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Leon Rabduchos

Λέων

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24400
Namensvariante
Rabduchos (Bei- oder Familienname); Rhabdouchos (Beiname, Sekundärliteratur)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
910
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Protospatharios; Strategos (Dyrrhachion); Magistros; Logothetes des Dromos; Gesandter (-> Serben)
Name normalisiert
Leon
Ort
Dyrrhachion (T); Pagania (Serbien); Serbien; Bulgarien; Ungarn; Kalabrien
Quelle
Konst. Porph., DAI; Mango, in: Arch. Anzeiger 81 (1966); Leon Magistros, Epp.

N: Bei- oder Familienname: Rabduchos (“Stabhalter”, “Liktor”) — Ῥαβδοῦχος.

T: Protosphatharios und Strategos von Dyrrhachion — ὁ τότε εἰς Δυρράχιον στρατηγῶν, ὁ πρωτοσπαθάριος Λέων ὁ Ῥαβδοῦχος (Konst. Porph., DAI 32,82f.); Magistros und Logothetes des Dromos — μάγιστρος καὶ λογοθέτης τοῦ δρόμου (Leon Magistros, Ep. 27; Konst. Porph., DAI 32,83f.); Gesandter zu den Serben.

V: Möglicherweise, wenn auch wohl unwahrscheinlich (s. unter P), nahm er im Jahre 880 am Feldzug des Prokopios (# 26758) nach Kalabrien teil.

Ca. 910 (so die Datierung durch Kolias, Leon Ch.129) richtete Leon Choirosphaktes (# 24343) aus der Verbannung einen Brief an den Sohn (# 25739A) des Niketas Monomachos (# 25739), in dem er diesen bat, sich für ihn zu verwenden, und zwar vor allem bei L., durch den die Angelegenheiten des Leon Choirosphaktes wieder in Ordnung kommen könnten (Ep. 27). Leon Choirosphaktes bezeichnet den L. in diesem Brief als seinen Schwager (σύγγαμβρος), so daß L. also der Ehemann einer Schwester von Leon Choirosphaktes’ Ehefrau (# 24343A) gewesen sein müßte (cf. Sophocles, s. v. σύγγαμβρος). Da diese eine Verwandte des Kaisers Leon VI. war, müßte L. auch mit dem Kaiser selbst in irgendeiner Weise verschwägert gewesen sein. Die Titel, die Leon Choirosphaktes dem L. in diesem Brief gibt, sind Magistros und Logothetes des Dromos.

Als Protospatharios und Strategos von Dyrrhachion ist L. im cap. 32 des DAI bezeugt. Der dortigen Darstellung zufolge traf er sich nach dem Tode Leons VI., also nach 912, als Strategos von Dyrrhachion in Pagania, einer Region Serbiens, mit dem Serbenherrscher Petar (# 26408), um über ein Bündnis und Unterstützung zu beraten. Dies geschah offenbar im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen der Byzantiner mit den Bulgaren, wahrscheinlich also während des byzantinisch-bulgarischen Krieges von 913–918. Anscheinend sollte Petar die Ungarn (τοὺς Τούρκους) mit Geschenken bzw. Bestechung dazu bewegen, mit ihm gegen die Bulgaren zu ziehen, was diese, allerdings ohne Petars direkte Beteiligung, im Verlaufe dieses Krieges dann auch taten. Ein gewisser Michael (# 25166), Fürst der Zachlumoi, informierte jedoch den Bulgarenherrscher Symeon (# 27467) von dem Treffen. Symeon ließ Petar durch eine List gefangennehmen und nach Bulgarien bringen, wo dieser schließlich, wohl 917/18, verstarb.

Konst. Porph. schreibt ausdrücklich, daß L. erst nach seinem Treffen mit Petar mit dem Titel eines Magistros und dem Amt des Logothetes des Dromos geehrt worden sei (ὁ πρωτοσπαθάριος Λέων ὁ Ῥαβδοῦχος, ὁ μετὰ τοῦτο μάγιστρος τιμηθεὶς καὶ λογοθέτης τοῦ δρόμου, DAI 32,83f.), so daß nach dieser Quelle der terminus post quem für L.s Aufstieg zum Magistros und Logothetes tu dromu bei 912 liegt, wohingegen L. dem Brief des Leon Choirosphaktes zufolge diese Titel bereits um das Jahr 910 führte. Dieser chronologische Widerspruch läßt sich nur auflösen, wenn man entweder den Brief des Leon Magistros anders datiert (so Ostrogorsky: auf die Zeit nach 917), oder annimmt, daß im DAI ein Irrtum vorliegt, was die Karriere L.s betrifft. Die spätere Datierung des Briefes scheint dabei wenig wahrscheinlich. Zwar war Leon Choirosphaktes später noch einmal im Exil, doch von den in seinem Briefkorpus erhaltenen Briefen aus dem Exil stammen alle anderen sicher aus seinem ersten Exil (ca. 907–911), so daß es keinen Grund gibt, Ep. 27 aus diesem Zusammenhang herauszulösen. Lascaris versuchte, den Widerspruch zu beseitigen, indem er die Gesandtschaft L.s zu Petar erheblich vordatierte, was jedoch andere Widersprüche erzeugt und daher abzulehnen ist. Am wahrscheinlichsten dürfte somit ein Irrtum im DAI sein (cf. DAI, Comm. 135).

Q: — (Ep.): Leon Magistros, Ep. 27,11-13, p. 129. — (Fs.): Konst. Porph., DAI 32,82-86. — (Inscr.): A Byzantine Inscription Relating to Dyrrhachium, ed. Mango, in: Archäologischer Anzeiger 81 (1966) 410–414, bes. 412, l. 18 (fraglich).

L: Kolias, Leon Ch. 18. 60; M. Lascaris, La rivalité bulgaro-byzantine en Serbie et la mission de Léon Rhabdouchos (917), in: Revue historique du Sud-Est Européen 20 (1943) 202–207; Ostrogorsky, in: ZRVI 3 (1955) 29–36; Guilland, Recherches I 105 (= idem, in: REB 25–27 [1955–57] 664); DAI, Comm. 135; Mango, in: Archäologischer Anzeiger 81 (1966–67) 410–414.

P: Eine Identität mit dem für das Jahr 880 in den Chroniken belegten Stratelates Rabduchos (# 26791) wird in der Forschung nicht ausgeschlossen, aber aufgrund der großen Zeitspanne allgemein eher für unwahrscheinlich gehalten, s. DAI, Comm. 135. — Möglicherweise bezieht sich eine Inschrift auf ihn, die von Mango, in: Archäologischer Anzeiger 81 (1966–67) 410–414, veröffentlicht worden ist und in der am Ende einer sonst nicht erhaltenen Zeile der Wortteil οῦχος erscheint (p. 412,17). Mango selbst möchte mit guten Gründen die Inschrift lieber mit Niketas Pegonites (# 25851) verknüpfen, der 1018 Dyrrachion gegen einen bulgarischen Angriff verteidigte. — Möglicherweise ist er identisch mit einem Exadelphos Kaiser Leons VI., von dem nur der Anfangsbuchstabe R überliefert ist, (s. # 26790), doch erscheint dies angesichts eines – wenn auch vermutlich nur entfernten – Schwiegerverhältnisses L.s zu Leon VI. (s. o.) nicht sehr wahrscheinlich.

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