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Iohannes X.

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
23477
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
915
ethnos
Lateiner
Religion
Lateiner
Titel / Beruf
Papst
Name normalisiert
Iohannes
Ort
Ravenna (Italien); Rom; Garigliano (Italien); Italien: Garigliano, Ravenna, Rom
Quelle
Nikolaos Mystikos, Epp.; Leo Ostiensis

T: Papst (914–928).

V: I. amtierte von 915 bis 928, nachdem er zuvor seit 905 Erzbischof von Ravenna gewesen war. Er war ein Anhänger Berengars I. (# 21146), den er 915 zum Kaiser krönte. Wahrscheinlich ebenfalls 915 trat I. einem Bündnis verschiedener unteritalienischer Fürsten bei, die sich gegen die Araber am Garigliano (bei Gaeta) zusammengeschlossen hatten. Die päpstliche Gesandtschaft wurde von dem römischen Konsul Theophylactus (# 28173) geleitet, der zu dieser Zeit die römische Politik dominierte. An diesem Bündnis war auch der byzantinische Strategos Nikolaos Picingli (# 25945) beteiligt. Wahrscheinlich im August 915 besiegten die Verbündeten die Araber und vertrieben sie von ihrem Stützpunkt.

Er war Adressat einiger Briefe des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885). Der erste Brief (Ep. 56) ist datiert kurz nach dem 9. Juli 920, der offiziellen Proklamation der Einheit der Kirche in Konstantinopel. Nikolaos schrieb, daß es bis zu diesem Zeitpunkt, im neunten Jahr nach seiner Wiedereinsetzung als Patriarch, immer noch keine Reaktion aus Rom bezüglich der Anfrage gab, die er bereits mehrmals durch verschiedene Personen hatte an Rom richten lassen: Rom sollte Gesandte schicken, damit auch die Kirchenunion mit Rom nach dem Streit um die vierte Ehe Kaiser Leons VI. wiederhergestellt werden könnte. Nun sei die Kirche in Konstantinopel wieder zur Einheit gelangt, und Rom möge sich dem doch anschließen und diese vierte Ehe für unzulässig erklären und versichern, daß niemals wieder eine vierte Ehe geschlossen werden würde. Ep. 53 wiederholte und präzisierte dieses Anliegen und ist in den Zeitraum Februar 921 bis Januar 922 datiert. Nikolaos selbst datierte das Schreiben, wenn er etwa schrieb: im 15. Jahr nach dem Eklat (der Absetzung von Nikolaos). In diesem Brief legte Nikolaos den Tetragamiestreit nicht noch einmal aus seiner Sicht dar, sondern betonte, daß der eigentliche Streit nunmehr beigelegt sei. Da es vorher einen regelmäßigen Austausch durch Gesandte gegeben habe, der durch den Streit unterbrochen worden sei, sende Nikolaos nun die Neuigkeiten, um die Tradition wieder aufzunehmen. Außerdem solle der Name des Papstes wieder neben dem des Patriarchen in den heiligen Diptychen genannt werden. Damit das jedoch geschehen könne, bedürfe es noch des Eingeständnisses, daß die Genehmigung der vierten Ehe Kaiser Leons VI. ein Fehler war. Obwohl ihm bekannt sei, daß I. sich dessen natürlich bewußt sei, weise er doch noch einmal darauf hin, daß es immer zur Nachahmung verleite, wenn eine einmal geübte Praxis nicht ausdrücklich als falsch und unangemessen verurteilt worden sei. Nikolaos schickte mit diesem Brief seinen Gesandten Eulogios (# 21781) gemeinsam mit Basileios (# 20924), der einen Brief des Kaisers überbrachte. Die Gesandten sollten den Inhalt der Briefe vor oder während der Übergabe auch mündlich bekanntmachen. Ein weiterer Versuch, I. zu der gewünschten Reaktion zu bewegen, ist Ep. 77. Nikolaos schrieb, daß er schon in mehreren Briefen sowohl an I. selbst, als auch an dessen Vorgänger seine Situation dargelegt habe. Deshalb erwähne er jetzt nur folgendes: Er habe vor diesem Brief an ihn geschrieben durch den Kleriker Adeodatus (# 20114) und Petros (# 26467), einen gebürtigen Römer, der seit seiner Wiedereinsetzung als Patriarch sein vertrauter Mann sei, um I. mit den für die endgültige Beilegung des Streites notwendigen Informationen zu versehen. Er habe auch an den Protospatharios Gaidon (# 22056) geschrieben, der von den Kaisern den Auftrag hatte, Geschenke zu bringen und mit päpstlichen Gesandten aus Rom zurückzukehren, damit in gemeinsamen Gesprächen auch mit dem Patriarchen die Unstimmigkeiten beseitigt werden könnten. Sollten diese vorangegangenen Briefe und Boten I. nicht erreicht haben, so sei der Überbringer dieses Briefes in der Lage, alles Notwendige zu erklären. Dann sollten Gesandte des Papstes mit diesem Boten nach Konstantinopel zurückkehren, damit die nötigen Erneuerungen vorgenommen und die Kirchenunion wiederhergestellt werden könne. Dieser Brief stammt aus der Zeit zwischen Februar 921 und Mai 923.

Ein Brief (Ep. 28) des Patriarchen an den Bulgarenzaren Symeon (# 27467) gibt sich den Anschein, als sei er teilweise quasi im Auftrag des Papstes verfaßt: I. hatte seinen ersten Episkopos Theophylactus (# 28174) und den Episkopos Carus (# 21224) als Gesandte mit einem Brief erst nach Konstantinopel und von dort weiter zu Symeon geschickt. In dem Brief wurde Symeon die Exkommunikation angedroht, wenn er sich nicht zum Friedensschluß bereit finde. Nikolaos Mystikos schrieb weiter, daß er zwar den Brief nach Bulgarien zu Symeon weiterleite, die Gesandten aber in Konstantinopel bleiben müßten, da Symeon die Gewohnheit habe, Gesandte gefangenzunehmen, und er folglich um die Sicherheit oder sogar das Leben der Gesandten besorgt sei. Nikolaos zeigte außerdem ausdrücklich an, daß die Gesandten gemeinsam mit ihm den Skandal um die vierte Ehe Kaiser Leons VI. verurteilt hätten, alle noch offenen Fragen befriedigend geklärt seien und man hinterher gemeinsam die Eucharistie gefeiert habe. Der Brief ist in die Zeit zwischen Juni 922 und Juni 923 datiert.

Q: — (Ep.): Nikolaos Mystikos, Ep. 28,5-41. 52-55; Ep. 53; Ep. 56; Ep. 77. — (lat.): Leo Ostiensis I 52, p. 134.

L: ODB II 1054; LdMA V (1991) 540f.; SSS VIII (1991) 239f.; KME II (1995) 163f. (Lit.). — Pochettino, Langobardi 293–295; Jenkins–Westerink 539. 549–551. 558; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 730. 735; Hiestand, Regnum Italicum 130–136 (zur Situation in Italien); Papsturkunden (Zimmermann) Nr. 40, p. 68f.; Böhmer–Zielinski, Regesten 2, Nr. 1293 (vor allem zur Chronologie des Sieges am Garigliano).

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