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Theodoros Dekapolites

Θεόδωρος

EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
27708
Namensvariante
Dekapolites (Beiname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
947
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Quaestor; Magistros; Patrikios; Koiaistor s. unter Quaestor; Redaktor kaiserlicher Novellen; Jurist; Krites Hippodrom; Richter; Hippodromrichter
Name normalisiert
Theodoros
Ort
Kpl.: Kaiserpalast: überdachtes Hippodrom; Kpl.: Hippodromgericht; Reichsgericht = Hippodromgericht (Kpl.); Kpl.: Reichsgericht = Hippodromgericht; Dekapolis (Isaurien); Isaurien (L); Hippodromgericht (Kpl.); Kaiserpalast: überdachtes Hippodrom (Kpl.)
Quelle
Ius (Zepos); Svoronos, Novelles; Kleinchroniken; Ioannes Geometres; Peira; Seibt, in: SBS 7

N: Beiname: Dekapolites — ὁ Δεκαπολίτης (so z. B. verschiedene Rubriken zur Novelle über die Stratiotengüter). In der Peira wird er nur mit seinem Beinamen – ohne Nennung seines Taufnamens – bezeichnet (Peira 64,1). Der Beiname legt eine Herkunft T.s aus der isaurischen Dekapolis nahe (cf. Schminck, in: FM 11 [2005] 282 mit Anm. 76).

T: Patrikios und Quaestor — πάτρικιος καὶ κοιαίστωρ (so z. B. verschiedene Rubriken zur Novelle [Svoronos, Nr. 5] über die Stratiotengüter); später (ca. 961) Magistros — μάγιστρος (so in: Svoronos, Novelles, Nr. 6; Grabepigramm auf T.). Alle diese Titel sind auch auf Siegeln belegt. Offenbar auch Richter (Krites — κριτής) am kaiserlichen Hippodromgericht (Peira 64,1).

V: Die erste Novelle, von der die Rubriken sagen, daß T. sie unter Konstantinos VII. verfaßte, ist die Novelle über die Stratiotengüter (Svoronos, Novelles, Nr. 5, p. 104–126; Ius [Zepos] I, Coll. III, Nov. VIII, p. 222–226; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 673), die zwar keine Datierung trägt, jedoch aufgrund anderer Indizien (1) recht zuversichtlich auf 947 oder wenig später datiert werden kann (2). Demnach müßte T. nach März 947 – als noch T.s Vorgänger Theophilos (# 28154) im Amt war – und vor ca. 949 Quaestor geworden sein (3).

T. redigierte mit Sicherheit die zweite Novelle des Konstantinos VII. über die Gerichtsgebühren (ἐκταγιατικά) (Ius [Zepos] I, Coll. III, Nov. IX, p. 227–229; Dölger–Müller, Regesten Nr. 675) (4).

T. füllte die Funktion des Quaestors auch noch unter Kaiser Romanos II. aus. Überliefert ist eine Entscheidung T.s in Antwort auf die Anfrage des Richters eines Themas (# 31442), die wohl auf die Folgezeit einer (Tier-)Seuche und einer Mißernte im Spätsommer 960 oder 961 zu datieren ist (Svoronos, Novelles, Nr. 6, p. 136–141; Ius [Zepos] I, Coll. III, Nov. XV, p. 240–242; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 688a) (5). Sie führt die Bedingungen aus, unter denen ein “Armer” (πένης) oder Soldat (στρατιώτης), dessen Landverkauf an einen Reichen (Dynatos) rückgängig gemacht worden und der wieder in seine Eigentumsrechte eingesetzt worden war, den Preis, zu dem er zuvor sein Land an den Reichen verkauft hatte, diesem zurückerstatten mußte. T. war zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Entscheidung bereits zum Magistros aufgestiegen.

