Open Access Published by De Gruyter

Petăr

Πέτρος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
26409
Namensvariante
Petros (griech.); Petrus (lat.)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
903
ethnos
Bulgarien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Zar Bulgaren; imperator Bulgarorum (lat.); Zar Bulgarien
Name normalisiert
Petar
Ort
Bulgarien; Blachernenpalast (Kpl.); Kpl.: Blachernenpalast
Quelle
Theoph. cont. 6; Ps.-Symeon; Leon gr.; Theod. mel.; Konst. Porph., DAI; Vita Mariae iun. (BHG 1164); Liudprand, Antapodosis; Beševliev, Prot. Inschriften; Georg. mon. cont. (Bonn); Georg. mon. cont. (Muralt); Theodoros Daphnopates, Epp.; Georg. mon. cont. (Istrin); Skylitzes; Zonaras; Leon Diakonos, Historia; Vita Pauli Latrensis (BHG 1474); Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Priester von Diokleia (ed. Šišić); Theophylaktos patriarches, Brief; Vita Lucae iun. (BHG 994); Symeon log. ; Enkomion Ἐπὶ τῇ τῶν Βουλγάρων συμβάσει

T: Bulgarischer Herrscher (27. Mai 927 – 30. Januar 969); lat.: imperator Bulgarorum (Priester von Diokleia).

V: P. wurde ca. 903 als ältester Sohn des bulgarischen Herrschers Symeon (# 27467) aus dessen zweiter Ehe geboren. Er hatte drei Brüder: Der älteste war sein Halbbruder Michael (# 25151) aus der ersten Ehe Symeons, dann Ioannes (# 22903) und Beniamin (# 21144), die wie P. aus der zweiten Ehe ihres Vaters stammten. P. war verheiratet mit Maria (# 24919), der Tochter des Mitkaisers Christophoros Lakapenos (# 21275) und Enkelin des Kaisers Romanos I. Lakapenos. Beide hatten zusammen vier Kinder: Boris (# 21198), Romanos (# 26847) sowie zwei Töchter (# 24919A).

Im Jahre 913 begleiteten er und ein weiterer Bruder ihren Vater Symeon auf dessen Feldzug gegen Konstantinopel. Die beiden Söhne wurden von Kaiser Konstantinos VII. und der Regentschaftsregierung feierlich im Blachernenpalast empfangen (1).

In einem Brief, den Theodoros Daphnopates (# 27694) im Namen und Auftrag des Kaisers Romanos I. Lakapenos (# 26833) in den Jahren 924/25 an P.s Vater Symeon schrieb, wird allgemein erwähnt, daß Symeon auch Kinder hatte (2).

Symeon starb am 27. Mai 927, nachdem er seinen Sohn P. zum Nachfolger ernannt hatte. Zugleich hatte er seinen Schwager Georgios Sursubules (# 22137) zum Vormund (ἐπίτροπος) für seine Kinder bestimmt.

