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Leon Choirosphaktes

Λέων

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24343
Namensvariante
Choirosphaktes (Bei- oder Familienname bzw. Schimpfname); Choirosphageus (Beiname); Sphageus Choiron (Schimpfname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
894
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Gesandter = Presbeutes (griech.) = rasūl (arab.); Mystikos; Magistros; Anthypatos; Patrikios; Autor; epi tu kanikleiu; Monachos; Dichter; Epistolograph; Apokrisiarios (Gesandter); Presbeutes (Gesandter); Mesites (Gesandter, Diplomat); Rhetor (Redner, Gesandter); Richter; Krites (Richter) ?; Jurist ? ; Redaktor von Gesetzen ?; Bas. Spatharokandidatos; rasul: rasūl (arab.) = Gesandter; epi tu chrysotriklinu; Protasekretis; epi tu mystiku
Name normalisiert
Leon
Ort
Bulgarien; Mudagra (Bulgarien); Silistria (Bulgarien); Studioskloster (Kpl.); Kpl.: Studioskloster; Kpl.: Hagia Sophia; Hagia Sophia (Kpl.); Mundagra = Mudagra (Bulgarien); Bagdad; Psamathiakloster (Kpl.); Kpl.: Psamathiakloster ; Petra (Festung, nicht lokalisiert)
Quelle
Theoph. cont. 6; Skylitzes; Georg. mon. cont. (Bonn); Vita Euthymii (BHG 651); Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Zonaras; Ps.-Symeon; Leon Magistros, De thermis; Arethas, Scripta minora; Leon Magistros, Epp.; Matranga, Anecdota Graeca; Leon Magistros, Chil. Theologia; Leon Magistros, Gedichte; Ṭabarī; Mioni, in: Byz 19 (1949) ; Schlumberger, Sceaux; Gallavotti, in: RSBN 24; ‘Aẓīmī; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Ibn al-Aṯīr; Ibn Šaddād; Symeon log.

Kombinationsartikel: Leon (# 4527).

N: Beiname: Choirosphaktes (“Schweineschlächter”) — Χοιροσφάκτης. Dieser Beiname taucht in L.s eigener Korrespondenz oder in den Überschriften seiner Werke nicht auf, nur in Zeugnissen Dritter, genauer: bei den Historikern, in der Invektive des Arethas (# 20554) gegen ihn und – in leicht veränderter Form, als Choirosphageus – in der Vita Euthymii (BHG 651): Λέων ὁ Χοιροσφαγεύς (XIII, p. 87,6f. [Karlin-Hayter]), Λέων, ὁ κατ᾿ ἐπίκλην Χοιροσφαγεύς (ibidem XV, p. 101,9f.). Cf. die Umschreibung in dem Schmähgedicht des Konstantinos Rhodios (# 23819) auf L.: μακελλεὺς καὶ σφαγεὺς χοίρων. Andere Träger des Namens sind ca. 836/37 ein Mann mit dem Beinamen Choirosphaktes (# 1073) in Thessalonike und später im 10. und im 11. Jh. verschiedene Mitglieder einer Familie Choirosphaktes (Niketas [# 25821], Michael [# 25381], Maria Choirosphaktria [# 24930]), die auf der Peloponnes zu Hause gewesen zu sein scheint, s. Seibt–Wassiliou, p. 216. Arab.: Ilyūn (Ṭabarī).

T: Basilikos Spatharokandidatos, epi tu chrysotriklinu, Protasekretis und Mystikos (Siegel; s. dazu auch Anm. 3); Mystikos und epi tu kanikleiu; Anthypatos, Patrikios; Magistros (spätestens seit 896); außerdem wohl Richter (s. u. mit Anm. 6). Mehrfach (895–904) Gesandter zum bulgarischen Herrscher Symeon (# 27467), in den Jahren 905–906/07 Gesandter nach Bagdad — πρεσβευτής (Leon Magistros, Ep. 16,6f.), μεσίτης (ibid., Ep. 19,11), ῥήτωρ (ibid., Ep. 17,4f.); Gesandter des byzantinischen Kaisers — arab.: rasūl malik ar-Rūm (Ṭabarī). Kaiserlicher Apokrisiarios — ἀποκρισιάριος gegenüber den Orientpatriarchen (Vita Euthymii [BHG 651] XV, p. 101,9). Später Mönch.

V: L. wurde vermutlich in den 40er Jahren des 9. Jh.s geboren, nach Vassis, Leon Magistros 1, eher zu Beginn, nach Kolias, Léon Ch. 15, eher gegen Ende dieses Jahrzehnts. Um das Jahr 910 herum klagte er jedenfalls wiederholt über sein hohes Alter (1). Von seiner Herkunftsfamilie ist lediglich ein Bruder namens Palatinos (# 26221) bekannt. L. war verheiratet, und er und seine Frau (s. unten) waren beide mit Angehörigen des Kaiserhauses verwandt. L. war, wie aus Ṭabarī hervorgeht, ein Verwandter der Zoe Karbonopsina (2). Gemeinsam mit seiner Frau hatte er wenigstens zwei Töchter, zum einen die wohl in jungen Jahren und unverheiratet verstorbene Theoktiste (# 28040) und zum anderen eine Tochter, deren Name nicht bekannt ist (s. unten). Aus der ehelichen Verbindung dieser Tochter mit einem Schwiegersohn (s. unten) gingen drei Enkel (s. unten) des L. hervor.

Unter Kaiser Basileios I. war L. basilikos Spatharokandidatos, epi tu chrysotriklinu, Protasekretis und Mystikos (3) und epi tu kanikleiu (4). Unter Kaiser Leon VI. stieg L. zum Anthypatos und Patrikios auf und gehörte als solcher dem Senat an (5). Außerdem muß L. als Richter (κριτής) gewirkt haben, denn Jahre später (ca. 910) erinnerte L. den Magistros Stephanos (# 27224) in einem Brief daran, daß sie zu einer früheren Zeit gemeinsam Recht gesprochen hatten (6).

L. unternahm für Kaiser Leon VI. insgesamt drei Gesandtschaften zu den Bulgaren (7), von denen nur die erste bzw. die erste Hälfte der ersten Gesandtschaft auch bei den Historikern ihren Niederschlag gefunden hat:

Als der bulgarische Herrscher Symeon (# 27467) nach einer Niederlage gegen die mit Byzanz verbündeten Ungarn, wohl im Jahre 895, um Frieden bat, schickte Kaiser Leon VI. (886–912), so berichten die Historiker, L. als Gesandten zum bulgarischen Herrscher. Symeon soll jedoch, als L. in Bulgarien eingetroffen war, die Verhandlung verweigert und L. in einem Verließ (ἐν εἱρκτῇ) gefangengesetzt haben (8). Nachdem Symeon die Ungarn (mithilfe der Petschenegen) besiegt hatte, schickte er L. mit der Forderung nach Konstantinopel zurück, der Kaiser möge alle bulgarischen Kriegsgefangenen freilassen, vorher werde er, Symeon, keinen Frieden schließen. Auf seinem Rückweg nach Konstantinopel wurde L. von dem bulgarischen Gesandten Theodoros (# 27641) begleitet. Kaiser Leon VI. erfüllte Symeons Forderung, und die bulgarischen Gefangenen kehrten mit dem bulgarischen Gesandten Theodoros nach Bulgarien zurück (9). Über L. berichten die Historiker nichts weiter, doch scheint er den Bulgaren Theodoros und die freigelassenen bulgarischen Kriegsgefangenen wieder zurück nach Bulgarien begleitet zu haben, wohl um nun, nachdem Symeons Vorbedingung erfüllt worden war, in die eigentlichen Friedensverhandlungen einzutreten, denn wir finden L. mit Verhandlungen um die Herausgabe byzantinischer Kriegsgefangener befaßt, die sich logisch kaum vor die Herausgabe der bulgarischen Kriegsgefangenen durch Kaiser Leon VI. datieren lassen. Die byzantinische Verhandlungsposition muß jedoch durch die Aufgabe des Gegenpfandes, das die bulgarischen Gefangenen in Konstantinopel dargestellt hatten, geschwächt gewesen sein, so daß Symeon es mit den Verhandlungen nicht eilig gehabt zu haben scheint (10). Symeons Position verbesserte sich weiter, nachdem er die Byzantiner bei Bulgarophygon (Frühjahr oder Sommer 896) vernichtend geschlagen hatte. Allgemein wird vermutet, daß die erhaltenen Briefe eines Briefwechsels zwischen L. und Symeon, in denen es um die Freilassung der byzantinischen Kriegsgefangenen geht, wohl in diese Zeit nach der Schlacht bei Bulgarophygon fallen (11).

