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al-Mahdī

Φατλοῦν

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24814
Namensvariante
Phatlun (griech. Namensform); Phatlum (griech. Namensform); Mechedi (griech. Namensform); Ubaydallāh: ‘Ubaydallāh al-Mahdī; Abdallāh: ‘Abdallāh al-Mahdī
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
909
ethnos
Arabien
Religion
Muslim
Titel / Beruf
Kalif; Mahdī (arab.: “der Rechtgeleitete”, Erlöser); Mechedi (griech. für arab. Mahdī); Herrscher der Rechtgläubigen = amīr al-mu'minīn (arab.); amir: amīr al-mu'minīn (arab.) = Herrscher der Rechtgläubigen; Kalif Nordafrika (Fāṭimide); rex africanus (lat.)
Name normalisiert
Mahdi
Ort
Nordafrika = Ifrīqiya (arab.); Ifriqiya: Ifrīqiya (arab.) = Nordafrika; Bruzzano; Oria (Apulien) = Ūra (arab.) = Awra (arab.) = Warī (arab.); Tarent = Ṭārant (arab.); Tarant: Ṭārant (arab.) = Tarent; Otranto = Uḏrant (arab.); Udrant: Uḏrant (arab.) = Otranto; Ūra (arab.) = Oria; Rhegion = Rīyū (arab.); Riyu: Rīyū (arab.) = Rhegion; Kalabrien; Unteritalien; Süditalien
Quelle
Skylitzes; Kleinchroniken; Chron. Cambr. arab.; ‘Imādaddīn Idrīs; Chron. Cambr. gr.; Liudprand, Antapodosis

N: Al-Mahdī (“der Rechtgeleitete”), war zunächst sein Übername, dann sein Regierungsname als fāṭimidischer Kalif. M. wurde von seinen Anhängern für den “Mahdī” (der von den ismā‘ilitischen Šī‘iten [= Siebener-Šī‘iten] erwartete Erlöser, der in der Endzeit erscheinen und über die Welt richten wird) gehalten, was auch in den griechischen Quellen seinen Niederschlag findet, wo er u. a. als Mechedi — Μεχεδί bezeichnet wird. Er selbst nannte sich zu seiner Regierungszeit ‘Abdallāh al-Mahdī, in den sunnitischen Quellen wird er aber meist als ‘Ubaydallāh al-Mahdī bezeichnet (zum fāṭimidischen Mahdī-Titel cf. Halm, Das Reich des Mahdi 28f.). Bei den von Skylitzes (Nikephoros 7, p. 266,38) verwendeten Namensformen Φατλοῦν und Φατλούμ handelt es sich um eine griechische Verballhornung der arabischen Bezeichnung al-Fāṭimī – der Fāṭimide.

T: Erster fāṭimidischer Kalif in Nordafrika (909–934); rex Africanus (Liudprand).

V: M. drang, zusammen mit dem šī‘itischen Missionar Abū ‘Abdallāh (# 20033), in den ersten Jahren des 10. Jh.s nach Nordafrika (Ifrīqiya) vor, vertrieb die dort herrschenden Aġlabiden und begründete die Herrschaft der Fāṭimiden (1).

Liudprand von Cremona berichtet, daß der byzantinische Kaiser (nach dem Herrschaftsantritt Konstantinos’ VII. [913] und Romanos’ I. [919/20]) eine Gesandtschaft mit Geldgeschenken an M. geschickt habe, um ihn zu ersuchen, die Byzantiner bei der Niederschlagung eines in Apulien und Kalabrien ausgebrochenen Aufstandes zu unterstützen, da er selbst durch einen in Westkleinasien ausgebrochenen Aufstand daran gehindert würde. Angeblich soll M. tatsächlich eine Flottenabteilung nach Süditalien geschickt haben (2).

Im Sommer 910 entsandte M. al-Ḥasan b. Aḥmad b. Abī Ḫinzīr (# 22559) als Statthalter nach Sizilien. Bis zur endgültigen Vertreibung des letzten aġlabidischen Gouverneurs, Aḥmad b. Qurhub (# 20191), im Juli 916 herrschten auf Sizilien bürgerkriegsähnliche Zustände, in denen die einheimische Bevölkerung wiederholt die Seiten wechselte (Quellen und weitere Details unter den genannten Lemmata).

Im August 918 nahm die Flotte des M. Rhegion (Rīyū) in Kalabrien ein (3).

In den frühen 20er Jahren des 10. Jh.s schickte der bulgarische Zar Symeon (# 27467) Gesandte zu M. und schlug ihm ein Bündnis zur Eroberung Konstantinopels vor. Die Bulgaren wollten mit ihrem Heer die Belagerung auf der Landseite übernehmen, die Fāṭimiden sollten die Stadt mit einer Flotte von der Seeseite her blockieren. Das eroberte Konstantinopel sollte M. behalten dürfen, während die Beute geteilt werden sollte. M. scheint grundsätzlich zugestimmt zu haben und schickte seinerseits Unterhändler, die aber zusammen mit den bulgarischen Gesandten in Kalabrien von den Byzantinern aufgegriffen wurden. Während die Bulgaren in Haft genommen wurden, wurden die Muslime mit reichen Geschenken zurück nach Nordafrika geschickt. Zugleich entschuldigte sich der Kaiser für das Ausbleiben der (durch Eustathios [# 21845] vereinbarten) Tribute und erklärte dies mit den Unruhen in jenen Regionen (Kalabrien). Es scheint zu Verhandlungen gekommen zu sein, denn Skylitzes berichtet davon, daß M. anstelle der bisherigen Zahlungen in Höhe von 22.000 Nomismata nun mit der Hälfte, also 11.000 Nomismata, zufrieden gewesen sei (4).