Es ist gut möglich, daß T. auch der nicht namentlich genannte Magistros ist, der im Epilog eines Auszuges aus einer an das Thema Thrakesion gerichteten Kopie eines Ediktes des Romanos II. über die Soldatengüter (Svoronos, Novelles, Nr. 7, p. 148–150; Ius [Zepos] I, Coll. III, Nov. XV, p. 243f.; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 670a [690]) erwähnt wird (6).

T. gehörte zu den Richtern bzw. Beisitzern, die – in Anwesenheit des Kaisers (Basileios II.) – an einem Prozeß um eine Dokumentenfälschung teilnahmen. Außer T. waren ein gewisser Tepeiganos (# 27579), der Bestes Bardas (# 20791) und der Magistros und Logothetes Symeon (# 27504) beteiligt sowie der noch junge und am Anfang seiner Karriere stehende “einfache Richter” Eustathios Romaios (# 21870). Die höherrangigen Richter T., Tepeiganos, Bardas und Symeon vertraten alle eine Meinung zu dem Fall, während der junge Eustathios Romaios eine abweichende Auffassung vertrat, aber den Magistros Symeon von dieser überzeugen konnte, der dann den Eustathios vor allen anderen lobte und zugab, daß er, Symeon, und die anderen, also auch T., den Fall falsch beurteilt hätten (Peira 64,1).

Dieser Prozeß (Peira 64,1) muß am Ende der aktiven Zeit des T., aber zugleich zu Beginn der Karriere des sicher am Ende der 1030er Jahre noch lebenden Eustathios Romaios gestanden haben, weshalb er mit größter Wahrscheinlichkeit ungefähr in die Dekade zwischen 990 und 1000 datiert wird (7).

Nach T.s Tod schrieb Ioannes Geometres (# 23092) ein Grabepigramm auf T., in dem Dike (Δίκη), das personifizierte Recht, um den “gerades Recht sprechenden” T. (ἰθυδίκης Θεόδωρος) trauert und in dem die Gesetze (νόμοι) aufgefordert werden, zu klagen, daß nun niemand mehr Dike zur Gattin haben und zugleich rein bewahren werde.

