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Nikephoros

Νικηφόρος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
25618
Klerus / Laie
Klerus
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
982
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Grundbesitzer; Protopresbyteros; Protopapas; Kyr
Name normalisiert
Nikephoros
Ort
Hierissos (Chalkidike); Chalkidike; Diabrippu (Lokalität auf der Chalkidike); Zelenitza (Lokalität auf der Chalkidike) = Zelenetias: tes Zelenetias (Lokalität bei Hierissos); Gradiska (Lokalität bei Hierissos); Zelenetias: tes Zelenetias (Lokalität bei Hierissos) = Zelenitza ; Arsenikeia (Chalkidike)
Quelle
Actes d’Iviron (Nr. 4); Actes d’Iviron (Nr. 5); Actes d’Iviron (Nr. 15); Actes d’Iviron (Nr. 7); Actes d’Iviron (Nr. 9); Actes d’Iviron (Nr. 12); Actes de Lavra (Nr. 18)

N: Schreibweise in der Urkunde Actes d’Iviron, Nr. 4: Nikiphoros — Νικιφόρος, in Actes d’Iviron, Nr. 5, l. 17: Nekephoros — Νηκηφώρος, in Actes d’Iviron, Nr. 12: Nikeiphoros – Νικειφόρος, in Actes d’Iviron, Nr. 15: Nekiphoros — Νηκιφόρος.

T: Protopresbyteros — (πρωτο)πρεσβυτ(έρου) (Actes d’Iviron, Nr. 4) bzw. Protopapas — (πρωτο)πὰπὰς (sic) (Actes d’Iviron, Nr. 5), Νικηφόρου τοῦ πρωτοπαπᾶ (Actes d’Iviron, Nr. 7). Kyr bzw. Kyros (Herr) — του μακαρίτου προτοπαπα κυρου Νηκιφορου (Actes d’Iviron, Nr. 15).

V: N. war der Vater von zwei Söhnen, des Leon (# 24646) und des Kubukleisios Stephanos (# 27306), und hatte durch letzteren zumindest zwei Enkelkinder: Maria (# 24942) und Ioannes (# 23344). N. muß eine der bedeutendsten und wohlhabendsten Persönlichkeiten in Hierissos (Chalkidike) gewesen sein, denn aus verschiedenen Athos-Urkunden geht hervor, daß er erheblichen Grundbesitz und die Mittel zum Bau von größeren Gebäudekomplexen sowie Wasserkanälen und -mühlen besessen haben muß.

Im Juli 982 gehörte N. zu den 74 Einwohnern von Hierissos (οἱ οἰκήτορες τοῦ κάστρου Ἱερισσοῦ), die – stellvertretend für ihre Gemeinde – mit Ioannes Athonites Iber (# 22942) und Ioannes Tornikios (# 22926) die zwischen dem Kolobu-Kloster und den Hierissoten strittigen Grundbesitzfragen durch einen Austausch von Land beilegten (zu den Details s. bei Basileios Stroimiros [# 20999]) und darüber eine Garantieerklärung (ἔγγραφος ἀσφάλεια) abfaßten (Actes d’Iviron, Nr. 4). N. machte als einer der Aussteller am Anfang der Urkunde (in der Protage) eigenhändig sein Signon, und zwar an fünfter Stelle.

Im Zusammenhang mit dieser Einigung kam es zeitgleich (Juli 982) zu einer weiteren Transaktion, von der sich ein Dokument (Actes d’Iviron, Nr. 5) erhalten hat. Der Austausch von Land zwischen der Gemeinde von Hierissos und dem Kolobu-Kloster belastete oder begünstigte offenbar einzelne Einwohner von Hierissos ungleich, was wiederum Austausch von Land bzw. Entschädigungen innerhalb der Gemeinde von Hierissos erforderlich machte. Die Gemeinde von Hierissos – vertreten durch 42 ihrer Einwohner – schloß mit N., der der Gemeinde 50 Modioi Land bei Diabrippu (ἐν τῇ τοποθεσίᾳ τοῦ Διαβρίππου, l. 24; in der Nähe von Hierissos) gegeben hatte, deren Gegenwert – nach weiterem Tausch – letztlich in den Handel mit dem Kolobu-Kloster eingeflossen war, folgenden Vertrag und stellten ihm hierüber eine Urkunde (“Tauschvertrag” — ἀνταλλαγωγή, l. 43. 44, ἀντικαταλλαγωγή, l. 16. 41) aus: Im Gegenzug für seine 50 Modioi Land bei Diabrippu erhielt N. 20 Modioi Land bei Zelenitza (ἐν τῇ τοποθεσίᾳ τῆς Ζελενίτζας, l. 34) und 12 Modioi bei Gradiska (ὑπὸ τὴν τοποθεσίαν τῆς Γραδισκᾶς, l. 30), insgesamt also 32 Modioi. Auf die Differenz von 18 Modioi zu der von ihm gestellten Landmenge von 50 Modioi verzichtete N. Die im Original erhaltene Urkunde der Hierissoten trägt am Anfang (in der Protage) sieben autographe Unterschriften und 21, zum Teil autographe, Signa (Kreuze und Namensbeischriften) von Vertretern der Gemeinde. In der intitulatio (der Angabe der Aussteller) werden ihre Namen zum Teil wiederholt (in neun Fällen), während 14 weitere Vertreter der Gemeinde von Hierissos erst in der intitulatio aufgelistet werden. Am Ende der Urkunde finden sich 15 (bis auf eine autographe) Unterschriften von Zeugen sowie die Unterschrift und completio des Schreibers, des Priesters Auxentios (# 20705). Dabei sind von den 15 Zeugen nur sechs als Zeugen im engeren Sinne zu betrachten, während die übrigen neun zu den Ausstellern gehören, bis auf einen schon in der Protage unterschrieben oder ihr Signon gemacht hatten und nun noch einmal zur Bekräftigung unter den Zeugen unterschrieben.

