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2. Diskurslinguistik und Wissenssoziologie

From the book Handbuch Diskurs
Reiner Keller

Abstract

Die Wissenssoziologie beschäftigt sich als soziologische Teildisziplin mit der Rolle von Wissen in gesellschaftlichen Zusammenhängen. Zugleich ist sie bereits in der soziologischen Klassik als Theorie- und Forschungsperspektive zu verstehen, die sich auf alle Gegenstände der Disziplin richten kann: Wenn die heterogenen, widersprüchlichen, wetteifernden symbolischen Strukturierungen, mit denen menschliche Kollektive das so und nicht anders sein ihrer Wirklichkeit ordnen und dem Handeln zugänglich machen, als Wissen begriffen werden, dann ist schnell einsichtig, dass jeder Gegenstand der Soziologie, jedes gesellschaftliche Phänomen in seiner Wissensdimension untersucht werden kann. Wissenssoziologie ist also sowohl eine unterschiedlich ausbuchstabierbare Theorieperspektive wie auch eine Spezialsoziologie, die sich mit dem besonderen Gegenstand und Weltverhältnis „Wissen“ auseinandersetzt. Nicht immer muss dabei explizit von „Wissen“ gesprochen werden. Wichtige Beiträge zur Entwicklung der Wissenssoziologie wurden u. a. von Karl Marx und Friedrich Engels, von Emile Durkheim, Karl Mannheim, Peter Berger, Thomas Luckmann, Michel Foucault oder Hans-Georg Soeffner geleistet. Der Beitrag skizziert wichtige Stationen dieser Entwicklung und stellt dann aktuelle Perspektiven einer wissenssoziologischen Diskursforschung vor.

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