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Leon Phokas

Λέων

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24408
Namensvariante
Phokas (Familienname); Foka (mbulg.); Lav Foka (Sekundärliteratur)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
917
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Domestikos scholai; Magistros = mbulg. magistr; Domestikos scholai Anatole (Skylitzes); domestik (mbulg.)
Name normalisiert
Leon
Ort
Acheloos (Fluß); Mesembria; Katasyrta (Ort in Thrakien); Thrakien = mbulg. Frak; Ateus (Kastell in Kleinasien); Goeleon (Ort in Kleinasien); Bosporos; Marmarameer; Damalis; Chrysopolis (Kleinasien); Chalkedon; Oe Leon (Variante zu Goeleon); Tutchon’skaa rěka (mbulg.) = Acheloos (Fluß); Mesebri: Mesębri (mbulg.) = Mesembria; Katasirt (mbulg.) = Katasyrta; strana Frač'skaa = choros Thrakoon; Goleunt (mbulg.) = Goeleon; Kappadokien; Kapadokia (mbulg.)
Quelle
Theoph. cont. 6; Georg. mon. cont. (Istrin); Georg. mon. cont. (Bonn); Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Leon gr.; Theod. mel.; Skylitzes; Zonaras; Liudprand, Antapodosis; Leon diakonos, Historia; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log.

N: Familiennames: Phokas — ὁ Φωκάς.

T: Magistros und Domestikos der Scholen — Λέων μάγιστρος ὁ Φωκὰς δομέστικος τῶν σχολῶν τυγχάνων (Theoph. cont.); Skylitzes bezeichnet ihn als Magistros und Domestikos der Scholen des Ostens: μάγιστρον Λέοντα τὸν Φωκᾶν, δομέστικον ὄντα τῶν σχολῶν τῆς ἀνατολῆς; Symeon sl. nennt ihn nur magistr’ und domestik’.

V: Sohn des Nikephoros Phokas des Älteren (# 25545), Bruder des Bardas Phokas des Älteren (# 20769) (1) und somit Onkel des späteren Kaisers Nikephoros II. Phokas (# 25535) und des Kuropalates Leon Phokas (# 24423). Laut Cheynet liegt das Geburtsdatum L.s zwischen 875 und 880. Er war verheiratet mit einer Schwester (# 23820A) des Parakoimomenos Konstantinos (# 23820).

Im Jahre 917 erhielt L., dem die Chroniken bei dieser Gelegenheit “mehr Tapferkeit als Übersicht” bescheinigen (Theoph. cont.: ᾧ ἀνδρία μᾶλλον ἢ ἐπιστατικὴ φρόνησις προσανέκειτο), den Oberbefehl über die gegen die Bulgaren ausgeschickte Armee. Am 20. August 917 (Theoph. cont.) trafen Bulgaren und Byzantiner am Fluß Acheloos zusammen, wobei letztere eine vernichtende Niederlage erlitten, bei der auch viele Anführer ums Leben kamen. L. selbst konnte sich nach Mesembria retten. Gegenüber Theoph. cont. bietet Skylitzes noch weitere Einzelheiten: Laut seiner Darstellung standen die Byzantiner kurz vor dem Sieg, als der erschöpfte L. vom Pferd stieg, um sich an einer Quelle zu erfrischen. Sein Pferd riß sich los und lief allein durch das Heerlager. Als die Soldaten dies sahen, glaubten sie den Feldherrn tot und begannen zu fliehen. Symeon hatte dies beobachtet und griff energisch mit seinen Truppen an, worauf bei den Byzantinern eine Panik ausbrach und es zu einer regellosen Flucht mit gewaltigen Verlusten kam (2).

Im Herbst 917 oder Frühjahr 918 zogen die siegreichen Bulgaren gegen Konstantinopel und verheerten Thrakien. L. zog wiederum gegen sie aus, zusammen mit dem Hetaireiarches Ioannes (# 22900) und Nikolaos Dukas (# 25947). Bei dem Ort Katasyrta wurde das Heer nachts von den Bulgaren überfallen und vernichtet. L. konnte sich retten, während Nikolaos und viele andere erschlagen wurden (3).

