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Symeon (von Bulgarien)

Συμεών

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
27467
Namensvariante
Simeon (lat.); Semion: Semion (altruss.); Semevon: Semevon (altruss.); Michael (Vita Clementis (BHG 356))
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
9. Jh.
Erste Erwähnung
893
ethnos
Bulgarien
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Archon Bulgarien ; Kaiser (bulg.); bulg.: Kaiser; bulg: Archon; Basileus (bulg.); bulg.: Basileus; Basileus Romaion (angemaßter Titel); Exusiastes Bulgaron; Herrscher der Bulgaren; Zar
Name normalisiert
Symeon
Ort
Bulgarien; Adrianupolis (Thrakien); Katasyrta (Thrakien); Acheloos (Thrakien); Thrakien: Acheloos; Thrakien: Katasyrta; Thrakien: Adrianupolis; Kosmidion (bei Kpl.); Pegai (knapp außerhalb der Mauern von Kpl.); Kroatien; Thrakien: Manglaba; Manglaba: Thrakien; Maglaba s. Manglaba; Donau; Ungarn; Hebdomon; Tiberiupolis (Makedonien); Bragalenitza (Makedonien); Bregalnica (Fluß); Strumica (Makedonien = Tiberiupolis); Silistra (Thrakien); Dorostolon (=Silistra); Dr'str (altruss. = Dorostolon); Ondrěnĭ (altruss.) = Adrianupolis; Odrěnĭ (altruss.) = Adrianupolis; Ondrěęnĭ gradŭ (altruss.) = Adrianupolis; Pliska; Preslav; Herakleia; Selymbria; Kpl: Pegai (knapp außerhalb der Mauern von Kpl.); Kpl.: Theotokoskloster tes peges; Theotokoskloster tes peges (Kpl.); Pegekloster (Kpl.) = Theotokoskloster tes peges (Kpl.); Kpl.: Pegekloster = Theotokoskloster tes peges
Quelle
Theoph. cont. 6Skylitzes; Skylitzes; Georg. mon. cont. (Bonn); Zonaras; Leon gr.; Theod. mel.; Ps.-Symeon; Georg. mon. cont. (Muralt); Georg. mon. cont. (Istrin); Vita Mariae iun. (BHG 1164); Theodoros Daphnopates, Epp.; Nikolaos Mystikos, Epp.; Liudprand, Antapodosis; Leon Diakonos, Historia; Konst. Porph., DAI; Leon Magistros, Epp.; Arethas, Scripta minora; Beševliev, Prot. Inschriften; Beševliev, Părvobălgarski nadpisi; Theophylact. Achrid., Hist. mart.; Michael syr.; Bar Hebraeus; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana; Dandolo, Chron. Venet.; Symeon log. (Wahlgren); Symeon sl.; Nestorchronik; Annales Fuldenses; Reginonis Chronicon; Vita Nahumi slav. 2; Vita Nahumi slav. 1; Vita Clementis (BHG 355); Vita Clementis (BHG 356); Enkomion auf den Zaren Symeon; Vita Lucae iun. (BHG 994); Kekaumenos; Symeon log.; Enkomion Ἑπὶ τῇ τῶν Βουλγάρων συμβάσει

N: Altruss. Namensform: Semion, Semevon (Nestorchronik).

T: Herrscher, Archon — ἄρχων der Bulgaren (893–927) (Theoph. cont.; Skylitzes; Leon Magistros, Epp.; Beševliev, Prot. Inschriften Nr. 46, p. 216) bzw. Archon von Bulgarien — ἄρχων Βουλγαρίας (Theodoros Daphnopates, Epp. 6. 7); Exusiastes (Herrscher) der Bulgaren — ἐξουσιαστὴς Βουλγάρων (Theodoros Daphnopates, Ep. 5); nach 913 selbsternannter Kaiser (der Bulgaren) — βασιλεύς (Siegel; Theoph. cont.).

V: S. war ein jüngerer Sohn des bulgarischen Herrschers Boris-Michael (# 21197). Ein älterer Bruder war Vladimir (# 28432). S. selbst hatte vier Söhne aus zwei Ehen. Der älteste war Michael (# 25151), den S. zum Mönch scheren ließ. Aus der zweiten Ehe, die er vermutlich mit der Schwester (# 27485A; s. auch dort) des Georgios Sursubules (# 22137) geschlossen hatte, stammten die Söhne Petăr (# 26409), der 927 Nachfolger des S. wurde, sowie Ioannes (# 22903) und Beniamin (# 21144). Ein weiterer enger Verwandter war Stephanos (# 27254). Möglicherweise hatte S. auch einen Schwager namens Symeon (# 27485). Er hatte mindestens eine Tochter (# 27467A).

S. erhielt eine umfassende griechische, sowohl geistliche als auch weltliche Bildung. Dies bezeugen sowohl Liudprand (# 23645), der davon spricht, daß S. die Rhetorik “des Byzantiners” Demosthenes und die Syllogismen des Aristoteles gelernt habe (1), als auch später das Verhalten des byzantinischen Gesandten Leon Choirosphaktes (# 24343), der S. gegenüber Homer zitieren (ohne Nennung des Namens Homers) und sich auf Aristoteles (den “Stageiriten”) beziehen konnte, was er wohl kaum getan hätte, wenn S. diese Autoren nicht gekannt hätte (2). Daß S. die griechische Sprache beherrschte, steht außer Frage (3).

Einen weiteren Hinweis auf S.s Beherrschung der griechischen Sprache liefert das Vorwort eines bulgarischen Chrysostomos-Florilegiums (4). Es weist S. als denjenigen aus, der die Werke des Ioannes Chrysostomos in griechischer Sprache las und die Auswahl traf, welche Abschnitte ins Bulgarische zu übersetzen und in der Sammlung zu vereinigen seien. Allerdings wurde in diesem Zusammenhang schon früh darauf hingewiesen, daß die Behauptung dieses Vorworts, S. habe alle Schriften des Alten und des Neuen Testaments, die kanonischen und die nichtkanonischen, durchgelesen und daraus selbst das vorliegende Florilegium zusammengestellt, übertrieben sein dürfte (5). In dieselbe Richtung geht das altkirchenslawische Enkomion eines Anonymus, dem S. den Auftrag gegeben hatte, von ihm selbst ausgewählte griechische Texte ins Altkirchenslawische zu übersetzen (6).

Wo S. seinen Unterricht bekommen hat, wissen wir nicht. Die Bemerkung Liudprands, daß S. Bizantii, also in Konstantinopel, seine Studien absolviert habe (s. oben sowie Anm. 1), hat einige Forscher dazu gebracht, ein Studium an der Schule der Magnaura anzunehmen. Jedoch findet dies in anderen Quellen keine Stütze.

Nach seinen Studien soll S., wie Liudprand erklärt, in den geistlichen Stand getreten sein, den er jedoch schon nach kurzer Zeit wieder verlassen habe (7).

Herrschaft

Im September 892 traf eine Gesandtschaft des ostfränkischen Königs Arnulf von Kärnten (# 20578) bei S.s Bruder und Vorgänger Vladimir in Pliska ein, um das 862 von Ludwig “dem Deutschen” (# 24754) mit Bulgarien geschlossene Bündnis zu erneuern. Sie kehrte im Mai 893 wieder zurück. Offensichtlich sollte damit eine politische, aber auch eine religiöse Abkehr von Byzanz vollzogen werden (8). Diese scheint in der Verfolgung griechisch-byzantinischer Geistlicher gegipfelt zu haben, die schließlich Vladimirs Vater Boris-Michael veranlaßte, aus dem Kloster zurückzukehren und diese Versuche einer Anbindung an das ostfränkische Reich mithilfe gleichgesinnter Adliger zu zerschlagen. Vladimir wurde gefangengenommen, geblendet und eingekerkert (9); über sein Todesdatum ist nichts bekannt.

Von einer Art Volksversammlung, die Boris-Michael 893 in Preslav einberufen haben soll, da in Pliska die antichristlichen Anhänger Vladimirs noch starken Einfluß gehabt hätten, soll schließlich S. zum Herrscher gewählt worden sein. Des weiteren soll auf dieser Versammlung die Verlegung der Hauptstadt Bulgariens von Pliska nach Preslav sowie die Einführung des Altkirchenslawischen anstelle des Griechischen als Sprache der Kirche beschlossen worden sein. Allerdings dürfte es sich bei dieser in der älteren Sekundärliteratur regelmäßig genannten, aber in keiner einzigen Quelle aufzuspürenden Volksversammlung oder Synode um ein historisches Konstrukt handeln (10).

S. setzte anschließend ganz klar auf das Christentum. Bei Theophylact. Achrid., Hist. mart. (BHG 1199), wird berichtet, daß er, wohl kurz nach Antritt seiner Herrschaft, den Komes Dristăr (# 21606) damit betraute, die Gebeine der Heiligen Sokrates und Theodoros von Tiberiupolis (dem heutigen Strumica) in Makedonien nach Bragalenitza (vermutlich ebenfalls in Makedonien, am Fluß Bregalnica) zu überführen. Dies ist ein deutliches Indiz dafür, daß er das Christentum unter anderem durch Kirchenbau aktiv förderte.

