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Ioseph Bringas

Ἰωσήφ

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
23529
Namensvariante
Bringas (Bei- oder Familienname); Briggas (griech.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Eunuch
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
959
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Patrikios; Praipostios; Sakellarios; Drungarios ploïmu; Paradynasteuon; protos synkellos; Parakoimomenos; Bas. Protospatharios; Bas. Sakellarios
Name normalisiert
Ioseph
Ort
Kreta; Paphlagonien; Asekretiskloster (Nikomedeia oder pythia in Bithynien); Kloster: Asekretis (bei Nikomedeia oder Pythia); Nikomedeia (Bithynien): Asekretiskloster; Hagia sophia (Kpl.); Kpl.: Hagia Sophia; Mitylene (Insel); Methymne (Mitylene); Pythia (Bithynien)
Quelle
Theoph. cont. 6; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Skylitzes; Zonaras; Leon Diakonos, Historia; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Kleinchroniken; Konst. Porph., De cerim.

N: Beiname: Bringas — Βρίγγας.

T: Patrikios und Praipositos, basilikos Protospatharios (Siegel), dann Sakellarios bzw. basilikos Sakellarios (Siegel) und schließlich Drungarios tu ploïmu — πατρίκιος καὶ πραιπόσιτος ..., σακελλάριος, ἔπειτα δρουγγάριος πλωΐμου. Nach dem Herrschaftsantritt Romanos’ II. wurde er Paradynasteuon, Protos des Senats und wenig später Parakoimomenos — ἐξελέξατο δὲ καὶ προέκρινεν παραδυναστεύοντας καὶ πρώτους τοὺς τῆς συγκλήτου Ἰωσὴφ πατρίκιον πραιπόσιτον καὶ δρουγγάριον τῶν πλωΐμων, ὅντινα καὶ μετὰ βραχὺ παρακοιμώμενον προανεβίβασεν (Theoph. cont. VI 1, p. 469,17-20).

V: Der Eunuch I. war zunächst (noch unter Romanos I. Lakapenos?) Patrikios und Praipositos. Angeblich stammte er aus Paphlagonien (1). Von Konstantinos VII. wurde er zum Sakellarios erhoben und später zum Admiral der Flotte ernannt. Theoph. cont. bezeichnet ihn als ebenso fromm und ehrliebend wie den Kaiser sowie als einen Experten in der Verwaltung und als “schneller als ein Vogel”. Konstantinos habe die ganze Amtsgewalt auf ihn übertragen (2).

Diese Aussage wird wenig später noch einmal präzisiert, als Theoph. cont. anläßlich des Todes Konstantinos’ VII. berichtet, daß dieser seinen Sohn Romanos zum Nachfolger ernannt und I. zum Leiter der Staatsgeschäfte bestimmt habe. Bei dieser Gelegenheit wird I. von dem Chronisten in höchsten Tönen gepriesen. Er sei klug, treu und in seinen öffentlichen Entscheidungen schneller als ein Adler gewesen, außerdem integer, fromm und gerecht, so daß man keinen finden könne, der ihm darin gleichkomme (3).

Unter Romanos II. wurde I. schon nach kurzer Zeit zum Paradynasteuon und Protos des Senats ernannt, wenig später zum Parakoimomenos. Ob Basileios Lakapenos (# 20925) in diesem Zusammenhang abgesetzt wurde, geht aus Theoph. cont. nicht hervor, es dürfte jedoch wahrscheinlich sein. Skylitzes benutzt die Gelegenheit dieser Ernennung dazu, I.s Charakter in den düstersten Farben zu schildern: Ihm sei es nur darum gegangen, mit ruchlosen und gottlosen Genossen – Mimen, Spaßmachern und Wüstlingen – den Tag zu verbringen. Als Beispiel für diese Haltung berichtet Skylitzes, daß I. den Mönch Ioannes (# 23089) aus dem Kloster zurückgeholt und zu einem seiner Bediensteten (θαλαμηπόλοι, in diesem Zusammenhang sind wohl eher “Bettgefährten” gemeint) gemacht habe. Trotz der Proteste des Patriarchen Polyeuktos (# 26715) habe er diesen Ioannes bei sich behalten. Erst nach dem Tod Romanos’ II. – also nach dem Sturz des I. – sei Ioannes ins Kloster zurückgekehrt, freilich ohne seine schlechte Gesinnung zu ändern (4).

