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Naum

Ναούμ

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
25501
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
860
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Mönch; Presbyteros; Monachos
Name normalisiert
Naum
Ort
Diabolis; Devol = Diabolis; Ochrid/Ohrid-See; Venedig; Rom; Belgrad; Donau
Quelle
Vita Clementis (BHG 355); Vita Nahumi slav. 2; Vita Nahumi slav. 1; Vita Constantini Thess. (VC); Vita Nahumi slav. 3; Vita Clementis (BHG 356); Vita Nahumi (BHG 1316z); Vita Nahumi brevior (BHG 1317)

Kombinationsartikel: Naum (# 5231).

N: Lat.: Nahum; Beiname: Thaumaturgos.

T: Mönch, Presbyteros — altkirchenslaw.: prezvyter; Missionar der Slawen (sog. “Slawenapostel”).

V: Es gibt einige Anhaltspunkte dafür, daß N. nicht vor 840, sondern eher später geboren wurde (1). N. gehörte zum Kreis der Schüler und Anhänger der sog. “Slawenapostel” Konstantinos-Kyrillos (# 3927) und Methodios (# 25062). Die Quellen (einschließlich seiner Vita) berichten über ihn selten eigenständig, sondern subsumieren ihn meistens allgemein unter die Schar der Schüler der Slawenapostel. Über die Person des N. läßt sich daher kaum etwas Verläßliches sagen.

Es ist anzunehmen, daß N. – wie dies auch für Konstantinos-Kyrillos, Methodios und Klemes von Ohrid (# 3655; # 23704) wahrscheinlich ist – ebenfalls entweder selbst bulgarisch-slawischer Herkunft war oder aber zumindest einem zweisprachigen Milieu vermutlich in Makedonien entstammte.

Wahrscheinlich wurde N. noch in den 50er Jahren des 9. Jh.s Mönch, obwohl die Quellen darüber keine Angaben machen. Als Methodios und Konstantinos-Kyrillos im Jahre 860/61 mit einer Gesandtschaft zu den Chazaren betraut wurden, hat N. sie möglicherweise begleitet und ist vielleicht auch Augenzeuge bei der Auffindung der Reliquien des hl. Clemens auf der Krim gewesen, doch sagen die Quellen dies nicht ausdrücklich (2). An der Entwicklung des glagolitischen Alphabetes durch Konstantinos-Kyrillos und Methodios, die binnen weniger Wochen im Jahre 862 erfolgt sein soll (nach dem Eintreffen einer Gesandtschaft des mährischen Fürsten Rastislav [# 6393] am byzantinischen Hof), wahrscheinlich jedoch schon Monate oder Jahre zuvor begonnen worden war, könnte N. ebenfalls beteiligt gewesen sein, doch wird in den slawischen Viten des Methodios und Konstantinos-Kyrillos nur allgemein von ihren “Mitarbeitern” gesprochen; Namen werden dort nicht genannt (3).

Die nächste Erwähnung von N. (wiederum nicht namentlich) betrifft das Jahr 868, als er vermutlich unter jenen “slawischen Schülern” war, die in Rom die Priesterweihe erhielten (4). Wenn N. in Rom anwesend war, wie es auch seine Vita (BHG 1316z) nahelegt, so dürfte der Schluß erlaubt sein, daß N. seine Lehrer Methodios und Konstantinos-Kyrillos 863–867 auf ihrer mährischen Mission und ihrer anschließenden Reise nach Rom (sie trafen Ende des Jahres 867/Anfang des Jahres 868 dort ein) begleitet hat. Dort wurden Konstantinos-Kyrillos, Methodios und ihre Schüler, darunter N. und Klemes von Papst Hadrianus II. (# 22537) und den Einwohnern Roms feierlich empfangen, nicht zuletzt, da Konstantinos-Kyrillos die von ihm aus dem Meer bei Cherson geborgenen Reliquien des hl. Clemens mitbrachte. Nach ihrem Einzug in Rom soll es zu zahlreichen Wunderheilungen gekommen sein (5). Hadrianus II. ließ sich auch die von ihnen mitgebrachten, “aus dem Griechischen ins Bulgarische übersetzten” slawischen Bücher zeigen, segnete sie, hinterlegte sie in der Kirche der hl. Maria Phatne (S. Maria Maggiore) und feierte dort auf sie die Liturgie. Danach ließ er die beiden Bischöfe Formosus (# 22001) und Gauderichos (# 22063) die slawischen Schüler weihen. Anschließend wurde in der Peterskirche die Liturgie in slawischer Sprache gefeiert, an den folgenden Tagen dann in der Kirche der hl. Petronella, der des hl. Andreas und schließlich die ganze Nacht hindurch in derjenigen des Apostels Paulos (San Paolo fuori le Mura) über dem Grab des Apostels, wobei der Bischof Arsenius (# 20625) und Anastasius Bibliothecarius (# 20341) assistierten (6).