Die Bemühungen L.s führten schließlich dazu, daß Symeon einen Friedensvertrag mit Byzanz unterzeichnete und L. ca. 896/97 mit 20.000 bis 30.000 (laut überliefertem Text sogar mit 120.000) byzantinischen Kriegsgefangenen nach Konstantinopel zurückreisen konnte (12).

Eine zweite Gesandtschaft zu Symeon unternahm L. zwischen dem 17. Oktober 901 und dem 4. Mai 902 (13). Ergebnis dieser Gesandtschaft war, daß Symeon 30 Festungen im Gebiet von Dyrrachion an Byzanz zurückgab (14).

Ein dritte Mission unternahm L. im Jahre 904 (nach der Eroberung Thessalonikes durch die Araber im Juli) nach Bulgarien. Nach eigener Aussage konnte er die Bulgaren davon abbringen, die Stadt Thessalonike selbst zu besetzen (15).

Vermutlich noch in den ersten Monaten des Jahres 905 brach L. in Begleitung des Eunuchen Basileios (# 20917) in Richtung Bagdad auf, um mit dem Kalifen al-Muktafī (# 25446) über einen Friedensvertrag und einen Gefangenenaustausch zu verhandeln (16). L. blieb bis Ende 906 oder Anfang 907 in Bagdad und bemühte sich neben den Verhandlungen mit dem Kalifat darum, die Orientpatriarchen zur Entsendung von Legaten nach Konstantinopel zu bewegen, die auf einer Synode der vierten Ehe des Kaisers Leon VI. zustimmen sollten, wobei L. aber vielleicht nicht persönlich die Patriarchen getroffen, sondern möglicherweise nur Antiocheia auf seiner Fahrt berührt oder von Bagdad aus mit den Patriarchen verhandelt hat (cf. Kolias, Leon Ch. 51). Während seines Aufenthaltes in Bagdad litt L. unter gesundheitlichen Problemen, für die er das Leben bzw. die Lebensweise in der Fremde verantwortlich machte (17). In einem Brief, den L. wohl gegen Ende des Jahres 906 aus Bagdad an den Magistros Genesios (# 22072) schrieb, vermeldete L. vorab, daß er in den verschiedenen Belangen erfolgreich war (18). Dem Antwortschreiben des Genesios (= Leon Magistros, Ep. 16,8) ist zu entnehmen, daß L. als Belohnung für seinen Erfolg eine Würde bzw. ein Titel (τιμή) verliehen wurde – offenbar, während er noch in Bagdad oder auf der Rückreise war –, doch wissen wir nicht, welche(r). Andere Konstantinopler Beamte – der Koiaistor Anastasios (# 20297), der Patrikios Thomas (# 28293) und der Spatharios Prokopios (# 26765) –, die zum Teil ähnliche Briefe wie Genesios von L. erhalten haben müssen (nicht überliefert), antworteten mit Glückwunschschreiben an L., die sich im Briefkorpus des L. erhalten haben (= Leon Magistros, Epp. 17–19). L. kehrte im Februar 907 mit den Legaten der Orientpatriarchate (# 30242) nach Konstantinopel zurück (19).

Schon bald nach seiner Rückkehr muß L. – wohl noch im Jahre 907 – in Ungnade gefallen und verbannt worden sein. Der Grund für L.s Verbannung muß eine Anklage wegen seines Verhaltens auf seiner arabischen Gesandtschaft gewesen sein. Neben dem Zeugnis des dem L. äußerst feindlich gesonnenen Arethas von Kaisareia (# 20554), der davon spricht, daß L. des Gesandtschaftsverrates überführt worden sei (20), gibt es noch L.s eigene Aussagen, daß die Berichte seines Mitgesandten Basileios (# 20917) und dessen mitreisender Gefolgsleute (# 30239), die L. als Lügen bezeichnet, seinen Feinden in Konstantinopel (# 30249) das Material für deren Anklage geliefert hätten (21). Um was für eine Anklage genau es sich handelte, geht jedoch weder aus L.s Briefen noch aus den Invektiven seiner Gegner hervor. Da der Kaiser zuerst offenbar sehr zufrieden mit den Ergebnissen von L.s Gesandtschaft gewesen war – davon zeugen die oben erwähnten Glückwunschschreiben verschiedener Beamter –, müssen nach L.s Rückkehr nach Konstantinopel Dinge zum Vorschein gekommen sein, die den Kaiser zu einer Revision seiner Beurteilung L.s zwangen (22). Der Ort von L.s Verbannung war eine Festung namens Petra, die sich jedoch nicht lokalisieren läßt.

Aus seiner Verbannung schrieb L. mehrere Briefe an Kaiser Leon VI. (Ep. 20–25), um seinen Rückruf aus der Verbannung zu erreichen. L. klagt in diesen Briefen über seinen Verbannungsort (Ep. 21,26-55, p. 103), seine Haftbedingungen (Nachtlager auf dem Boden, zu wenig zu essen und zu trinken, ibidem 63f.), die Rohheit und Frechheit seiner Wächter (# 30250), seine schlechte Gesundheit (23), Neid und Bosheit seiner Feinde (# 30249) und droht dem Kaiser sogar mit Selbstmord (24).

Während L. im Exil war, verfaßte Arethas von Kaisareia (# 20554) eine längere Invektive gegen ihn (25). Der Anlaß für diese Schmähschrift war der Umstand, daß L. eine theologische Abhandlung durch Gleichgesinnte (# 30255) (δι᾿ ὁμοτρόπων) in der Hagia Sophia in Konstantinopel hatte zum Vortrag bringen lassen (26). Arethas bezeichnet diese Abhandlung als Machwerk (27) und spricht L. jegliches Recht und jegliche Qualifikation für ein solches Verhalten ab; in diesem Zusammenhang beschimpft er L. auch als unfromm und gottlos (28).

Ca. 909/10 dichtete auch Konstantinos Rhodios (# 23819) ein Schmähgedicht gegen L., das 24 zusammengesetzte Schimpfwörter für L. enthält und ihn jeder möglichen sittlichen Verfehlung beschuldigt. Der überwiegende Teil der Beschimpfungen dürfte zum Standardrepertoire solcher Diffamierungen gehören, doch scheinen einzelne Beschimpfungen speziell für die Person des L. kreiert worden zu sein (29) und sich auf tatsächliche biographische Details zu beziehen (30). Konstantinos Rhodios bezichtigte L. in seiner Invektive des Paganismus (31). In eine ähnliche Richtung gehen auch Anschuldigungen, die Arethas in seiner Invektive erhob.

L. verfaßte zwei Lehrgedichte für den jungen Konstantinos VII. (nach Ṭabarī ja L.s Neffe, s. o.), für die von ihren Herausgebern ein Abfassungszeitraum von vier Jahren, vom 15. Mai 908 (Mitkaiserkrönung Konstantinos’ VII.) bis zum 11. Mai 912 (Tod Leons VI.), angenommen wird: die sogenannte “Chiliostichos Theologia”, einen Abriß der Theologie in mehr als 1200 Versen, und De thermis über die Wunder und die Heilkraft des Wassers (32). Während sich laut Vassis (p. 23) für die Chiliostichos Theologia nicht ermitteln läßt, ob L. sie während seiner Verbannung geschrieben hat, enthält De thermis indirekt eine Bitte um Begnadigung, dürfte also im Exil geschrieben worden sein (33). Vassis (p. 7) vermutet, daß L. De thermis aus Anlaß der Mitkaiserkrönung Konstantinos’ VII. geschrieben habe, also noch 908, um seine Begnadigung zu erreichen.

Im Sommer 913 finden wir L. in Konstantinopel, er war also – möglicherweise nach dem Tod des Alexandros (6. Juni 913) – aus der Verbannung entlassen worden. L. scheint dann aber in den Usurpationsversuch des Konstantinos Dukas (# 23817) verwickelt gewesen zu sein. Denn nachdem die Revolte niedergeschlagen und Konstantinos Dukas getötet worden war, flohen L. und Gregoras Iberitzes (# 22328) in die Hagia Sophia. Sie wurden gewaltsam aus der Kirche entfernt, zu Mönchen geschoren und in das Studioskloster verbannt (34).

