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Stephanos

Στέφανος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
27224
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
886
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Anthypatos; Patrikios; Bas. Protospatharios; Magistros = mbulg. magistr ; Vormund (Epitropos); Epitropos (Vormund); Krites (Richter) ; Richter
Name normalisiert
Stephanos
Ort
Antigone = mbulg. Antigon ostrov; Kolobukloster (Chalkidike); Athos; Chalkidike; Blachernenpalast (Kpl.); Kpl.: Blachernenpalast = mbulg. Vlacherna; Kpl. Kaiserpalast; Kaiserpalast (Kpl.); Kpl.: Bukoleonhafen; Bukoleonhafen (Kpl.); Athen = mbulg. Aḟiny
Quelle
ZN; Theoph. cont. 6; Skylitzes; Georg. mon. cont. (Bonn); Actes du Prôtaton (Nr. 2); Theod. mel.; Georg. mon. cont. (Istrin); Leon gr.; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Zonaras; Vita Euthymii (BHG 651); Nikolaos Mystikos, Epp.; Leon Magistros, Epp.; Symeon sl.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon log.

T: Magistros, Anthypatos, Patrikios und basilikos Protospatharios. Wahrscheinlich auch Richter, denn er soll “Recht gesprochen” haben (s. u. Anm. 4). Von Kaiser Alexandros wurde er 913 zu einem der Vormünder — ἐπίτροποι des jungen Konstantin VII. ernannt.

V: In den Chroniken wird er als Στέφανος ὁ μάγιστρος τῆς Καλομαρίας bezeichnet, was hier wohl so zu deuten ist, daß es sich bei ihm um den Sohn der Maria (# 4738) handelt, der Schwester der Kaiserin Theodora (# 7286) und Schwägerin des Kaisers Theophilos (1).

Seine erste Erwähnung in den Quellen fällt in das Jahr 886, als Leon VI. ihn und den Domestikos Andreas (# 20351) einen Hochverratsprozeß gegen Theodoros Santabarenos (# 27619) und gegen den (Ex-)Patriarchen Photios (# 26667) führen ließ (2).

S. scheint als Magistros während der Regierungszeit Leons VI. weiter amtiert zu haben. Wahrscheinlich im Jahre 908 gehörte er zu einer kaiserlichen Kommission unter der Leitung des Protospatharios Nikephoros tu Eupraxe (# 25575), die eine Klage gegen das Kloster Kolobu (auf der Landenge gelegen, die zur Halbinsel Athos führt, aber außerhalb des eigentlichen Athos-Gebietes) prüfte. Der Fall wurde im Februar 908 durch den Erlaß (Actes du Prôtaton, Nr. 2) des Kaisers Leon VI. zugunsten der klageführenden Athosmönche entschieden (3).

Um das Jahr 910 herum erhielt S. einen Brief von Leon Choirosphaktes (# 24343), in dem dieser ihn darum bat, sich bei Kaiser Leon VI. für die Aufhebung seiner Verbannung einzusetzen. Leon erinnerte S. daran, daß sie zu einer früheren Zeit gemeinsam Recht gesprochen hatten, und forderte ihn auf, auch in seinem Falle “gerecht zu urteilen” (4).

Möglicherweise hat er in der zweiten Hälfte des Jahres 912 einen Brief des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885), in dem der Patriarch noch einmal zum Tetragamiestreit Stellung bezog, nebst einem Begleitschreiben des Kaisers Alexandros an Papst Anastasius III. (# 20342) überbracht. Der Überbringer ist im Brief des Patriarchen nicht namentlich genannt, es ist nur von seinem (scil. des Kaisers) berühmten Magistros die Rede (διὰ τοῦ περιβλέπτου αὐτοῦ μαγίστρου), insofern kommen auch andere Magistroi in Frage, die unter Kaiser Alexandros amtiert haben, z. B. Gregoras Iberitzes (# 22328) oder Ioannes Eladas (# 22909) (5).

S. gehörte zu den Vormündern des jungen Konstantin VII., die Kaiser Alexandros kurz vor seinem Tod im Juni 913 ernannt hatte (6).