Nach dem Tod Symeons rüsteten die benachbarten Reiche zum Krieg gegen die Bulgaren, unter ihnen auch Byzanz. Um Byzanz von einem kriegerischen Vorgehen abzuschrecken, schickten P. und Georgios eine Armee gegen die byzantinischen Grenzprovinzen Thrakien und Makedonien. Wie die Vita Mariae iun. berichtet, sollen die Bulgaren die von ihnen besetzten thrakischen Städte, unter anderem Bizye, dem Erdboden gleichgemacht haben. Zugleich scheinen P. und Georgios aber auch die Möglichkeit eines Friedensvertrages ausgelotet zu haben. Sie schickten heimlich, wie die Chroniken berichten, den Mönch Kalokyris (# 23634) nach Konstantinopel, der dort Friedensverhandlungen vorschlagen sollte. Romanos willigte ein und entsandte seinerseits den Mönch Theodosios Abukes (# 27907) und Konstantinos Rhodios (# 23819) als Gesandte nach Mesembria. Nachdem beide Seiten Übereinstimmung erzielt hatten, kehrten die Gesandten zusammen mit dem Bulgaren Stephanos (# 27253) zu Land nach Konstantinopel zurück. Ihnen folgte Georgios Sursubules. In Konstantinopel wurde der Friedensvertrag geschlossen, und man vereinbarte eine Eheverbindung. Nachdem Maria, die vorgesehene Braut, begutachtet und für schön befunden worden war, wurde P. benachrichtigt, der in Eile nach Konstantinopel kam. Er wurde von Niketas (# 25740), dem Schwiegervater des Mitkaisers Christophoros, vor der Stadt empfangen. Kaiser Romanos selbst kam auf der kaiserlichen Dromone und begrüßte P. bei der Blachernenvorstadt. Der Vertrag zwischen Byzantinern und Bulgaren wurde unterschrieben und die Einzelheiten der Hochzeit festgelegt. Am 8. Oktober 927 zog der Patriarch Stephanos II. (# 27245) zusammen mit dem Protobestiarios Theophanes (# 28087), dem gesamten Senat und mit Maria in die Kirche der Gottesmutter in Pegai, unmittelbar vor den Toren der Stadt gelegen, wo die Hochzeit stattfand. Der Protobestiarios Theophanes und Georgios Sursubules waren die Trauzeugen. Nach der Zeremonie kehrte Theophanes mit der Braut in die Stadt zurück. Am dritten Tag nach der Hochzeit kam Kaiser Romanos wieder zu Schiff nach Pegai, wo ein prächtiges Fest gefeiert wurde, an dem auch die Mitkaiser Christophoros und Konstantinos (VII.) teilnahmen. Die Bulgaren erregten angeblich einen Skandal, weil sie darauf bestanden, daß Christophoros vor Konstantinos akklamiert würde, bis Romanos dieser Reihenfolge zustimmte. Damit war Christophoros von diesem Zeitpunkt an bis zu seinem Tod 931 als erster Mitkaiser seines Vaters anerkannt.

Nach Beendigung der Feierlichkeiten zog P., der seitdem den Titel eines Basileus der Bulgaren geführt zu haben scheint, mit seiner Frau Maria, die unterdessen in Eirene umbenannt worden war, zurück nach Bulgarien. Beide wurden von dem Protobestiarios Theophanes und von den Brauteltern bis zum Hebdomon begleitet, wo es einen tränenreichen Abschied gab (3).

Wahrscheinlich 928/29 bildete sich eine Verschwörung gegen P., durch die an seiner Stelle sein Bruder Ioannes auf den Thron gehoben werden sollte. Die Verschwörung wurde aufgedeckt, Ioannes wurde mit Schlägen und Haft bestraft und außerdem zum Mönch geschoren. P. benachrichtigte auch den Kaiser von der Verschwörung und dem glücklichen Ausgang. Romanos I. schickte daraufhin den Mönch und früheren Rhaiktor Ioannes (# 22937) nach Bulgarien, vorgeblich, um die beiden Brüder zu versöhnen, tatsächlich, um Ioannes, den Bruder des P., nach Konstantinopel zu schaffen. Dies gelang, und Ioannes wurde zu Schiff von Mesembria nach Konstantinopel gebracht. Dort legte er den Mönchshabit bald ab. Romanos I. wies ihm einen Palast zu und stattete ihn mit reichen Geldmitteln aus. Außerdem arrangierte er die Heirat mit einer Frau (# 22903A) aus dem Thema Armeniakon, der Heimat des Kaisers. Bei der Hochzeit, die im Palast des Kaisars (ἐν τῇ τοῦ Καίσαρος οἰκίᾳ) stattfand, fungierten der Mitkaiser Christophoros (# 21275) und der Mönch und frühere Rhaiktor Ioannes als Trauzeugen. Offensichtlich wollte Romanos I. mit dieser Maßnahme einen potentiellen Thronaspiranten in der Hinterhand behalten, um P. gegebenenfalls unter Druck setzen zu können (4).

Kurz darauf, wohl 929/30, kam es zu einer Verschwörung seines Bruders Michael gegen P., die ihren Ausgangspunkt in Makedonien hatte. Michael konnte eine größere Zahl von Skythen (wohl Ungarn oder Petschenegen) als Helfer gewinnen. Nach seinem Tod zogen diese gegen Byzanz und kamen plündernd bis nach Nikopolis (5).

In den folgenden Jahren scheinen die Bulgaren relativ friedliche Beziehungen mit Byzanz unterhalten zu haben. P. taucht jedenfalls kaum in den byzantinischen Quellen auf. Ende 959 zeigte Romanos II. ihm durch eine Gesandtschaft seine Thronbesteigung an (6). Nicht genauer datierbar sind zwei Briefe des Patriarchen Theophylaktos (# 28192) an P., in denen der Patriarch die Häresie der Paulikaner (Bogomilen) verdammte und von denen sich nur sagen läßt, daß sie anscheinend zwischen 933 und 950 geschrieben worden sind (7).