Als terminus post quem für L.s Tod wurde früher die Hochzeit des jungen Konstantinos VII. Porphyrogennetos mit Helene Lakapene (# 22574) am 9. Mai 919 angenommen, da es auf diesen Anlaß ein anakreontisches Gedicht gibt, das L. zugeschrieben wurde. Inzwischen darf es jedoch als communis opinio gelten (trotz zuletzt noch Ciccolella, Anacreontee xlivf. 109–115), daß dieses Gedicht nicht von L. stammt (sondern aus L.s erstem Gedicht auf die Heirat Leons VI. abgewandelt worden ist), so daß die Frage, wann L. nach seiner Verbannung ins Studioskloster starb, nicht beantwortet werden kann (Vassis, Leon Magistros 1f. 12 mit Anm. 61).

Neben den bereits erwähnten Werken schrieb L. – wohl schon ab Ende der 860er, Anfang der 870er Jahre, da ein Gedicht den Tod des Leon Philosophos (# 24313) bedauert, – eine Reihe von Gedichten zu verschiedenen Anlässen, die ihn (bzw. den Auftraggeber/Kaiser) u. a. als Bewunderer von Leon Philosophos und dem Patriarchen Stephanos (# 27208), aber auch von in starkem Gegensatz zueinander stehenden Persönlichkeiten wie Photios (# 26667) und Metrophanes von Smyrna (# 25088) ausweisen. Daneben sind zwei anakreontische Gedichte L.s auf die Hochzeit des Kaisers Leon VI. erhalten (35). Ferner ist L. der Verfasser von zusammengefaßten Katenenkommentaren.