Fast sofort nach S.s Herrschaftsantritt kam es zum Krieg mit Byzanz. Als Ursache nennen Theoph. cont. und Skylitzes die Verlegung des Marktes für den Handel mit den Bulgaren von Konstantinopel nach Thessalonike und eine Erhöhung der Zollabgaben. Dies sei durch Musikos (# 25458), einen Eunuchen und Diener des Stylianos Zautzes (# 27406), geschehen, der mit den zwei Kaufleuten Staurakios (# 27179) und Kosmas (# 24102) gemeinsame Sache gemacht habe. Symeon erhob gegen diese Maßnahme Einspruch, fand bei Kaiser Leon VI. aber kein Gehör, da dieser auf der Seite des Stylianos Zautzes stand (ὁ δὲ πάντα ὡς λῆρον ἐλογίζετο, τῇ πρὸς Ζαούτζαν προσπαθείᾳ νικώμενος). Daraufhin kam es im Jahre 894 zum Krieg. In einer Schlacht in Makedonien besiegten die Bulgaren ein byzantinisches Heer, das unter dem Befehl des Prokopios Krenites (# 26760) stand. Kaiser Leon VI. reagierte mit einer Gesandtschaft an die Ungarn jenseits der Donau, die er zum Krieg gegen die Bulgaren aufforderte. Zugleich betraute er den Domestikos Nikephoros Phokas (# 25545) mit dem Kommando über das Landheer und den Drungarios Eustathios (# 21836) mit dem Befehl über die Flotte und schickte den Quaestor Konstantinakios (# 23732) als Gesandten an S., um über den Frieden zu verhandeln. S. nahm den Gesandten gefangen, da er eine List vermutete. Es gelang Eustathios, die Ungarn, die sich auf die Seite von Byzanz gestellt hatten, gegen bulgarischen Widerstand auf die andere Seite der Donau überzusetzen. Während S. mit den byzantinischen Truppen unter Nikephoros Phokas beschäftigt war, fielen die Ungarn nach Bulgarien ein, verwüsteten das ganze Land und besiegten die Bulgaren in einer Schlacht, aus der S. selbst mit knapper Not entkam. S. bat nun durch Eustathios um Frieden, und der Kaiser schickte als Gesandten den Leon Choirosphaktes (# 24343) nach Bulgarien (gegen Ende 895). Außerdem rief der Kaiser Nikephoros Phokas und Eustathios aus Bulgarien zurück, wodurch er seine Verhandlungsposition aber wohl schwächte. S. nutzte diese Pause, setzte den byzantinischen Gesandten Leon Choirosphaktes in Bulgarien gefangen, wandte sich selbst (im Bündnis mit den Petschenegen) gegen die Ungarn und besiegte sie. Danach erklärte er, daß er nur dann Frieden mit Byzanz schließen werde, wenn man die bulgarischen Gefangenen, die die Ungarn gemacht und an Byzanz verkauft hatten, freilasse. Leon VI. stimmte dem zu, und S. entsandte einen seiner Vertrauten namens Theodoros (# 27641), der die Rückführung der kriegsgefangenen Bulgaren bewerkstelligte (11).

Weitere Nachrichten über die Auseinandersetzungen zwischen den Bulgaren und den Ungarn bzw. den Kroaten und Serben bietet das DAI: In cap. 40 wird berichtet, daß während des byzantinisch-bulgarischen Krieges 894–896 Kaiser Leon VI. die Ungarn (im DAI immer als Türken — Τοῦρκοι bezeichnet) unter Liuntika(s) (# 23646) gegen S. eingesetzt habe. Die Ungarn hätten S. bis nach Preslav verfolgt und ihn in der Festung Mundraga eingeschlossen, seien dann aber abgezogen. Nach 896 habe dann S. gemeinsam mit den Petschenegen einen Vergeltungsfeldzug gegen die Ungarn unternommen und deren Heimat (an der nördlichen Schwarzmeerküste) verwüstet. Dies spielt auf die verheerende Niederlage der Ungarn gegen die Petschenegen im Jahre 895/96 an, die schließlich zur ungarischen Landnahme in Pannonien führte. Die Darstellung des DAI ist nicht ganz korrekt.

In der altrussischen Nestorchronik wird dagegen fälschlich erst für das Jahr 902 berichtet, daß Leon VI. die Ungarn bezahlt habe, um einen Überfall auf Bulgarien zu verüben, bei dem sie das Land vewüsteten und plünderten. Bei einem Gegenangriff S.s wurden seine Truppen von den Ungarn geschlagen. S. selbst konnte nur knapp nach Dr’str (Dorostolon/Silistra) entkommen (12).

Nach cap. 32 des DAI schloß S. mit dem Serbenherrscher Petar (# 26408) einen Friedensvertrag und wurde dessen Kindspate. Der genaue Zeitpunkt dieser Patenschaft (συντεκνία) ist nicht bekannt, fällt jedoch in jedem Fall in die Zeit zwischen 894 und 912 Nach dem Tode Leons VI., also nach 912, soll sich Petar mit Leon Rabduchos (# 24400), dem Strategos von Dyrrhachion, über ein Bündnis und Unterstützung beraten haben. Dies geschah offenbar im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen der Byzantiner mit den Bulgaren, wahrscheinlich also während des byzantinisch-bulgarischen Krieges von 913–918. Anscheinend sollte Petar die Ungarn (τοὺς Τούρκους) mit Geschenken bzw. Bestechung dazu bewegen, gegen die Bulgaren zu ziehen, was diese im Verlaufe dieses Krieges dann auch taten. Michael (# 25166), der Fürst der Zachlumoi, informierte jedoch S. von dem Treffen, der daraufhin durch eine List Petar gefangennehmen und nach Bulgarien bringen ließ, wo dieser schließlich, wohl 917/18, starb. Darauf installierte S. Pavle (# 26399), den Sohn des Bran (# 21203), auf dem serbischen Thron. Nachdem Pavle von Zacharias (# 28480) gestürzt worden war und dieser sich Byzanz unterstellt hatte, schickte S. eine Armee unter Theodoros Sigritzes (# 27681) und Marmaen (# 25002) gegen Zacharias aus. Die Bulgaren wurden jedoch geschlagen und die abgeschlagenen Häupter sowie die Waffen der gefallenen bulgarischen Heerführer wurden nach Konstantinopel geschickt (13).

896 brach der Krieg von neuem aus. Leon VI. unternahm umfangreiche Rüstungen. Er ließ die kleinasiatischen Thementruppen nach Europa übersetzen und verstärkte sie durch die Tagmata, die Abteilungen der westlichen Themen und weitere Truppen und unterstellte das ganze Heer Leon Katakalon (# 24329), dem Domestikos der Scholen, und dem Patrikios und Protobestiarios Theodosios (# 27898). Bei dem Ort Bulgarophygon kam es im Sommer 896 zur Schlacht, in der die Byzantiner unterlagen. Theodosios fiel, während Leon Katakalon sich schmachvoll (αἰσχρῶς) nach Bulgarophygon retten konnte. Danach scheint es (896/97) zum Friedensschluß mit den Bulgaren gekommen zu sein, in dem S. sich bereit erklärte, eine große Zahl von byzantinischen Kriegsgefangenen zurückzugeben (14).

In den byzantinischen chronikalen Quellen finden die Bulgaren während der restlichen Regierungszeit Leons VI. keine Erwähnung mehr, doch wissen wir aus den Briefen des Leon Choirosphaktes, daß dieser noch zwei weitere Gesandtschaftsreisen zu S. unternahm: eine ca. 901/02, die dazu führte, daß S. 30 Festungen im Gebiet von Dyrrhachion an Byzanz zurückgab (15) und eine im Jahre 904 (s. u.).

In der Rede des Arethas (# 20554) auf die Ankunft der Reliquien des hl. Lazaros in Konstantinopel (Scripta minora Nr. 58), die vermutlich auf den 17. Oktober 901 zu datieren ist (cf. Westerink, Arethas II 7), gibt es einen Hinweis darauf, daß S., der allerdings nicht namentlich genannt wird, zum Zeitpunkt der Rede in Friedensverhandlungen mit Leon VI. stand, diese aber lange hinauszögerte und keinen Abschluß zuließ (16). Offenbar nur wenig später muß sich die bulgarische Haltung geändert haben, denn bei der Weihe der Lazaros-Kirche, die vermutlich am 4. Mai 902 stattfand (cf. Westerink, Arethas II 11), konnte Arethas darauf anspielen, daß bulgarische Gesandte (# 30237) um Frieden baten (s. dort). Beide Hinweise bei Arethas beziehen sich wahrscheinlich auf die oben genannte Gesandtschaft des Leon Choirosphaktes.

Nach der Eroberung Thessalonikes durch die Araber im Juli 904 reiste Leon Choirosphaktes ein drittes Mal zu S. und bewirkte laut eigener Aussage, daß die Bulgaren das verheerte Thessalonike nicht selbst besetzten. Die Grenze verlief zu dieser Zeit etwa 22 km nördlich von Thessalonike, wie wir von einer Inschrift auf einem bulgarischen Grenzstein wissen (17).

Wohl um 905 veranlaßten und unterstützten S. und sein Vater Boris-Michael den Naum (# 25501), einen Schüler des Methodios, im Gebiet von Devol, nahe beim Ohrid-See, eine Kirche zu Ehren des Erzengels Michael zu errichten (18).

Nach der Thronbesteigung des Alexandros im Mai 912 schickte S. Gesandte (# 30261) nach Konstantinopel, die offenbar die Lage erkunden und Alexandros auffordern sollten, den Frieden zu den vereinbarten Bedingungen weiter einzuhalten. Jedoch schickte Alexandros die Gesandten ohne die gewünschten Zusagen wieder zurück, nachdem er sie zudem durch provozierende Reden und Drohungen einzuschüchtern versucht hatte. Die Folge war ein erneuter Ausbruch des byzantinisch-bulgarischen Krieges, da S. diese Kränkung nicht hinnahm (19).