Die Chroniken berichten, daß der Parakoimomenos Konstantinos, mit dessen Schwester L. verheiratet war, versucht habe, L. auf den Thron zu bringen, wogegen Konstantinos VII. den Flottenbefehlshaber Romanos (I.) Lakapenos um Hilfe gebeten habe. Dieser Vorgang ist in das Frühjahr 919 zu datieren (4). Möglicherweise ist diese Darstellung jedoch propagandistisch gefärbt, denn dieser Umsturz scheint sich in erster Linie gegen die Machtstellung von Zoe Karbonopsina (# 28506), der Mutter des Kaisers und Leiterin der Regentschaftsregierung, gerichtet zu haben. Allerdings fürchteten die neuen Herren eine Usurpation L.s und ernannten an seiner Stelle den Ioannes Garidas (# 22900) zum Domestikos der Scholen (5). Spätestens diese Absetzung und die Entmachtung seines Schwagers, des Parakoimomenos Konstantinos, scheinen L. zu dem Entschluß gebracht zu haben, nun tatsächlich zu rebellieren.

Nach der erfolgreichen Machtergreifung Romanos’ I. Lakapenos Ende März 919 ließen Konstantinos VII. und Romanos I. durch den Primikerios des kaiserlichen Bestiarion, Andreas (# 20365), dem L. einen Brief (θεία κέλευσις) überbringen, in dem sie ihn aufforderten, sich ruhig zu verhalten und Kaiser Konstantinos VII. die Treue zu bewahren. Angeblich erhielt L. den Brief in seinem Haus in Kappadokien und hielt nach der Lektüre zunächst Ruhe (6).