Anmerkungen: — (1) Leon Magistros, Ep. 20,7f., p. 99; Ep. 21,27, p. 101; Ep. 22,40f. 49, p. 111; Ep. 24,16. 22f. 26, p. 117; Ep. 26,7, p. 129. — (2) In Ep. 23,29-31, p. 115, bezeichnet L. sich Leon VI. gegenüber als Verwandten von Leons Frau (sc. Zoe Karbonopsina [# 28506]) und seine eigene Ehefrau als Verwandte Leons: ἀπόβλεψον ὡς γένος εἰμὶ συζύγου τῆς σῆς, ἡ δ᾿ ἐμὴ σύζυγος τῶν σοὶ προσηκόντων αἷμα τὸ ἐγγύτατον. Er war also, vermutlich eher weitläufig, mit dem Kaiserhaus verwandt. Zu L.s Frau cf. Ep. 21,69f., p. 103f.; Ṭabarī III 2276,6; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, 21, erwähnt, daß einer der Gesandten, die im Jahr 294 a. h. (22.10.906 – 11.10.907) zum Kalifen nach Bagdad kamen (s. u. Anm. 16), ein gewisser Leon, der wohl sicher mit L. identisch ist, ein Verwandter des Kaisers war; dazu auch Vassis, Leon Magistros 3. — (3) Die auf dem Siegel angeführte Titulatur lautet eigentlich etwas anders und mutet merkwürdig an. Dort steht: basilikos Spatharokandidatos tu chrysotriklinu, Protasekretis und epi tu mystiku. Basilikos Spatharokandidatos ist ein Rangtitel und sonst nie mit einer Funktion in einem bestimmten Bereich verbunden. Man würde epi tu chrysotriklinu erwarten, einen gut belegten Titel. Ebensowenig belegt ist der Titel epi tu mystiku. Wenn jedoch die Wiedergabe des Siegels durch Schlumberger richtig ist, fehlt das epi eindeutig vor tu chrysotriklinu und steht vor tu mystiku. In diesem Falle muß man wohl annehmen, daß der Siegeltext fehlerhaft ist. Vermutlich geriet das epi an die falsche Stelle und der Artikel vor Mystikos ergab sich aus dieser falschen Position. Möglicherweise ist tu chrysotriklinu auch einfach zu tilgen, da dieser Titel inhaltlich nicht zu den anderen paßt, vielleicht ist er aber auch in epi tu kanikleiu zu korrigieren. L. spricht die Tätigkeit als Mystikos in einem Brief an den Kaiser Leon VI. an, Ep. 25,96, p. 127 (Kolias): τῆς πρὸς τὸν σὸν πατέρα [sc. Basileios I.] μυστικῆς θεραπείας. — (4) Cf. den Titel der epitomierten Katenenkommentare zum AT und NT (im Cod. Patm. 177): Λέοντος μαγίστρου, ἀνθυπάτου, πατρικίου, τοῦ προγεγονότος μυστικοῦ καὶ ἐπὶ τοῦ κανικλείου, hier zitiert nach Vassis, Leon Magistros 4 Anm. 21. Cf. Kolias, Leon Ch. 19 Anm. 5. — (5) Zur Senatszugehörigkeit cf. auch Ep. 25,71f., p. 125, und Arethas, Scripta minora Nr. 21, I, p. 201,21f.; 202,22f.; 210,15f. Zum Anthypatos und Patrikios s. vorige Anm. und z. B. Ep. 13,2, p. 89: Λέων, μάγιστρος, ἀνθύπατος, πατρίκιος, Συμεὼν ἄρχοντι Βουλγαρίας, oder Ep. 14,1, p. 91: Λέων, μάγιστρος, ἀνθύπατος καὶ πατρίκιος, Συμεὼν ἄρχοντι Βουλγαρίας. — (6) Leon Magistros, Ep. 26,12f., p. 129: κρῖνον ... δικαίως, ὡς ἔκρινες ἐνδίκως σὺν ἐμοί, ... In einem anderen Brief aus seinem Exil beklagt L., daß er an seinem Verbannungsort von seinen geistigen Betätigungen abgeschnitten sei, unter anderem von “Gesetzen des Staates” (νόμοι πολιτικοί, Ep. 21,74f., p. 105), woraus man schließen kann, daß L. auch mit der Redaktion von Gesetzen befaßt gewesen sein dürfte. — (7) L. zählte viel später alle seine Reisen nach Bulgarien als insgesamt drei Gesandtschaften, cf. Ep. 23,4, p. 113: τὰς τρεῖς πρεσβείας ... τὰς ἐν Βουλγαρίᾳ; cf. ferner einen Brief des Genesios (# 22072) = Leon Magistros, Ep. 16,5: τῶν εἰς Βουλγαρίαν τριῶν πρεσβειῶν, und einen Brief des Prokopios (# 26765) = Leon Magistros, Ep. 19,8f. — (8) Theoph. cont. VI 9, p. 359,9f.; Skylitzes, Leon 12, p. 177,27f.; Zonaras XVI 12, p. 444. Nur Georg. mon. cont. (Bonn) 855,4; Symeon log. (Leon gr. 268,23, Theod. mel. 187,27, Symeon sl. 117,11) und Symeon log. (Wahlgren) 133,127 nennen den Ort von L.s Haft: Mudagra bzw. Mundraga (in der Nähe von Silistria); cf. Kolias, Léon Ch. 27 Anm. 2; 31; Vassis, Leon Magistros 5. — (9) Theoph. cont. VI 9, p. 359,5-16; Skylitzes, Leon 12, p. 177,24-35; Symeon log. (Leon gr. 268,14 – 269,4; Theod. mel. 187,21 – 188,2; Symeon sl. 117,5-14); Symeon log. (Wahlgren) 133,119-130; Georg. mon. cont. (Bonn) 854,19 – 855,7; Georg. mon. cont. (Muralt) 1097A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 28,2-6; Zonaras XVI 12, p. 443,16 – 444,4. — (10) Kolias, Leon Ch. 32, nahm aufgrund von Leon Magistros, Ep. 2,2ff., an, daß Symeon den L. ein zweites Mal ins Gefängnis werfen ließ, weil L. nur über Symeons Leute und schriftlich mit Symeon in Kontakt stand (andere Autoren haben diese Ansicht übernommen, z. B. Browning, Bulgaria 60), doch ist dies nicht zwingend. Zwar wird L. sicher keine große Bewegungsfreiheit gehabt haben, doch wir wissen nichts Genaueres über die Bedingungen seines Aufenthaltes. Shepard, Symeon 37 Anm. 67, wies zu Recht darauf hin, daß L. die Möglichkeit zu brieflichem Kontakt mit seinem Kaiser hatte, und bezweifelt daher eine zweite Inhaftierung L.s. — (11) Leon Magistros, Epp. 1–14, davon elf Briefe L.s und drei Briefe Symeons; zu diesem Briefwechsel cf. Kolias, Léon Ch. 34–40; Browning, Bulgaria 60. Auffällig ist, daß es in dem Briefwechsel niemals um die Bedingungen der Freilassung der byzantinischen Kriegsgefangenen geht. Es gibt keine Forderungen oder Gegenforderungen, keinen “Preis” für die Freilassung und auch keinerlei Angebot von Zugeständnissen, so daß es unwahrscheinlich erscheint, daß die erhaltenen Briefe die tatsächliche Verhandlung um einen so ernsten Gegenstand darstellen. Vielmehr scheint es sich bei den Briefen um eine vielleicht scherzhafte Prüfung von L.s rhetorischen Fähigkeiten durch Symeon zu handeln, ein Spiel vielleicht, das vornehmlich dem intellektuellen Vergnügen diente. L. antwortete jedenfalls auf Symeons (wie sich zeigen sollte, vorläufige und vielleicht nicht ernst gemeinte, aber doch klar formulierte) Ablehnung der Freilassung (Epp. 3. 5) mit acht Briefen (Epp. 4. 6–12), in denen er auf verschiedenste Weise und mit äußerster Spitzfindigkeit dafür argumentiert, daß man Symeons Ablehnung auch als ihr genaues Gegenteil verstehen könne – ein Vorgehen, das durch sein Ignorieren der doch klar zum Ausdruck gebrachten Ansicht der Gegenseite in einer echten Verhandlung sicher nicht besonders förderlich gewesen wäre. L. benutzt seine verschiedenen Interpretationen durchaus, um Symeon zu schmeicheln, doch scheint er Symeon gegenüber nicht zu besonderem Respekt und großer Ehrerbietung gezwungen gewesen zu sein, denn er kann es sich z. B. erlauben, Symeon das Kompliment zu machen, Symeons Art, seine Zustimmung anzudeuten (während es sich in Wahrheit um eine Ablehnung handelt!), sei nicht ohne Raffinesse (οὐκ ἄκομψον, Ep. 6,20f., p. 83). So scheint es doch eine gewisse Vertrautheit zwischen Symeon und L. gegeben zu haben, die Scherz, Ironie und Neckerei zuließ. — (12) Leon Magistros, Ep. 23,6-8, p. 113: τοῦτο μὲν εἴκοσι καὶ ἑκατὸν χιλιάδας αἰχμαλώτων ἐκεῖθεν λαβών, καὶ σπονδὰς ἐγγράφους εἰρηνικὰς ποιήσας ἐπανελήλυθα. Es wird angenommen, daß die maßlos übertrieben wirkende Zahl von 120.000 darauf zurückzuführen ist, daß ein Kopist aufgrund einer Verlesung anstelle einer Einerzahl ein ἑκατὸν geschrieben hat, so daß er die Zahl um fast 100.000 erhöht hat, während der ursprüngliche Text eine Zahl zwischen 20.000 und 30.000 enthalten haben müßte, was immer noch unwahrscheinlich hoch erscheint; cf. Tougher, Leon 179f.; Dölger–Müller, Regesten Nr. 530a [522] (Beihammer). — (13) Zur Datierung s. Jenkins–Laourdas–Mango, in: BZ 47 (1954) 10f.; Vassis, Leon Magistros 6 mit Anm. 31; Dölger–Müller, Regesten 537a [523]. — (14) Leon Magistros, Ep. 23,8-11, p. 113: τὰ τοῦ Δυρραχίου τριάκοντα φρούρια σὺν αὐτῳ πλούτῳ καὶ αὐτοῖς οἰκήτορσι τῇ βασιλείᾳ σου δῶρον προσήνεγκα ... — (15) Leon Magistros, Ep. 23,12f.: τρίτῃ πρεσβείᾳ τὴν ἁλωθεῖσαν ὑπ᾿ Ἀγαρηνῶν Θεσσαλονίκην κατοικῆσαι βουληθέντων Βουλγάρων πείσας καὶ διώξας ἀπέλαβον. Cf. Dölger–Müller, Regesten 542. — (16) Die Datierung der Reise, besonders ihres Beginns, ist leicht umstritten. Während aus der Vita Euthymii (BHG 651) (s. unten Anm. 18 und 19) und L.s eigener Angabe, daß die Reise zwei Jahre gedauert habe (Ep. 25,61f., p. 125), hervorzugehen scheint, daß L. ca. Februar 905 aus Konstantinopel aufbrach und im Februar 907 zurückkehrte, datiert Ṭabarī III 2276,6-14; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 21 (ebenso Ibn Šaddād 334,5-9; Übers.: Eddé, Description 181; ‘Aẓīmī 276,8 und Ibn al-Aṯīr VII 552,16), den Empfang der byzantinischen Gesandtschaft beim Kalifen in das Jahr 294 a. h. (22.10.906 – 11.10.907), so daß L. erst nach dem 22. Oktober 906 vom Kalifen empfangen worden sein kann. Dölger–Müller, Regesten Nr. 547 (Beihammer), datieren daher den Beginn von L.s Reise auf “Frühjahr (nach März?) 906”, während Kolias, Leon Ch. 47, und Vassis, Leon Magistros 6f., den Aufbruch auf Winter 904/05 datiert hatten. Da L. von seiner Gesandtschaft auch Verträge mit den Emiren von Tarsos und Melitene und Gesandte der Patriarchate Antiocheia und Jerusalem mitbrachte, ist es denkbar, daß L.s Gesandtschaft mehrere Stationen vor Bagdad umfaßte und L. deshalb erst im Oktober 906 in Bagdad angekommen sein könnte. Wenn der Eunuch Basileios (# 20917), wie aus Ṭabarī hervorgeht, nicht bis nach Bagdad mitreiste, sondern in Tarsos zurückblieb, dann muß L. über Tarsos gereist sein. Die Wartezeit L.s auf den Empfang beim Kalifen wird von Ṭabarī als “einige Tage” angegeben, doch wissen wir von anderen Gesandtschaften, daß Gesandte oft wochenlang darauf warten mußten, empfangen zu werden, so daß auch dies L. aufgehalten haben könnte. — (17) Ep. 15,3f., p. 91: τὸ νοσῶδες τῆς ἐπὶ ξένης διαγωγῆς, cf. auch die Antwortschreiben an L. = Leon Magistros, Ep. 16,9, p. 93; Ep. 17,5f., p. 93; Ep. 18,4, p. 95. — (18) Ep. 15,4-7, p. 91: εὐτυχήσαμεν, εἰρηνεύσαμεν, ὁμήρους ἄγομεν, ἀραβικὰ δῶρα τῷ βασιλεῖ προσάγομεν, τοὺς ἀμφοτέρων αἰχμαλώτους ἀλλάξομεν, καί, τὸ κρεῖττον, τοὺς ἀρχιερεῖς αὐτοὺς ὡς βασιλέα ἀνάξομεν. “Wir waren erfolgreich, wir haben Frieden geschlossen, wir erhalten Geiseln, wir bringen dem Kaiser Geschenke von den Arabern, wir werden die beiderseitigen Kriegsgefangenen austauschen und – das ist das Beste – wir werden die Bischöfe selbst zum Kaiser bringen.” Dem Kaiser schrieb L. vermutlich einen längeren Brief selben Inhalts, der jedoch nicht im Briefkorpus L.s überliefert ist, sondern nur in der Vita Euthymii (BHG 651) XIII, p. 87,6-9 (Karlin-Hayter), erwähnt wird. Nach der Vita Euthymii hatte der Kaiser diesen Brief L.s offenbar kurze Zeit vor dem 1. Februar 907 erhalten, was eine ungefähre Datierung von L.s Brief an Genesios sowie von L.s Rückreise nach Konstantinopel ermöglicht. Später schrieb L. aus dem Exil einen Brief an den Kaiser, in dem er zehn Erfolge (τὰ δέκα ... τῶν εὐτυχημάτων μου ἐνεργήματα) dieser Gesandtschaft aufzählt: einen Friedensvertrag mit dem Kalifat (εἰρήνην τὴν ἔγγραφον), einen Austausch der byzantinischen Kriegsgefangenen (τὴν ὑπαλλαγὴν τῶν ὁμοφύλων αἰχμαλώτων), die Entsendung einer arabischen Gegengesandtschaft mit Geschenken für den Kaiser (s. Anonymi [# 30252]), die Entsendung von Legaten (# 30242) durch die Patriarchen von Antiocheia (Symeon I. [# 27478]) und Jerusalem (Elias III. [# 21642]), die Tributpflicht der beiden arabischen Lokalfürsten ‘Abdalmalik (# 20017) und Abū l-Ḥasan (# 20058), einen Friedensvertrag mit dem Emir von Melitene (al-Qāsim b. Sīmā [# 26786]), die Auslösung der griechischen Kriegsgefangenen aus Melitene und schließlich einen Vertrag mit den Emir von Tarsos (Rustam ibn Baradū al-Farġānī [# 26909]) darüber, daß man nach zwei Jahren Frieden schließen und Gefangene austauschen werde, s. Ep. 23,15-28, p. 113f. (Kolias). — (19) Vita Euthymii (BHG 651) XIII, p. 87,6-9; XV, p. 101,8-11 (Karlin-Hayter). Die Legaten führten schriftliche Zustimmungen (Libelloi — λίβελλοι) ihrer Patriarchen mit sich. Der Vita Euthymii zufolge (p. 101) soll L. mit den Legaten aus dem Orient und der Asekretis Symeon (# 27468) mit den Legaten aus Rom den Kaiser Leon VI. ins Psamathiakloster begleitet haben, um Euthymios (# 21913) zu überzeugen, daß er das Patriarchat annehmen und die vierte Ehe Leons VI. legitimieren dürfe. Während die Vita Euthymii und Eutych. Alex. behaupten, daß alle drei Orientpatriarchate Legaten geschickt hätten (Vita Euthymii, p. 87,6-9: τοποτηρηταὶ ... λιβέλλους ἐπιφερόμενοι τοῦ τε Ἀντιοχείας καὶ Ἀλεξανδρείας καὶ Ἱεροσολύμων, p. 101,25f.: οἱ ἀπὸ Ἀντιοχείας καὶ Ἱεροσολύμων καὶ Ἀλεξανδρείας μετὰ καὶ λιβέλλων; Eutych. Alex. II 73,14 – 74,2; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 25f. [allerdings ohne Erwähnung des L.]), spricht L. in Ep. 23 nur von Legaten aus Antiocheia und Jerusalem (= Theupolis): ναὶ μὴν καὶ τοὺς ἱερεῖς Ἀντιοχέων καὶ τοὺς ἐκ τῆς Θεουπόλεως, οὓς διὰ τὴν ἐπί σοι σύνοδον ἠγαγόμην συνοδοιπόρους, ἄρας μέχρι τῆς πόλεως (l. 19-21, p. 113). — (20) Arethas, Scripta minora Nr. 21, I, p. 203,10: παραπρεσβείας ἁλούς. — (21) Cf. Leon Magistros, Ep. 25,12-67, p. 121–125. — (22) Denkbar wäre, daß L. ein für Leon VI. nicht tragbares Zugeständnis an die Araber verheimlicht hatte, bis er wieder in Konstantinopel eintraf, daß sich einer seiner Verhandlungserfolge nachträglich als Mißerfolg erwies oder daß L. sich eines anderen Fehlverhaltens schuldig gemacht hatte. Ungeklärt ist z. B. der zeitliche und kausale Zusammenhang der Gesandtschaft des L. mit der Flucht des Andronikos Dukas (# 20405) auf arabisches Gebiet, die in großer zeitlicher und räumlicher Nähe zu L.s Reise erfolgt ist (s. dazu bei Andronikos Dukas), oder der kurzzeitigen Zuflucht, die Melias (# 25041) beim Emir von Melitene, al-Qāsim b. Sīmā (# 26786), gesucht hat. Hat L. auch wegen Andronikos und Melias verhandelt? Ist L. zu irgendeinem Zeitpunkt auf seiner Reise mit Andronikos oder Melias zusammengetroffen? Es erscheint nicht unmöglich, daß der Gesandtschaftsverrat, der L. vorgeworfen wurde, irgendwie mit diesen Vorfällen zusammenhing, doch gibt es auch keine Indizien dafür. Kolias, Leon Ch. 55f., lehnte einen Zusammenhang mit der Flucht des Andronikos ab und sah den Grund für L.s Verbannung in dessen intellektuellen Produkten und dem Vorwurf des Paganismus (cf. op. cit. 58: “il était accusé d’athéisme ou, plus exactement de dévotion aux idoles grecques”), doch spricht L.s eigener wütender Angriff auf seine Mitgesandten (Basileios [# 20917] und dessen Leute [# 30239]) in Ep. 25 (l. 12-67, p. 121–125) eher dafür, daß es sich um einen Vorfall während der arabischen Gesandtschaft gehandelt haben muß (so auch Magdalino, in: Byzantine Court Culture 161 Anm. 103). Arethas erwähnt zwar außer dem Vorwurf des Gesandtschaftsverrates noch “Ausschweifung” (ἀσέλγεια, Arethas, Scripta minora Nr. 21, I, p. 202,23) und “Gottlosigkeit” (ἀθεία, op. cit. p. 201,15; 202,31; 207,8. 30; cf. auch p. 201,6f.) als Vergehen L.s, doch sind beide Begriffe wenig konkret und können eine Vielzahl von Verfehlungen beinhalten. — (23) Ep. 21,27f., p. 101; 21,107f., p. 107; Ep. 24,15, p. 117. L. spricht u. a. von Wassersucht infolge von Bewegungsmangel: τὸ ὑδεριᾶν ἐξ ἀκινησίας, Ep. 21,107f., p. 107, und von Läusen: τὸ φθειριᾶν, Ep. 21,106; φθειριῶν καταπεπληγμένος, Ep. 24,15, p. 117. Außerdem klagt L. über sein langes, ungeschnittenes Haar, Ep. 21,106, p. 107; Ep. 23,47, p. 115. — (24) Ep. 24,23f., p. 117. Es scheint, daß L.s Haftbedingungen tatsächlich recht streng waren und L. im Inneren der Festung gefangen gehalten wurde und nicht ins Freie kam, denn neben dem schon genannten Bewegungsmangel erwähnt L. mehrfach seine Blässe (Ep. 12,41, p. 101; Ep. 24,14, p. 117) und klagt einmal über die Dunkelheit seiner Tage (Ep. 25,82f., p. 127f.: “Bis wann wird mein Tag dunkel sein wie bei den Kimmeriern?”), die allerdings auch auf eine Lage der Festung Petra im Norden hinweisen oder rein metaphorisch gemeint sein könnte. — (25) Arethas, Scripta minora Nr. 21, I, 200–212: Χοιροσφάκτης ἢ Μισογόης. — (26) Ibidem, p. 201,12. Die Tatsache, daß L. diese Möglichkeit hatte, spricht dafür, daß er noch immer über beträchtlichen Einfluß in Konstantinopel verfügte, cf. Vassis, Leon Magistros 9 Anm. 49. Während H.-G. Beck, Das byzantinische Jahrtausend, München 1978, 298, die theologische Abhandlung mit der erhaltenen Chiliostichos Theologia des L. identifizieren wollte, sprachen sich Magdalino, in: Byzantine Court Culture 151, und Vassis, Leon Magistros 9 Anm. 50, dafür aus, daß es sich dabei um eine inzwischen verlorene Schrift des L. gehandelt hat. — (27) Arethas, Scripta minora Nr. 21, I, p. 201,11f.: λῆροι “leeres Geschwätz, dummes Zeug”. — (28) Z. B. ibidem, p. 201,6-8. — (29) So könnten die Beschimpfungen als Darmwäscher für die Wurstherstellung (ἀλλαντοχορδοκοιλιεντεροπλύτα, v. 5, cf. LBG s. v.: “Innereienwäscher”), Geflügelhändler (ὀρνιθοχηνονητοπερδικοπράτα, v. 6) und Schlächter verschiedener Tiere (λακτεντοχοιροκριοβουτραγοσφάγε, v. 7) angesichts der Eingangsbemerkung, daß L. von frühester Kindheit an in diesen Tätigkeiten aufgewachsen sei (v. 4: ἐκ σπαργάνων τούτοισιν [sc. σπουδάσμασιν] ἐντεθραμμένος), darauf hinweisen, daß L.s Familie tatsächlich einmal etwas mit den verschiedenen Aspekten der Fleisch- und Wurstproduktion zu tun hatte. L.s Beiname wäre in diesem Fall die (pejorative) Berufsbezeichnung seiner Vorfahren, cf. den Fall des Antonios Kassymatas (# 550), cf. zu dessen Beinamen auch Pratsch, in: Patriarchen (BBS 5) 261–266. — (30) So deckt sich die Beschimpfung πρεσβευτοκερδοσυγχυτοσπονδοφθόρε (ungefähr: “der du als Gesandter um des finanziellen Gewinnes willen den Vertrag verdirbst”, v. 25) mit dem Arethas-Vorwurf der unredlichen Gesandtschaftsführung; und drei Schimpfwörter (vv. 12-14) beziehen sich auf L.s schriftstellerische Tätigkeit, darunter eines, das auf L.s anakreontische Dichtung anzuspielen scheint: βαρβιτοναβλοπλινθοκυμβαλοκτύπε (ungefähr: “der du Barbiton, Nabla, Plinthos und Zymbel spielst”, v. 21, wobei das Barbiton das Instrument des Anakreon war), cf. Lauxtermann, in: JÖB 53 (2003) 313. — (31) Konstantinos Rhodios, v. 15: Ἑλληνοθρησκοχριστοβλασφημοτρόπε. Andere Schimpfwörter erheben den Vorwurf magischer Praktiken wie des Weissagens aus Wasserschalen oder der Organbeschau von Tieropfern in v. 27f.: λεκανομαντοψευδορηματεκφόρε καὶ ζωοθυτοκαρδιηπατοσκόπε. Cf. Kolias, Léon Ch. 55f. — (32) Zur Datierung der Chil. Theologia s. Vassis, Leon Magistros 23. In v. 945 wird die dreifach leuchtende Natur der Herrschaft (τρισσοφεγγὴς τῆς μοναρχίας φύσις) erwähnt, was bedeutet, daß es zur Abfassungszeit drei Kaiser (einen Kaiser, zwei Mitkaiser) gegeben haben muß. Ein weiteres Datierungskriterium sind die durch die Akrostichis untrennbar mit der Dichtung verbundenen Titel, die L. zur Zeit der Abfassung trug. L. war bereits Magistros, die Dichtung dürfte also nach 896 entstanden sein. L. redet Konstantinos VII. in der Chil. Theologia zwar nicht mit Namen an, spricht ihn aber mehrfach als “Kind” (τέκνον), “liebes Haupt” (φίλτατον κάρα), “Schüler” (μύστης) und “Kaiser” (ἄναξ) an, cf. Vassis, Leon Magistros 22. Zur Datierung von De thermis s. Gallavotti (p. 95) und Vassis, op. cit. 7. — (33) L. macht in De thermis Hinterlist und Neid für sein Unglück verantwortlich (v. 205: ἐκ δόλου, v. 206: ἐκ φθόνου). — (34) Theoph. cont. VI 4, p. 384,4-7; Skylitzes, Konstantinos 2, p. 199,85-89; Leon gr. 290,14-18; Theod. mel. 203,23-26; Georg. mon. cont. (Bonn) 876,12-15; Georg. mon. cont. (Muralt) 1132A; Georg. mon. cont. (Istrin) 40,33-35; Ps.-Symeon 720,17-20; Zonaras XVI. 16, p. 460,13-17. — (35) Während früher angenommen wurde, daß die Gedichte sich auf die 4. Ehe des Kaisers mit L.s Verwandter Zoe Karbonopsina bezögen (so Kolias, Léon Ch. 51 Anm. 1; Magdalino, in: DOP 42 [1988] 99), wird von Tougher, Leon 142, und Ciccolella, Anacreontee 73, darauf hingewiesen, daß es sich um die zweite Ehe Kaiser Leons (nach November 897, wohl im Jahre 898) mit Zoe Zautzina (# 28505) handeln müsse, da sich L. zum Zeitpunkt der Hochzeit des Kaisers mit Zoe Karbonopsina (9. Januar 906) nicht in Konstantinopel befand, sondern auf seiner arabischen Gesandtschaftsreise. Die eingehende Betonung der Gesetzlichkeit der Ehe im zweiten dieser Gedichte (v. 19: νομίμως, v. 33f.: ψόγος οὐδαμῶς γάρ ἐστι | νομίμως γάμους λιγαίνειν, p. 86 u. 88 ed. Ciccolella) dürfte auf die zweite Ehe, die umstritten war, weil Zoe Zautzina bereits zuvor die Geliebte des Kaisers gewesen war, vielleicht auch noch besser passen als auf die ohnehin ungesetzliche vierte Ehe. Für Zoe Zautzina spricht auch, daß die Braut im ersten der Epithalamien als “sehr weißhäutig” (v. 35: λευκοκρινόχρους, p. 80 ed. Ciccolella) und “blond” (v. 47: ξανθόκομος, cf. Kommentar von Ciccolla ad locum, p. 81) gepriesen wird – was vielleicht keine blind verwendeten Topoi sind –, während Zoe Karbonopsina (“die mit kohlschwarzen Augen”) ihrem Beinamen nach brünett gewesen sein dürfte.