Zahlreiche Briefe des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885) an S. sind aus dem Zeitraum zwischen 912 und 925 erhalten, die sich mit dem Krieg zwischen den Byzantinern und Bulgaren bzw. mit den Forderungen von S. befassen. Den Auftakt bildet Ep. 3 (datiert zwischen Mai 912 und Juli 913): S. hatte die Herausgabe eines Mannes (# 30933) gefordert, der in der Hagia Sophia in Konstantinopel Zuflucht gesucht hatte. Nikolaos Mystikos gab der Forderung nach, nachdem S. versprochen hatte, daß dem Flüchtling nichts Ernstliches geschehe. Etwas später versuchte der Patriarch noch mit verschiedenen Argumenten, S. von seinem Vorhaben abzubringen, das byzantinische Reich anzugreifen (20). Ep. 5 appelliert unter verschiedenen Aspekten an S., sich doch standesgemäß zu verhalten, nicht Freundschaft und Seligkeit aufs Spiel zu setzen, und bedroht ihn schließlich mit Exkommunikation. Demgegenüber ist Ep. 6 konkreter und enthält das folgende Angebot: Bulgaren und Byzantiner unternehmen jeweils nichts zum Schaden des anderen, das sogenannte Abkommen (λεγόμενον κομβέντον) gilt wie zu Anfang, und was von byzantinischer Seite üblicherweise an S. geschickt wird, wird von Byzantinern bis Develtos gebracht, dort von Männern des S. übernommen und zu S. gebracht. Damit solle S. sich zufriedengeben und keine weiteren Forderungen stellen, auch nicht, daß die kaiserlichen Bevollmächtigten bis zu ihm kommen und ihm huldigen sollten (21). Der folgende Brief (Ep. 7) des Patriarchen Nikolaos Mystikos muß kurz nach Ep. 6 abgeschickt worden sein. Nikolaos nimmt direkt auf seinen vorherigen Brief Bezug und entschuldigt sich für seinen harschen Ton. In der Zwischenzeit war nämlich ein Brief von S. an den Kaiser angekommen, dessen Inhalt Nikolaos mit großer Erleichterung zur Kenntnis nahm und der ihn zu diesem Entschuldigungsbrief veranlaßte.

Im August 913 zog die bulgarische Armee gegen Konstantinopel und umschloß die Stadt vom Goldenen Tor bis zum Blachernenpalast. Jedoch erwiesen die Befestigungen sich als so stark, daß S. von einem Angriff Abstand nahm, sich zum Hebdomon zurückzog und Friedensverhandlungen vorschlug. Als die Regentschaftsregierung darauf einging, schickte er seinen Magistros Theodoros (# 27678) zu vorbereitenden Gesprächen. Danach empfingen Patriarch Nikolaos I. Mystikos, der zu dieser Zeit Haupt des Regentschaftsrates für den unmündigen Konstantinos VII. war, und die Magistroi Stephanos (# 27224) und Ioannes Eladas (# 22909) zusammen mit dem Kaiser die beiden Söhne Symeons im Blachernenpalast (22). Die weiteren Ereignisse sind nicht völlig geklärt und werden in der Forschung kontrovers gedeutet. Es scheint, daß Nikolaos Mystikos S. inmitten von dessen Armee auf dem Hebdomon aufsuchte und dort zusammen mit ihm ein spezielles Zeremoniell durchführte. Wie die chronikalen Quellen berichten, neigte S., als der Patriarch erschien, vor ihm das Haupt, das von Nikolaos mit dem Epirriptarion des Patriarchen bedeckt wurde (23). Dies könnte als eine Krönung, aber auch als eine Art Segenspendung (Eulogie) verstanden werden. Danach kehrten S. und seine Söhne reich beschenkt in ihre Heimat zurück, obwohl die Friedensverhandlungen ohne Ergebnis geblieben waren (24).

Da die Kämpfe auch nach dem Sturz des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos, der im Februar/März 914 als Führer der Regentschaftsregierung für Konstantin VII. durch Zoe Karbonopsina (# 28506), die Mutter des Kaisers, abgelöst wurde, weitergingen, scheinen beide Seiten sich nach weiteren Verbündeten umgesehen zu haben. U. a. bemühten sich die Byzantiner um die Petschenegen, die offenbar auch von S. umworben wurden (25). Ebenso sind hier die oben angeführten Verhandlungen mit dem Serbenherrscher Petar und mit den Ungarn einzuordnen.

Laut Skylitzes belagerte S. wenig später über längere Zeit Adrianupolis (Πολιορκοῦντος δὲ τοῦ Συμεὼν τὴν Ἀδριανούπολιν ἐφ᾿ ἡμέρας ἱκανὰς καὶ μηδὲν ἀνύοντος), das ihm von dem Armenier Pankratukas (# 26237) übergeben wurde, den er angeblich bestochen hatte. Zoe schickte daraufhin den Patrikios und Kanikleios Basileios (# 20920) sowie Niketas Helladikos (# 25714), die die Stadt mit reichen Geldmitteln wieder für Byzanz zurückgewannen (26).

Im Jahre 917 brachen die Kämpfe erneut offen aus. In einer großen Schlacht am Acheloos am 20. August 917 wurden die byzantinischen Truppen, die von Leon Phokas (# 24408) befehligt wurden, vernichtend geschlagen (27).

Kurz darauf zog Symeon gegen Konstantinopel, die Byzantiner traten ihm, wiederum unter dem Oberbefehl des Leon Phokas, entgegen, und es kam bei Katasyrta zur Schlacht. Den meisten Chroniken zufolge erlitten die Byzantiner eine weitere schwere Niederlage, nur Skylitzes berichtet, daß die Rhomäer nach schwerem Kampf gewonnen hätten (28). Im Winter 918/19 ist durch drei Briefe des Patriarchen Nikolaos Mystikos eine Friedensinitiative von Byzanz aus dokumentiert. Die Briefe waren an S. (Ep. 11), an den Erzbischof von Bulgarien (# 30997) (Ep. 12) und an einen bulgarischen Oberbefehlshaber (# 31008) (Ep. 13) gerichtet.

In den folgenden Jahren fielen die Bulgaren immer wieder nach Byzanz ein, wobei insbesondere Thrakien der Kriegsschauplatz war. Zum Teil führte S. sein Heer selbst an, zum Teil ernannte er andere Heerführer, so z. B. im Jahre 922 den Menikos (# 25056), der bis an den Bosporos vorstieß und die kaiserlichen Paläste bei Pegai und an der Bosporosenge (τὸ Στενόν) niederbrannte. 924 zog S. gegen Adrianupolis, das sich ihm schließlich wegen Mangels an Lebensmitteln ergeben mußte. Der Stadtkommandant, der Patrikios Moroleon (# 25420), wurde unter Martern getötet. Adrianupolis fiel allerdings nach dem Abzug der Bulgaren wieder an Byzanz zurück (29).

In der Zeit zwischen 920 und 923 bestand ein regelmäßiger Briefkontakt zwischen S. und dem Patriarchen Nikolaos Mystikos. Unmittelbar nach der innerkirchlichen Einigung zwischen Nikolaos und den Anhängern des 912/13 abgesetzten Patriarchen Euthymios (# 21913) berichtete Nikolaos in einem Brief an S. von der wiedergewonnenen Einheit der Kirche und nahm dies zum Anlaß, zur Wiederherstellung des Friedens mit Bulgarien ein Treffen vorzuschlagen. S. solle den Treffpunkt bestimmen, die byzantinischen Gesandten entlassen und seinerseits einen Brief schreiben. Aus dem folgenden Brief des Patriarchen, der ein bis zwei Monate später abgeschickt wurde, geht hervor, daß S. sich zumindest den Anschein gab, mit einem Treffen einverstanden zu sein. Nikolaos war über diese Nachricht erfreut, forderte aber weitere Sicherheiten, damit er sich nicht vergeblich der mühseligen Reise unterziehen würde. S. solle erklären, daß er von der Forderung nach dem byzantinischen Kaiserthron Abstand nehme und vernünftigen Bedingungen zugänglich sei (30). Diese Initiative war jedoch wohl nicht von Erfolg gekrönt, denn in seinem nächsten Brief (Ep. 16), der kurz nach der Krönung des Kaisers Romanos am 17. Dezember 920 verfaßt wurde, beklagte Nikolaos die erneute Mobilmachung auf beiden Seiten. Er schrieb außerdem, Romanos sei mit Gottes Willen gekrönt worden und er biete eine neue Chance, die Politik seiner Vorgänger zum besseren zu wenden. S. solle eine Allianz durch Heirat suchen, indem er seine Tochter mit einem Sohn des Romanos oder einen Sohn mit einer Tochter des Romanos verheirate (31).

Weitere Briefe folgten in den Jahren 921 bis 924, in denen Nikolaos Mystikos sich mit verschiedenen Mitteln und Argumenten darum bemühte, S. dazu zu bewegen, Frieden zu schließen, von seiner unangemessenen Forderung nach dem byzantinischen Kaiserthron Abstand zu nehmen und stattdessen Bedingungen zu stellen, die für Byzanz annehmbar waren (32). Dabei geben die Briefe teilweise auch Aufschluß über den Kriegsverlauf und über S. als Person bzw. über sein Verhältnis zu Byzanz. Hervorzuheben sind die folgenden Einzelheiten: Nikolaos versprach, sofern S. akzeptable Bedingungen stellen würde, sich für deren Erfüllung einzusetzen (Ep. 17). Darauf hatte S. aber offenbar seine Forderung nach dem byzantinischen Kaiserthron wiederholt – mit der sarkastischen Bemerkung, er fordere ja nichts Unmögliches, da er nicht die Auferstehung der toten Bulgaren gefordert habe – und zu seiner Rechtfertigung angeführt, daß Eunuchen Übles getan hätten. Das wies Nikolaos zurück: Mit diesen Eunuchen habe die jetzige Regierung nichts zu schaffen, S. solle sich auf Forderungen nach Gold oder Land beschränken und zu Verhandlungen kommen (Ep. 18). Da der vorherige Brief nicht überbracht werden konnte, weil der Bote S. nicht in Bulgarien angetroffen hatte, schickte Nikolaos einen weiteren, kürzeren Brief ähnlichen Inhaltes und mit dem konkreten Vorschlag, sich mit S. in Herakleia oder Selymbria zu treffen (Ep. 19). Die Hoffnung des Patriarchen, S. mit dem Vorschlag, ihn trotz seines Alters aufzusuchen, umstimmen zu können, erfüllte sich nicht. S. scheint in seiner Antwort sehr deutlich gemacht zu haben, daß ein solches Unterfangen vergeblich wäre. Allerdings hatte S. einen Gefangenenaustausch vorgeschlagen, über dessen Bedingungen mittels wechselseitiger Gesandtschaften Verhandlungen aufgenommen werden sollten (Ep. 20). Der folgende Brief ist wiederum eine Auseinandersetzung mit der Antwort des S., in der dieser offenbar behauptet hatte, daß es Gottes Wille sei, daß S. den byzantinischen Kaiserthron übernehme. Der Patriarch entgegnete, Krieg sei niemals Gottes Wille, und die Behauptung, S. solle nach Gottes Willen über Byzanz herrschen, sei mindestens gefährlich, denn der Weg sei glitschig und der Ausgang zweifelhaft. Außerdem hatte S. wohl die Forderung nach weiteren Gesandten erhoben, denn Nikolaos entgegnete, erst solle S. mindestens einen der beiden festgehaltenen Gesandten entlassen, ehe weitere geschickt würden (Ep. 21). Daraufhin hatte S. die Forderung nach Gesandten in einem Brief an den Kaiser wiederholt und Friedensverhandlungen in Aussicht gestellt. Darauf reagierte der Patriarch mit seinem nächsten Brief, den er mit einem seiner eigenen Leute (# 31060) zu Symeon schickte. Der Bote werde alle Vorschläge der Byzantiner unterbreiten. S. wurde noch gebeten, den Boten nicht länger als 15 Tage festzuhalten und ihn spätestens dann ungehindert und unverletzt zurückzuschicken (Ep. 22). Im folgenden Brief, geschrieben im Laufe des Jahres 922, berichtete Nikolaos von einer Mobilmachung auf byzantinischer Seite, außerdem habe sich Byzanz mit Russen, Petschenegen, Alanen und Westtürken verbündet. Als Nikolaos deshalb bei den Kaisern vorstellig geworden sei und darauf hingewiesen habe, daß man sich doch nicht mit Heiden verbünden könne, um die bulgarischen Mitchristen anzugreifen, hätten die Kaiser geantwortet, daß sie zwar über das Blutvergießen und die Grausamkeiten der Bulgaren hinwegsehen könnten, nicht aber über den Thronanspruch. Doch sie hätten auch dieses Schreiben in Auftrag gegeben und seien nach wie vor zu einer vernünftigen Lösung bereit. Schließlich warnte der Patriarch S. noch einmal davor, daß Gott auch nach vielen Jahren noch diesen Frevel schrecklich bestrafen könne (Ep. 23).