Nach der Heirat Konstantinos’ VII. mit Helene (# 22574), der Tochter des Romanos Lakapenos, am 9. Mai 919 und nach der gleichzeitigen Ernennung des Romanos zum Basileopator entschloß L. sich zur Rebellion, angeblich hierzu von einigen Archonten und von “seinen” Tagmata (παρά τε τινῶν ἀρχόντων καὶ τῶν αὐτοῦ ταγμάτων) gedrängt. Er zog den Parakoimomenos Konstantinos auf seine Seite, ebenso die Brüder Konstantinos (# 23823) und Anastasios (# 20298) Gongylios sowie den Protasekretis Konstantinos Malelias (# 23818). Offiziell wurde behauptet, daß L. für den Kaiser Konstantinos VII. eintrete (also nur gegen die Machtergreifung des Romanos Lakapenos kämpfe). Romanos ließ dagegen Chrysobulle anfertigen und von Konstantinos VII. unterschreiben, die er heimlich durch eine Frau namens Anna (# 20445) und einen Kleriker Michael (# 25168) in das Heerlager des Rebellen bringen und dort verteilen ließ. Michael wurde von L. ergriffen, man blendete ihn und schnitt ihm Nase und Ohren ab, während die Frau offenbar unerkannt blieb. Danach verließen einige Anführer die Partei des L. und gingen zu Romanos über, als erster der Befehlshaber der Hikanatoi, Konstantinos (# 23826), und mit diesem die beiden Turmarchen Balantios (# 20750) und Atzmoros (# 20697). Trotzdem marschierte L. mit seinem Heer bis nach Chrysopolis und stationierte die Soldaten am asiatischen Ufer des Marmarameeres, wo sie von Damalis bis Chalkedon Aufstellung nahmen (7). Romanos schickte nun den Kanikleios Symeon (# 27481) auf einer Dromone zu den Truppen L.s, wo Symeon ein (weiteres) von Konstantinos VII. unterschriebenes Chrysobull vorzeigte, in dem Konstantinos den Romanos als seinen treuesten Diener und väterlichen Freund bezeichnete und L. als jemanden, der ihm schon immer nachgestellt habe und widerrechtlich nach der Herrschaft strebe. Als die Soldaten dies hörten, traten sie sämtlich zur Partei des Romanos über. L. erkannte, daß seine Pläne gescheitert waren, und floh in das Innere Kleinasiens. Die Besatzung des Kastells Ateus verwehrte ihm den Eintritt, und so blieb er schließlich in einem Platz names Goeleon, wo er von Ioannes Tubakes (# 22918) und dessen Verwandtem Leon (# 24409) im Auftrag des Romanos gefangengenommen und nach Konstantinopel geschafft wurde. Man blendete ihn, angeblich ohne Wissen und Auftrag des Romanos. Im August 919 wurde der geblendete L. dann auf einem Maultier in einem Schmähumzug durch die Stadt geführt (8).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 10, p. 360,5f.; Georg. mon. cont. (Istrin) 28,21. — (2) Theoph. cont. VI 10, p. 388,20 – 389,17; Skylitzes, Konstantinos 8, p. 203,79 – 204,17; Symeon log. (Leon gr. 294,17 – 295,18; Theod. mel. 207,5-28; Symeon sl. 127,23-38); Symeon log. (Wahlgren) 135,137-156; Georg. mon. cont. (Bonn) 881,1-23; Georg. mon. cont. (Muralt) 1137A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 43,15-33; Ps.-Symeon 723,18 – 724,10; Zonaras XVI 16, p. 463,9 – 464,9. Das Datum 20. August findet sich bei Theoph. cont. u. a., während Skylitzes den 6. August nennt. Skylitzes, der hier offenbar über zusätzliche Quellen verfügt, deren Herkunft unklar ist, gibt zudem noch eine weitere Version, derzufolge L. kurz vor dem endgültigen Sieg gestanden habe, als ihm gemeldet worden sei, daß Romanos Lakapenos, damals Drungarios der Flotte, in Richtung Konstantinopel gesegelt sei, um die Herrschaft an sich zu reißen. Daraufhin habe L. die Verfolgung abgebrochen, was seine Soldaten als Flucht interpretiert hätten, während die Bulgaren ihrerseits zum Gegenangriff übergegangen seien, mit den schon oben geschilderten Folgen (Skylitzes, Konstantinos 9, p. 204,25-37; ihm folgend Zonaras XVI 17, p. 465,2-16; möglicherweise die Vorlage des Skylitzes oder von derselben Vorlage abhängig ist Leon Diakonos, Historia VII 7, p. 122,23 – 124,12). Allerdings scheint diese Version eher nachträgliche Verleumdung zu sein, die erst nach dem späteren Aufstand L.s entstanden sein dürfte. Schon aus zeitlichen Gründen ist sie nicht mit der Machtergreifung des Romanos Lakapenos zu vereinbaren. Immerhin war sie so weit verbreitet, daß sie (in leichter Abwandlung) noch rund 40 Jahre später von Liudprand, Antapodosis III 26, p. 85,23-25; 27, p. 87,3-12, wiedergegeben wurde. — (3) Theoph. cont. VI 10, p. 390,15-21; Skylitzes, Konstantinos 9, p. 205,45-56 (Skylitzes, dem Zonaras folgt, berichtet im Gegensatz zu den anderen – früheren – Chroniken, daß die Byzantiner gesiegt hätten); Symeon log. (Leon gr. 296,12-16; Theod. mel. 208,17-23; Symeon sl. 128,12-15); Georg. mon. cont. (Bonn) 882,21 – 883,5; Georg. mon. cont. (Muralt) 1140B; Georg. mon. cont. (Istrin) 44,14-19; Ps.-Symeon 725,4-8; Zonaras XVI 17, p. 466,1-4. Polemis, Doukai 26 Anm. 2, behauptet, daß Leon Argyros (# 24399) bei diesem Treffen Domestikos gewesen sei, ohne dies näher zu begründen. Jedoch sprechen alle Quellen von Leon Phokas; zu Katasyrta cf. auch Külzer, Ostthrakien 443f. (Datierung der Schlacht auf den Spätsommer 917). — (4) Theoph. cont. VI 11, p. 390,22 – 391,5; Skylitzes, Konstantinos 11, p. 205,58 – 206,66 (Skylitzes hebt hervor, daß L. sich seiner Sache vollkommen sicher gewesen sei und sich quasi schon als Kaiser gefühlt habe); idem, Konstantinos (2) 1, p. 233,90-95; Symeon log. (Leon gr. 296,19-22; Theod. mel. 208,24-26; Symeon sl. 128,17-19); Symeon log. (Wahlgren) 135,179-181; Georg. mon. cont. (Bonn) 883,6 – 884,20; Georg. mon. cont. (Muralt) 1140B–1141C; Ps.-Symeon 725,9-14; Zonaras XVI 17, p. 466,5 – 467,6. — (5) Theoph. cont. VI 11, p. 392,19-22. — (6) Theoph. cont. VI 12, p. 394, 10-17; Skylitzes, Konstantinos 11, p. 209,56-62; Symeon log. (Leon gr. 300,12-20; Theod. mel. 211,17-25; Symeon sl. 129,36 – 130,3); Symeon log. (Wahlgren) 136,4-12; Georg. mon. cont. (Bonn) 886,20 – 887,6; Georg. mon. cont. (Muralt) 1145A; Georg. mon. cont. (Istrin) 46,12-19; Ps.-Symeon 727,7-18 (mit einem zusätzlichen kommentierenden Vers); verkürzt: Zonaras XVI 17, p. 468,5-7. — (7) Damit unterbrach L. die Verbindungen von Konstantinopel nach Kleinasien. — (8) Theoph. cont. VI 13–15, p. 395,2 – 397,9; Skylitzes, Konstantinos 13f., p. 209,69 – 211,91; Symeon log. (Leon gr. 301,5 – 303,16; Theod. mel. 212,5 – 213,26; Symeon sl. 130,8 – 131,5); Symeon log. (Wahlgren) 136,18-66; Georg. mon. cont. (Bonn) 887,13 – 889,15. 20-22; Georg. mon. cont. (Muralt) 1145B–1149A; Georg.mon. cont. (Istrin) 46,26 – 47,33; Ps.-Symeon 728,1 – 730,19; Zonaras XVI 17, p. 468,12 – 469,8. Skylitzes, der hier über Sondernachrichten zu verfügen scheint, gibt an, daß L. von Michael Barys (# 25170) und anderen bei dem Chorion Oe Leon (s. dazu unter P) gefangengenommen worden sei. Danach habe ihn dann Ioannes Tubakes übernommen, geblendet und nach Konstantinopel gebracht; zu der Rebellion cf. auch Leon Diakonos, Historia VII 7, p. 122,23 – 124,21, der vielleicht die Vorlage zu Skylitzes bildet oder mit diesem von einer gemeinsamen Vorlage abhängig ist; verkürzt und ungenau: Liudprand, Antapodosis III 38, p. 87,13-20.

