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Ioannes

Ἰωάννης

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
22938
Namensvariante
Yuwānis (arab.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
924
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Paradynasteuon; Mystikos ; Monachos; Oikonomos; Patrikios; Anthypatos: ; mistik (mbulg.) = Mystikos; patrikie (mbulg.) = Patrikios; anḟipat (mbulg.) = Anthypatos; baṭrīqūs (arab.) = Patrikios; ansībaṭūs (arab.) = Anthypatos; Gesandter; misdiqūs (arab.) = Mystikos; mutarahhib (arab.) = Monachos
Name normalisiert
Ioannes
Ort
Hagios-Elias-Kloster tes Monokastanu = Monokastanonkloster; Monokastanonkloster; Lamos (Fluß in Kilikien); Kilikien; Damaskus; Tarsos
Quelle
Georg. mon. cont. (Bonn); Theoph. cont. 6; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Leon gr.; Theod. mel.; Skylitzes; Maqrīzī, Ḫiṭaṭ; Alexandros von Nikaia, Epp.; Niketas Magistros, Epp.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Mas‘ūdī, Tanbīh; Mas‘ūdī, Murūǧ; Symeon log.

N: Arab.: Yuwānis.

T: Mystikos und Paradynasteuon — μυστικός τε καὶ παραδυναστεύων, Patrikios und Anthypatos, später Mönch und Oikonomos. In den arabischen Quellen wird er als Anthypatos, Patrikios, Mystikos und Mönch bezeichnet — arab.: al-ansībaṭūs al-biṭrīqūs al-misdiqūs al-mutarahhib (al-Mas‘ūdi); in den Briefen des Niketas Magistros führt er die Titel Patrikios und Mystikos.

V: Er war, wohl zwischen 922 und 924, zum Paradynasteuon ernannt worden, nachdem sein Vorgänger, der Rhaiktor Ioannes (# 22937), beim Kaiser angeklagt worden war und sich zum Mönch hatte scheren lassen.

Als der bulgarische Zar Symeon (# 27467), vermutlich im Frühjahr 924, bis nach Konstantinopel vorstieß, gehörte I. zu der Delegation, die mit ihm über einen Friedensvertrag verhandeln sollte. Symeon schickte sie jedoch zurück und verlangte, mit Kaiser Romanos I. Lakapenos persönlich zu sprechen (1).

Am 19. April 924 oder 925 wurde I. von Kaiser Romanos I. mit der Würde eines Patrikios und Anthypatos geehrt, was bei einigen großen Neid hervorgerufen haben soll (2).

Im Oktober, vermutlich des Jahres 925, wurde I. bei Kaiser Romanos I. angezeigt, daß er nach der Herrschaft strebe. Geraten habe ihm dazu der Patrikios und Logothetes des Dromos Kosmas (# 24112), der sein Schwiegervater war. Romanos glaubte die Anschuldigungen zunächst nicht, da er I. sehr vertraute. Jedoch wurden sie von den Anklägern bewiesen. Als I. dies erfuhr, floh er in das Kloster Monokastanon und ließ sich zum Mönch scheren (καὶ τὴν Μονοκάστανον λεγομένην καταλαβὼν ἀποκείρεται μοναχός). Ebenso floh sein Vertrauter (οἰκεῖος) und Freund (φίλος) Konstantinos Boïlas (# 23835). Kosmas wurde seines Amtes enthoben und mit Schlägen bestraft. Zum neuen Paradynasteuon ernannte man Theophanes (# 28087) (3).