Fünf weitere Schreiben sandte Nikolaos Mystikos zwischen 922 und Juni 923. In dem ersten gab er noch einmal zu, daß S. Recht habe, wenn er meine, daß andere als er an der Situation schuld seien, wandte jedoch dagegen ein, daß diese Schuldigen längst tot seien und man nun den Weg zum Frieden gehen müsse (Ep. 24). Im folgenden Brief beschwor Nikolaos den toten Vater des S., der doch den christlichen Glauben der Bulgaren begründet habe. S. solle die Waffen niederlegen und zu vernünftigen Bedingungen – angeboten werden Gold, Silber und Land – Frieden schließen. Nikolaos merkte außerdem an, daß es peinlich und unwürdig sei, Kaiserbriefe nicht angemessen zu beantworten (Ep. 25). Wie aus dem nächsten Brief hervorgeht, waren die vorherigen ohne Antwort geblieben. Nikolaos versicherte, daß er auch die Kaiser, die ohnedies zum Frieden bereit seien, weiterhin zum Frieden ermahne, und schloß die nochmalige Warnung an, daß S., selbst wenn er momentane Erfolge vorweisen könne, doch als Kriegstreiber jederzeit von Gott vernichtet werden könne (Ep. 26). Inzwischen scheint wieder eine Antwort von S. in Konstantinopel eingetroffen zu sein. Nikolaos fand sie jedoch eher enttäuschend und auch unverständlich, da er, wie er schrieb, S. doch als weise und verständig kennengelernt habe. Es seien Kompromisse nötig, um die Feindschaft zu beenden. S. habe von Gott ein Volk bekommen, das solle er regieren und sich aus Byzanz mit Gold, Silber und Land zufriedengeben. S. habe in seinen Briefen einen Gesandtenaustausch erwähnt, nun sei der Skeuophylax (# 31066) der Blachernenkirche zu ihm unterwegs zum Austausch der Standpunkte. S. solle seinen Friedenswillen bekunden, und wenn der Gesandte zurück sei, könnten prominente Vertreter von Kirche und Staat entsandt werden, um die Einzelheiten zu fixieren (Ep. 27).

Den letzten dieser fünf Briefe schrieb Nikolaos nach eigener Aussage auch auf Initiative des Papstes Iohannes X. (# 23477) hin: Dieser habe zwei Gesandte (33) mit einem Brief zu S. geschickt, nachdem er von den Schrecken des Krieges nur gehört habe. Der Brief des Papstes drohe S. die Exkommunikation an. Die Gesandten seien erst nach Konstantinopel geschickt worden, von wo aus sie nach Bulgarien weitergeschickt werden sollten in der Hoffnung, daß S. entweder durch ihre Ermahnungen oder durch die Drohung zum Frieden zu bewegen sei. Da S. nun die Gewohnheit habe, Gesandte gefangenzunehmen, schicke der Patriarch zwar den Brief weiter (offenbar mit diesem Begleitschreiben), behalte die Gesandten aber in Konstantinopel, weil er um ihre Sicherheit besorgt sei. Nikolaos zeigte S. außerdem ausdrücklich an, daß die Gesandten gemeinsam mit ihm die vierte Ehe Kaiser Leons VI., die einen Skandal hervorgerufen habe, anathematisiert hätten, daß alle noch offenen Fragen befriedigend geklärt seien und man hinterher gemeinsam heilige Gemeinschaft gehalten habe. S. könne also sehen, daß die Kirchen in bestem Einvernehmen seien. Dann gab Nikolaos noch seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß S. seine Antwortbriefe nicht an die Kaiser, sondern an den Senat gerichtet habe. Das sei albern und seiner nicht würdig. Wenn er Frieden wolle und den Wunsch habe, persönlich zu erscheinen, solle er das klar sagen, aber nicht unnötig provozieren (Ep. 28). Nach diesem Brief scheint es eine Pause in der Korrespondenz gegeben zu haben, denn Nikolaos schrieb zu Beginn des im Jahre 923 oder erst 924 folgenden Briefes von seinem langen Schweigen aus Kummer über die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen. Er bat flehentlich, der “alte” gute Symeon möge wieder zum Vorschein kommen, und schrieb voll Trauer darüber, daß Symeon sich gar keine Gedanken um sein Seelenheil mache. Nikolaos merkte noch an, S. habe dem Kaiser nicht angemessen auf seinen respektvollen Brief geantwortet, und er befürchte daher, daß diese Haltung von S. nur zu seinem Untergang führen könne (Ep. 29).

Im Zuge dieser Kämpfe warb S. auch um Verbündete im Kampf gegen Byzanz. So schickte er 923/24 an den nordafrikanischen Kalifen ‘Ubaydallāh al-Mahdī (# 24814) Gesandte, die eine gemeinsame Eroberung Konstantinopels vorschlugen. Auf der Rückreise wurden die bulgarischen und arabischen Unterhändler aber von den Byzantinern in Kalabrien gefangengenommen. Während die Bulgaren in Haft blieben, erneuerten die Byzantiner den mit den Arabern 914/15 geschlossenen Friedensvertrag, so daß es zu keinem bulgarisch-arabischen Bündnis kam (34).

Im Monat September, vermutlich des Jahres 924, marschierte S. mit seinem gesamten Heer wiederum gegen Konstantinopel, plünderte auf dem Marsch Thrakien und Makedonien, setzte alles in Brand und ließ auch die Bäume fällen. Als er bis Blachernai gekommen war, sandte er eine Botschaft, daß man den Patriarchen Nikolaos Mystikos mit einigen Vornehmen (καί τινας τῶν μεγιστάνων) zu ihm schicken möge. Nachdem beide Seiten Geiseln ausgetauscht hatten, begaben sich der Patriarch, der Patrikios Michael Stypiotes (# 25177) und der Mystikos und Paradynasteuon Ioannes (# 22938) zu S., der sie jedoch zurückschickte und eine persönliche Unterredung mit Kaiser Romanos I. Lakapenos verlangte. Der Kaiser stimmte zu, und man bereitete eine befestigte Plattform am Ufer des Goldenen Horns bei Kosmidion vor. Bevor es zu der Unterredung kam, ließ S. die Kirche der Gottesmutter in Pegai zerstören. Schließlich traf man am 9. November um die vierte Stunde zusammen. S. erschien in Begleitung einer größeren Abteilung seines Heeres, die ihm in griechischer Sprache als Kaiser akklamierte (τὸν Συμεὼν ὡς βασιλέα εὐφήμουν τῇ τῶν  Ῥωμαίων φωνῇ), während die (byzantinischen) Senatoren von den Stadtmauern aus zusahen. Nachdem man wiederum Geiseln ausgetauscht und die Bulgaren den von den Byzantinern errichteten Bau auf Hinterhalte und Fallen untersucht hatten, trafen beide Herrscher zusammen. Angeblich hielt Romanos, der vorher die Blachernenkirche aufgesucht, dort den Schutz der Gottesmutter erbeten und sich dann als erster in Begleitung seiner Garde zum Treffpunkt begeben hatte, eine Mahnrede, in der er S. als Mitchristen ansprach und zum Frieden aufforderte. S. habe dem zugestimmt, und man habe sich mit dem Friedenskuß getrennt, wobei S. von Romanos reiche Geschenke erhalten habe. S. sei dann zu den Seinen zurückgekehrt und habe das Auftreten des Romanos gelobt (35).

Dieser bulgarische Angriff findet anscheinend auch in der Vita Mariae iun. (BHG 1164) Erwähnung, die an mehreren Stellen über einen bulgarischen Einfall unter S. nach Thrakien im Zeitraum 924/25 berichtet. Zahlreiche thrakische Städte, unter anderem Bizye, seien dabei von den Bulgaren erobert und besetzt worden. Ebenso bezieht sich auf ihn die offensichtlich falsch datierte Mitteilung der Nestorchronik, die erst unter dem Jahr 929 von diesem Heereszug S.s berichtet, bei dem Thrakien und Makedonien verwüstet worden seien, der bis vor die Tore Konstantinopels getragen wurde und mit einem Friedensschluß mit Romanos endete, woraufhin S. nach Bulgarien zurückgekehrt sei (36).