Nach dem Tod Romanos’ II. (15.3.963) kam es im Sommer dieses Jahres zu einer Erneuerung des Friedensvertrags. P., dessen Gattin Maria gestorben war, stellte Geiseln, u. a. seine Söhne Boris und Romanos. Im Gegenzug scheint Byzanz sich zur Weiterzahlung der seit dem Vertrag von 927 üblichen Geschenke/Tribute verpflichtet zu haben (8).

Wohl 965 schickte P. Gesandte (# 30461) nach Konstantinopel, die diese Geschenke einfordern sollten. Jedoch wurde die Forderung von Kaiser Nikephoros II. Phokas mit Empörung zurückgewiesen. Der Kaiser ließ die Gesandten schlagen und kündigte einen Kriegszug nach Bulgarien an, der im nächsten Jahr stattfand. Laut Skylitzes war der Kriegsgrund die Weigerung des P., die “Türken” (Τοῦρκοι, gemeint sind die Petschenegen) davon abzuhalten, die Donau zu überqueren und nach Byzanz einzufallen (9). Jedoch gab Nikephoros II. den Plan, Bulgarien selbst zu unterwerfen, bald wieder auf und gewann stattdessen die Rhos unter ihrem Fürsten Svjatoslav (# 27440) als Verbündete. 968 unternahm Svjatoslav einen ersten Einfall. Wie Leon Diakonos mitteilt, war P. über diesen Einfall derart bestürzt, daß er an Epilepsie (ἐπιληψίας πάθος) erkrankte und wenig später (969) starb (10).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 5, p. 385,15-18; Skylitzes, Konstantinos 3, p. 200,27-29 (spricht nur allgemein von den Söhnen Symeons); Symeon log. (Leon gr. 292,4-7; Theod. mel. 204,25-28; Symeon sl. 126,16-18); Symeon log. (Wahlgren) 135,77-80; Georg. mon. cont. (Bonn) 877,22 – 878,3; Georg. mon. cont. (Muralt) 1133A; Georg. mon. cont. (Istrin) 41,24-27; Ps.-Symeon 721,15-17; verkürzt: Zonaras XVI 16, p. 462,7f. — (2) Theodoros Daphnopates, Ep. 7,55-59 (p. 83 Darrouzès–Westerink). — (3) Theoph. cont. VI 21, p. 412,2 – 414,21; Skylitzes, Romanos Lakapenos 18, p. 222,13 – 224,60; Symeon log. (Leon gr. 315,17 – 317,21; Theod. mel. 224,3 – 226,14; Symeon sl. 136,26 – 137,39); Symeon log. (Wahlgren) 136,338-403; Georg. mon. cont. (Bonn) 904,1 – 907,5; Georg. mon. cont. (Muralt) 1168–1169C; Georg. mon. cont. (Istrin) 55,3 – 56,33; Ps.-Symeon 740,10f.; 740, 23 – 741,15; Zonaras XVI 18, p. 473,15 – 474,7; Konst. Porph., DAI 13,147-149; Vita Mariae iun. (BHG 1164) cap. 26, p. 702C; Liudprand, Antapodosis III 38, p. 92,3-9; Panagopoulou, Gamoi 131–139; zu dem Vertrag s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 612 (vor dem 8. Oktober 927). Aus Anlaß der Hochzeit wurde von einem unbekannten Autor, möglicherweise Theodoros Daphnopates (# 27694), ein Enkomion verfaßt, das sich überwiegend in mythologischen, biblischen und historischen Vergleichen ergeht, aber kaum konkrete Informationen enthält (Enkomion  Ἐπὶ τῇ τῶν Βουλγάρων συμβάσει). — (4) Theoph. cont. VI 28, p. 419,10-24; Skylitzes, Romanos Lakapenos 23, p. 225,96 – 226,19; Symeon log. (Leon gr. 320,9 – 321,2; Theod. mel. 229,9-22; Symeon sl. 139,17-29); Symeon log. (Wahlgren) 136,472-485; Georg. mon. cont. (Bonn) 910,18 – 911,10; Georg. mon. cont. (Muralt) 1176B-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 58,25-38; Ps.-Symeon 744,11-15 (verkürzt). — (5) Theoph. cont. VI 29, p. 420,1-10; Skylitzes, Romanos Lakapenos 23, p. 226,11-19; Georg. mon. cont. (Istrin) 59,1-8. Die ganze Episode findet bei Georg. mon. cont. (Bonn) keine Erwähnung. — (6) Theoph. cont. VI 2, p. 470,20 – 471,2; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 685. — (7) Theophylaktos patriarches, Brief 88,1; cf. hierzu Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 788 (ohne Datierung). 789 (940–950 [ou 933–944]?). — (8) Skylitzes, Basileios und Konstantinos 5, p. 255,73-77; Zonaras XVI 23, p. 495,7-9; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 694. — (9) Leon Diakonos IV 5, p. 61,12 – 62,11; Skylitzes, Nikephoros 20, p. 276,23 – 277,28; möglicherweise war dieser Grenzschutz Teil der früheren Vereinbarungen gewesen; Zonaras XVI 27, p. 512,18 – 513,7 läßt P. die Ablehnung damit begründen, daß Byzanz seinerseits den Bulgaren nicht geholfen habe, als diese von den Ungarn angegriffen worden seien; s. auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 710. — (10) Leon Diakonos, Historia V 2, p. 78,10-14. Als Todesdatum wurde von Runciman, Bulgarian Empire 204, der 30. Januar 969 wahrscheinlich gemacht.