Nach der Beerdigung des Konstantinos-Kyrillos, der am 14. Februar 869 in Rom gestorben war, ließ Hadrianus II. den Methodios und seine Schüler, darunter wohl auch N., “nach Pannonien in die Stadt Morav” zurückkehren (7). Vor und während ihrer Abreise soll es zu zahlreichen Wunderheilungen gekommen sein (8).

Für die Zeit zwischen 869 und 885 gibt es keine Nachrichten über N.

Nach dem Tode des Methodios (6.4.885) wurde Wiching (# 28443) zum neuen Erzbischof von Mähren geweiht. Da er und die anderen bairischen Kleriker entschiedene Gegner des Wirkens von Methodios und dessen Schülern waren, begann bald die Verfolgung der Methodios-Schüler, die inhaftiert oder vertrieben wurden. Im Rahmen dieser Verfolgungen wurde N. mit einigen seiner Gefährten eingekerkert und gefoltert. Aus der Kerkerhaft entkamen sie dank eines Erdbebens, das sie durch das Singen von Hymnen hervorgerufen haben sollen (9). Einige der Gefährten des N. wurden angeblich von Juden nach Venedig verbracht und dort als Sklaven verkauft. Ein zufällig gerade in Venedig weilender Gesandter (# 30712) des byzantinischen Kaisers erfuhr davon, kaufte sie frei, brachte sie nach Konstantinopel und berichtete davon dem Kaiser, woraufhin sie alle wieder in ihre früheren Ränge eingesetzt wurden und einige von ihnen in Konstantinopel Unterricht gaben (10).

Nach ihrer Befreiung zogen N. und die anderen zur Donau und dann nach Belgrad, wo sie von Radislav (# 26800), dem dortigen Bori Tarkan des bulgarischen Zaren Boris I. (# 21197), mit großen Ehren empfangen wurden (11). Anschließend zogen sie weiter ins eigentliche Bulgarien, wo sie von Boris I. selbst ehrenvoll empfangen wurden (12). Danach wurden sie mit Unterstützung des Zaren Boris I. auf ihren eigenen Wunsch hin als Glaubenslehrer mit ihren eigenen Büchern in verschiedene Teile des bulgarischen Reichs entsandt, wo sie weiterhin Texte aus dem Griechischen ins Altbulgarische übersetzten (13). N. und Klemes, die bei der Verbreitung des Glaubens in den Gebieten des Bulgarischen Reichs eng zusammenarbeiteten, kamen so angeblich in illyrische, lichnydonische und weitere Gebiete und schließlich nach Devol/Diabolis am Ohrid-See (14).

Dort gründete N. im Jahre 905 mit Unterstützung und auf Geheiß von Boris I. und dessen Sohn Symeon (# 27467) eine Kirche samt Kloster zu Ehren des Erzengels Michael (15).

N. wurde auf dem Sterbebett Mönch, starb am 23. Dezember 910 und wurde im rechten Flügel der von ihm gegründeten Erzengel-Michael-Kirche (heute: Sv. Naum) beigesetzt (16).