Laut Theoph. cont. setzte I. sich sehr stark für die Rückeroberung Kretas ein, die 960/61 durch den Domestikos der Scholen Nikephoros (II.) Phokas bewerkstelligt wurde. Theoph. cont. gibt sogar eine – sicher fiktive – Rede wieder, in der I. angebliche Vorhersagen, daß der Eroberer Kretas später die kaiserliche Herrschaft erhalten werde, zurückweist (5).

Als im Winter 960/61 in Konstantinopel eine Hungersnot ausbrach, sorgte I. für die Einfuhr von Getreide aus den Reichsprovinzen und drückte so den hohen Getreidepreis, wofür er von Theoph. cont. ausdrücklich gelobt wird: τοιοῦτος γὰρ ἦν ὁ ἀνήρ, σπουδαῖος καὶ θερμός, ὡς ἄλλον τῶν πρὸ αὐτοῦ ἢ μετ᾿ αὐτοῦ μὴ ἐξισωθῆναι (6). Er sorgte auch dafür, daß die Truppen auf Kreta, die infolge des langen Aufenthalts dort Not litten, mit Lebensmitteln versorgt wurden (7).

Die Mitteilung des Skylitzes, nach der Nikephoros Phokas noch länger auf Kreta habe bleiben wollen, aber auf Ratschlag des I. zurückgerufen worden sei, um wieder gegen die arabischen Feinde in Kleinasien zu kämpfen, wird von anderen Quellen nicht bestätigt. Ebenso widerspricht die Nachricht, daß Nikephoros Phokas nach der Eroberung Kretas die Rückkehr nach Konstantinopel und damit der Triumphzug dort verweigert worden sei, anderen Quellen und dürfte nicht glaubhaft sein, sondern mit der gegenüber I. feindlichen Tendenz des Skylitzes zusammenhängen (8).

Wohl 961 (zweites Jahr Romanos’ II.) schlug I. die Verschwörung des Basileios Peteinos (# 20934) nieder und bestrafte die Verschwörer. Während Basileios auf Proikonnesos in der Verbannung in geistiger Umnachtung starb, wurden die anderen Teilnehmer von Romanos II. begnadigt und konnten nach Konstantinopel zurückkehren (9).

Nach dem Tod des Kaisers wurde durch den Patriarchen Polyeuktos (# 26715) und den Senat die Herrschaft von dessen Söhnen Basileios II. und Konstantinos VIII. zusammen mit ihrer Mutter Theophano (# 28125) anerkannt, was wohl heißt, daß die beiden Kindkaiser unter der Regentschaft ihrer Mutter standen. Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 23,1-4 präzisiert noch genauer, daß ihnen akklamiert wurde: εὐφημούμενοι ἥ τε Θεοφανὼ αὐγοῦστα καὶ τὰ δύο τέκνα, Βασίλειος καὶ Κωνσταντῖνος. Allerdings blieb I. der starke Mann am Hofe, der die Regierung lenkte (10). Gegen ihn wandte sich vor allem der Domestikos der Scholen, Nikephoros Phokas, der auf Wunsch des Senats und des Patriarchen Polyeuktos gegen den Willen I.s in seinem Amt bestätigt worden sein soll. Die Chroniken, die über diesen Machtkampf berichten, stehen I. durchgehend feindselig gegenüber und ergreifen die Partei seines Kontrahenten Nikephoros II. Phokas, so daß die Handlungen des I. nicht mit letzter Sicherheit rekonstruiert werden können. Eine Ausnahme bildet Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 23,3f., der betont, daß I. den Staat gerecht verwaltet habe: τοῦ παραδυναστεύοντος Ἰωσὴφ παρακοιμωμένου τοῦ τὸ ὑπήκοον ἐν δικαιοσύνῃ διέποντος. Noch eindeutiger wird er 23,16f., als er – unmittelbar vor der Usurpation des Nikephoros Phokas – davon spricht, daß I. die öffentlichen Angelegenheiten einträchtig geleitet habe: Ὁ δὲ παρακοιμώμενος Ἰωσὴφ τῇ ἐντρεχείᾳ καὶ συνέσει αὐτοῦ διῴκει τὰ τοῦ κοινοῦ. Hier liegt die Schuld für den Aufstand zweifelsfrei bei Nikephoros Phokas und nicht bei I.