W: Cf. die Werkverzeichnisse bei Kolias, Léon Ch. 71–73; Vassis, Leon Magistros 10–18; Leon Magistros, Epp.; Kontakion auf den hl. Hilarion, ed. Mioni, in: Byz 19 (1949) 133–139 (Zuweisung eher fraglich, cf. Vassis, Leon Magistros 16: “Die Frage der Autorschaft bleibt nach wie vor offen. Stil und Sprache des Kontakions sprechen jedoch kaum für Leon Magistros.”); Epitomierte Katenenkommentare zum AT und NT, nur teilweise ediert bei: S. Mai, Nova Patrum Bibliotheca VI, Rom 1853, 541f.; Sakkelion, Πατμιακὴ Βιβλιοθήκη 97f.; PG 106, coll. 1019–1022. 1077–1174. 1217–1290 (cf. Vassis, Leon Magistros 16–18). Im Cod. Patm. 177 im Titel: Λέοντος μαγίστρου, ἀνθυπάτου, πατρικίου, τοῦ προγεγονότος μυστικοῦ καὶ ἐπὶ τοῦ κανικλείου, cf. Sakkelion, Πατμιακὴ Βιβλιοθήκη 96; Vassis, Leon Magistros 4 Anm. 21; Anakreonteion auf L.s Tochter Theoktiste, ed. Ciccolella, Anacreontee 66–70 (= ed. Matranga, Anecdota Graeca II 561; ed. Bergk, PLG III 355f.); zwei Anakronteen auf die Hochzeit des Kaisers Leon VI. (wohl mit Zoe Zautzina [# 28505]); Λέοντος μαγίστρου ἀνακρεόντειον εἰς τὸν γάμον τοῦ αὐτοκράτορος Λέοντος, ed. Ciccolella, Anacreontee 76–82 (= ed. Matranga, Anecdota Graeca II 561–564; ed. Bergk, PLG III 356f.), Ἕτερον ἀνακρεόντιον τοῦ αὐτοῦ μαγίστρου Λέοντος εἰς τὸν αὐτὸν γάμον τοῦ αὐτοκράτορος Λέοντος, ed. Ciccolella, Anacreontee 86–88 (= ed. Matranga, Anecdota Graeca 564f.; ed. Bergk, PLG III 358); Anakreonteion auf das Bad des Kaisers Leon VI. —  Ἕτερον ἀνακρεόντειον τοῦ αὐτοῦ μαγίστρου Λέοντος εἰς τὸ λοετρὸν τὸ ἐν τῇ βασιλείῳ αὐλῇ ὑπὸ Λέοντος τοῦ αὐτοκράτορος οἰκοδομηθέν, ed. Ciccolella, Anacreontee 94–106; (= ed. Matranga, Anecdota Graeca 565–568; ed. Bergk, PLG III 358–360; ed. Magdalino, in: DOP 42 [1988] 116f.); Grabepigramm auf den Patriarchen Photios — Στίχοι ἰαμβικοὶ εἰς Φώτιον πατριάρχην τὸν ἐν ἁγίοις, in: Leon Magistros, Iamben, p. 130 (ebenfalls abgedruckt in: Paschalides, Συνείδηση 382); Grabepigramm auf den Patriarchen Stephanos – Εἰς τὸν πατριάρχην Στέφανον, in: Leon Magistros, Iamben, p. 131; Epigramm auf eine Ikone der Theotokos – Εἰς τὴν εἰκόνα τῆς ὑπεραγίας Θεοτόκου βαστάζουσαν τὸν Χριστόν, ibid. 131; Grabepigramm auf Leon Philosophos — Εἰς Λέοντα τὸν φιλόσοφον, ibid. 132; Grabepigramm auf Metrophanes von Smyrna —Λέοντος πατρικίου μαγίστρου καὶ ἀνθυπάτου στίχοι ἐπιτύμβιοι εἰς Μητροφάνην τὸν ἁγιώτατον ἀρχιεπίσκοπον Σμύρνης, ed. S. G. Mercati, in: BZ 30 (1929/30) 60 [= idem, Collectanea I, 450f.]; De thermis — Λέοντος μαγίστρου εἰς τὰ ἐν Πυθίοις θερμά, ed. C. Gallavotti, in: Bollettino dei Classici 11 (1990) 86–89; Leon Magistros, Chil. Theologia (in Titel und Akrostichis: Λέοντος μαγίστρου ἀνθυπάτου πατρικίου [p. 71]). Nicht erhaltene Werke: ein weiteres Anakreonteion auf L.s Tochter Theoktiste und ein Anakreonteion auf L.s Bruder Palatinos (# 26221), deren Titel überliefert sind (cf. Gallavotti, in: RSBN 24 [1987] 37 [Nr. 33 u. 34]; Vassis, Leon Magistros 12); ein theologisches Werk in Versen, gegen das Arethas sich wandte (cf. Scripta minora Nr. 21, I, p. 201,11-13 u. ö.); Enkomia auf Heilige, auf die Arethas (Scripta minora Nr. 21, I, p. 211,23) anspielt.