Nach diesem Zusammentreffen der beiden Herrscher schrieb Nikolaos Mystikos noch zwei Briefe an S., den ersten (Ep. 30) kurz darauf mit der Aufforderung, die in den Gesprächen gegebenen Versprechen nun auch umzusetzen. Nikolaos hatte offensichtlich einen Brief des S. erwartet, der aber ausblieb, weshalb er nun selbst schrieb. Der zweite und letzte Brief des Patriarchen (Ep. 31; geschrieben zwischen Januar und April 925) nahm noch einmal Bezug auf die Gespräche anläßlich des Zusammentreffens zwischen S. und Nikolaos allein, sowie bei dem Treffen mit dem Kaiser. Nikolaos mahnte S. noch einmal, die gegebenen Zusagen einzuhalten. Diesem Brief muß ein Brief des S. vorausgegangen sein, in dem S. gegen Nikolaos den Vorwurf erhoben hatte, dessen Gebet habe einen Angriff auf S. und sein Pferd bewirkt. Der Patriarch wies diesen Vorwurf zurück und interpretierte den Vorfall seinerseits: S. sei verschont geblieben und nur sein Pferd sei getroffen worden. Das bedeute, er sei an diesem Krieg zwar nicht schuld, werde aber vor der Fortsetzung gewarnt. Außerdem mahne Nikolaos weiterhin zum Frieden, wie er im übrigen auch die Kaiser und den Senat zum Frieden mahne. Die Kaiser seien zwar noch friedensbereit, Volk und Senat allerdings wollten lieber sterben als die Anmaßung der Bulgaren ertragen. Im Auftrag der Kaiser bot Nikolaos ein weiteres Mal Geld, Staatskleider und andere Dinge an, die vernünftigerweise zur Satisfaktion gefordert werden könnten, verbunden mit der nochmaligen Bitte, das zu akzeptieren, damit endlich wieder Frieden zwischen Byzantinern und Bulgaren herrsche.

Im Zusammenhang mit diesen Kämpfen kam es auch zu einem Briefwechsel zwischen beiden Herrschern. Etwa in demselben Zeitraum (924/25) schrieb Theodoros Daphnopates (# 27694) im Namen und Auftrag des Kaisers Romanos I. Lakapenos nacheinander drei Briefe an S., die sich jeweils auf vorangegangene Briefe S.s an Romanos bezogen. Die beiden Herrscher standen trotz des andauernden bulgarisch-byzantinischen Krieges anscheinend in einem einigermaßen regelmäßigen Briefwechsel (cf. auch Theodoros Daphnopates, Ep. 5,6-10 u. ö.). Romanos bezeichnete S. zwar als seinen geistlichen Bruder (πνευματικὴ ἀδελφότης bzw. πνευματικὸς ἀδελφός), ging aber auch hart mit ihm ins Gericht und nannte ihn kriegerisch, verschlagen und hartherzig. In allen drei Briefen versuchte Romanos, den Bulgarenherrscher mit verschiedenen Argumenten zum Friedensschluß zu bewegen. Der Ton der Briefe ist im ersten Schreiben sehr harsch, wird aber über das zweite zum dritten Schreiben hin etwas versöhnlicher. Dennoch kam es unter S. nicht mehr zu einem Friedensschluß zwischen Byzantinern und Bulgaren (37).

Laut Theoph. cont. (ihm folgend Skylitzes), der hier zusätzliche Nachrichten (gegenüber den anderen Chroniken) bringt, marschierte S. am 27. Mai des Jahres 927 (15. Indiktion) gegen die Kroaten, wurde aber geschlagen und verlor alle seine Leute (38). Die anderen Quellen wissen nichts von diesem Angriff, sondern berichten unter diesem Datum nur von S.s Tod (39).

Über den Tod des S. findet sich bei Theoph. cont eine Wundergeschichte: Ihr zufolge hatte der Astronom Ioannes (# 22941) Kaiser Romanos I. geraten, einer Statue, die auf dem Xerolophos (in Konstantinopel) stand, den Kopf abschlagen zu lassen, da dann S. sterben werde. Romanos habe dies getan und bei Nacht der Statue den Kopf abschlagen lassen. In derselben Stunde sei S. an einer Herzkrankheit gestorben (ἀνοίᾳ συσχεθεὶς καὶ νόσῳ κατακαρδίᾳ διέφθαρτο). S. starb am 27. Mai 927 (15. Indiktion) und hinterließ als Nachfolger seinen Sohn Petăr. Zugleich setzte er als Vormund (ἐπίτροπος) für seine Kinder seinen Schwager Georgios Sursubules (# 22137) ein (40).

