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4. Diskursgrammatik

From the book Handbuch Diskurs
Marcus Müller

Abstract

Die linguistische Diskursanalyse hat zwar keine eigene Grammatiktheorie hervorgebracht, sich aber sehr wohl immer wieder auf Grammatiktheorien (bzw. diese einschließende Sprachtheorien) berufen, v. a. auf die functional grammar, die funktionale Pragmatik und die construction grammar. Diese weisen eine Reihe von Gemeinsamkeiten auf, die als grundlegend für die Vorstellungen von Grammatik innerhalb der linguistischen Diskursanalyse gelten können: Grammatik (im gegenstandsbezogenen Sinne des Wortes) formiert sich demgemäß philo- und ontogenetisch im Sprachgebrauch und ist kein autonomes Modul, sondern derjenige Aspekt von Sprache als sozio-semiotischer Praxis, der die syntagmatische Musterhaftigkeit betrifft. Dementsprechend erhalten sprachliche Muster ein Kontextualisierungspotenzial hinsichtlich der Epochen, Situationen, Themen, sozialen Sprecherrollen, Medien und kommunikativen Gattungen bzw. Genres ihres Gebrauchs. In diesem Konzept ergeben sich eher kontexttranszendierende grammatische Phänomene (z. B. Restriktionen der Vorfeldbelegung im Deutschen) und eher kontextsensitive Phänomene (z. B. Nominalisierungstendenzen, Muster im Partikelgebrauch oder logisch-kombinatorische Effekte des Gebrauchs von Konnektoren). Die Forschung innerhalb der Diskurslinguistik (inklusive der Critical Linguistics, der verschiedenen Spielarten der Discourse Analysis und der sprachkritischen Linguistik in Deutschland) konzentriert sich begreiflicherweise auf die kontextsensitiven Phänomene. Mittels derer werden etwa soziokommunikative Asymmetrien, ideologische Voreinstellungen oder epistemische Grundfiguren analysiert. Der Handbuchbeitrag stellt den oben angedeuteten theoretischen Hintergrund dar und stellt Ergebnisse einschlägiger Forschungen vor.

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