Open Access Published by De Gruyter

Nikephoros Phokas (“der Ältere”)

Νικηφόρος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
25545
Namensvariante
Phokas (Familienname); Foka (mbulg.); Nikifor (mbulg.); Mhfur: M.h.fūr (arab.); Nigifur: Niǧifūr (arab.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
878
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Strategos Charsianon; Monostrategos der westlichen Themen ; Strategos Langobardia; Manglabites; Oikeios; Protostrator; Domestikos Scholai; Patrikios; Oberbefehlshaber (einer Expedition nach Unteritalien) = Monostrategos; bitriq: biṭrīq (arab.) = Patrikios bzw. Befehlshaber; Strategos Thrakesion
Name normalisiert
Nikephoros
Ort
Charsianon (T); Unteritalien; Langobardia (T); Amatia (Italien); Theklakirche (Kpl.); Kpl.: Theklakirche; Phokaspalast (Kpl.); Kpl.: Phokaspalast; Thrakesion (T); Thrakien (T); Makedonien (T); Kephallenia (T); Longibardia (T); Kalabria (T); Tarent (Italien); Bari (Italien); Santa Severina (Italien) = Hagia Seberine (Italien) = S.b.rīna (arab.); Hagia Seberina (Italien) = Santa Severina (Italien) = S.b.rīna (arab.); Rhegion (Kalabrien); Tauromenion (Sizilien); Tropai (Italien); Amateina (Italien) = Mantīya (arab.); Mistheia (Anatolikon); Maurianu: tu Maurianu (Heerstraße); Adana; Karydiu: tu Karydiu (Heerstraße); Bulgarien = mbulg. Bl'garskaa zemlja; Distra = mbulg. Dr'stra; Sizilien; Anatolikon (T); Sbrina: S.b.rīna (arab.) = Santa Severina (Italien) = Hagia Seberine (Italien); Mantīya (arab.) = Amanteia; Brindisi; Kilikien
Quelle
Theoph. cont. 5; Skylitzes; Georg. mon. cont. (Istrin); Georg. mon. cont. (Bonn); Erchempert, Hist. Lang.; Leon gr.; Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Muralt); Zonaras; Leon VI., Tactica; Ibn al-Aṯīr; Ibn ‘Iḏārī; Nicephorus Phocas, De velitatione; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log. ; Theoph. cont. 6

N: Familienname Phokas — Φωκάς. Bei Theoph. cont. V 71, p. 312,23 – 313,1, und Skylitzes p. 160,69: Νικηφόρος ὁ κατὰ τὸν Φωκᾶν προσαγορευόμενος. In der Forschung wird ihm allgemein der Beiname “der Ältere” gegeben, um ihn von seinem Enkel, dem gleichnamigen Kaiser, zu unterscheiden; arab.: Niǧifūr (Ibn al-Aṯīr) bzw. M.h.fūr (Ibn ‘Iḏārī).

T: Als Jüngling im Gefolge Kaiser Basileios’ I., dann von diesem zum Manglabites — τῷ τοῦ μαγκλαβίτου τετίμηκεν ἀξιώματι und später zum Protostrator ernannt (Georg. mon. cont. [Istrin] 20,26-30); vor 885 wurde er Strategos von Charsianon (s. unter P), im Jahre 885 dann Oberbefehlshaber (Monostrategos) eines byzantinischen Expeditionsheeres in Unteritalien, vielleicht auch mit dem Titel eines Strategos von Langobardia (so Falkenhausen); nach dem Regierungsantritt Leons VI. wurde er zum Domestikos der Scholen — δομέστικος τῶν σχολῶν ernannt. Er scheint auch den Titel eines Patrikios geführt zu haben (Skylitzes). Schwer einzuschätzen ist die Behauptung bei Theoph. cont. VI 10, p. 360,1, daß N. ein zweites Mal (αὖθις) von Leon VI. zum Strategos von Thrakesion ernannt worden sei: ὁ Νικηφόρος αὖθις στρατηγὸς ἐν τῷ τῶν Θρᾳκησίων θέματι προχειρίζεται (s. P). — arab.: biṭrīq (Ibn al-Aṯīr).