Anmerkungen: — (1) Wegen dieser griechischen Bildung soll S. auch “Hemiargos” (ἡμίαργος) d. h. “Halbgrieche” genannt worden sein, s. Liudprand, Antapodosis III 29, p. 87,21-23: Hunc etenim Simeonem emiargon, id est semigrecum, esse aiebant, eo quod a puericia Bizantii Demostenis rhetoricam Aristotelisque sillogismos didicerit. — (2) Cf. Leon Magistros, Ep. 6,9f., p. 81 (Kolias): κατὰ τὸν Σταγειρίτην, ...; Ep. 8,10f., p. 83 (Kolias): ... κατὰ τὸν ποιητήν. — (3) Eine Bemerkung des Gesandten Leon Choirosphaktes (# 24343) beweist, daß ein auf Griechisch geschriebener Brief Leons für S. nicht übersetzt zu werden brauchte (und daher auch nicht durch eine Übersetzung verfälscht werden konnte), cf. Leon Magistros, Ep. 2,2-5, p. 77 (Kolias). Auch haben Leons Zitate aus S.s (griechischen) Briefen (Leon Magistros, Epp. 1. 3. 5) und sein Herumdeuteln an deren Interpunktion und Aussage (z. B. in Leon Magistros, Ep. 6 und 7, p. 81–83) nur dann einen Sinn, wenn es sich bei diesen Briefen um die originalen Äußerungen S.s handelte und nicht um griechische Übersetzungen aus dem Bulgarischen, in welchem Falle Leon die Korrektheit der Übersetzungen hätte in Zweifel ziehen können und sich nicht endlos mit den griechischen Formulierungen befaßt hätte. In einem Brief bedauert Leon, daß S. nicht über Sekretäre verfüge, die Leons vorangegangenen Brief richtig zu lesen vermocht hätten (Ep. 4,1, p. 79), was entweder bedeutet, daß S.s Sekretäre (und Übersetzer) Leon falsch verstanden hatten, oder daß es überhaupt keine Übersetzer gab, weil S. das Griechische selbst las, wobei letztere Möglichkeit angesichts der oben erwähnten Zeugnisse wahrscheinlich ist, auch wenn dies bedeutet, daß Leon in Ep. 4 mehr oder minder direkt S.s Griechischkenntnisse kritisiert, indem er impliziert, daß S. nicht “richtig lesen/interpretieren” (καλῶς ἀναγιγνώσκειν) könne; cf. auch unter Anonymi (# 30196. # 30197). Einen ähnlichen Vorwurf macht Nikolaos Mystikos in einem Brief an S. (Ep. 6,46-54), wo S. (wohl absichtlich) die Mahnung des Patriarchen, sein Ziel könne S. nicht ohne Blutvergießen erreichen, wörtlich nimmt und daraus den Umkehrschluß zieht, daß dann eben Blut vergossen werden müsse. Es gibt eine griechische Quelle, die S.s Griechisch deutlich kritisiert: das Enkomion  Ἐπὶ τῇ τῶν Βουλγάρων συμβάσει eines anonymen Autors (des Theodoros Daphnopates [# 27694]?), wo es heißt, S. habe “sehr barbarisch gesprochen und noch mehr syntaktische Fehler gemacht” — πολλὰ μὲν βαρβαρίζων, πλείω δὲ σολοικίζων (§ 16, l. 367f., p. 278 [Dujčev], p. 374,24f. [Stauridu-Zaphraka]), was vermutlich bedeutet, daß er einen starken Akzent hatte und nicht fehlerfrei sprach. — (4) Altbulg.: Zlatostruj (“Goldfluß”), s. Georgiev, Razcvetăt 275–279, neubulgarische Übersetzung des Prologs: 276; engl. Übersetzung des neubulgarischen Texts bei Shepard, Ruler as Instructor 347; cf. auch SSS VII (1982) 142f.; SKKDR I 187–190; Shepard, Symeon Peacemaker 13; Podskalsky, Bulgarien und Serbien 194f.; SLER 203f.; ISBL 290f.— (5) Cf. V. Malinin, Izslědovanie Zlatostruja po rukopisi XII věka Imperatorskoj Publičnoj Biblioteki, Kiew 1878, 212–216; Edition des altbulgarischen Textes ebenda 30f. — (6) Enkomion auf den Zaren Symeon, in: Simeonov Sbornik (po Svetoslavovija prepis ot 1073 g.), ed. Dinekov et al., I, Sofia 1991, 202; Thomson, in: Palaeobulgarica 17 (1993) 51–53 (Edition und engl. Übers.); cf. dazu auch Shepard, Symeon Peacemaker 14; KME II (1995) 50–56; Podskalsky, Bulgarien und Serbien 145f. 151 (mit Anm. 645). 195; SLER 450f.; IBLL 288–290. — (7) Liudprand, Antapodosis III 29, p. 87,25-27: ... conversationis sanctae habitum sumpsit. Verum paulo post regnandi cupiditate deceptus ex placida monasterii quiete in seculi procellam transivit ... — (8) Annales Fuldenses 121f. — (9) Reginonis Chronicon (a. 869) p. 96; die Nachricht über diese Ereignisse wurde von Regino dem falschen Jahr zugeordnet. — (10) Cf. Ziemann, Wandervolk 410. — (11) Theoph. cont. VI 9, p. 357,12 – 359,16; Skylitzes, Leon 12, p. 175,75 – 177,35; Symeon log. (Leon gr. 266,18 – 269,4; Theod. mel. 186,11 – 188,2; Symeon sl. 116,16 – 119,14); Symeon log. (Wahlgren) 133,82-130; Georg. mon. cont. (Bonn) 853,1 – 855,7; Georg. mon. cont. (Muralt) 1093C–1097B; Georg. mon. cont. (Istrin) 27,6 – 28,11; Ps.-Symeon 701,22 – 702,5; verkürzt: Zonaras XVI 12, p. 442,9 – 444,9; zu dem byzantinisch-ungarischen Bündnis und zu dem erfolgreichen Übersetzen über die Donau s. Konst. Porph., DAI 40,7-27; 51,108-124; zu letzterem s. auch unter Michael Barkalas (# 25147). — (12) Nestorchronik 29,6-11. — (13) Konst. Porph., DAI 32,80-145; 40,7-22. — (14) Theoph. cont. VI 10, p. 360,8-14; Skylitzes, Leon 14, p. 178,46-56; Symeon log. (Leon gr. 269,6-13; Theod. mel. 188,5-11; Symeon sl. 117,15-19); Symeon log. (Wahlgren) 133,132-138; Georg. mon. cont. (Bonn) 855,10-16; Georg. mon. cont. (Muralt) 1097B–1100A; Georg. mon. cont. (Istrin) 28,24-29; Ps.-Symeon 702,2-5. Zum Ort Bulgarophygon cf. Soustal, Thrakien 223f. Leon Choirosphaktes spricht rückblickend von einem schriftlichen Friedensvertrag und der Freilassung von 120.000 byzantinischen Kriegsgefangenen, cf. Leon Magistros, Ep. 23,6-8, p. 113 (Kolias), mit denen er seine erste Gesandtschaft nach Bulgarien abgeschlossen habe: ἐν αἷς (sc. τρίσιν πρεσβείαις) τοῦτο μέν, εἴκοσι καὶ ἑκατὸν χιλιάδας αἰχμαλώτων ἐκεῖθεν λαβών, καὶ σπονδὰς ἐγγράφους εἰρηνικὰς ποιήσας ἐπανελήλυθα· Die Zahl von 120.000 ist sicher falsch. Man nimmt heute an, daß ἑκατὸν die Verlesung eines Kopisten ist und statt einer einstelligen Zahl im Text steht, so daß von einer Zahl zwischen 20.000 und 30.000 auszugehen wäre, einer immer noch extrem großen Zahl; Tougher, Leon 179f.; Dölger–Müller, Regesten Nr. 530a [522]. Zu der Freilassung der byzantinischen Kriegsgefangenen s. auch unter Leon Choirosphaktes (# 24343) bzw. bei Leon Magistros, Epp. 1–14 passim. — (15) Leon Magistros, Ep. 23,8-11, p. 113 (Kolias): τὰ τοῦ Δυρραχίου τριάκοντα φρούρια σὺν αὐτῷ πλούτῳ καὶ αὐτοῖς οἰκήτορσι τῇ βασιλείᾳ σου δῶρον προσήνεγκα. Zur Datierung s. unten, ferner Jenkins–Laourdas–Mango, in: BZ 47 (1954) 10f.; Vassis, Leon Magistros 6 mit Anm. 31; Dölger–Müller, Regesten Nr. 537a [523]. — (16) Arethas, Scripta minora Nr. 58, II, p. 9,23-27: ... πολέμιον κωφῶς πρὸς εἰρήνην διατιθέμενον ..., βάρβαρον ... ὡς οἷα προμήκει ὁλκῷ τὰς γαληνίους συμβάσεις παρέλκοντα (... den Feind, der sich gegenüber dem Frieden taub stellt, ... den Barbaren, ..., wie er durch langes Hinziehen den Friedensvertrag verzögert). — (17) Leon Magistros, Ep. 23,12f.: τρίτῃ πρεσβείᾳ τὴν ἁλωθεῖσαν ὑπ᾿ Ἀγαρηνῶν Θεσσαλονίκην κατοικῆσαι βουληθέντων Βουλγάρων πείσας καὶ διώξας ἀπέλαβον. Cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 542; aus diesem Jahr stammt auch die Inschrift aus Narăš (jetzt Νέα Φιλαδέλφεια, 22 km nördlich von Thessalonike), die die Grenze zwischen Bulgaren und Byzantinern markiert und S. als Archon der Bulgaren bezeichnet: Beševliev, Prot. Inschriften Nr. 46, p. 216 = Beševliev, Părvobălgarski nadpisi Nr. 46, p. 171. — (18) Vita Nahumi slav. 1, p. 306 (l. 6-11); Vita Nahumi slav. 2, p. 184 (l. 6-11). — (19) Theoph. cont. VI 6, p. 380,5-11; Skylitzes, Alexandros 6, p. 195,95-8; Symeon log. (Leon gr. 287,18-21 [sehr verkürzt]; Theod. mel. 201,16-20; Symeon sl. 124,26-31); Symeon log. (Wahlgren) 134,39-44; Georg. mon. cont. (Muralt) 1125C–1128A; Georg. mon. cont. (Istrin) 38,28-33; Ps.-Symeon 717,13-18; Zonaras XVI 15, p. 457,7-11. — (20) Nikolaos Mystikos, Epp. 5, 6 und 7, sind laut Jenkins–Westerink 528f. im Juli/August 913 unmittelbar vor dem Erscheinen des S. vor den Toren Konstantinopels abgefaßt. — (21) Diesem Brief ist offensichtlich schon ein früherer vorausgegangen, der allerdings nicht erhalten ist, s. