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Otto I.

Ὦτος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
26211
Namensvariante
Otos (griech. Namensform)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
955
ethnos
Deutschland; Franken
Religion
Lateiner
Titel / Beruf
Deutsch: Basileus; Deutsch: Imperator Augustus; Deutsch: Kaiser; Basileus (deutsch); Kaiser (deutsch); Franken: Basileus; Basileus (Franken)
Name normalisiert
Otto
Quelle
Skylitzes; Kleinchroniken; Konst. Porph., DAI; Thietmar von Merseburg; Annales Quedlinburgenses; Widukind von Korvei; Liudprand, Legatio; Vita S. Lucae Abbatis (BHL 4978)

N: Griechische Namensform: Otos. Im Deutschen wird er allgemein als Otto I. bzw. als Otto der Große bezeichnet.

T: Ostfränkisch-deutscher König (936–973) und “westlicher” Kaiser — Imperator Augustus (2.2.962 – 7.5.973). In einem von Liudprand wiedergegebenen Papstbrief wird O. als Romanorum imperator augustus bezeichnet (Liudprand, Legatio 47, p. 200,26). Jedoch handelt es sich bei dem Zusatz Romanorum nicht um eine offizielle Bezeichnung. Skylitzes nennt ihn Basileus der Franken — βασιλεύς ... τῶν Φράγγων. Im DAI wird O. als μέγας ῥήξ bezeichnet.

V: Bis zu seiner Heirat mit Adelheid (# 20109), der Tochter Rudolphs II. (# 26904) von Burgund und der Berta (# 21155), als Witwe Lothars II. (# 24752) Königin von Italien, im Jahre 951 war die Herrschaft O.s auf das ostfränkisch-deutsche Reich nördlich der Alpen beschränkt. Zu Byzanz bestanden diplomatische Beziehungen, die sich z. B. in zwei byzantinischen Gesandtschaften 945 (s. # 30366) und 949 ausdrückten. Die letztere wurde von dem Koitonites Salomon (# 26971) geleitet, der zuvor nach Spanien gereist war. Über ihre konkreten Absichten können wir freilich nur Vermutungen anstellen: Post haec legati Grecorum regi nostro bis ab imperatore suo munera detulerunt, utrisque convenientia (Thietmar von Merseburg II 34,8-10). Beim Hoftag Ottos (7. August 952 in Augsburg; cf. Böhmer–Zielinski, Regesten 3, Nr. 2238) waren Gesandte aus Byzanz anwesend. Aber auch hier wissen wir nichts über die Verhandlungen.

Es ist unklar, ob O. schon in den 40er Jahren über eine Einflußnahme in Italien nachdachte. Zunächst unterstützte er den Markgrafen Berengar II. von Ivrea (# 21147) gegen Hugo II. (# 22637), den König von Italien, und gewährte Berengar 941 Asyl. Die byzantinischen Gesandtschaften in den 40er Jahren lassen zumindest ottonische Pläne für Italien vermuten. Aber die lückenhaften Quellen lassen nicht mehr als Spekulationen zu. Spätestens zu Anfang der 50er Jahre entschloß sich O., sein Engangement in Italien zu verstärken. Nach seiner Heirat mit Adelheid 951 nahm O. die italienische Königswürde an und intervenierte in den folgenden Jahren mehrfach in Italien. Schließlich ließ er sich am 2. Februar 962 in Rom zum Kaiser (Imperator Augustus) krönen (s. Böhmer–Zielinski, Regesten 3, Nr. 2491). Sein Gegenspieler Berengar II. wurde 963 gefangengenommen und nach Bamberg in die Verbannung geschickt.

Byzanz scheint allerdings sofort nauf die Heirat Ottos mit Adelheid reagiert zu haben. Im August 952 sind byzantinische Gesandte (# 30443) auf einem Hoftag in Augsburg bezeugt, die allem Anschein nach über eine Heirat Romanos’ II. mit einer Verwandten Ottos verhandelten. Als Braut wurde Hadwig (# 22539) ausgewählt. Die Verhandlungen führten jedoch nicht zum Erfolg und müssen spätestenes 955/56 abgebrochen worden sein, als Romanos II. die Byzantinerin Anastaso heiratete, die als Kaiserin den Namen Theophano (# 28125) erhielt.