Vor Januar 985 verkaufte N. dem schon genannten Ioannes Athonites Iber und dessen Sohn Euthymios Athonites Iber (# 21960) ein Gehöft bzw. einen Gebäudekomplex (Hof und viele gute Häuser — αὐλὴν καὶ οἰκήματα πολλά τε καὶ κάλλιστα) in Hierissos für sieben Goldpfund (= 504 Nomismata), das diese dann im Januar 985 allen Athoniten als Herberge (καταγώγιον) in Hierissos zur Verfügung stellten (Actes d’Iviron, Nr. 7).

Im Dezember 995 wird N. als bereits verstorben erwähnt (Actes d’Iviron, Nr. 9, l. 56: ὁ κατοιχόμενος Νικηφόρος πρωτοπαπᾶς). Er soll vor seinem Tode noch viel Mühe und Geld darauf verwendet haben, einen Wasserkanal (αὐλάκιον, ibidem, l. 56) zu bauen (auf dem Land von Arsenikeia zwischen Hierissos und Siderokausia), um an diesem eine Mühle betreiben zu können, soll aber von den Mönchen des Kolobu-Klosters (das dem Iviron-Kloster gehörte) an seinem Vorhaben gehindert worden sein. Seinem Sohn, dem Kubukleisios Stephanos, wurde im Dezember 995 erlaubt, das Vorhaben seines Vaters auszuführen und die Mühle zu bauen, sofern er durch den Betrieb seiner Mühle die Mühle des Kolobu-Klosters nicht beeinträchtigte.

Erst im April 1001 (6509 a. m.; 14. Indiktion) erfüllte N.s Sohn, der Kubukleisios Stephanos, eine testamentarische Weisung seines Vaters (s. Actes d’Iviron, Nr. 12): Als Erbe und Testamentsvollstrecker (l. 11: ἐπίτροπος) verkaufte Stephanos N.s Grundbesitz bzw. einen bestimmten Teil davon, den N. ihm hinterlassen hatte, damit er ihn verkaufe und für das Seelenheil des N. gebe (τὴν ὑπόστασιν τὴν καταλειφθεῖσαν παρὰ τοῦ μακαρίτου πατρός μου πρὸς τὸ διαπραθῆναι καὶ δοθῆναι ὑπὲρ ψυχικῆς αὐτοῦ σωτηρίας, l. 9f.). Das Land wurde an das Iviron-Kloster, vertreten durch Georgios Athonites Iber (# 22180), zu einem Preis von vier Goldpfund (= 288 Nomismata) verkauft. Mangels genauerer Informationen in der Verkaufsurkunde ist nicht klar, ob die Gabe, von der N. sich einen Gewinn für sein Seelenheil versprochen hatte, darin bestand, daß der Verkaufspreis unter dem Marktpreis lag (?), oder ob die Tat für sein Seelenheil darin bestand, daß der Verkaufserlös anschließend für N.s Seelenheil gestiftet wurde. Im letzteren Fall, der wahrscheinlicher erscheint und auch von Lefort et al., in: Actes d’Iviron, p. 176, angenommen wurde, wäre der Empfänger der Stiftung unbekannt.

Q: — (Dok.): Actes d’Iviron, Nr. 4 (Juli 982 [10. Indiktion; 6490 a. m.]), l. 1-79, p. 123–129, bes. l. 2, p. 123 (Signon [Original]); Nr. 5 (Juli 982 [10. Indiktion; 6490 a. m.]), p. 132–134, bes. l. 17. 23. 28, p. 133; Nr. 7 (Januar 985 [13. Indiktion; 6493 a. m.]), l. 29, p. 149; l. 43, p. 150; Nr. 9 (Dezember 995 [9. Indiktion; 6504 a. m.]), l. 55-58, p. 163; Nr. 12 (April 1001 [14. Indiktion; 6509 a. m.]), l. 3. 10. 15, p. 178; Nr. 15 (22. Mai 1008 [6. Indiktion; 6516 a. m.]), l. 50, p. 189; Actes de Lavra, Nr. 18 (Februar 1014 [12. Indiktion; 6522 a.m.]), l. 63, p. 151 (ohne Namensnennung, nur: του μακαριτου προτοπαπ(ᾶ)).

L: Lefort–Oikonomidès–Papachryssanthou, in: Actes d’Iviron, p. 121. 130–132. 158. 176; Leontaritu, Axiomata 487 Anm. 34; 495 (Nr. 37).

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