Q: — (Hist.): Theoph. cont. VI 9, p. 359,5-16; Skylitzes, Leon 12, p. 177,24-35; Symeon log. (Leon gr. 268,15 – 269,4; Theod. mel. 187,21 – 188,2; Symeon sl. 117,5-14); Symeon log. (Wahlgren) 133,119-130; Georg. mon. cont. (Bonn) 854,19 – 855,7; Georg. mon. cont. (Muralt) 1097A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 28,2-6; Zonaras XVI 12, p. 443,16 – 444,4. — (Ep.): Leon Magistros, Epp. — (Hag.): Vita Euthymii (BHG 651) XII, p. 79,21-24 (anonym als πρέσβεις zusammen mit Symeon [# 27468]); XIII, p. 87,6f.; XV, p. 101,9f. (Karlin–Hayter). — (Sonst.): Arethas, Χοιροσφάκτης ἢ Μισογόης = Scripta minora Nr. 21, I, 200–212 passim. — (Vers.): Konstantinos Rhodios auf Leon Choirosphaktes – Τοῦ  Ῥοδίου Κωνσταντίνου πρὸς τὸν Χοιροσφάκτην Λέοντα, ed. Matranga, Anecdota graeca II, 624f. (teilweise abgedruckt auch bei Mercati, in: Rivista degli studi orientali 10 [1923–1925] 227). — (syr.): Bar Hebraeus 154f. (Budge) (ohne Erwähnung des L., sondern zum Mitgesandten Basileios). — (arab.): Ṭabarī; Ibn Šaddād; Eutych. Alex.; ‘Aẓīmī (ohne Namensnennung); Ibn al-Aṯīr (ohne Namensnennung). — (Sg.): Schlumberger, Sceaux 277: Λέοντι βασιλικῷ σπαθαροκανδιδάτῳ τοῦ χρυσοτρικλίνου, πρωτασεκρῆτις καὶ ἐπὶ τοῦ μυστικοῦ. Vermutlich ist zu korrigieren in: Λέοντι βασιλικῷ σπαθαροκανδιδάτῳ, ἐπὶ τοῦ χρυσοτρικλίνου (vielleicht außerdem in ἐπὶ τοῦ κανικλείου zu korrigieren), πρωτασεκρῆτις καὶ μυστικῷ.