Anmerkungen: — (1) In der Forschung wird sein Geburtsdatum im allgemeinen zwischen ca. 830 (ODB) und ca. 840 (DO Hagiography Database) angegeben. Jedoch dürfte er jünger gewesen sein als sein Gefährte Klemes von Ohrid, dessen Geburtsdatum (“wahrscheinlich um 840”) allerdings auch nur auf einer Schätzung beruht; s. dort Anm. 1. In seiner Vita (BHG 1316z) wird N. zum einen zum Zeitpunkt des Eintreffens in Rom (a. 867) Jugendlichkeit bescheinigt; cf. Vita Nahumi (BHG 1316z) p. 170,83 (Trapp): τὸ τῆς ἡλικίας νεανικόν. Zum anderen war N. nach dem Tod des Konstantinos-Kyrillos und dem Tod des Methodios ein Anhänger (Jünger) des Klemes, der inzwischen Erzbischof von Ohrid geworden war, so daß anzunehmen ist, daß er jünger als Klemes war; cf. Vita Nahumi (BHG 1316z) p. 176,191-210 (Trapp), bes. 197-200. Auch soll N. nach seiner Vita den Klemes überlebt haben. — (2) Cf. D. Obolensky, Six Byzantine Portraits, Oxford 1988, 15, der dies dort für Klemes von Ohrid vermutete; es könnte gleicherweise auf N. zutreffen. — (3) Vita Constantini-Cyrilli (VC) cap. 14,13, p. 129 (Grivec–Tomšič) (lat. Übers., p. 201: cum aliis laboris sociis); Vita Methodii Thess. (VM) cap. 5,10, p. 155 (Grivec–Tomšič) (lat. Übers., p. 223: cum aliis, qui erant eiusdem sententiae ac ipsi). — (4) Vita Constantini-Cyrilli (VC) cap. 17,6, p. 139 (Grivec–Tomšič) (lat. Übers., p. 209: Deinde iussit papa duos episcopos, Formosum et Gondricum [Gaudericum] consecrare Slovenicos discipulos). — (5) Vita Nahumi (BHG 1316z) 88-99 (Trapp); 92-103 (Bărlieva); Vita Nahumi brevior (BHG 1317) 18-26; Vita Nahumi slav. , p. 183,1-4; VC cap. XVII 1-4. — (6) Vita Nahumi (BHG 1316z) 99-107 (Trapp); 104-112 (Bărlieva); Vita Nahumi slav. 2, p. 183,7-11; VC cap. XVII 4-9; laut der Vita Nahumi slav. 3, p. 185,16-23, soll Hadrianus II. sogar selbst die “bulgarische” Übersetzung der Texte der hl. Schrift mit dem griechischen Original verglichen und für gut befunden haben. — (7) Vita Nahumi slav. 2, p. 183,20-23; die Formulierung “nach Pannonien in die Stadt Morav” hat eine umfangreiche Diskussion in der Forschung ausgelöst, die noch nicht zu einem endgültigen Schluß gekommen ist. Am ehesten wird wohl mit einer Kontamination verschiedener Quellen zu rechnen sein, in deren einer von einer Stadt (jetzt) unbekannten Namens die Rede war, während in der anderen vom Land Morava/Mähren gesprochen wurde. Man vergleiche auch weiter oben im selben Text (l. 7) die Formulierung “Bischof von Morav und ganz Pannonien”. Ein anderer Zweig der Forschung (z. B. I. Boba, M. Eggers u.a.) nimmt indes die doch recht häufigen Angaben, in denen von einer Stadt Morav(a) bzw. griech. Morabos die Rede ist, durchaus ernst und geht davon aus, daß es sich um eine in der Nähe von Sirmium gelegene Stadt gehandelt habe, in der Methodios Bischof gewesen sei. U. a. darauf stützt sich auch die These dieser Forscher, daß Konstantinos-Kyrillos und Methodios niemals im heutigen Mähren gewesen seien, sondern daß ihr Missionsgebiet vielmehr im heutigen Ungarn, wenngleich links der Donau gelegen habe. Cf. zu dieser Theorie aus forschungsgeschichtlicher Sicht jetzt auch Bonazza, in: Welt der Slaven 53 (2008) 161–173. — Die Angabe der Vita Nahumi brevior (BHG 1317) 57-60 und der Vita Nahumi slav. 3, p. 185,37f., Methodios sei mit Klemes, N. und den anderen Schülern nach Bulgarien zurückgekehrt, dürfte dagegen falsch sein. — (8) Vita Nahumi (BHG 1316z) 108-126 (Trapp); 113-131 (Bărlieva); Vita Nahumi brevior (BHG 1317) 27-34. 39-43. — (9) Vita Nahumi (BHG 1316z) 152-173 (Trapp); 158-179 (Bărlieva); Vita Nahumi brevior (BHG 1317) 66-81; Vita Nahumi slav. 1, p. 306,16f.; Vita Nahumi slav. 2, p. 183,23-32; Vita Nahumi slav. 3, p. 186,9-23. Ob das Erdbeben tatsächlich stattgefunden hat, ist nicht gesichert. In den Vitae wird es auf göttliches Eingreifen auf die Gebete resp. das Singen von Hymnen hin zurückgeführt, es könnte also auch ein hagiographischer Topos vorliegen, vorgebildet etwa durch die Befreiung von Paulos und Silas aus dem Gefängnis in Philippi (Apg. 16,25f.). — (10) Vita Nahumi slav. 1, p. 306,17-27. — (11) Vita Nahumi slav. 2, p. 183,32 – 184,4. — (12) Vita Nahumi (BHG 1316z) 174-184 (Trapp); 180-190 (Bărlieva); Vita Nahumi slav. 1, p. 306,27f.; Vita Nahumi slav. 3, p. 186,24-29. — (13) Vita Nahumi (BHG 1316z) 184-191 (Trapp); 190-198 (Bărlieva); Vita Nahumi brevior (BHG 1317) 82-92; Vita Nahumi slav. 2, p. 184,4-6; Vita Nahumi slav. 3, p. 186,29-37. — (14) Vita Nahumi (BHG 1316z) 192-210 (Trapp); 198-217 (Bărlieva); Vita Nahumi brevior (BHG 1317) 93-105; Vita Nahumi slav. 1, p. 307,19f.; Vita Nahumi slav. 2, p. 184,6f.; Vita Nahumi slav. 3, p. 186,37 – 187,8. — (15) Vita Nahumi slav. 1, p. 305,9-11; Vita Nahumi slav. 2, p. 184,6-11. — (16) Vita Nahumi slav. 1, p. 305,12f.; Vita Nahumi slav. 2, p. 184,11-15. — Die Jahreszahl ergibt sich aus der Angabe der Vita Nahumi slav. 1, p. 305,14f., N. sei sechs Jahre vor Klemes gestorben. — Die Angabe der Vita Nahumi slav. 3, p. 187,8-10, N. sei nach dem Tode des Klemes auf die andere Seite des (Ohrid-)Sees gezogen und habe sich dort (im Kloster?) niedergelassen, darf aufgrund der oben genannten Angaben der anderen Quellen als falsch gelten.

