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3. Wissenskonstitution im Text

Andreas Gardt

Abstract

Die Frage nach der Korrelation von Texten und Formen des Wissens legt eine Unterscheidung in einen engen und einen erweiterten Wissensbegriff sowie in deklaratives und prozedurales Wissen nahe. Einem engen Wissensbegriff, der auf das Gesicherte, definitiv Bestimmbare des Wissens abhebt, entsprechen prototypisch Fachtexte, während ein erweiterter Wissensbegriff all das berücksichtigt, was im Vollzug der Rezeption schriftlicher Texte gleich welcher Art vom Leser als Bedeutung (einschließlich der im Text angelegten Wirkungsintention) konstruiert wird. ‚Wissen in Texten‘ umfasst dann alles, was im Bewusstsein des Verstehenden durch die textuelle Evokation entsteht. Im Hinblick auf die Dichotomie von deklarativem und prozeduralem Wissen dominiert in Texten deutlich Ersteres über Letzterem. Wissen in Texten wird - legt man einen erweiterten Wissensbegriff zugrunde - durch die Bedeutungen der textuellen Zeichen geschaffen: In der Textrezeption erfahrene Bedeutung ist Wissen. Eine Beschreibung der Wissenskonstitution in Texten heißt also, die Formen textueller Bedeutungskonstitution zu beschreiben. Eine besondere Rolle spielen dabei: die semantische Emergenz (Übersummativität) von Texten, der konstruktive Charakter der Bedeutungs-/Wissensbildung, das Verhältnis einzelner Textkonstituenten zum Ganzen der Textbedeutung (hermeneutischer Zirkel/Rezeptionsverlauf bottom up - top down), die Spezifik punktueller vs. flächiger Formen der Bedeutungs-/Wissenskonstitution, die Rolle der Verfasserintention, die Spezifik von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, die Methoden textueller Bedeutungs-/Wissensanalyse.

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