Die Situation in Konstantinopel nach dem Tod Romanos’ II. war offenbar so instabil, daß I. Verschwörungen nicht nur von Nikephoros Phokas fürchtete. So berichtet Skylitzes, daß I. die Haftbedingungen des Stephanos Lakapenos (# 27251) verschärfte, der seit 19 Jahren in Methymne auf Lesbos gefangengehalten wurde. Stephanos starb am Ostersamstag (18. April) 963, laut Skylitzes vergiftet auf Anordnung der Augusta Theophano (11).

Offenbar zirkulierten in Konstantinopel zu dieser Zeit diverse Gerüchte. So soll z. B. Nikephoros Phokas mit einem Diener (# 31445) heimlich I. aufgesucht und ihn davon überzeugt haben, daß er keinerlei politischen Ehrgeiz habe, sondern eigentlich Mönch werden wolle und sich nur um der Kaiser willen den Angelegenheiten des Reiches widme. Wenn alles geordnet sei, werde er sich zurückziehen. I. soll das geglaubt haben und auf diese Weise ausgespielt worden sein (12).

Leon Diakonos berichtet, daß I. die wachsende Macht des Nikephoros fürchtete, der in Kappadokien ein Heer für den Krieg gegen die Araber zusammenzog. Er wandte sich daher an Marianos Argyros (# 24962) um Hilfe, der ihn aber an Ioannes Tzimiskes verwies. I. entfernte daraufhin alle Verwandten und Anhänger des Nikephoros Phokas, deren er habhaft werden konnte, aus ihren Ämtern und verbannte sie. Daraufhin schrieb er an Ioannes Tzimiskes, bot ihm den Oberbefehl über die Armee und später den Kaisertitel an, wenn er ihm gegen Nikephoros helfe. Tzimiskes setzte jedoch Nikephoros Phokas von dem Schreiben des I. in Kenntnis, so daß die offene Auseinandersetzung unvermeidlich wurde. Nikephoros wurde im kappadokischen Kaisareia zum Kaiser ausgerufen und rückte gegen Konstantinopel vor. I. suchte seinerseits Hilfe bei Marianos Argyros, Paschalios (# 26280) sowie Leon (# 24424) und Nikolaos Tornikios (# 25961). Marianos scheint im Juli/August 963 das Garderegiment der Makedonen aufgeboten und außerdem einige Kriegsgefangene bewaffnet zu haben, um mit ihnen für I. Konstantinopel unter Kontrolle zu halten. Zudem fand I., wie wir aus dem Zeremonienbuch wissen, das durch eine kurze Andeutung des Skylitzes bestätigt wird, die Unterstützung der Zunft der Bäcker in Konstantinopel, die das Brotbacken einstellen sollten, um auf diese Weise die Parteinahme der Bevölkerung für Nikephoros Phokas zu brechen. Jedoch wurden die Unruhen in der Hauptstadt immer stärker. In ihnen kam auch Marianos Argyros ums Leben. Schließlich wandte sich auch Basileios Lakapenos mit seinen Anhängern und Bediensteten, die angeblich mehr als 3.000 Mann zählten, gegen I. Als die Menge auch noch Besitz und Häuser des I. und seiner Anhänger angriff und angeblich bis auf den Grund zerstörte, blieb diesem nichts anderes übrig, als in der Hagia Sophia um Asyl zu bitten. Nikephoros Phokas verbannte I. nach Paphlagonien und darauf in das Asekretiskloster bei Nikomedeia (laut Skylitzes: bei Pythia, in der Nähe von Pylai), wo er in der zweiten Jahreshälfte 965 gestorben ist (13).

