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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter 2019

5. Sprachreflexion und Diskurs: Theorien und Methoden der Sprachideologieforschung

Brigitta Busch

Abstract

Meinungen zu, Bewertungen von und Urteile über Sprache(n) und Sprachgebrauch sind zentraler Forschungsgegenstand der Sprachideologieforschung, die sich ab den 1980er-Jahren ausgehend von der amerikanischen linguistischen Anthropologie vor allem im englischsprachigen Raum rasch etablieren konnte und heute ein breit verästeltes Feld bildet, das kaum noch zu überblicken ist. Es umfasst das Interesse an alltagsweltlicher Sprachreflexion oder an öffentlichen Sprachdebatten in der politischen Arena ebenso wie eine kritische Auseinandersetzung mit Grundannahmen der eigenen Disziplin. In diesem Kapitel werden drei mögliche Sichtweisen auf sprachideologische Phänomene diskutiert, die zugleich unterschiedliche Ebenen in den Mittelpunkt rücken, auf denen sich Sprachideologien manifestieren: Während die anthropologisch orientierte Forschung ihr Augenmerk auf Prozesse wechselseitiger metapragmatischer Bewertungen in alltagsweltlichen Kommunikationssituationen richtet, interessieren sich diskursanalytisch geprägte Ansätze primär für die (produktive und Zensur ausübende) Macht öffentlich gemachter, diskursiv verfestigter sprachideologischer Einstellungen, Normen und Kategorisierungen. In einem biographisch orientierten Zugang schließlich steht die Erlebensperspektive des körperlichemotional verfassten Subjekts im Vordergrund, das sich gegenüber wechselnden, einander oft widersprechenden Sprachideologien auszurichten hat. Eine Möglichkeit, die drei Sichtweisen zusammenzuführen liegt, so wird in diesem Artikel argumentiert, im Konzept der sozialen Positionierung, das danach fragt, wie Subjekte sich anhand ihres Sprachgebrauchs gleichzeitig zueinander, gegenüber verfestigten Sprachideologien und - mittels ‚Techniken des Selbst‘ - zur eigenen Erfahrungswelt positionieren.

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