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 628. — (22) Es ist unklar, um welche Söhne es sich handelt. Einer von ihnen war sicher Petăr, der älteste Sohn (und Nachfolger) aus S.s zweiter Ehe. Daneben wären Michael, Ioannes oder Beniamin möglich, wobei letzterer als jüngster wohl unwahrscheinlich ist. — (23) Georg. mon. cont. (Bonn) 878,4-6: εὐχὴν οὖν ὁ πατριάρχης ποιήσας ἀντὶ στέμματος, ὥς φασι, τὸ ἴδιον ἐπιρριπτάριον τῇ αὐτοῦ ἐπέθηκε κεφαλῇ. Bei dem Epirriptarion (ἐπιρριπτάριον) handelt es sich um den schwarzen Schleier über der Kopfbedeckung des Patriarchen; cf. hierzu Piltz, Kamelaukion 109f.; LBG s. v. Eine weitere, aber schwer zu interpretierende Quelle zu dieser Episode ist ein kurzer Abschnitt in dem Enkomion  Ἐπὶ τῇ τῶν Βουλγάρων συμβάσει, § 12f., p. 272–274 (Dujčev), p. 372f. (Stauridu-Zaphraka), mit dem sich schon Jenkins, in: Polychronion 283–303, bes. 294f. 299f., befaßt hatte. Zur “Krönung” Symeons, deren Einzelheiten nach wie vor umstritten sind, cf. Stauridu-Zaphraka, Συνάντηση (cf. dazu auch die Rezension von Prinzing, in: BZ 68 [1975] 417–423); Chrysos, in: Cyrillomethodianum 3 (1975) 169–193; Loud, in: Journal of Theological Studies, N. S. 29 (1978) 109–120; Dujčev, in: DOP 32 (1978) 239f.; Shepard, Symeon Peacemaker 20–24; Stephenson, Balkan Frontier 22; zuletzt Prinzing, Zum Austausch diplomatischer Geschenke, in: Mitteilungen zur Spätantiken Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte 4 (2005) 144f. 164. — (24) Theoph. cont. VI 5, p. 385,5-24; Skylitzes, Konstantinos 3, p. 200,12-29; Symeon log. (Leon gr. 291,15 – 292,13; Theod. mel. 204,16 – 205,6; Symeon sl. 126,9-22); Symeon log. (Wahlgren) 135,68-85; Georg. mon. cont. (Bonn) 877,12 – 878,9; Georg. mon. cont. (Muralt) 1132C–1133A; Georg. mon. cont. (Istrin) 41,16-31; Ps.-Symeon 721,10-17; Zonaras XVI 16, p. 461,14 – 462,8; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 572 (vacat), wo aufgrund der Aussagen der Chronisten angenommen wird, daß es zu keinem Vertrag kam. Dagegen nahm Shepard, Symeon Peacemaker 22f., einen Vertrag an. Möglicherweise brachte S. bei diesen Verhandlungen auch den Vorschlag einer Heiratsverbindung zur Sprache, die dann den jungen Konstantinos VII. und eine Tochter des S. (s. unten) betroffen hätte; cf. Panagopoulou, Gamoi 127–131. — (25) Theoph. cont. 386,23 – 387,7; Skylitzes, Konstantinos 5, p. 201,49 – 202,55; Georg. mon. cont. (Bonn) 879,12-19. Bereits im Frühjahr/Sommer 914 wurde S. von Nikolaos Mystikos wiederum brieflich (Ep. 8) ermahnt, Frieden zu halten und keine weiteren Forderungen zu stellen. In seinem folgenden Brief (Ep. 9; datiert Ende August bis September 917, nach der Niederlage am Acheloos; s. dazu unten) rechtfertigt der Patriarch sein und des Kaisers Handeln, vor allem das Vordringen auf bulgarisches Territorium: Er habe viel zu spät von der großen Mobilmachung erfahren, dann aber umgehend um eine Audienz ersucht und dem Kaiser Vorwürfe gemacht. Da habe er erfahren, daß die Strategoi von Makedonien und Thrakien täglich meldeten, daß die Bulgaren planten, ihre Themen zu überfallen. Ioannes Bogas (# 22911), der Strategos von Cherson, habe mehrfach berichtet, die Bulgaren wollten die Petschenegen und andere Völker zu Bundesgenossen gewinnen. Dies sei von Gesandten der Petschenegen bestätigt worden. Nikolaos gab zu, daß man mit den Bulgaren hätte reden müssen, appelliert aber an S., dem Blutvergießen ein Ende zu machen und einen Weg für den Frieden zu öffnen. — (26) Skylitzes, Konstantinos 6, p. 202,61-66; verkürzt: Zonaras XVI 16, p. 463,2-9; in den anderen Quellen wird die Belagerung nicht erwähnt, sondern nur, daß Adrianupolis von Pankratukas an die Bulgaren übergeben worden sei, so daß es scheint, daß Skylitzes hier seine Vorlage etwas “ausgeweitet” hat; zu den anderen Quellen s. unter Pankratukas. Die Nestorchronik 42,13-23 schildert ebenfalls die Werbung der Byzantiner um die Petschenegen, zu deren Einsatz es aber wegen innerer Streitigkeiten sowohl bei den Griechen als auch bei den Petschenegen nicht gekommen sei, woraufhin S., der bereits Thrakien plünderte, schließlich Adrianupolis eingenommen habe. — (27) Theoph. cont. VI 10, p. 389,10-19; Georg. mon. cont. (Bonn) 881,16 – 882,2; Ps.-Symeon 724,7-12; etwas variiert bei Liudprand, Antapodosis III 27, p. 87,3-12; cf. auch die Variation bei Leon Diakonos, Historia VII 7, p. 122,23 – 124,12; evtl. Leon Diakonos folgend oder von derselben Vorlage abhängig: Skylitzes, Konstantinos 9, p. 204,25-37; ihm folgend Zonaras XVI 17, p. 465,2-16; ohne Bezug zu anderen Quellen: Vita Lucae iun. (BHG 994) 449C (PG); cap. 41, p. 182 (Sophianos); cap. 32,5-13, p. 52 (Connor). — (28) Skylitzes, Konstantinos 9, p. 205,45-56; ihm folgend Zonaras XVI 17, p. 466,1-4. Auch schrieb Nikolaos Mystikos anläßlich der Belagerung Anfang des Jahres 918 einen weiteren Mahnbrief an S. mit dem Hinweis, daß noch alle Belagerer Konstantinopels untergegangen seien (Ep. 10). — (29) Skylitzes, Romanos Lakapenos 6, p. 215,92-25; 8, p. 216,36 – 217,65; 10, p. 218,82-97; Theoph. cont. VI 8, p. 401,3 – 402,7; 10, p. 402,22 – 403,19; 13, p. 404,18 – 405,10; Symeon log. (Leon gr. 306,6 – 307,6; 309,7-18; Theod. mel. 216,4 – 217,2; 218,26 – 219,11; Symeon sl. 132,14-34; 133,35 – 134,5); Symeon log. (Wahlgren) 136,126-151. 200-213; Georg. mon. cont. (Bonn) 893,4 – 894,9; 895,3 – 896,2; 897,3-16; Georg. mon. cont. (Muralt) 1153A-C. 1156B-C. 1157B-C; Georg. mon. cont. (Istrin) 49,7-13; 49,24 – 50,13; 50,27 – 51,14; 51,26-38; Ps.-Symeon 732,9-15; 732,22 – 733,15; 734,19 – 735,9; Zonaras XVI 18, p. 470,12 – 471,1; 471,5-8. — (30) Nikolaos Mystikos, Epp. 14 (datiert 9. Juli bis Anfang August 920) und 15 (datiert August/September 920). — (31) Nikolaos Mystikos, Ep. 16,68-70: συνάφθητι κατ’ ἐπιγαμίαν αὐτῷ, εἴτε πρὸς ἄρσενα παῖδα ἐκείνου θυγατέρα προσαρμόζων, εἴτε πρὸς τὴν θυγατέρα ἐκείνου υἱὸν εἰς νυμφίον δεχόμενος. — (32) Es sind dies die Epp. 17–29, der früheste wurde vermutlich im Februar 921 geschrieben, der späteste 923/24; s. dazu Jenkins–Westerink 533–540 sowie Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 731. 738–740. 746. 747. 751–757. Einige dieser Briefe sind sehr lang, denn Nikolaos versuchte mit ausführlicher Argumentation, Bitten und Drohungen, S. zum Friedensschluß zu bewegen. — (33) Diese Gesandten sind Carus (# 21224) und Theophylaktos (# 28174). — (34) Skylitzes, Nikephoros 6, p. 264,71-91; cf. auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 603, sowie unter ‘Ubaydallāh al-Mahdī. — (35) Theoph. cont. VI 15, p. 405,17 – 409,20; Skylitzes, Romanos Lakapenos 12, p. 218,9 – 221,70; Symeon log. (Leon gr. 310,1 – 313,17; Theod. mel. 219,18 – 222,15; Symeon sl. 134,11 – 135,32); Symeon log. (Wahlgren) 136,219-294; Georg. mon. cont. (Bonn) 898,3 – 902,6; Georg. mon. cont. (Muralt) 1160A–1164C; Georg. mon. cont. (Istrin) 52,5 – 54,3; Ps.-Symeon 735,14 – 739,7 (alle mit falscher 2. Indiktion); Zonaras XVI 18, p. 471,13 – 472,4; Michael syr. III 122; Bar Hebraeus 161f. — (36) Vita Mariae iun. (BHG 1164) cap. 5, p. 694A; cap. 23, p. 700D-E; cap. 23–24, p. 700F–701A; cap. 25, p. 701E; cap. 26, p. 702C; Nestorchronik 43,17-21. — (37) Theodoros Daphnopates, Epp. 5–7 (Darrouzès–Westerink); s. auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 606. 607 (Frühjahr 924/25). — (38) τοὺς ὑπ᾿ αὐτὸν ἅπαντας ἄρδην ἀπώλεσεν, s. Theoph. cont. VI 21, p. 411,23 – 412,5; Skylitzes, Romanos Lakapenos 16, p. 222,1-4. — (39) S. z. B. Symeon log. (Leon gr. 315,17-21; Theod. mel. 224,3-9; Symeon sl. 136,26-28); Symeon log. (Wahlgren) 136,338-342. — (40) Theoph. cont. VI 21, p. 411,23 – 412,5; Skylitzes, Romanos Lakapenos 16–17, p. 222,1-11; Symeon log. (Leon gr. 315,17-21; Theod. mel. 224,3-9; Symeon sl. 136,26-28 [mit falschem Datum 17. Mai und ohne Angabe der Indiktion]); Symeon log. (Wahlgren) 136,338-342; Georg. mon. cont. (Bonn) 904,1-5; Georg. mon. cont. (Muralt) 1165C–1168A; Georg. mon. cont. (Istrin) 55,3-11; Ps.-Symeon 740,4-10 (beide abhängig von Theoph. cont.); Zonaras XVI 18, p. 473,3-17. Die Niederlage gegen die Bulgaren und die Verstümmelung der Statue sind offenkundig Zusatznachrichten, die von Theoph. cont. seiner Vorlage hinzugefügt wurden. Das Datum gehört zu der gemeinsamen Vorlage, ist dann aber von Theoph. cont. fälschlich auf den Einfall nach Kroatien bezogen worden; zu der Erzählung cf. Berger, Patria 357f. In der Nestorchronik 45,10-12 werden der Tod S.s, die Nachfolge seines Sohns Petăr sowie der vorangegangene fehlgeschlagene Feldzug gegen die Kroaten fälschlich unter dem Jahr 942 angeführt.