Anmerkungen: — (1) Leon Diakonos, Historia III 3, p. 40,3f.; die Nachricht könnte allerdings auch eine Verleumdung sein. — (2) Theoph. cont. VI 12, p. 445,6-10: ὁ δὲ φιλόθεος καὶ φιλόκαλος βασιλεὺς Κωνσταντῖνος ὁμοιότροπον εὑρὼν Ἰωσὴφ πατρίκιον καὶ πραιπόσιτον, καὶ πρὸς τὰς πολιτικὰς λειτουργίας ἐχέφρονα καὶ πτηνοῦ ταχύτερον, σακελλάριον προχειρίζεται, ἔπειτα δρουγγάριον πλωΐμου, καὶ πᾶσαν τὴν ἐξουσίαν αὐτοῦ πρὸς αὐτὸν ἀνατέθεικεν. Ähnlich auch Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 4,7-9. — (3) Theoph. cont. VI 51, p. 466,11-18: ἐπεὶ δὲ τὰ τελευταῖα πνέων ὡρᾶτο ὁ πορφυρογέννητος Κωνσταντῖνος, Ῥωμανὸν τὸν υἱὸν αὐτοκράτορα βασιλέα ἐποίησεν, παραδοὺς καὶ ὁρκώσας Ἰωσὴφ πατρίκιον καὶ πραιπόσιτον τοῦ διαφυλάξαι αὐτὸν τῇ αὐτοῦ ἐντρεχείᾳ καὶ πυκνώσει· καὶ γὰρ τοιοῦτος ἦν ὁ ἀνήρ, πυκνὸς καὶ ὀρθὸς καὶ πιστὸς καὶ πρὸς τὰ πολιτικὰ διοικήματα ἀετοῦ ταχύτερος, εἰς δὲ τὸ ἀπροσωπόληπτον καὶ εὐσεβὴς καὶ δίκαιος, ὡς τοιοῦτον ἕτερον μὴ γνωρίζεσθαι. Auffällig ist hier, daß I. weiter als Patrikios und Praipositos bezeichnet wird und nicht als Sakellarios und Drungarios der Flotte. Entweder hatte er diese Ämter in der Zwischenzeit wieder verloren oder aber das Amt des Praipositos behalten, das dem Chronisten offenbar wichtiger war; ähnlich wie Theoph. cont., aber kürzer: Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 14,33-35; eine weitere Bestätigung für das Amt des Praipositos ist Konst. Porph., De Cerim II 56, p. 807,12-14 (Reiske); cf. Featherstone, Further Remarks 116. — (4) Theoph. cont. VI 1, p. 469,17 – 470,1; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 15,7-11; Ps.-Symeon 757,8-11; Georg. mon. cont. (Muralt) 1196C–1197A; Skylitzes, Romanos neos 3, p. 248,5 – 249,23; zur Stellung des I. s. auch Zonaras XVI 23, p. 490,16-18. — (5) Theoph. cont. VI 8, p. 474,10-14; 9, p. 475,1-14; verkürzt: Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 18,15-20; Zonaras XVI 23, p. 491,8-12, leitet aus dieser Prophezeiung den (falschen) Schluß ab, daß Kreta noch nicht völlig erobert und die dortigen Sarazenen noch nicht völlig vertrieben worden seien. — (6) Theoph. cont. VI 13, p. 479,1-11. — (7) Theoph. cont. VI 16, p. 480,18-21; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 19,9-11. — (8) Skylitzes, Romanos neos 4, p. 250,43-47; 10, p. 252,19-24; Skylitzes, Basileios und Konstantinos 3, p. 254,47 – 255,65, läßt Nikephoros Phokas dafür nach dem Tod des Romanos einen Triumphzug halten, in dem er die Beute aus Kreta und Syrien zusammen präsentiert habe, darunter angeblich auch einen Teil des Mantels Johannes’ des Täufers. Diesen Triumphzug habe die Kaiserin Theophano (# 28125) gegen den Willen des I. durchgesetzt. Dessen Widerstand wiederum habe Nikephoros überwinden können, indem er ihn persönlich aufsuchte und davon überzeugte, daß er keinen weltlichen Ehrgeiz habe, sondern baldmöglichst in ein Kloster eintreten wolle. Nur die Lage des Reiches mit den beiden Kindkaisern verzögere dies. Angeblich soll I. dies geglaubt haben. — (9) Skylitzes, Romanos neos 5, p. 250,62 – 251,78. — (10) Konst. Porph., De cerim. I 96, p. 433,19f. (Reiske); Skylitzes, Basileios 11, p. 328,63-68, berichtet, daß der bulgarische Prinz Romanos (# 26847) zur Zeit des Parakoimomenos I. zusammen mit seinem Bruder Boris als Geisel nach Konstantinopel gekommen sei. Dort sei er auf Befehl des I. kastriert worden. Trotz der expliziten Nennung des I. dürfte die Kastration allerdings wohl erst ca. 971 erfolgt sein; Näheres s. unter Romanos. — (11) Skylitzes, Basileios und Konstantinos 4, p. 255,66-72; Zonaras XVI 23, p. 495,2-6. — (12) Skylitzes, Basileios und Konstantinos 3, p. 254,53f.; Zonaras XVI 23, p. 494,6 – 495,2. — (13) Leon Diakonos, Historia II 10, p. 31,13 – III 7, p. 47,19; verkürzt: Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 23,1-25. Skylitzes, Basileios und Konstantinos 7, p. 257,11 – 258,54; idem, Nikephoros 1, p. 260,68-71; Zonaras XVI 23–24, p. 495,14 – 499,2; mit zusätzlichen Einzelheiten: Konst. Porph., De cerim. I 96, p. 433,19 – 437,14 (Reiske); cf. hierzu auch Kresten, in: BZ 93 (2000) 485; idem, in: JÖB 55 (2005) 87–98.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Ps.-Symeon; Leon Diakonos, Historia; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Skylitzes, Georg. mon. cont. (Muralt); Zonaras; Kleinchroniken I 16,4, p. 164 (fälschlich: Θεοφάνους). — (Fs.): Konst. Porph., De cerim. — (Sg.): Jordanov, Josif Bringa 1f. = idem, in: SBS 9 (2006) 66f. = idem, Corpus III 876f. (zwei Siegel von demselben Bulloterion, davon das erste auch = Jordanov–Zhekova 243): Ἰωσὴφ πατρικίῳ, πραιποσίτῳ, βασιλικῷ πρωτοσπαθαρίῳ καὶ βασιλικῷ σακελλαρίῳ.