W: Die Zuordnung von Werken ist generell schwierig, man bleibt auf indirekte Schlüsse angewiesen. Wahrscheinlich ist, daß N. der Verfasser eines altkirchenslawischen Kanons auf den hl. Andreas ist, was ein Akrostichon nahelegt (cf. Kožucharov, Mefodij i Naum Ochridski, 425–428, der die Entstehung des Kanons auf 868 datieren möchte, als N. mit Kyrillos und Methodios in Rom weilte und slawische Liturgien gehalten wurden). Weiter wird ihm ein Kanon auf die Translation der Reliquien des hl. Iohannes Chrysostomos zugeschrieben; ansonsten cf. Kožucharov, in: Literaturnaja istorija 12 (1984) 3–19.

Q: — (Hag.): Vita Nahumi (BHG 1316z) (Trapp; Bărlieva); Vita Nahumi brevior (BHG 1317); Vita Clementis (BHG 355) cap. II 7, p. 80,27 (Milev); cap. II 7,65, p. 82 (Iliev); cap. XII 35, p. 110,25-30 (Milev); cap. XII 35,519-523, p. 93 (Iliev); cap. XV 43, p. 116,19-25 (Milev); cap. XV 43,607-612, p. 95 (Iliev); cap. XVI 50, p. 122,21-26 (Milev); cap. XVI 50,711-716, p. 97 (Iliev); cap. XVI 52, p. 122,33-36 (Milev); cap. XVI 52,723-726, p. 98 (Iliev); Vita Clementis (BHG 356) cap. 2, p. 174,15 (= p. 239 Georgievski–Iljovski); Vita Constantini-Cyrilli (VC) cap. 14,13, p. 129 (Grivec–Tomšič) (ohne Namen). — (sl.): Vita Nahumi slav. 1. 2. 3.