Anmerkungen: — (1) Wohl am Anfang der Alleinherrschaft von Konstantinos VII., nach dem großen Gefangenenaustausch mit den Arabern im Oktober 946; cf. auch Theoph. cont. 443,13-23. — (2) Cf. Svoronos, Novelles 106; McGeer, Land Legislation 69. Schminck, in: FM 11 (2005) 280f. Anm. 69, datierte die Novelle jedoch auf “ca. 949”, weil die Novelle wegen ihrer ausdrücklichen Erwähnung der zum Dienst in der Flotte verpflichteten Seeleute von Aigaion Pelagos, Samos und Kibyrrhaioton (τοὺς ἐπὶ τὸν στόλον ἀποτεταγμένους πλωΐμους τοῦ τε Αἰγαίου πελάγους καὶ τῆς Σάμου καὶ τῶν Κιβυρραιωτῶν, in: Svoronos, Novelles, Nr. 5, p. 118,13f.) in einen Zusammenhang mit dem Feldzug gegen Kreta im Jahre 949 zu stellen sei. — (3) Svoronos beobachtete jedoch, daß die Novelle gar nicht auf die in inhaltlichem Zusammenhang stehende Novelle des Theophilos vom März 947 (Svoronos, Novelles, Nr. 4; Ius [Zepos] I, p. 214–217; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 656) Bezug nimmt, sondern im Gegenteil gar keine vorherige Gesetzgebung kennt, in der schon einmal auf die Stratiotengüter eingegangen worden wäre, so daß sich ihm der Eindruck aufdrängte, daß die Novelle über die Stratiotengüter eventuell sogar älter als die Novelle vom März 947 sein könnte (p. 107). Er nahm daher an, daß die Novelle über die Stratiotengüter und die Novelle vom März 947 ursprünglich nur zwei Teile einer einzigen Novelle darstellten, die dann vom Quaestor Theophilos im März 947 promulgiert worden wäre. Wenn Svoronos’ Hypothese korrekt ist, dann ist ein Amtsantritt T.s im Jahre 947 nicht zwingend anzunehmen. T. wäre in diesem Falle zu einem unbekannten Zeitpunkt nach 947 Quaestor geworden. Svoronos’ These fand jedoch keine Anhänger. — (4) Schminck, in: FM 11 (2005) 281 Anm. 70, datiert diese Novelle ca. 949 (sie dürfte nicht lange nach der ersten Novelle zu den Gerichtsgebühren [Dölger–Müller, Regesten Nr. 674], die noch von T.s Vorgänger Theophilos formuliert worden war, verfaßt worden sein). — (5) Schminck, in: FM 11 (2005) 281 Anm. 73, datiert die auf die Mißernte folgende starke Preiserhöhung für Weizen und Getreide (cf. Ps.-Symeon 759,12-16) in den Oktober 961 und vermutet für die Antwort des T. daher eher Winter 961/62 oder Frühjahr 962. — (6) Cf. Schminck, op. cit. 282. Der Epilog ist nur in einer einzigen Handschrift, dem Cod. Zabord. Νικάνορος 121, überliefert. Während Svoronos (p. 143) auf der Grundlage der Überlieferung der Appendix A der Synopsis maior auf März 962 (März 5. Indiktion; 6470 a. m.) datiert hatte, wies Burgmann (in: Rechtshistorisches Journal 13 [1994] 477) auf die Datierung in der Rubrik des Cod. Zabord. Νικάνορος 121 hin, der zufolge es sich um eine 2. Indiktion und das Weltjahr 6467 handelte, und erwog deshalb eine Datierung des Edikts auf März 959, so daß es von Kaiser Konstantinos VII., nicht von Romanos II., erlassen worden sein müßte. Burgmanns Umdatierung folgten McGeer, Land Legislation 82, und Dölger–Müller, Regesten Nr. 670a [690]). Schminck betonte jedoch jüngst, daß an der Datierung in das Jahr 962 und an der Zuschreibung an Kaiser Romanos II. festzuhalten sei. — (7) Cf. Oikonomides, in: FM 7 (1986) 171: “this must have been in the last years of the Xth century”; cf. Svoronos, Novelles 154: “dernier quart du Xe siècle”.

Q: — (Hist.): Kleinchroniken I 14,55, p. 139f. (Chron. Cambridge). — (Vers.): Ioannes Geometres, Grabepigramm auf T. —  Ἡρῷον εἰς τὸν μάγιστρον Θεόδωρον τὸν Δεκαπότην (recte: Δεκαπολίτην) (14 vv.), ed. Cramer, p. 297,28 – 298,12. — (Sonst.): Peira 64,1, in: Ius (Zepos) IV 237,21; Rubriken zur Novelle des Konstantinos VII. über die Stratiotengüter, ed. Svoronos, Novelles, Nr. 5, p. 116, z. B. Rubrik Nr. 4: Νεαρὰ νομοθεσία ... ἣν ὑπηγόρευσε Θεόδωρος πατρίκιος καὶ κοιαίστωρ ὁ Δεκαπολίτης = Ius (Zepos) I, Coll. III, Nov. VIII, p. 222, s. dazu jedoch Svoronos, Novelles, p. 107f.; Rubrik zur 2. Novelle des Konstantinos VII. über die Gerichtsgebühren (περὶ ἐκταγιατικῶν), in: Ius (Zepos) I, ColI. III, Nov. IX, p. 227; Rubrik zur Entscheidung (von ca. 961) über die Rückerstattung der Kaufsumme bei Annullierung eines Grundstücksverkaufes, in: Svoronos, Novelles, Nr. 6, p. 134: λύσις ... ἣν ὑπηγόρευσε Θεόδωρος μάγιστρος ὁ Δεκαπολίτης = Ius (Zepos) I., Coll. III, Nov. XV p. 240; Procheiron Auctum IX,14, in: Ius (Zepos) VII, 94 = Zachariae von Lingenthal, Ius Graeco-Romanum VI, Leipzig 1870, p. 110: τῶν εὐλογιμοτάτων ἀνδρῶν τοῦ τε μακαρίτου μαγίστρου τοῦ δεκαπολίτου καὶ ...; Τιπούκειτος, Lib. XXIX, titulus I, 119, ed. S. Hoermann – E. Seidl, Vatikan 1943, p. 135,3f.: ὡς ὁ Δεκαπο(λί)τ(ης) φη(σί). Unsicher: Epilog zum Edikt des Romanos II. über die Stratiotengüter, ed. Svoronos, Novelles, Nr. 7, p. 150 (ohne Namensnennung, nur: ὁ ... μάγιστρος). — (Sg.): Ötüken–Ousterhout, in: Anatolian Studies 39 (1989) 139f. = Seibt, in: SBS 7 (2002) 129f. = Bauer–Klein, in: Millennium-Jahrbuch 1 (2004) 426: Θεοδώρῳ πατρικίῳ καὶ κοιαίστωρι τῷ Δεκαπολίτῃ. Seibt, in: SBS 7 (2002) 130: Θεοδώρῳ μαγίστρῳ τῷ Δεκαπολίτῃ.