Er war mit der Titulatur Patrikios und Mystikos zwischen dem Winter 927/28 und 945 Adressat von insgesamt zwölf Briefen des Niketas Magistros (# 25740), die ihm dieser aus der Verbannung auf seinem Landsitz am Hellespont schrieb. Beide Männer waren in einer ähnlichen Situation: Sie hatten als ehemalige hohe Würdenträger und kaiserliche Vertraute – aus ihrer Sicht zu Unrecht, durch Neid, Mißgunst und Denunziation – die Gunst des Kaisers und ihre Ämter verloren und befanden sich nun in der Verbannung. Diese Gemeinsamkeit klingt in einigen Briefen an (z. B. Ep. 6,19f.). Niketas betrachtet I. jedoch nicht als abgesetzt und redet ihn deshalb mit seinem Rang- und Funktionstitel als Patrikios und Mystikos an. In einigen Briefen (Epp. 2. 5) geht es anscheinend auch darum, daß I. angeboten hatte, Niketas finanziell zu unterstützen, was dieser jedoch ablehnte. Aus zwei Briefen (Epp. 11. 12) geht eindeutig hervor, daß I. noch unter Romanos I. Lakapenos wieder in den kaiserlichen Dienst getreten war. Zwischen 938 und 940 schreibt Niketas, daß I. von einer Gesandtschaftsreise zu den Barbaren (Ep. 11,16-23; es bleibt offen, ob es sich um die Araber oder nördliche Völkerschaften handelte, cf. Westerink, Niketas 81) zurückgekehrt war, die drei Jahre gedauert hatte. Er führte nun den Titel eines Oikonomos (Ep. 12,29 und 12,40) und fungierte als Unterhändler des Kaisers (Ep. 12,29). Zu diesem Zweck hatte er auch sein Mönchsgewand abgelegt und trug wieder die Kleidung eines Würdenträgers (Ep. 12,29 und 12,42). Als solcher setzte er sich anscheinend auch für Niketas ein, denn aus einem Brief (Ep. 18, zwischen 938 und 944) geht zum einen hervor, daß er eine Leibrente (Roga) für Niketas erwirkt oder aus seinen eigenen Mitteln bereitgestellt hatte, zum anderen, daß Niketas wohl die Rehabilitierung in Aussicht gestellt worden war. I. wird auch in einem Brief (Ep. 22) des Niketas Magistros an den Protasekretis Konstantinos Kombos (# 23840) aus dem Jahre 945 erwähnt, aus dem hervorgeht, daß er sich einst erfolgreich für Konstantinos verwendet hatte, als dieser schwerer Verbrechen beschuldigt worden war. Wohl noch im Jahre 946 plante I. einen Besuch bei Niketas, der aber möglicherweise nicht mehr zustandekam (Epp. 26 und 27).

Auch nach dem Herrschaftsantritt Konstantinos’ VII. im Januar 945 wurde I. mit kaiserlichen Aufträgen betraut. Laut Mas‘ūdī leitete im Sommer 946 ein Yuwānis, bezeichnet als Anthypatos und Patrikios, Mystikos und Mönch, eine byzantinische Gegengesandtschaft an den Emir Ägyptens und der syrischen Grenzgebiete, Muḥammad b. Ṭuġǧ al-Iḫšīd (# 25443), in Damaskus, um über die Einzelheiten eines Gefangenenaustauschs zu verhandeln. Zuvor war eine arabische Gesandtschaft unter der Leitung des Abū ‘Umayr ‘Adī b. Aḥmad b. ‘Abdalbāqī al-Adanī (# 20086) nach Konstantinopel gekommen, um im Namen des Muḥammad b. Ṭuġǧ al-Iḫšīd ein Abkommen über einen Waffenstillstand und die Durchführung eines Gefangenenaustauschs vorzuschlagen. Bei dem byzantinischen Gegengesandten dürfte es sich, wie O. Kresten vermutet, um I. handeln und nicht um den bei Theoph. cont. in diesem Zusammenhang erwähnten Ioannes Kurkuas (# 22917). Während des Aufenthalts der Gesandtschaft in Damaskus starb Muḥammad al-Iḫšīd (am 11. Juli 946). So war zunächst unklar, ob sein Nachfolger, Kāfūr al-Iḫšīdī (# 23596), an den Vereinbarungen festhalten würde. Kāfūr kehrte zunächst von Damaskus nach Ägypten zurück und wurde von I. und ‘Abdalbāqī bis nach Palästina begleitet, wo er ihnen 30.000 dīnār für den Gefangenenaustausch aushändigte. Von dort aus kehrten die beiden Gesandten auf dem Seeweg über Tarsos nach Konstantinopel zurück. Unterdessen war in Konstantinopel eine Gesandtschaft des Ḥamdāniden Sayfaddawla unter der Leitung des Delemikes (# 21448) eingetroffen. Diese sollte den Machtwechsel im syrischen Grenzgebiet und die Übernahme der Herrschaft durch Sayfaddawla mitteilen, der seinerseits eine Summe von 80.000 Dinar für den Gefangenenaustasch aufbrachte. Der Gefangenenaustausch fand dann zwischen dem 30. September und dem 29. Oktober 946 am Fluß Lamos in Kilikien statt. Neben I. war auf byzantinischer Seite der Magistros Kosmas (# 24110) verantwortlich. Mas‘ūdī hebt bei dieser Gelegenheit die außerordentliche Gelehrsamkeit des I. hervor: “Er hatte Einsicht und Wissen über die Berichte von den Herrschern der Griechen und der Rhomäer und von den Philosophen, die ihre Zeitgenossen waren, und er hatte einen Überblick über ihre Lehren.” (4)

