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Gestalterfassung und die Entstehung geometrisch-optischer Täuschungen im Rahmen des Konzepts der Vorstellungsproduktion

Helmuth P. Huber

Zusammenfassung

Mit seiner 1890 veröffentlichten Abhandlung „Über ‚Gestaltqualitäten‘“ leistete Christian von Ehrenfels eine wichtige Vorarbeit für die Theorie der Gegenstandsfudierung von Alexius Meinong. Mit der Theorie der Vorstellungsproduktion, die zu einem Markenzeichen der Grazer Schule der Psychologie wurde, hat Rudolf Ameseder den Versuch einer psychologischen Interpretation des Fundierungsbegriffs unternommen. Es wurde angenommen, dass es eines speziellen psychischen Vorgangs (eines sogenannten Produktionsprozesses) bedarf, damit ein bestimmter Vorstellungskomplex als eine Gestalt aufgefasst werden kann. Die experimentellen Untersuchungen zur Produktionstheorie wurden vorzugsweise mit geometrisch-optischen Tauschungen durchgeführt, die als Falle einer inadäquaten Gestaltauffassung betrachtet wurden. Um einen Eindruck von der experimentellen Vorgangsweise zu vermitteln, wurde eine Untersuchung von Vittorio Benussi ausgewählt, in der durch die stroboskopische Darbietung von Phasenbildern des Zöllner’schen Figurenmusters zwei Arten von Scheinbewegungen identifiziert werden konnten. Die Berliner Schule der Gestaltpsychologie sah in den Befunden von Benussi keinen Hinweis auf die Existenz eines für die Gestalterfassung erforderlichen Produktionsprozesses. Christian von Ehrenfels war von den hervorragenden Leistungen Benussis sehr beeindruckt. Aus den 1937 posthum erschienen Ausführungen von Ehrenfels geht allerdings nicht hervor, ob er zur Auffassung der Grazer Schule oder eher zu jener der Berliner Schule tendierte.

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