Die byzantinischen Quellen schweigen über diese Aktivitäten. Hier tritt O. das erste Mal mit dem Sieg über die Ungarn am 10. August 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg in Erscheinung. Skylitzes berichtet, daß O. den ungarischen Anführer Bulču hinrichten ließ. Dies geschah, wie auch aus den lateinischen Quellen hervorgeht, die über dieses Ereignis berichten, nach dem deutschen Sieg über die Ungarn und der Gefangennahme Bulčus (1).

Am 2. Februar 962 ließ O. sich in Rom zum Kaiser krönen. Von den byzantinischen Chronisten wird dies nicht zur Kenntnis genommen. Die Chronik des Skylitzes berichtet etwas später nur, daß O. den Papst Iohannes XII. (# 23483), den Sohn des Alberich (# 20223), abgesetzt und der Kirche einen anderen Hirten (Iohannes XIII. [# 23484]) gegeben habe (2).

Nach der Krönung seines Sohnes Otto II. (# 26212) zum Mitkaiser am 25. Dezember 967 in Rom versuchte O., eine Heirat zwischen seinem Sohn und einer byzantinischen Prinzessin zu arrangieren, wobei allem Anschein nach an Anna (# 20436), die Tochter Romanos’ II., gedacht war. Zu diesem Zweck schickte er im Frühjahr 967 den Venezianer Dominicus (# 21585) als Gesandten nach Byzanz, der aber ohne Erfolg blieb (3). Es kam daraufhin zu Kämpfen in Unteritalien. Im Sommer 968 reiste Bischof Liudprand von Cremona (# 23645) nach Konstantinopel, wo er aber gleichfalls keinen Erfolg hatte. Liudprand verfaßte über diese Gesandtschaft einen Bericht, in dem die Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen einseitig den Byzantinern zur Last gelegt wurde (4).

Eine andere, nicht sehr vertrauenswürdige Darstellung gibt Widukind von Korvei: Ihm zufolge war mit griechischen Gesandten (# 30462) bereits eine Heirat vereinbart worden, und O. schickte einen Teil seines Heeres mit den meisten Adligen an den vereinbarten Ort, um dort die Braut, bei der es sich in diesem Fall um die purpurgeborene Anna gehandelt haben müßte, in Empfang zu nehmen. Die Griechen fielen jedoch unerwartet über die arglosen Deutschen her, plünderten das Heerlager, töteten mehrere und nahmen andere gefangen, die sie nach Konstantinopel brachten. Auf die Nachricht hiervon schickte O. ein Heer nach Kalabrien. Die Griechen wurden geschlagen, viele gefangengenommen, durch Abschneiden ihrer Nasen verstümmelt und nach Konstantinopel zurückgeschickt. In Kalabrien und Apulien erzwangen die Deutschen Tributzahlungen. Als die Einwohner Konstantinopels von dieser Niederlage erfahren hätten, hätten sie sich gegen den Kaiser (Nikephoros II. Phokas) erhoben und ihn auf Betreiben seiner Gattin und eines gewissen Soldaten (Ioannes I. Tzimiskes) getötet. Dieser Soldat habe den Thron bestiegen, die Gefangenen freigelassen und die Prinzessin mit einem großen Heer und Geschenken zum Kaiser geschickt, der sie sofort mit seinem Sohn verheiratet hätte (5).

Richtig an dieser Darstellung dürfte sein, daß es vor der byzantinischen Zustimmung zu der von O. gewünschten Heirat zu Kämpfen in Süditalien gekommen ist, von denen auch die Kleinchronik I 45,56, p. 339, unter dem Jahr 968 berichtet. Ihr zufolge gab es einen deutschen Einfall in das byzantinische Unteritalien, der bis nach Kalabrien führte. Aus dem Bericht Liudprands geht hervor, daß dieser Einfall im Frühjahr 968 stattgefunden hatte, also vor der Gesandtschaft Liudprands nach Konstantinopel. Auf diesem Einfall hatte O. unter anderem das byzantinische Bari einen Monat lang belagert, sich dann jedoch wieder zurückgezogen. Die Gesandtschaft Liudprands blieb erfolglos, erst unter Ioannes I. Tzimiskes wurde eine Heirat zwischen Otto II. und der byzantinischen Adligen Theophano (# 28127) vereinbart.