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont (Bonn; Muralt; Istrin); Ps.-Symeon; Leon Diakonos, Historia; Zonaras. — (Ep.): Theodoros Daphnopates, Epp.; Theophylaktos patriarches, Brief 88,1f. — (Fs.): Konst. Porph., DAI. — (Sonst.): Enkomion  Ἐπὶ τῇ τῶν Βουλγάρων συμβάσει (auf den Friedensvertrag von 927) 254–288, bes. § 7, l. 172f., p. 264 (als κόρος [Sohn] des Holofernes [Symeon], Namensnennung nur in den Marginalscholien, cf. app. crit. zu l. 172f.); § 16, l. 377, p. 278; § 17, p. 278 (ohne Namensnennung) (Dujčev); 363–380, bes. 368,19 und app. crit.; 375,5f. 7-10 (Stauridu-Zaphraka). — (Hag.): Vita Lucae iun. (BHG 994) 453B-C (PG); cap. 47, p. 185 (Sophianos); cap. 40,3-12, p. 58–60 (Connor); Vita Mariae iun. (BHG 1164) cap. 26, p. 702C; Vita Pauli Latrensis (BHG 1474) cap. 27, 72,2-4 (AnBoll) = 122,2-4 (Wiegand). — (Inscr.): Beševliev, Prot. Inschriften Nr. 69. — (Sg.): Beševliev, Inschriften Nr. 91: Πέτρος βασιλεὺς Βουλγάρων. Nr. 92a: Πέτρος βασιλεὺς εὐσεβής. — (lat.): Liudprand, Antapodosis III 29, p. 88,1-3; Priester von Diokleia (ed. Šišić) cap. 30, p. 324.

L: ODB III 1639; LdMA VI (1993) 1928; SSS IV (1970) 108f.; KME III (2003) 138–140. — Zlatarski, Istorija I/2 492ff. passim; Runciman, Bulgarian Empire passim, cf. 333 (Reg.); Jenkins, in: Polychronion 283–303 (Ndr. in: Jenkins, Studies, Nr. XXI); Dujčev, in: DOP 32 (1978) 217–295; Istorija na Bălgarija II 348ff. passim; Kresten–Müller, Samtherrschaft 19 mit Anm. 40; 25. 27. 32. 63. 65; Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 305–309; Podskalsky, Bulgarien und Serbien 194–197; Kresten, Arklai 38. 41; Nikolov, Centralizăm 116–120; Panagopoulou, Gamoi 131–139; Božilov–Gjuzelev, Istorija 272–307; Geschichte Südosteuropas 69. 72.

P: Die in früherer Literatur des öfteren vorgetragene These, P. sei mit dem Mönch/Černorizec Petăr identisch, dem einige altkirchenslawische homiletische Werke zugeschrieben werden, darf wohl mit Podskalsky, Bulgarien und Serbien 195–197 (mit Verweisen auf die ältere Literatur), endgültig verworfen werden.

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