L: ODB III 2043. — Lemerle, Agrarian History 86. 98–100. 116. 126. 178 Anm. 1; Kaplan, Hommes 429f. (zur Novelle des Konstantinos VII. über die Stratiotengüter); 431–433 (zur Entscheidung über Rückerstattung); 433f. (zum Edikt des Romanos II. über die Stratiotengüter); Svoronos, Novelles 105–109. 129f. 154; McGeer, Land Legislation 69 mit Anm. 3; 77f.; Seibt, in: SBS 7 (2002) 129–131; Lauxtermann, Poetry 146; Dölger–Müller, Regesten Nr. 673. 675. 688a (in Nr. 674 irrtümlich genannt); Schminck, in: FM 11 (2005) 280–283; van Opstall 8. 553 (Nr. 96).

P: Die Novelle gegen die Dynatoi vom März 947 (Svoronos, Novelles, Nr. 4, p. 98–103 = Ius [Zepos] I, p. 214–217) scheint von Kazhdan (in: ODB III 2034) dem T. zugewiesen zu werden, gehört jedoch nicht T., sonderm dem Quaestor Theophilos (# 28154), dem Amtsvorgänger T.s, cf. Svoronos, Novelles 108. Wenn die beiden Novellen, d. h. die Novelle gegen die Dynatoi vom März 947 (Dölger–Müller, Regesten Nr. 656) und die Novelle über die Stratiotengüter (Dölger–Müller, Regesten Nr. 673), ein und demselben Quaestor zuzuweisen sein sollten, wofür es Svoronos zufolge einige Indizien gebe, dann dem Theophilos und nicht T. (s. o. Anm. 3). — Dölger–Müller, Regesten Nr. 674, weisen T. auch noch die erste Novelle des Konstantinos VII. über die Gerichtsgebühren (Ius [Zepos] I, Coll. III, Nov. VII, p. 218–221) zu, doch ist auch diese unter dem Namen des Quaestors Theophilos überliefert (laut Zepos, ibidem Anm. 2, und Svoronos, Novelles 108 Anm. 305, schreibt nur der Cod. Paris. gr. 1388: θεόδωρος), so daß Dölger–Müllers Zuweisung wohl als irrtümlich anzusehen ist, cf. Schminck, in: FM 11 (2005) 277f. Anm. 49. — Möglicherweise identisch mit einem zwischen 963 und 969 ohne Namen erwähnten Dikastes (# 31455).

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