ab, heiratete und erhielt vom Kaiser einen Palast und reiche Geldmittel zum Geschenk. Bei der Hochzeit waren der Mitkaiser Christophoros (# 21275) und I. die Trauzeugen (4).

Laut Skylitzes war ein Ἰωάννης ὁ ῥαίκτωρ, unter dem wohl I. zu verstehen ist, im Dezember 947 an einer Verschwörung beteiligt, die Stephanos Lakapenos wieder auf den Thron bringen sollte, aber rechtzeitig aufgedeckt werden konnte. Konstantinos VII. ließ den Verschwörern Nasen und Ohren abschneiden, andere wurden schwer geprügelt und auf Eseln in einem Schandumzug (Pompe) durch die Stadt geführt; laut Skylitzes wurden alle geblendet, ihnen wurden die Nasen abgeschnitten, sie wurden verbannt, und ihr Vermögen wurde eingezogen. Als weitere Verschwörer neben I. werden genannt: Byzantios (# 21218), Gregorios Makedon (# 22405), Leon Kladon (# 24422), Philippos (# 26618) und Theodosios (# 27909).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 3, p. 398,17 – 399,7; Symeon log. (Leon gr. 305,6-8; Theod. mel. 215,1-3; Symeon sl. 131,29f.); Symeon log. (Wahlgren) 136,97-99; Georg. mon. cont. (Bonn) 891,8-16; Georg. mon. cont. (Muralt) 1152A; Georg. mon. cont. (Istrin) 48,25-29; Konst. Porph., DAI 51,173-184. Die an und für sich sinnvolle Maßnahme Romanos’ I. wird von Konst. Porph. im DAI allein auf persönliche Motive zurückgeführt und mit entsprechender Kritik an den Protagonisten verbunden. — (2) Theoph. cont. VI 8, p. 401,3 – 402,7; Skylitzes, Romanos Lakapenos 6,2-25; Symeon log. (Leon gr. 306,6 – 307,6; Theod. mel. 216,4 – 217,2; Symeon sl. 132,14-34); Symeon log. (Wahlgren) 136,126-151; Georg. mon. cont. (Bonn) 893,4 – 894,9; Georg. mon. cont. (Muralt) 1153A-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 49,24 –50,13; Ps.-Symeon 732,16 – 733,15; 735,22 – 736,1; zur Datierung cf. Vannier, Argyroi 25 Anm. 5. — (3) Theoph. cont. VI 15, p. 406,3-5; Skylitzes, Romanos Lakapenos 12, p. 219,18-20; Symeon log. (Leon gr. 310,10-13; Theod. mel. 219,26-29; Symeon sl. 134,17-19); Symeon log. (Wahlgren) 136,227-230; Georg. mon. cont. (Bonn) 898,12-14; Georg. mon. cont. (Muralt) 1160B; Georg. mon. cont. (Istrin) 52,13-15. — (4) Theoph. cont. VI 28, p. 419,10-24; Skylitzes, Romanos Lakapenos 23, p. 225,5 – 226,11; Symeon log. (Leon gr. 320,10-20; Theod. mel. 229,9-22; Symeon sl. 139,19-26); Symeon log. (Wahlgren) 136,473-481; Georg. mon. cont. (Bonn) 910,18 – 911,10; Georg. mon. cont. (Muralt) 1176C; Georg. mon. cont. (Istrin) 58,25-38.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt; Istrin); Ps.-Symeon. — (Fs.): Konst. Porph., DAI.

L: Beck, Ministerpräsident 327. — Zu der Gesandtschaft von 929 s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 621 (929).

P: I. scheint zu Beginn der Regierungszeit des Romanos I. Lakapenos eine herausragende Rolle am Hof und in der Regierung gespielt zu haben. Problematisch ist seine Bezeichnung als Presbyteros, da sich dies nicht mit der Führung einer Armee vertrug.

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