L: ODB I 425f.; LdMA V (1991) 1891f.; Beck, Kirche 594f. (mit sicherlich falscher Schätzung [824] für das Geburtsjahr L.s); Hunger, Literatur II 111. 169; Tusculum-Lexikon 468f. — Mercati, in: Rivista degli studi orientali 10 (1923–1925) 212–248 (Ndr. in: idem, Collectanea Byzantina I, Bari 1970, 271–309); Zlatarski, Istorija I/2 301–314. 319–325. 334f.; Kolias, Léon Ch. (zu seiner Karriere bes. p. 15–73); Nissen, Anakreonteen 59–63; Mioni, in: Byz 19 (1949) 127–132; Ostrogorski, in: ZRVI 3 (1955) 29–36; Mango, Homilies 162 mit Anm. 9; Jenkins, Leo Choerosph. (Ndr. in: Jenkins, Studies XI); Canard, in: DOP 18 (1964) 38; Karlin–Hayter, in: Byz 35 (1965) 455–481 (engl. Übers. von Arethas, Scripta minora Nr. 21: 468–481); Istorija na Bălgarija II 282–284; Browning, Bulgaria 60f.; Magdalino, in: DOP 42 (1988) 97–118; Mango, Bath, bes. 323–327; Gallavotti, in: Bollettino dei Classici 11 (1990) 78–103; Speck, in: Varia III 268 Anm. 55; Shepard, Symeon Peacemaker passim; Magdalino, in: Byzantine Court Culture 140–165, bes. 146–161; Bosworth, in: JOAS 3–4 (1991–1992) 2; Paschalides, Συνείδηση 381f.; Tougher, Leon 11f. 87. 118. 121f. 129. 142f. 153. 179–181. 200. 229; Lauxtermann, in: BZ 91 (1998) 404 mit Anm. 70; Magdalino, The Road to Baghdad 203–205; Ciccolella, Anacreontee 58–64; Vassis, Leon Magistros (zu seiner Karriere bes. p. 1–10); Lauxtermann, Poetry 13. 49–51. 124f. 137. 145. 147. 214. 219. 229. 232; Dölger–Müller, Regesten Nr. 525c [521]; 530a [522]; 537a [523]; 542. 543. 547. 547a [545]; 548a. 548b [550]; 548c [551]; Lauxtermann, in: JÖB 53 (2003) 313–315; Vest, Melitene 760–768. — Zu der Erwähnung in der Vita Euthymii cf. Karlin-Hayter, in: Vita Euthymii 210f.