V: Sein Vater hieß Phokas (# 26651), seine Söhne hießen Bardas (# 20769) und Leon (# 24408). Sein Enkel war Kaiser Nikephoros II. Phokas. Georg. mon. cont. (Istrin) 20,19-22 berichtet, daß Phokas, der Urgroßvater des späteren Kaisers (Nikephoros II. Phokas) in Kappadokien Kaiser Basileios I. während eines Feldzugs aufgefallen und von ihm zum Turmarches ernannt worden sei. Dem Zusammenhang der Quelle zufolge müßte dies zwischen 871 und 878 geschehen sein. Sein Sohn N., der zu dieser Zeit noch ein Jüngling gewesen sei, sei von Basileios I. unter seine Gefolgsleute (οἰκεῖοι) aufgenommen worden. Später sei N., jetzt als junger Mann (εἰς μέτρον ἡλικίας ἐλάσας), zum Manglabites ernannt worden, und wiederum einige Zeit darauf habe Basileios I. ihn zum Protostrator ernannt und ihm einen großen Palast in der Nähe der Kirche der Protomärtyrerin Thekla geschenkt: οἶκόν τε δωρεῖται μέγιστον, ἔγγιστα τῆς πρωτομάρτυρος Θέκλας τυγχάνοντα (1).

Im folgenden berichtet Georg. mon. cont. (Istrin), daß N. von Basileios I. zum Strategos von Charsianon befördert worden sei und in diesem Amt zahlreiche Erfolge gegen die Araber errungen habe, bis der Kaiser ihn zum Monostrategos der westlichen Themen ernannt und nach Unteritalien geschickt habe. Als unter ihm stehende Thementruppen werden Thrake und Makedonia genannt, ferner Kephallenia, Longibardia und Kalabria. Der Quelle zufolge hatten die afrikanischen Araber zu dieser Zeit ganz Sizilien und Unteritalien angegriffen, geplündert und verwüstet. Alle Städte waren an sie verlorengegangen: Tarent, Bari, Santa Severina, Rhegion und Tauromenion, die Tropai und Amanteia (πόλεις γὰρ ὅλαι ὑπ᾿αὐτῶν ἑάλωσαν, ἥ τε Τορεντὸς καὶ ἡ Βάρις καὶ ἡ ἁγία Σεβηρῖνα καὶ τὸ Ρίγιον καὶ τὸ Ταυρομένιον, αἱ Τροπαί τε καὶ ἡ Ἀμάντεια. Alle diese Städte gewann N. den Rhomäern zurück. Außerdem siedelte er eine Menge Armenier in der Region an, dazu auch 1.000 (frühere) Sklaven, die Danelis (# 21390) dem Kaiser geschenkt hatte. Schließlich habe N. Amanteia erobert. Die arabischen Quellen berichten unter dem Jahr 272 a. h. (18.6.885 – 7.6.886), daß ein Patrikios namens Nikephoros mit einer großen Armee aus Konstantinopel gekommen sei und nach Kämpfen gegen die Araber die Städte Santa Severina (arab.: S.b.rīna) und Amanteia (Mantīya) eingenommen habe (2).

Man wird annehmen können, daß N. in seiner Eigenschaft als Strategos des Themas Charsianon an dem Italienfeldzug des Stephanos Maxentios (# 27223) teilgenommen und den erfolglosen Stephanos als Oberbefehlshaber abgelöst hat. Theoph. cont. sagt ausdrücklich, daß im Heer des Stephanos auch ausgewählte Truppen des Themas Charsianon gedient hätten. Laut Theoph. cont. erhielt N. als Monostrategos zusätzliche Truppen aus Kleinasien, darunter auch eine Abteilung Paulikianer unter dem Befehl des Diakonitzes (# 21539). Theoph. cont., der hier weniger ausführlich ist als Georg. mon. cont. (Istrin), nennt als Erfolge die Einnahme der Stadt Amanteia, die Stephanos Maxentios vergeblich angegriffen hatte, und weitere Siege über die unteritalienischen Araber (3).