Q: — (Hist.) Theoph. cont.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Ps.-Symeon; Leon Diakonos, Historia; Skylitzes. — (lat.): Liudprand, Antapodosis.

L: ODB III 1665f. s. v. “Phokas”. — Đurić, in: ZRVI 17 (1976) 240–246; Cheynet, Les Phocas 296f. — Zu Goeleon cf. Belke–Restle, Galatien und Lykaonien 170.

P: Der Name “Oe Leon” ( Ὠὴ Λέων = “armer Leon” o. ä.) bei Skylitzes dürfte eine vielleicht bewußte Modifizierung des realen Ortes Goeleon (in Lykaonien) sein und wäre dann als Anspielung auf die Tatsache der Gefangennahme Leons zu verstehen. — Laut Skylitzes, Konstantinos (2) 1, p. 233,92f., war L. Domestikos der Scholai des Ostens (τῆς ἀνατολῆς), doch wird dies von den anderen Quellen nicht bestätigt. — Der bei Skylitzes als Sohn L.s genannte Manuel Komnenos (# 248784) dürfte tatsächlich der Sohn des Kuropalates Leon Phokas (# 24423) gewesen sein, s. unter Manuel. — Runciman, Romanos 131, zog die Möglichkeit in Betracht, daß der bei Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 6, p. 124,24-28 (Gelzer); p. 24f. (Macler), nicht namentlich benannte Domestikos, der ca. 921/22 erfolglos die Stadt Dvin belagerte, mit L. zu identifizieren sein könnte. Doch erscheint eine Identifizierung dieser Person mit Ioannes Kurkuas (# 22917), von dem wir wissen, daß er während der gesamten Herrschaft des Romanos I. im Osten operierte und der auch in den arabischen Quellen oft nur als Domestikos bezeichnet wird, wahrscheinlicher.

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