Im August 913 empfing er zusammen mit den Vormündern Nikolaos I. Mystikos und Ioannes Eladas die beiden Söhne des bulgarischen Zaren Symeon (# 27467) im Blachernenpalast (7).

Nach 914 scheint S. bei der Kaiserin Zoe Karbonopsina (# 28506) in hohem Ansehen gestanden zu haben, da es ihm – zusammen mit Konstantinos Gongylios (# 23823) – gelang, die Kaiserin davon abzuhalten, den Drungarios Romanos Lakapenos (den späteren Kaiser) blenden zu lassen. Man hatte Romanos vorgeworfen, zu früh seine Flotte von der Donau nach Konstantinopel zurückgeführt zu haben, so daß nach der Niederlage gegen die Bulgaren am Acheloos (20. August 917) die byzantinischen Flüchtlinge sich nicht auf die Schiffe retten konnten und umkamen (8).

Als Zoe von ihrem Sohn und Romanos Lakapenos als Leiterin der Regentschaftsregierung abgesetzt wurde, ließ Konstantinos VII. sich von dem Patriarchen Nikolaos I. Mystikos und S. bestätigen, daß die Macht jetzt von seiner Mutter auf ihn selbst übergegangen sei (9).

Wenig später übernahm Romanos Lakapenos die Macht. Auf die Kunde, daß er mit der Flotte in den kaiserlichen Bukeoleonhafen eingelaufen sei, verließ S. sofort den Palast. An seiner Stelle wurde Romanos zum Magistros ernannt und erhielt zusätzlich auch noch das Amt des Megas Hetaireiarches (10).

Am 8. Februar 921 wurde S., der hier ausdrücklich noch einmal als Sohn der Kalomaria bezeichnet wird, auf die Antigonosinsel verbannt und zum Mönch geschoren, da er nach dem Thron gestrebt haben soll. Ebenso wurden seine Anhänger (ἄνθρωποι bzw. οἰκειότατοι [Skylitzes]), Theophanes Teichiotes (# 28086) und der Orphanotorophos Paulos (# 26331), verbannt (11). Zu diesem Zeitpunkt müßte S. über 80 Jahre alt gewesen sein.