Georg. mon. cont. (Istrin) berichtet, daß N. nach dem Tod Basileios’ I. († am 29. August 886) von dessen Nachfolger Leon VI. zurückgerufen worden sei, als er gerade Amanteia belagerte. N. habe den Tod des Kaisers zunächst geheimgehalten und den Arabern angeboten, Amanteia gegen freien Abzug zu übergeben, was jene auch getan hätten. Der Kaiser habe daraufhin den zurückgekehrten N. in Konstantinopel höchst freundlich aufgenommen und in Ehren gehalten. In einem Rückblick auf die byzantinischen Kämpfe in Unteritalien und Sizilien seit der Zeit Basileios’ I. bis zum Regierungsantritt Nikephoros’ II. Phokas gibt Skylitzes, der hier offenbar eine phokasfreundliche Vorlage ausschreibt, noch weitere Einzelheiten. Ihm zufolge vertrieb N. nicht nur die Araber aus Unteritalien, so daß sie sich mit der Herrschaft über Sizilien zufriedengeben mußten, sondern er sorgte auch für eine gerechte Behandlung der einheimischen Bevölkerung. Es hatte sich nämlich als Unsitte eingebürgert, daß die in den Osten zurückkehrenden byzantinischen Truppen zahlreiche Italier als Gefangene mit sich führten, um sie als Sklaven zu verkaufen. N. unterband dies, indem er bei der Einschiffung in Brindisi die Soldaten kontrollieren ließ, ihnen die Gefangenen abnahm und diesen die Freiheit schenkte. Zum Dank sollen die Italier zu seinem Andenken sogar eine Kirche gebaut haben. Skylitzes charakterisiert N. in diesem Zusammenhang als edel und intelligent, fromm gegenüber Gott und gerecht gegenüber den Menschen — ἀνὴρ γενναῖος καὶ συνετός, τὰ πρὸς θεὸν εὐσεβὴς καὶ πρὸς ἀνθρώπους δίκαιος (4).

Kaiser Leon VI. ernannte N. zum Domestikos der Scholen, nachdem Andreas (# 20351), der dieses Amt zuvor versehen hatte, spätestens 894 gestorben war. In dieser Eigenschaft führte N. die byzantinische Armee 894/95 gegen den bulgarischen Zaren Symeon (# 27467), der 894 eine byzantinische Armee unter Prokopios Krenites (# 26760) in Makedonien geschlagen hatte. Kaiser Leon VI. gewann gegen die Bulgaren die Ungarn als Bundesgenossen, die Symeon besiegten, worauf dieser um Frieden bat. Leon VI. rief daraufhin die byzantinischen Streitkräfte aus Bulgarien zurück (5).

Laut Symeon log. (Wahlgren) 133,130 starb N. nach diesem Feldzug, was den Bulgarenherrscher Symeon zur Wiederaufnahme bzw. Fortsetzung der Feindseligkeiten veranlaßt habe. Grégoire, Carriere 237–239, schloß aus dieser Mitteilung, daß N. zwischen 894 und 896 gestorben sein müsse, was dann zur Folge hätte, daß seine im folgenden verzeichneten Aktivitäten entweder in die Zeit vor 894 datiert werden müßten oder daß sie, wie die Intrige des Stylianos Zautzes (# 27406), Erfindung der Chronisten bzw. ihrer Vorlagen wären. Eine endgültige Entscheidung läßt sich auf der gegebenen Quellengrundlage nicht fällen. Auch Cheynet, Les Phocas 295, diskutiert zwar das Problem, weicht einer Festlegung aber aus.

Wahrscheinlich nach den Bulgarienfeldzug und wohl vor etwa 905 (Genaueres dazu s. P) zu datieren ist ein Kilikienfeldzug des N., der in den Tactica Leons VI. und bei Nicephorus Phocas, De velitatione, erwähnt wird. Nach der genaueren Darstellung in De velitatione waren zunächst die Araber in das Thema Anatolikon eingefallen und hatten die Festung Mistheia belagert. Daraufhin sei N. als Oberbefehlshaber des Heeres (ἀρχηγὸς τοῦ στρατοῦ), nachdem er die Strategen des Anatolikon (# 30741) und des Opsikion (# 30742) zur Bekämpfung der Araber im Reich abkommandiert hatte, auf Befehl Leons VI. mit einer großen Streitmacht in Kilikien eingefallen und über die Heerstraße tu Maurianu gegen Adana gezogen. Dabei habe er viele Gefangene und reiche Beute gemacht. Auf dem Rückzug aus Kilikien wählte N. eine andere Route als auf dem Hinweg, indem er nämlich auf der Heerstraße tu Karydiu zurückmarschierte, und entging so dem gegnerischen Heer und konnte mit den Gefangenen und der Beute unbeschadet ins byzantinische Reich zurückkehren. Diese kluge Maßnahme, auf anderem Weg zurückzumarschieren, wird auch in den Tactica (XVII 83) erwähnt, die den Namen des arabischen Feldherren, in dessen Rücken N. so erfolgreich in Kilikien operierte, überliefern: Apulpher (# 20548).