P: L. ist nicht mit dem in den arabischen Quellen erwähnten byzantinischen Gesandten Stephanos (# 27241) zu identifizieren (so Jenkins, Leo Choerosph. 168–170 mit Anm. 11), der am 27. September 905 einen Gefangenenaustausch am Fluß Lamos durchzuführen begann, welcher von den Arabern nach vier Tagen wegen angeblichen Vertragsbruchs der Byzantiner wieder abgebrochen wurde; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 544 und 547 (Beihammer). — Das Gedicht De thermis ist in zwei Redaktionen überliefert. In leicht veränderter (verallgemeinerter) Form wurde das Gedicht von Maximos Planudes in der Anthologia Planudea unter dem Namen des Paulos Silentiarios (6. Jh.) überliefert. In der längeren Version, die der Cod. Lond. Add. 36749 aus dem ausgehenden 10. Jh. bietet, haben sich die Überschrift: Στί(χοι) Λέοντος Μαγίστρου ἡμιαμβικοί | ... (fol. 131v) und die Anrede an den Adressaten (Konstantinos VII. Porphyrogennetos) erhalten. Die Identifizierung dieses Leon Magistros mit L. wurde von S. G. Mercati vorgenommen und ist seither allgemein akzeptiert. — Der Name “Chiliostichos Theologia” wird nicht vom Codex unicus (Cod. Vat. gr. 1257 [s. X]) selbst überliefert, wo das Werk eine andere Überschrift trägt, sondern scheint so etwas wie eine vereinfachende Benennung des Werkes von dritter Seite zu sein, denn er taucht nur in drei Handschriften (Cod. Lond. Harleianus 5624; Cod. Oxon. Barocc. 53 und Barocc. 76 [alle 15. Jh.]) auf, die nur ein kurzes Fragment (vv. 22-27) überliefern und zudem die Abfassung in die Zeit des Kaisers Michael III. und des Kaisars Bardas (# 791), also auf den Zeitraum 22.4.862 – 21.4.866, datieren (ἐν τοῖς χρόνοις τοῦ βασιλέως Μιχαὴλ καὶ Βάρδα καίσαρος), was offensichtlich falsch ist, da L. der Akrostichis zufolge bereits Magistros war, so daß die Chil. Theologia wohl erst in ab den 890er Jahren abgefaßt worden sein kann, s. Vassis, Leon Magistros 19–21. — Das anakreontische Gedicht auf die Augusta Helene Lekapene, die Ehefrau des Konstantinos VII. (εἰς τὴν αὐγούσταν  Ἑλένην Κωνσταντίνου τοῦ νέου σύζυγον), das im Cod. Vat. Barb. gr. 310 als Werk L.s (τοῦ αὐτοῦ) auf fol. 86r–88r überliefert ist (ed. Ciccolella, Anacreontee 110–114; ed. Matranga, Anecdota graeca 568–571; ed. Bergk, PLG III 361f.) ist als spätere Anpassung eines Anakreonteions L.s auf die spätere Gelegenheit anzusehen und gehört entgegen der Ansicht von Ciccolella nicht dem L., cf. Nissen, Anakreonteen 60–62; Vassis, Leon Magistros 12 mit Anm. 61; Lauxterman, Poetry 125. 128; idem, in: JÖB 53 (2003) 314f. — Cameron, Anthology 313, wies L. ein satirisches Epigramm auf einen stotternden Schüler zu, das unter dem Namen des Leon Philosophos (# 24313) überliefert ist. Diese Zuweisung wurde von Lauxtermann, Epigram 192, überzeugend zurückgewiesen. — Eventuell ist L. mit dem als Λέων μάγιστρος ἀνθύπατος πατρίκιος ὁ μυστικός bezeichneten Autor einer Epitome zu einer Hiob-Katene zu identifizieren, die sich im Cod. Vat. gr. 709 (12. Jh.) befindet, cf. U. Hagedorn – D. Hagedorn, Hexaplarische Fragmente des Buches Hiob in der Katenen-Epitome des Leo Magister (Vaticanus gr. 709), in: Quaerite faciem eius semper. Studien zu den geistesgeschichtlichen Beziehungen zwischen Antike und Christentum. Dankesgabe für Albrecht Dihle zum 85. Geburtstag aus dem Heidelberger “Kirchenväterkolloquium”, hrsg. von A. Jördens – H. A. Gärtner – H. Görgemanns – A. M. Ritter, Hamburg 2008, 91–100, bes. 92f.

Angehörige (anonym):

1. Ehefrau 24343A

V: Sie war die Frau des L. und eine Verwandte des Kaisers Leon VI. Sie litt unter Epilepsie (ἐπιληπτίζουσα). Vor seiner Verbannung hatte L. ihre Krankheit sechs Jahre lang miterlebt und sie gepflegt, so daß sie erst ca. 901 in relativ fortgeschrittenem Alter erkrankt sein kann. Denn sie war, als L. verbannt war, auch schon eine alte Frau (γραῖα).

Q: — (Ep.): Leon Magistros, Ep. 21,69-73, p. 103–105: τὴν ... στέρησιν ... αὐτῆς τῆς ἐπιληπτιζούσης συζύγου, ... ἧς ἐν ἔτεσιν ἓξ ὅλοις ἤδη νοσηλεύων ...; Ep. 23,29-31, p. 115: ἡ δ᾿ ἐμὴ σύζυγος τῶν σοὶ προσηκόντων αἷμα τὸ ἐγγύτατον; Ep. 24,15f.: τὴν ἐπιληπτίζουσαν σύζυγον γραῖαν ..., l. 19, p. 117.

L: Kolias, Léon Ch. 17f. 57; Vassis, Leon Magistros 3.

2. Tochter 24343B

V: Sie war die Schwester der Theoktiste (# 28040) und heiratete einen Mann (s. unten), der sich später gegen ihren Vater wandte. Kolias (Leon Ch. 19) glaubt, daß sie nach dem Zerwürfnis zwischen L. und ihrem Ehemann mit ihren drei Kindern (s. u.) in das Haus ihres Vaters zurückgekehrt sei. Diese Annahme würde erklären, warum L. sie und ihre Kinder ebenso wie seine Ehefrau als seine Schutzbefohlenen behandeln konnte, in deren Namen er um seinen Rückruf aus dem Exil bat. Andererseits ist zu bedenken, daß sie zum Zeitpunkt von Ep. 24 bereits drei Kinder hatte, während sie zum Zeitpunkt von Ep. 21, in dem L. sich über ihren Ehemann (s. unten) äußert, noch genauso “frischvermählt” wie ihr Ehemann gewesen sein müßte. Zwischen Ep. 21 und Ep. 24 müßten somit mehrere Jahre liegen, und sie hätte, wenn überhaupt, ihren Mann erst relativ kurz, bevor Ep. 24 geschrieben wurde, verlassen.

Q: — (Ep.): Leon Magistros, Ep. 24,19, p. 117.

L: Kolias, Léon Ch. 18f.; Vassis, Leon Magistros 3.

3. Schwiegersohn 24343C

V: Er war der Ehemann der Tochter (# 24343B) des L. Sein Name ist nicht bekannt, aber angesichts der hohen gesellschaftlichen Stellung L.s ist anzunehmen, daß auch L.s Schwiegersohn zur obersten Gesellschaftsschicht gehörte. Daher könnte es sich vielleicht um eine durchaus bekannte Persönlichkeit handeln. Arethas von Kaisareia (# 20554) schreibt in seiner Invektive gegen L., daß dieser Schwiegersohn (dort als υἱὸς bezeichnet, cf. dazu Kolias, Léon Ch. 19) sich von L. abgewandt habe, und führt ihn ferner als Zeugen dafür an, daß L. gegen das Fastengebot am Ostersamstag verstoßen habe. Ferner wird er in einem Brief L.s an den Kaiser Leon VI. erwähnt, in dem L. darüber klagt, daß dieser noch nicht lange verheiratete Schwiegersohn (γαμβροῦ νεογάμου, Ep. 21,87) aus Geldgier sowohl L.s Abwesenheit aufgrund von Gesandtschaftsreisen als auch seine Verbannung auszunutzen suchte. L. vergleicht ihn implizit mit Absalom (Ep. 21,90).

Wahrscheinlich zielen auch die “neuen <Feinde>, meine mißgünstigen Verwandten” (τοὺς νέους συγγενεῖς δυσμενεῖς), die sich gegen L. hätten aufstacheln lassen (Ep. 25,38f.), die L. in einem anderen Brief erwähnt, auf diesen Schwiegersohn. Demnach hätte er dem, was der Eunuch Basileios (# 20917) und dessen Untergebene (# 30239) über die arabische Gesandtschaft des L. verbreiteten, Glauben geschenkt und sich zusammen mit L.s “alten Feinden” (# 30249) gegen L. gewandt.

Q: — (Ep.): Leon Magistros, Ep. 21,87-89, p. 105; wahrscheinlich auch: Ep. 25,38f., p. 123. — (Sonst.): Arethas, Scripta minora Nr. 21, I, p. 207,30f.; p. 210,22f.

L: Kolias, Léon Ch. 18f. 58; Vassis, Leon Magistros 3.

4. Enkel 24343D

V: Drei Kinder der Tochter (# 24343B) und des Schwiegersohns (# 24343C) des L. Sie werden in einem Brief des L. an Kaiser Leon VI. erwähnt. L. beschwört darin den Kaiser auch im Namen seiner Frau (# 24343A), seiner Tochter und der drei Enkel, ihn aus dem Exil zurückzurufen.

Q: — (Ep.): Leon Magistros, Ep. 24,19, p. 117.

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