W: Drei Briefe (in griechischer Sprache) im Briefcorpus des Leon Magistros, Epp. 1. 3. 5, p. 77. 79. 81 (Kolias); Vorrede zum bulgarischen Chrysostomos-Florilegium (Zlatostruj [“Goldfluß”]), nach Georgiev, Razcvetăt 276; altbulgarischer Text in V. Malinin, Izslědovanie Zlatostruja po rukopisi XII věka Imperatorskoj Publičnoj Biblioteki, Kiew 1878, 30f. (cf. dazu Podskalsky, Bulgarien und Serbien 194f.; IBSL 290f.).

Q: — (Hist.): Theoph. cont.; Skylitzes; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Symeon log. (Wahlgren); Georg. mon. cont. (Bonn; Muralt; Istrin); Ps.-Symeon; Zonaras. — (Ep.): Theodoros Daphnopates, Epp. 5–7 (Darrouzès–Westerink); Nikolaos Mystikos, Epp. 3. 5–11. 14–31; Leon Magistros, Epp. 2. 4. 6–14, p. 77–91 passim; Arethas, Scripta minora Nr. 58, II, p. 9,23-27. — (Hag.): Vita Lucae iun. (BHG 994) 449C. 453B (PG); cap. 41, p. 182; cap. 47, p. 185 (Sophianos); cap. 32,5-13, p. 52; cap. 40,1-3, p. 58 (Connor); Vita Mariae iun. (BHG 1164); Theophylact. Achrid., Hist. mart. (BHG 1199) cap. 47, col. 213A; Vita Clementis (BHG 355) cap. XIX 60 – XXI 63, p. 128,5 – 130,3 (Milev), cap. XIX 60 – XXI 63, p. 99f. (Iliev); cap. XXV 71 – XXVI 73, p. 136,27 – 140,6 (Milev), cap. XXV 71,946 – XXVI 73,994, p. 102–104 (Iliev); cap. XXVII 75, p. 142,9 (Milev), cap. XVII 75,1026, p. 104 (Iliev); Vita Clementis (BHG 356) cap. 11, p. 178,19f. (Milev) (= p. 242 Georgievskij–Iljovskij); cap. 12–13, p. 180 (Milev) (= p. 242 Georgievskij–Iljovskij). In der Vita Clementis wird S. durchweg fälschlich als Michael bezeichnet. — (Fs.): Konst. Porph., DAI; Scholion des Arethas zu Aelius Aristides, ed. Bees, in: Hellenika 1 (1928) 338; Kekaumenos, cap. 82, p. 32,28 – 33,17 (W.–J.); p. 182,12-31 (Litavrin, § 33); p. 120,29 – 122,21 (Spadaro). — (Sonst.): Enkomion  Ἐπὶ τῇ τῶν Βουλγάρων συμβάσει (auf den Friedensvertrag von 927), bes. § 7, l. 172f., p. 264; § 12–16, p. 272–278 (Dujčev) (Namensnennung nur in den Marginalscholien, s. app. crit. zu l. 172f.); 368,18 und app. crit.; 372–375 (Stauridu-Zaphraka); cf. auch Jenkins, in: Polychronion 283–303. — (lat.): Liudprand, Antapodosis III 29, p. 87,21 – 88,4; Johannes Diaconus 132,4-11 (Monticolo); III 40 (Berto); Dandolo, Chron. Venet. 168,14-20; Reginonis Chronicon (a. 869) p. 95f.; Annales Fuldenses (a. 892) p. 121f. — (syr.): Michael syr. III 118. 121f.; Bar Hebraeus 151f. 161f. — (sl.): Nestorchronik; Enkomion auf den Zaren Symeon 202; Thomson, in: Palaeobulgarica 17 (1993) 51–53 (Edition und engl. Übers.); Vorrede zum bulgarischen Chrysostomos-Florilegium (Zlatostruj [“Goldfluß”]), nach Georgiev, Razcvetăt 276; altbulgarischer Text in: V. Malinin, Izslědovanie Zlatostruja po rukopisi XII věka Imperatorskoj Publičnoj Biblioteki, Kiew 1878, 30f.; Vita Nahumi slav. 1; Vita Nahumi slav. 2. — (Inscr.): Beševliev, Prot. Inschriften Nr. 46, p. 216 = idem, Părvobălgarski nadpisi Nr. 46, p. 171 (6412 a. m. [903/04]). — (Sg.): Typ A: Jordanov–Zhekova 4 (= Jordanov, Korpus 29). 5; Jordanov, Korpus 28. 30f. 32–39: Χριστέ, βοήθει Συμεὼν ἄρχοντα Βουλγαρίας. Typ B (9. Jh.; S. zugewiesen durch die Editoren; ohne Text): Jordanov–Zhekova 6–7 (= Korpus 41б-в). 8; Jordanov, Korpus 40f.: Avers: Christus; Revers: Büste eines Herrschers. Typ C (bis 913; Symeon zugewiesen; ohne Text): Jordanov–Zhekova 9–14, davon die ersten vier = Korpus 45. 45б-г; Jordanov, Korpus 42–45a. 46. 47 (= Stankov, in: Numismatika 16 [1982] Nr. 4). 48: Avers: Christus; Revers: Büste eines Herrschers. Typ D (913–?): Jordanov–Zhekova 15–19 = Korpus 54. 56a-в: Εἰρηνοποιὸς Βασιλέος πολλὰ τὰ ἔτη. Συμεὼν βασιλεὺς πολλὰ τὰ ἔτη. Ähnlich Typ E Beševliev, Prot. Inschriften Nr. 90; Jordanov, Korpus 49–56: Εἰρηνοποιὸς Βασιλέος πολλὰ τὰ ἔτη. Συμεὼν βασιλεὺς πολλὰ αὔξι τὰ ἔτη. Typ F (?–927): Jordanov–Zhekova 20–25 (davon die ersten fünf = Korpus 66. 67. 67а-в); Jordanov, Korpus 57–65; Beševliev, Prot. Inschriften Nr. 89a-b: Νικοποιὸς αἰωνοποιὸς (s. dazu P) πολλὰ τὰ ἔτη Συμεὼν ἐν Χριστῷ βασιλεύς. Typ G (913–927): Jordanov–Zhekova 26 (Parallelstück: Korpus 68):  Ἰησοῦς Χριστὸς Rex Regnantium. Συμεὼν βασιλέος. Beševliev, Prot. Inschriften Nr. 88: Bild der Gottesmutter Μήτηρ Θεοῦ. Συμεὼν βασιλεύς.

L: ODB III 1984; LdMA VIII (1997) 360f.; SSS V (1975) 504–506; BBKL XI (1996) 345–350 (Lit.); LThK IX (2000) 592f.; KME III (2003) 591–600 (Lit.); SLER 448f. — Dvornik, Slaves 300. 303f.; Zlatarski, Istorija I/2 219ff. passim; Bees, in: Hellenika 1 (1928) 337–370; Kolias, Léon Ch. 21–47; Georgiev, Razcvetăt 271–298; Ostrogorsky, Geschichte 212–224; Cankova-Petkova, in: BF 3 (1968) 80–113; Vlasto, Entry of the Slavs 168–178. 208f.; Jenkins, in: Polychronion 283–303 (Ndr. in: idem, Studies, Nr. XXI); Dujčev, in: DOP 32 (1978) 217–295; Istorija na Bălgarija II 213ff.; Fine, Early Medieval Balkans 132–157; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 611–612. 627–629. 631. 649. 691. 694–695. 720–721. 727. 731. 738–740. 747. 752–757. 760. 767; Soustal, Thrakien 88–91; Shepard, Symeon Peacemaker; Magdalino, in: Bsl 51 (1990) 198–201; Philippu, in: Byzantiaka 16 (1996) 265–294; N. Oikonomides,  Ὅρος Ρωμαίων καὶ Βουλγάρων, in: Διεθνές συμπόσιο Βυζαντινή Μακεδονία 324–1430 μ. Χ. (Θεσσαλονίκη 29–31  Ὁκτωβρίου 1992), Thessalonike 1995, 239–243; Istorija Srpskog Naroda I 157–160. 167f.; Andreev–Lazarov–Pavlov, Koj koj e 338–345; Shepard, Ruler as Instructor; Dölger–Müller, Regesten Nr. 525; Podskalsky, Bulgarien und Serbien 192–195; Stephenson, Basil 12. 18; Prinzing, Zum Austausch diplomatischer Geschenke, in: Mitteilungen zur Spätantiken Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte 4 (2005) 144f. 164. 166; J. Shepard, in: E. Jeffreys (ed.), Byzantine Style, Religion and Civilization. In Honour of Sir Steven Runciman, Cambridge 2006, 141–145; Božilov–Gjuzelev, Istorija 229–270; B. Todorov, The Bulgarians between the Two Romes: The Discourse of Power in Medieval Bulgaria, Diss. UCLA 2007; Külzer, Ostthrakien 113–117; Iliev, Sv. Kliment Ochridski; Geschichte Südosteuropas 50–52. 67f.

P: Unbewiesen ist die These, S. sei identisch mit dem Mönch Chrabăr gewesen, der wohl spätestens Anfang des 10. Jh.s, wahrscheinlich aber noch Ende des 9. Jh.s den altkirchenslawischen Traktat “Über die Buchstaben” verfaßte, eine der wichtigsten Quellen zur Entstehung der glagolitischen Schrift bei den (Süd-)Slawen um die Mitte des 9. Jh.s. Die These wird u. a. verfochten von Zlatarski, Istorija I/2 820–829; zu Chrabăr und seinem Traktat cf. SSS I (1961) 43; Podskalsky, Bulgarien und Serbien 237–241; IBSL 248–251; zur Frage von dessen Identität cf. auch Podskalsky, Bulgarien und Serbien 105, bes. Anm. 418; KME IV (2003) 497–505; SLER 556f. — Als ebenso unsicher wie die Gleichsetzung des Mönchs Chrabăr mit S. muß diejenige mit Naum (# 25501) gelten. — Die Siegelinschriften sind normalisiert wiedergegeben, sie enthalten im Original einige Fehler und Unregelmäßigkeiten. Bei Typ E hatten Jordanov–Zhekova für den mittleren Teil von ΝΙΚΟΠΥΟ᾿ ΥΕΟΝ᾿ ΠΟΛΑΤΑΕ᾿ die Lesung Συμεόνι vorgeschlagen, jedoch fehlt dafür ein Σ vor dem Υ und ein Μ danach. Außerdem steht der Name Symeon auf der anderen Seite des Siegels. Die Lösung “Ewigkeitsmacher” (αἰωνοποιός) bot sich für uns von den Buchstaben her eher an, sie würde außerdem in den Sprachgebrauch “Friedensmacher” (εἰρηνοποιός) bzw. “Siegmacher” (νικοποιός) passen.

Angehörige (anonym):

1. Tochter 27467 A

V: Aus dem Vorschlag des Patriarchen Nikolaos Mystikos in einem Brief an S., durch eine eheliche Verbindung zwischen entweder der Tochter des S. (hier ist ausdrücklich der bestimmte Artikel gewählt, weil S. offenbar nur eine Tochter hatte, die für eine solche Verbindung in Frage kam) und einem Sohn des Kaisers Romanos I. oder einem Sohn des S. und einer Tochter des Kaisers Romanos I. den Frieden zwischen beiden Reichen zu befördern, ergibt sich, daß S. zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefes (bald nach der Krönung Kaiser Romanos’ I. am 17. Dezember 920) mindestens eine heiratsfähige Tochter hatte. Aus den nachfolgenden Bemerkungen des Nikolaos geht hervor, daß S. zu einem früheren Zeitpunkt eine Heiratsverbindung mit dem byzantinischen Kaiser angestrebt hatte. Am wahrscheinlichsten dürften hier die Verhandlungen 913/14 gemeint sein. Nikolaos erwähnt die frühere Ablehnung dieser Heiratsverbindung und schreibt sie Personen zu, die eine solche Verbindung für untauglich gehalten hätten (τὴν σὴν ἐξαίτησιν παρὰ φαῦλον ἐποιήσαντο oἷς ἔδοξε τοῦτο ποιεῖν). Nun nimmt er diese früheren Verhandlungen quasi wieder auf und benutzt sie, um nun seinerseits – und sicher in Übereinstimmung mit Kaiser Romanos I. Lakapenos – eine solche Heirat vorzuschlagen. Dazu ist freilich vorauszusetzen, daß dieses Angebot ernst gemeint war, was angesichts der umfänglichen Bemühungen des Patriarchen um Frieden wahrscheinlich ist. Über Töchter des S. ist aus den griechischen Quellen sonst nichts bekannt.

Q: — (Ep.): Nikolaos Mystikos, Ep. 16,68-70. 73–76. 95–106.

L: Panagopoulou, Gamoi 127–131.

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