Theoph. cont., dem Skylitzes verkürzend folgt, berichtet, daß N. bei Kaiser Leon VI. in hoher Gunst stand, so daß Stylianos Zautzes (# 27406) ihn als mächtigen Mann betrachtet und ihm deshalb eine Eheverbindung vorgeschlagen habe (ὁ βασιλεοπάτωρ Ζαούτζας τοῦτον ὡς δυνάστην προεβάλλετο, γαμικὸν μετ᾿ αὐτοῦ ποιῆσαι συνάλλαγμα βουλόμενος). Als N. dies ablehnte, habe Zautzes voller Wut die Ablösung des N. betrieben. N. sei durch den Magistros Leon Katakalon (# 24329) als Domestikos ersetzt worden. Nach langer Zeit ohne Amt (ἐπὶ πολὺ δὲ σχολάσας. Skylitzes behauptet hingegen das genaue Gegenteil: ἐπ᾿ ὀλίγον δὲ σχολάσας) sei er wiederum zum Strategos von Charsianon ernannt worden (6). Es folgt eine Würdigung des Lebenswerks des N., der viele tapfere Taten vollbracht habe, vor allem gegen die Araber, aber auch gegen andere Völker, und schließlich in hohem Alter gestorben sei. Er habe zwei Söhne hinterlassen, Leon und Bardas, von denen Bardas von Kaiser Leon VI. außerordentlich geschätzt worden sei und viele Ämter unter ihm versehen habe (7).

Demgegenüber gibt die Logothetenchronik keine allgemeine Würdigung des N., bringt aber den erneuten Ausbruch des Bulgarenkriegs mit seinem Ableben in Verbindung: Νικηφόρου δὲ τοῦ Φωκᾶ τελευτήσαντος ἀφορμὰς ἐζήτει Συμεὼν τοῦ εἰρήνην διαλῦσαι (Symon log. [Wahlgren] 133,130f.). Nach der Reihenfolge der berichteten Ereignisse müßte dieser Tod etwa 895/96 zu datieren sein. Sollte N., wie etwa bei Theoph. cont. zu lesen, noch später gelebt haben, wäre an 912 zu denken, als sich der nächste Bulgarenkrieg ankündigte (8).

Anmerkungen: — (1) Georg. mon. cont. (Istrin) 20,19-31; Georg. mon. cont. (Muralt) 1077 Anm. 55 (varia lectio). — (2) Georg. mon. cont. (Istrin) 20,34 – 21,13; Ibn al-Aṯīr VII 421,4-7; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 139f., und Ibn ‘Iḏārī I 113,20-22; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 216. — (3) Theoph. cont. V 71, p. 312,23 – 313,17; Skylitzes, Basileios Kephalas 38, p. 160,69-78; Zonaras XVI 9, p. 432,15 – 433,2. — (4) Georg. mon. cont. (Istrin) 24,23-33; Skylitzes, Nikephoros 4, p. 262,24 – 263,41; bestätigt auch von Leonis imp Tactica XV. 38. Skylitzes gibt N. anachronistisch schon zu dieser Zeit die Titel eines Patrikios und Domestikos der Scholen, die er jedoch erst unter Leon VI. erhielt; möglicherweise bezieht sich auf N. eine Mitteilung bei Erchempert, Hist. Lang. 60–61, p. 258,31 – 259,3, derzufolge N. den Kandidatos Ioannikios (# 23451) mit 300 Mann dem Bischof und Stadtherrn von Neapel, Athanasius (# 20696), zu Hilfe geschickt habe. Diese Truppe kam 886 nach Neapel, müßte von N. also kurz vor seiner Abberufung geschickt worden sein. — (5) Theoph. cont. VI 9, p. 358,12 – 359,8; Skylitzes, Leon 12, p. 176,6 –177,26; Symeon log. (Leon gr. 267,21 – 268,18; Theod. mel. 187,5-23; Symeon sl. 116,33 – 117,8); Symeon log. (Wahlgren) 133,108-123; Georg. mon. cont. (Bonn) 854,4-12. 20-22; Georg. mon. cont. (Muralt) 1096C–1097B; Georg. mon. cont. (Istrin) 27,24 – 28,5; Zonaras XVI 12, p. 443,2-6. — (6) Skylitzes, Leon 13, p. 177,36 – 178,42; abweichend mit Angabe des Themas Thrakesion statt Charsianon: Theoph. cont. VI 10, p. 359,17 – 360,2. — (7) Theoph. cont. VI 10, p. 360,2-8; Skylitzes, Leon 13, p. 178,42-45. — (8) Symeon log. (Leon gr. 269,4f.; Theod. mel. 188,3f.; Symeon sl. 14f.); Symeon log. (Wahlgren) 133,130f.; mit stilistischen Abweichungen: Georg. mon. cont. (Bonn) 855,8f.

