Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter 2019

Vom Sprechen zur Sprache. Versuch über die variationslinguistische Praxis des Begrenzens

Christoph Purschke

Abstract

Der Beitrag analysiert die in der Variationslinguistik etablierte Praxis der Grenzziehung zwischen Sprachraumen, Varietaten und Sprechlagen aus handlungstheoretischer Sicht. Ausgehend von der Diagnose, dass Grenzen in der wissenschaftlichen Praxis zwar als Konstrukte behandelt, nicht aber in Bezug auf ihren Handlungscharakter analysiert werden, wird der Versuch unternommen, einen an der (wissenschaftlichen wie lebensweltlichen) Praxis geschulten Begriff von Grenze - im Unterschied zu Begrenzungen - zu entwickeln. Dabei werden Grenzziehungen hinsichtlich dreier Handlungshorizonte bestimmt, mittels deren die Bedingungen ihres praktischen Vollzugs, ihrer Zweckbindung sowie ihrer ideologischen Legitimation aufgespannt werden. Grenzziehungen (als Prozess und Ergebnis) werden demnach in Form von Auslegungen praktisch vollzogen, um auf Basis spezifischer Motive bestimmte Zwecke zu realisieren, zu denen die Handlung des Begrenzens selbst das Mittel darstellt. Ausgehend von diesem Grenzbegriff wird eine Systematik variationslinguistischer Grenzziehungen (Purschke 2011) aktualisiert und zu einem Modell areallinguistischer Begrenzungen erweitert, das zwischen linguistisch-systemischen und individuell- subjektiven Aspekten wissenschaftlicher Grenzen unterscheidet.

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