L: ODB II 1442; LdMA VI (1993) 1054f.; SSS III (1967) 356; KME II (1995) 795–798; SLER 321f. — Zlatarski, Istorija I/2 227–283 passim; Petit, Acolouthies grecques 201f.; I. Dujčev, Un manuscrit grec inconnu avec l’acolouthie et la Vie de saint Naum d’Ohrid, in: Studia historico-philologica Serdicensia 1 (Sofia 1938) 121–124; Kusseff, St. Nahum, in: The Slavonic and East European Review 29 (1950–51) 139–152; zu der griechischen Vita s. Grivec–Tomšič 41f.; Dvornik, Missions 104. 193f. 245–252; Gautier, in: Bibl. Sanct. 9 (1967) 700–703; Swoboda, in: SSS III, 356; VII 314f.; Vlasto, Entry of the Slavs 82. 165f. 170. 177; Trapp, Die Viten des hl. Naum von Ochrid, in: Bsl 35 (1974) 161–185; Istorija na Bălgarija II 232. 249–257. 279. 427; Trapp, in: AnBoll 100 (1982) 470f. 474; idem, in: Byzantine Studies / Études Byzantines 8. 11. 12 (1981. 1984. 1985; erschienen 1986) 395–404; Kožucharov, in: Literaturnaja istorija 12 (1984) 3–19; Hauptová, in: Slovo 36 (1986) 77–85 (zu den altslawischen Legenden über N.); Nichoritis, in: Cyrillomethodianum 10 (1986) 30f. 36f. 43–45; Trapp, in: Byzantine Studies / Études Byzantines 8. 11. 12 (1981. 1984. 1985; ersch. 1986) 395–404; Pop-Atanasov, Fragments from a Poem by Naum Ohridski in Bratko’s Menaion, in: Macedonian Review 17 (1987) 226–228; Kožucharov, in: Symposium Methodianum, Neuried 1988, 421–430 (zu den Kanones des N.); Mareš, “Sedumte Svetiteli” 105; E. Gergova, Agiografiskite proizvedenija za Naum – literaturni iztočnici i tekstovi vzaimootnošenija, in: Kirilo-Metodievski studii 8 (1991) 165–177; Podskalsky, in: AnBoll 109 (1991) 109–116 (zu BHG 1316z; Lit.); idem, in: Chiljada i osemdeset godini ot smărtta na sv. Kliment Ochridski, Sofia 1993, 7–11 (zu BHG 1316z); Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 287f.; IBSL 237–239.

P: Unbewiesen ist die Hypothese, N. sei der Bruder des Klemes, da mit der entsprechenden Formulierung in der Vita Nahumi slav. 1, p. 306,2f., auch gemeint sein könnte, daß sie Brüder im Geiste oder eben Mönchsbrüder gewesen sind. Ebenso unbewiesen ist weiterhin die These, N. sei identisch mit dem Mönch Chrabăr gewesen, der wohl spätestens Anfang des 10. Jh.s, wahrscheinlich aber noch Ende des 9. Jh.s den altkirchenslawischen Traktat “Über die Buchstaben” verfaßte, eine der wichtigsten Quellen zur Entstehung der glagolitischen Schrift bei den (Süd-)Slawen um die Mitte des 9. Jh.s.; cf. etwa Trapp, Die Viten des hl. Naum von Ochrid, in: Bsl 35 (1974) 161–185, hier p. 166; cf. zu Chrabăr und seinem Traktat SSS I (1961) 43; Podskalsky, Bulgarien und Serbien 237–241; IBSL 248–251 sowie zur Frage von dessen Identität Podskalsky, Bulgarien und Serbien 105, bes. Anm. 418; KME IV (2003) 497–505; SLER 556f. Als ebenso unsicher wie die Gleichsetzung des Mönchs Chrabăr mit N. muss die mit Boris’ I. Sohn Symeon (# 27467) gelten, die etwa von Zlatarski, Istorija I/2 820–829, verfochten wurde.

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