Q: — (Hist): Theoph. cont.; Skylitzes, Leon; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin). — (Fs.): Leonis imp. Tactica XI 25-26 (PG); 11,121-127, p. 204 (Dennis); XV 38 (PG); 15,201-206, p. 366 (Dennis); XVII 83 (PG); 17,370-376, p. 418 (Dennis); Nicephorus Phocas, De velitatione XX, 2–5. — (lat.): Erchempert, Hist. Lang. 60–61, p. 258,31 – 259,3. — (arab.): Ibn al-Aṯīr; Ibn ‘Iḏārī.

L: ODB I 260 s. v. “Basil I”; III 1665f. s. v. “Phokas”. — Vogt, Basile 91. 122. 328. 336f. 359. 367; Pochettino, Langobardi 277f.; Grégoire, Carrière 232–254; Guilland, Recherches II 173f.; Vasiliev, Arabes II 1, p. 84f.; Tobias, Basil 242f. 257–259. 339–341; Đurić, in: ZRVI 17 (1976) 228–237; Falkenhausen, Dominazione 77 (Nr. 4); Winkelmann I 115f.; Cheynet, Les Phocas 291–296 (mit der älteren Lit.); Dédéyan, Symbatikios 470f. — Zu den Geographica des Kilikienfeldzuges s. Hild–Restle, Kappadokien 82. 231 s. v. “Maurianu Hodos”; 264 s. v. “Pylai Kilikias”; Belke, Galatien 68. 205f. s. v. “Mistheia”; Hild–Hellenkemper; Kilikien 52. 155 s. v. “Adana” (stets mit Datierung des Kilikienfeldzuges auf 878/79, doch s. P).