In den Jahren 923–925 nahm Ǧa‘far b. ‘Ubayd (# 22051), der Kämmerer des M., Bruzzano (.r.ṣāna; cf. Amari, Biblioteca, Vers. Ital. I 282 Anm. 2) und Oria (Ūra) ein (zu den Quellen und Details s. unter Ǧa‘far b. ‘Ubayd).

Im Jahr 315 a. h. (8.3.927 – 24.2.928) nahmen der fāṭimidische Statthalter auf Sizilien, Sālim (# 26967), und der von M. entsandte Heerführer Ṣābir (# 26951) verschiedene Ortschaften in Unteritalien ein, so al-Ġirān (die Grotten), Qal‘at al-Ḥasab, Salerno (Salīr) und angeblich auch Neapel (Nābil). Im Jahr 316 a. h. (25.2.928 – 13.2.929) eroberten sie Tarent (Ṭārant) und belagerten Otranto (Uḏrant). Nachdem sie wegen einer Seuche, die im Heer ausgebrochen war, nach Sizilien zurückgekehrt waren, fielen sie ein drittes Mal in Kalabrien ein und zwangen die Bevölkerung, die Kopfsteuer zu bezahlen. Diese wurde angeblich bezahlt, solange M. lebte (zu Quellen und Details s. unter Sālim und Ṣābir).

Als im Jahr 319 a. h. (24.1.931 – 12.1.932) M. seine Flotte für eine weitere Expedition gegen Byzanz rüstete, erschienen byzantinische Gesandte (# 30304) am Kalifenhof und ersuchten M. um einen Friedensvertrag. Dieser ließ sich darauf ein und hielt die Flotte zurück (5).

Am 3. März 934 starb M. (Chron. Cambr. arab.). Als Nachfolger wurde al-Qā’im bi-Amr Allāh (# 26784) eingesetzt.

Anmerkungen: — (1) Kleinchroniken I 45,41, p. 337 (Chron. Cambridge). Zur Machtübernahme der Fāṭimiden in Nordafrika cf. Halm, Kalifen 61–132. — (2) Liudprand, Antapodosis II 45, p. 57,17 – 58,7. Die Datierung der Gesandtschaft ist unsicher, da Liudprand den Regierungsantritt des Konstantinos VII. (913) und des Romanos Lakapenos (920) fälschlich gleichsetzt. Auch ist die Historizität des bei Liudprand erwähnten Zusammenwirkens der fāṭimidischen und byzantinischen Flotte in Kalabrien fraglich, da es in keiner anderen Quelle erwähnt wird, cf. Dölger-Müller, Regesten Nr. 574 (Beihammer), und Vasiliev, Arabes II 1, p. 227f. Allerdings gab es zu jener Zeit Auseinandersetzungen zwischen den Fāṭimiden und dem letzten aġlabidischen Statthalter Aḥmad b. Qurhub (# 20191) von Sizilien (ca. 913–916), was für die Fāṭimiden möglicherweise ein Grund für Verhandlungen mit den Byzantinern gewesen sein könnte. Dagegen spricht jedoch, daß in dieser Zeit in Süditalien sonst kein Aufstand belegt ist (erst 921, cf. unter Ioannes Byzalon [# 22934]), und daß es sich bei der in Westkleinasien ausgebrochenen Revolte am ehesten um diejenige des Leon Phokas [# 24408] im Jahr 919 handeln dürfte. Angesichts der erwähnten Probleme scheint eine Historizität der bei Liudprand geschilderten Ereignisse unwahrscheinlich. — (3) Chron. Cambr. arab. 169,11; Übers.: Amari, Biblioteca, Vers. Ital. I 283. — (4) Skylitzes, Nikephoros 6, p. 264,71 – 265,5. Zu datieren ist dieser Friedensschluß ca. 924, in jedem Fall vor dem bulgarischen Angriff auf Konstantinopel im November 924 und nach den Unruhen um Ioannes Byzalon; s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 603 (Beihammer), und Lienhard, Marianos Argyros 113. 116 mit Anm. 20 und 21. — (5) ‘Imādaddīn Idrīs V 151,21; cf. Lienhard, Marianos Argyros 117 Anm. 23.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Nikephoros 6; Kleinchroniken I 45 (Chron. Cambr. gr.). — (lat): Liudprand, Antapodosis II 45. — (arab.): Chron. Cambr. arab.; ‘Imādaddīn Idrīs.

L: CMH IV/1 (1966) 730. — Amari, Storia II 156–216. 279; Gay, L’Italie 207f.; Vasiliev, Arabes II 1, p. 159. 225. 227f. 247. 251–254; Vismara, Bisanzio 18. 38. 34 Anm. 88; 40; Dachraoui, Le califat 155f.; Eickhoff, Seekrieg 273ff. 437; Fahmy, Naval Organisation 150; Forsyth, Yahya 333. 348–350; Schreiner, Kleinchroniken II 119; Lévi-Provençal, L’Espagne II 84–87; Ahmad, History 25f.; Lev, in: Byz 54 (1984) 228f.; Halm, Mahdi 61–245; Lev, in: Graeco-Arabica 6 (1995) 196; Todt, Antiocheia 197; Dölger–Müller, Regesten Nr. 574. 603 (Beihammer); Lienhard, Marianos Argyros 113–117.

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