Für den wiedergewonnenen Einfluß des I. am Kaiserhof dürfte auch ein Bittbrief sprechen, den wohl im Jahre 945 (cf. Pratsch, Alexandros 253–257) Alexandros (# 20231), der Metropolites von Nikaia, an den Patrikios, Mystikos und Oikonomos I. schrieb. Alexandros schrieb aus dem Exil im Monobatakloster am Kimmerischen Bosporos (Krim) (cf. Ep. 3) und bat I. in dem Brief, sich beim Kaiser (Konstantinos VII. Porphyrogennetos) für seine Freilassung einzusetzen. Der Inhalt des Briefes legt nahe, daß es sich bei I. um einen kaiserlichen Würdenträger mit großer Kaisernähe (Mystikos) handelte, der auch den Oikonomos-Titel führte (5).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 15, p. 406,2f.; Skylitzes, Romanos Lakapenos 12, p. 219,17f.; Symeon log. (Leon gr. 310,9f.; Theod. mel. 219,25f.; Symeon sl. 134,16f.); Symeon log. (Wahlgren) 136,226f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 898,9-12. 14-16; Georg. mon. cont. (Muralt) 1160A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 52,11-18; Ps.-Symeon 735,18 – 736,2. — (2) Theoph. cont. VI 18, p. 410,4-7; Skylitzes, Romanos Lakapenos 13, p. 221,76f.; Symeon log. (Leon gr. 314,10-12; Theod. mel. 223,1-4; Symeon sl. 136,4f.); Symeon log. (Wahlgren) 136,309-311; Georg. mon. cont. (Bonn) 902,13-16; Georg. mon. cont. (Muralt) 1165A; Georg. mon. cont. (Istrin) 54,16-18. — (3) Theoph. cont. VI 19, p. 410,13 – 411,3; Skylitzes, Romanos Lakapenos 14, p. 221,81-92; Symeon log. (Leon gr. 314,17 – 315,6; Theod. mel. 223,10-21; Symeon sl. 136,10-19); Symeon log. (Wahlgren) 136,317-328; Georg. mon. cont. (Bonn) 903,1-19; Georg. mon. cont. (Muralt) 1165A-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 54,22-33; Ps.-Symeon 739,17-19. — (4) Theoph. cont. VI 9, p. 443,1-12 (nennt fälschlich Ioannes Kurkuas als Gesandten); Mas‘ūdī, Murūǧ XXIX: II 318,4-7; Mas‘ūdī, Tanbīh 194,4 – 195,5; deutsche Übers. mit Kommentar bei Kresten, Staatsempfänge 21–24; der hier zitierte Satz: ibidem 23; Maqrīzī, Ḫiṭaṭ II 192,27-32; zu den Verhandlungen s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 653. 653b (Beihammer) (Juni bis Oktober 946); zu der Identifzierung des bei Mas‘ūdī genannten I. cf. Kresten, Staatsempfänge 25–30. I. hatte wohl nicht mehr über den Austausch als solchen zu verhandeln, da dieser bereits in Konstantinopel beschlossen worden sein muß. Es ging offenbar nur noch um die förmliche Bestätigung und vielleicht um die konkreten Einzelheiten des Austauschs; zu dem Aufenthalt der arabischen Gesandten in Konstantinopel s. unter Abū ‘Umayr ‘Adī b. Aḥmad b. ‘Abdalbāqī al-Adanī (# 20086) sowie unter # 30370. — (5) Alexandros von Niakaia, Ep. 2; cf. Darrouzès, in: Épistoliers byzantins 71f.; zu dem Oikonomostitel cf. ODB III 1517 s. v. “Oikonomos”.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt; Istrin); Skylitzes; Ps.-Symeon. — (Ep.): Alexandros von Nikaia, Ep. 2; Niketas Magistros, Epp. 2. 4. 5. 6. 11. 12. 13. 14. 18. 20. 21. 22. 26. 27. — (arab.): Mas‘ūdī, Tanbīh; Mas‘ūdī, Murūǧ; Maqrīzī, Ḫiṭaṭ.

L: Canard, Hamdanides 758–760; Beck, Ministerpräsident 327; Canard, in: DOP 18 (1964) 40; Vasiliev, Arabes II 2, p. 314f.; Darrouzès, in: Épistoliers byzantins 71f.; Westerink, Niketas 34–36. 136; Toynbee, Constantine 389. 499; Kennedy, Byzantine-Arab diplomacy 138f.; Campagnolo-Pothitou, Échanges 19. 45, Anm. 235; Kresten, Staatsempfänge 25–29; Zuckerman, in: TM 13 (2000) 647. 670f. Anm. 78; Dölger–Müller, Regesten Nr. 653 (Beihammer); Pratsch, Alexandros 253 Anm. 56.

P: Anläßlich der Ernennung des I. zum Patrikios und Anthypatos sprechen die Chroniken ausdrücklich von dem großen Neid, den diese Ernennung erzeugt habe, was in gewisser Weise eine spätere Intrige unterstellt, die zur Absetzung führte. Andererseits wird dann aber ausdrücklich festgestellt, daß die Anklage bewiesen worden sei.

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