P: Grégoire, Carriere 250–252, hat die N. betreffenden Passagen bei Georg. mon. cont. (Istrin) gesondert abgedruckt (“Les interpolations Nicephoriennes du Vaticanus 153”); Grégoire nimmt an, daß N. mit dem bei Ṭabarī erwähnten “Patrikios von Charsianon” (# 30682) identisch ist, einem der “fünf Patrikioi”, die im Jahre 878 mehrfach gegen die Araber erfolgreich waren. — Theoph. cont. VI 9, p. 358,15 berichtet, daß N. nach dem Tod Andreas’ des Skythen (# 20351) zum Domestikos ernannt worden sei. Der genaue Zeitpunkt ist unklar: Zwischen 886/87 und 894, als er die byzantinische Armee gegen die Bulgaren führte. — Laut Theoph. cont. VI 10, p. 359,17 – 360,2, wurde N. infolge einer Intrige des Stylianos Zautzes als Domestikos der Scholen abberufen. Nach längerer Zeit sei er “wiederum” (αὖθις) zum Strategos von Thrakesion ernannt worden. Falls das αὖθις bedeutet, daß N. dieses Amt bereits zuvor einmal bekleidet hatte, könnte dies eigentlich nur eine relativ kurze Periode nach seiner Rückkehr in den Osten meinen, bevor N. den Andreas als Domestikos der Scholen ablöste. Andererseits ist schwer vorstellbar, daß N. nach seiner Abberufung vom Amt des Domestikos nun wieder als einfacher Strategos eines Themas berufen wurde. In Zusammenhang mit dem wahrscheinlich unhistorischen Bericht über die Intrige des Stylianos Zautzes (s. im folgenden) dürfte die nochmalige Ernennung abzulehnen sein. Ob N. etwa Mitte der 880er Jahre als Strategos von Thrakesion amtiert hat, oder ob es sich vielleicht nur um eine Verwechslung mit dem Charsianon handelt, das Skylitzes hier als Thema des N. nennt, läßt sich nicht mehr entscheiden. — Schwer einzuschätzen ist die Behauptung, daß Zautzes in N. einen zukünftigen Kaiser gesehen und deshalb eine Heiratsverbindung mit ihm angestrebt habe. N. habe dies abgelehnt, um nicht den Verdacht (bei Skylitzes: den Zorn) des Kaisers zu erwecken. Da kaum anzunehmen ist, daß Zautzes seine Tochter Zoe (# 28505), mit der Leon VI. ein Verhältnis unterhielt und die ihm 895 sehr wahrscheinlich zumindest eine Tochter geboren hatte, mit N. verheiraten wollte, müßte dieser Vorschlag eine andere Tochter betroffen haben, von der wir freilich sonst nichts hören. Außerdem spricht die von Symeon log. übermittelte Nachricht von dem Tod des N., die wohl 895/96 zu datieren ist, gegen die Historizität der Geschichte. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihr um Kolportage, die daraus erwachsen sein könnte, daß N. und Zautzes um die Gunst des Kaisers konkurrierten. — Problematisch ist die Datierung des Kilikienfeldzuges des N.: Die Identifizierung dieses Feldzuges mit dem Kilikienfeldzug unter Andreas dem Skythen (# 20351) vom Jahre 878/79, die sich in der Literatur noch gelegentlich findet (z. B. Belke, Galatien 205f.), ist deshalb zu verwerfen, weil der Kilikienfeldzug des N. nach den griechischen Quellen eindeutig unter Kaiser Leon VI., also frühestens 886, stattfand. Weiterhin handelte in der Darstellung der griechischen Quellen N. auf diesem Feldzug als Oberbefehlshaber des Heeres, also als Domestikos der Scholen oder Monostrategos, denn nur in dieser Funktion konnte er zwei andere Strategen, nämlich den des Anatolikon und den des Opsikion, zum Entsatz von Mistheia abkommandieren. In diese Funktion gelangte N. nach dem Tod Andreas’ des Skythen, dessen Todesdatum nicht genau feststeht, aber zwischen 886/87 und 894 liegen muß. Tatsächlich als Oberkommandierender des Heeres belegt ist N. dann zum ersten Mal im Jahre 894/95. Er soll dann jedoch bald abgelöst und durch Leon Katakalon (# 24329) ersetzt worden sein, der bei der Niederlage von Bulgarophygon im Jahre 896 die byzantinischen Truppen kommandierte. Allerdings ist davon die Rede, daß N. später wieder als Strategos eingesetzt worden sei. Auch die Identifizierung des von N. geleiteten Kilikienfeldzuges mit einem bei Ṭabarī III 2193,6-18; Übers.: Vasiliev, Arabes II 2, p. 13f.; Yar-Shater 83, unter dem Jahr 900 erwähnten Kilikienfeldzug der Byzantiner (Vasiliev, Arabes II 1, p. 138f.; Honigmann, Ostgrenze 82–84) ist nicht zwingend. Schließlich erweist sich auch die Identifizierung des Emirs Apulpher (# 20548) mit einem der aus den arabischen Quellen namentlich bekannten Emire von Tarsos als schwierig und bietet daher keine Hilfe bei der Datierung. Folglich läßt sich der Kilikienfeldzug mit absoluter Sicherheit nur in den Zeitraum zwischen 886 (frühester Todeszeitpunkt Andreas’ des Skythen) und 912 (spätester Todeszeitpunkt des N.) datieren, es ist aber wahrscheinlich, daß er in den Zeitraum 895/96 zu datieren ist, als N. mit Sicherheit Oberkommandierender des Heeres war und die Bulgarienfeldzüge abgeschlossen hatte, aber noch nicht durch Leon Katakalon ersetzt worden war. — Möglicherweise bezieht sich die Nachricht des Georg. mon. cont. (Istrin) von der Ansiedlung der Armenier in Unteritalien auf die paulikianische Hilfstruppe, von der Theoph. cont. berichtet (so Falkenhausen, Dominazione 26).

QuelleSource