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 5, p. 354,18; s. auch Georg. mon. cont. (Bonn) 850,6: Στέφανος ὁ μάγιστρος ὁ τῆς Καλομαρίας. Ebenso Symeon. log. (Leon gr. 263,21f.; Theod. mel. 184,11f.; Symeon sl. 115,12: magistr’ Kalamariiskyi); Symeon log. (Wahlgren) 133,22f.; Georg. mon. cont. (Istrin) 25,25f. — (2) Theoph. cont. VI 5, p. 354,18 – 356,6; Skylitzes, Leon 6, p. 173,6 – 174,44; Symeon log. (Leon gr. 263,21 – 265,19; Theod. mel. 184,11 – 185,17; Symeon sl. 115,12 – 116,1); Symeon log. (Wahlgren) 133,27-64; Georg. mon. cont. (Bonn) 850,4 – 851,18; Georg. mon. cont. (Muralt) 1089C–1093A; Georg. mon. cont. (Istrin) 25,25-28; Ps.-Symeon 701,1-6. — (3) Actes du Prôtaton, Nr. 2 (Februar 908, 11. Indiktion [wahrscheinlich 908, nicht 893]), l. 37, p. 184. — (4) Leon Magistros, Ep. 26,12f., p. 129 (Kolias): κρῖνον ἐπ᾽ ἐμοὶ δικαίως, ὡς ἔκρινες ἐνδίκως σὺν ἐμοί, ... — (5) Nikolaos Mystikos, Ep. 32,510-512. — (6) Theoph. cont. VI 7, p. 380,17-20; 1, p. 381,10-13; Skylitzes, Alexandros 7, p. 196,13-17; Symeon log. (Leon gr. 288,2-6; Theod. mel. 201,24 – 202,1; Symeon sl. 124,33-35); Symeon log. (Wahlgren) 134,47-52; Georg. mon. cont. (Bonn) 873,21 – 874,2; 874,13-17; Georg. mon. cont. (Muralt) 1128A-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 39,2-4. 12-16; Ps.-Symeon 717,22 – 718,1; 718,10-12; Zonaras XVI 15, p. 457,17 – 458,4; Vita Euthymii (BHG 651) XXI, p. 131,6-9 (Karlin-Hayter). — (7) Theoph. cont. VI 5, 385,15-18; Symeon log. (Leon gr. 292,4-7; Theod. mel. 204,25-28; Symeon sl. 126,16-18); Symeon log. (Wahlgren) 135,77-80; Georg. mon. cont. (Bonn) 877,22 – 878,3; Georg. mon. cont. (Muralt) 1133A; Georg. mon. cont. (Istrin) 41,24-27. — (8) Theoph. cont. VI 10, p. 390,5-15; Skylitzes, Konstantinos 9, p. 43–45; Symeon log. (Leon gr. 296,9-12; Theod. mel. 208,14-18; Symeon sl. 128,10f.); Symeon log. (Wahlgren) 135,170-172; Georg. mon. cont. (Bonn) 882,17-20; Georg. mon. cont. (Muralt) 1140A-B; Georg. mon. cont. (Istrin) 44,4-14; Ps.-Symeon 725,1-3. — (9) Theoph. cont. VI 11, p. 392,11-14; Skylitzes, Konstantinos 11, p. 207,18-20; Symeon log. (Leon gr. 298,12-14; Theod. mel. 210,5-8; Symeon sl. 129,5-7); Symeon log. (Wahlgren) 135,213-215; Georg. mon. cont. (Bonn) 884,20-23; Georg. mon. cont. (Muralt) 1141B-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 45,13-15; Zonaras XVI 17, p. 467,9-11. — (10) Theoph. cont. VI 12, p. 394,1f.; Skylitzes, Konstantinos 11, p. 208,47-49; Symeon log. (Leon gr. 300,2f.; Theod. mel. 211,8f.; Symeon sl. 129,28f.); Symeon log. (Wahlgren) 135,244f.; Georg. mon. cont. (Bonn) 886,10f.; Georg. mon. cont. (Muralt) 1144C; Georg. mon. cont. (Istrin) 46,4-6; Ps.-Symeon 726,21f.; verkürzt: Zonaras XVI 17, p. 467,17 – 468,5. — (11) Theoph. cont. VI 2, p. 398,12-16; Skylitzes, Romanos Lakapenos 2, p. 213,53-57; Symeon log. (Leon gr. 304,16-21; Theod. mel. 214,19-23; Symeon sl. 131,22-25); Symeon log. (Wahlgren) 136,87-91; Georg. mon. cont. (Bonn) 891,3-7; Georg. mon. cont. (Muralt) 1149C–1152A; Georg. mon. cont. (Istrin) 48,16-22; Ps.-Symeon 731,21 – 732,2 (datiert in den Oktober 920 [9. Indiktion]).

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt; Istrin); Ps.-Symeon. — (Ep.): Nikolaos Mystikos, Ep. 32,510-512; Leon Magistros, Ep. 26, p. 129 (Kolias). — (Hag.): Vita Euthymii (BHG 651). — (Dok.): Actes du Prôtaton, Nr. 2 (Februar 908, 11. Indiktion [wahrscheinlich 908, nicht 893]), l. 37, p. 184. — (Sg.): ZN 292 (datiert in den Zeitraum 913–922): Στεφάνῳ μαγίστρῳ, ἀνθυπάτῳ, πατρικίῳ καὶ βασιλικῷ πρωτοσπαθαρίῳ.

L: Kolias, Léon Ch. 20. 54. 60. 62; Tobias, Basil 475; Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton 183; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 616.

P: Da der Name recht häufig ist, ist eine Identität des in den Actes du Prôtaton genannten S. mit dem bei den Historikern erwähnten S. nicht völlig sicher, aber doch sehr wahrscheinlich; cf. Papachryssanthou, in: Actes du Prôtaton 183. — A. Beihammer (in: Dölger–Müller, Regesten Nr. 544) hält es für denkbar, daß S. mit jenem in arabischen Quellen genannten Stephanos (# 27241) (arab.: Isṭānah) zu identifizieren sein könnte, der vom 27.–30. Sept. 905 am Fluß Lamos einen Gefangenenaustausch mit den Arabern durchführte.

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