Die Fortsetzung der Chronik Reginos von Prüm berichtet zum Jahr 961, unter dem aber auch spätere Ereignisse erwähnt werden, daß Gesandte (# 30462) des Kaisers Nikephoros zu O. gekommen seien, die Frieden und ein Bündnis mit ihm wünschten (honorifica secum munera ferentes et pacem ab eo vel amiciciam poscentes). O. habe seinerseits einen Gesandten (gemeint ist sicher Liudprand) nach Konstantinopel geschickt, der für seinen Sohn Otto II. um die Stieftochter des Nikephoros, nämlich die Tochter des Romanos (= Anna) werben sollte: domnus imperator nuntium suum eidem Grecorum imperatori pro coniugenda in matrimonium suo filio regi Ottoni privigna ipsius Nichofori, filia scilicet Romani imperatoris, Constantinopolim dirigit. Dieser Bote sei in demselben Jahr vor Weihnachten zurückgekehrt.

Im DAI wird berichtet, daß das westliche Kroatien (οἱ δὲ ... Βελοχρωβάτοι, ἤγουν ἄσπροι Χρωβάτοι) O. untertan sei, dem großen König von Franken und Sachsen ( Ὤτῳ, τῷ μεγάλῳ ῥηγὶ Φραγγίας, τῆς καὶ Σαξίας). Diese Kroaten seien noch Heiden und unterhielten enge Beziehungen mit den Ungarn.

Im byzantinischen Unteritalien scheint O. als wilder Eindringling aus dem Norden aufgefaßt worden zu sein, dessen Ziel darin bestanden habe, die griechischen Städte in Unteritalien zu erobern. So jedenfalls drückt es die Vita S. Lucae Abbatis (BHL 4978) aus: ferox quidam ex Transalpinis nationibus in Italiam venit, ut diriperet, atrociterque Graecorum urbes expugnaret. timentes igitur eo in nos cum imperio venturos, in munitum castrum fugere cogitavimus.

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Konstantinos (2) 5, p. 239,74-76. — (2) Skylitzes, Konstantinos (2) 12, p. 245,18. — (3) Zu den Einzelheiten s. unter Dominicus. — (4) Liudprand, Legatio passim. — (5) Widukind von Korvei III 71–73, p. 148,4 – 150,1; hiervon abhängig ist Thietmar von Merseburg II 15, p. 54,17 – 56,20.

Q: — (Hist.): Skylitzes; Kleinchroniken I 45,56, p. 339 (Chron. Cambridge). — (Fs.): Konst. Porph., DAI 30,71-75. — (lat.): Liudprand, Legatio 7, p. 180,8-12; Annales Quedlinburgenses (a. 945. 949) 56; Widukind von Korvei III 71–73, p. 148,4 – 150,1; Thietmar von Merseburg II 15, p. 54,17 – 56,20; 55,17 – 57,20; 34, p. 82,8-10; 83,7-9; Chronicon Reginonis cum continuatione (a. 961) p. 178; Vita S. Lucae Abbatis (BHL 4978) 340A (AASS); 98 (Gaetani).

L: ODB III 1541f.; LdMA VI (1993) 1563–1567; SSS III (1967) 560f. — Pochettino, Langobardi 311–318; Zielinski, Weg nach Rom 97–107. — Zu Otto cf. zuletzt Althoff, Ottonen 69–136; zu dem Bericht der Kleinchronik cf. Schreiner, Kleinchroniken II 134; Nerlich, Gesandtschaften 296; zum DAI cf. Belke–Soustal 161f. Anm. 326. 329; Schreiner, Geschenke 274, Nr. 15–19; Huschner, Transalpine Kommunikation 1001f. (Reg.), bes. 507f.

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