L: ODB I 325f.; Savvides V 191–193. — Beck, Ministerpräsident 328; Brokkaar, Basil Lacapenus passim; Đurić, in: ZRVI 17 (1976) 256–258; Markopoulos, in: Symmeikta 3 (1979) 109; idem, Joseph Bringas passim; Kresten, in: BZ 93 (2000) 474–489; idem, in: JÖB 55 (2005) 87–98 (beides v. a. zu Konst. Porph., De Cerim I 96); Tougher, Eunuch 152 (Nr. 111); Jordanov.

P: Die Aussage, daß I. bereits unter Konstantin VII. quasi Regierungschef geworden sei, kollidiert mit der Feststellung, daß Konstantin VII. den Basileios Lakapenos zu höchsten Würden erhoben habe. In der Forschung wird allgemein die Auffassung vertreten, daß Romanos II. den Basileios Lakapenos durch I. ersetzt hat. Folgt man Theoph. cont., so müßte dies aber schon unter Konstantin VII. der Fall gewesen sein. Laut Markopoulos entfremdeten sich Basileios Lakapenos und Konstantin VII., was dazu geführt habe, daß Basileios Lakapenos 958 eine Aufgabe (Feldzug gegen die Araber) außerhalb der Hauptstadt zugewiesen wurde. Demzufolge wäre I. schon damals an die Spitze gekommen. Für den Aufstieg unter Romanos II. wiederum spricht die allgemeine Mitteilung, daß Romanos II. die Leute seines Vaters ausgewechselt und durch eigene ersetzt haben soll. — Die zum Teil heftige Kritik an I.s Person und Charakter in einigen Quellen dürfte auf eine entsprechende Propaganda der Partei des Nikephoros Phokas zurückgehen. Von diesen Quellen sind dann wiederum Skylitzes und über diesen Zonaras abhängig. Hier ist auch Konst. Porph., De Cerim, einzuordnen, wo der Konflikt zwischen I. und Nikephoros Phokas im Rahmen des Berichts über die Krönung des Nikephoros dargestellt wird. Dieser Bericht ist allem Anschein nach während dessen Regierungszeit geschrieben worden. Ob er auch in dieser Zeit in De Cerim. eingefügt worden ist, läßt sich nicht sagen. Auf der anderen Seite könnte die positive Charakterisierung des I. auch auf die Übernahme von gegen Nikephoros feindlich eingestellten Vorlagen zurückgehen.

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